Profilbild von stefan182

stefan182

Lesejury Star
offline

stefan182 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit stefan182 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.02.2025

Ein bildgewaltiger, intensiver historischer Roman

Tod und Teufel
0

Inhalt: 1260. Jacop der Fuchs, seines Zeichens Dieb und Herumtreiber, befindet sich gerade auf einem Apfelbaum im Garten von Konrad von Hochstaden, dem Erzbischof von Köln, um ein paar Äpfel zu stibitzen, ...

Inhalt: 1260. Jacop der Fuchs, seines Zeichens Dieb und Herumtreiber, befindet sich gerade auf einem Apfelbaum im Garten von Konrad von Hochstaden, dem Erzbischof von Köln, um ein paar Äpfel zu stibitzen, als ihm auf einem Gerüst der nahe gelegenen Dombaustelle zwei Personen gewahr werden: Die eine stößt, die andere stürzt. Jacop eilt zu dem Gestürzten, er-kennt in ihm den Dombaumeister Gerhard, kann ihm aber nicht mehr helfen: Nachdem Gerhard Jacop eine letzte Botschaft zuraunt, haucht er sein Leben aus. Und plötzlich ist Jacop unfreiwillig Teil eines mörderischen Komplotts…

Persönliche Meinung: „Tod und Teufel“ ist ein historischer Roman von Frank Schätzing. Handlungsort des Romans ist das mittelalterliche Köln, das facettenreich sowie atmosphärisch intensiv dargestellt wird: Man besucht mit Jacop die Dombaustelle, begibt sich auf Diebeszü-ge durch die Marktstände auf dem Heumarkt, stromert durch Berlich, Filzengraben und Se-verinstraße (Man merkt es schon: Für Kölner*innen ist „Tod und Teufel“ eine Pflichtlektüre). Die Handlung strotzt nur so vor Historischem: Kölner Stadtgeschichte (z. B. der Bau der Stadtmauer oder die Verwaltung der Stadt) und globale Ereignisse (z. B. die Kreuzzüge) spie-len ebenso eine Rolle wie zeitgenössische Diskurse über die Theologie. Der historische Hinter-grund ist dabei fundiert recherchiert. So wird insgesamt eine Welt erschaffen, in die man wirklich schön abtauchen kann. Erzählt wird der Roman aus unterschiedlichen personalen Per-spektiven, wobei Jacop den Ankerpunkt bildet. Die Figuren werden mit ihren Ecken und Kan-ten lebendig und dreidimensional gezeichnet, sodass man unweigerlich mit ihnen bangt und fühlt. Wer der Mörder ist, steht zwar schon zu Beginn der Handlung fest, allerdings hat das für mich nicht das Lesevergnügen geschmälert. Denn: Die Mörderfigur umwogt etwas Myste-riöses, das erst zum Schluss aufgelöst wird und so latent für Spannung sorgt. Insgesamt ist „Tod und Teufel“ ein atmosphärisch dichter historischer Roman mit lebendigen Figuren, an dem insbesondere (aber nicht nur!) Geschichtsinteressierte ihre Freude haben werden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.02.2025

Ein zeitloser Jugendbuchklassiker

Krabat
0

Inhalt: Krabat zieht gerade mit zwei anderen Waisenjungen als Heilige Drei Könige durch die Lande, als er mehrfach einen seltsamen Traum hat: Eine Stimme befiehlt ihm, die Mühle in Schwarzkollm aufzusuchen. ...

Inhalt: Krabat zieht gerade mit zwei anderen Waisenjungen als Heilige Drei Könige durch die Lande, als er mehrfach einen seltsamen Traum hat: Eine Stimme befiehlt ihm, die Mühle in Schwarzkollm aufzusuchen. Kurzerhand verlässt er die beiden anderen „Könige“ und begibt sich auf die Suche nach der Mühle. Dort angekommen, wird schnell klar: Nicht nur das Mül-lern wird er hier lernen…

Persönliche Meinung: „Krabat“ ist ein Jugendbuchklassiker von Otfried Preußler, der einer-seits Elemente der Phantastik und andererseits Coming of Age-Elemente besitzt. Die Phantas-tik findet sich insbesondere im Handlungsort der Mühle, denn diese ist – so viel sei verraten – eine Schwarze Schule, in der Magie gelehrt wird (Krabat kann insofern als früher Harry Potter gesehen werden). Innerhalb dieser magischen Zone passiert allerlei Mysteriöses, was für Kra-bat, aus dessen (personaler) Perspektive erzählt wird, nicht von Beginn an zu durchschauen ist. Diese Rätselhaftigkeiten sorgen für eine latente Spannung innerhalb der Handlung. Daneben ist „Krabat“ auch ein Coming of Age-Roman: Die Handlung erstreckt sich über drei Jahre, in denen Krabat erwachsener wird. So lernt er neue Freunde kennen, verliebt sich und lernt, Ver-antwortung zu übernehmen. Der Ton von „Krabat“ ist über weite Strecken eher düster, aller-dings finden sich immer wieder schwankhafte Zwischengeschichten, die den Roman auflo-ckern. Die Handlung von „Krabat“ ist perfekt konstruiert: Gestreute Brotkrumen werden in späteren Kapiteln geschickt aufgegriffen. Zudem finden sich am Ende einzelne unerwartete Wendungen (erwachsene Leserinnen werden diese vermutlich erahnen können, für Lesean-fängerinnen können sie aber durchaus überraschend sein). Die Sprache in „Krabat“ ist aus-drucksstark und fesselnd, erzeugt dadurch unweigerlich Spannung, sodass man „Krabat“ kaum beiseitelegen kann. Insgesamt ist „Krabat“ ein zeitloser Jugendliteraturklassiker, der auch beim erneuten Lesen seine Spannung voll entfalten kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.02.2025

Ein fesselnder Roman mit liebevoll ausgestalteten Figuren

Zwei Leben
0

Inhalt: Salach, ein kleines Dorf, 1971. Roberta kehrt von ihrer Schneiderlehre in der Stadt auf den Hof ihrer Eltern zurück. Eigentlich möchte sie Kleider designen, doch ihre Eltern haben andere Pläne: ...

Inhalt: Salach, ein kleines Dorf, 1971. Roberta kehrt von ihrer Schneiderlehre in der Stadt auf den Hof ihrer Eltern zurück. Eigentlich möchte sie Kleider designen, doch ihre Eltern haben andere Pläne: Da Roberta Einzelkind ist, soll sie den Hof übernehmen – was zu Reibereien führt. Einziger Lichtblick: Wilhelm, des Pfarrers Sohn, mit dem Roberta als Kind schon befreundet war, den sie nun aber ganz neu kennenlernt…

Persönliche Meinung: „Zwei Leben“ von Ewald Arenz wird aus zwei personalen Perspektiven erzählt: Auf der einen Seite begegnen wir der bereits im Inhaltsteaser vorgestellten Roberta. Daneben trifft man auf Gertrud, die Mutter von Wilhelm. So unterschiedlich die beiden Figuren sind – lange Strecken des Romans kennen sie sich gar nicht wirklich –, geeint sind sie in ihrer Stärke: Beide sind auf der Suche nach ihrem Selbst, sehen sich mehr und mehr vom dörflichen Mikrokosmos eingeengt, der durch Vorurteile, Rollenbilder und Erwartungen geprägt ist (vor diesem Hintergrund nimmt „Zwei Leben“ Züge eines Gesellschaftsromans/Sittengemäldes an). Die Selbstfindungsprozesse der Protagonistinnen werden innerhalb des Romans verschiedenartig aufgefächert: Während die eine Generation ältere Gertrud sich aufgrund der dörflichen Zwänge teilweise verbietet, ihren Weg zu gehen, ist Roberta offener: Robertas Entwicklung ähnelt einem klassischen Coming of Age: So kapselt sie sich (nicht konfliktfrei) von ihren Eltern ab, findet ihre erste Liebe und ist insgesamt liberaler als die Dorfgemeinschaft. Ein Highlight des Romans war für mich der Großvater von Roberta. Zu viel will ich hier nicht verraten. Nur: Er hat einen großen Anteil an Robertas Entwicklung und ich glaube, es wird niemanden geben, der Robertas Großvater nicht lieben wird. Die Handlung selbst ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle: Szenen voller Glück finden sich neben Szenen voller Tragik; wenige der Wendungen des Romans kann man erahnen. Bei all dem erzählt Ewald Arenz dicht und empathisch, sodass sehr lebendige Szenen entstehen. Insgesamt ist „Zwei Leben“ ein sehr flüssig zu lesender Roman mit liebevoll ausgestalteten Protagonisten und einer fesselnden Handlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.01.2025

Ein Fantasyroman, der typische Muster umgekehrt, allerdings zum Ende hin zu rasch erzählt wird

Ich fürchte, Ihr habt Drachen
0

Inhalt: Reginald ist Drachenfänger – ein Beruf, den er von seinem Vater übernommen hat. Dementsprechend ist er der erste Ansprechpartner, als König Antoine und Königin Hélène entdecken, dass ihr Schloss ...

Inhalt: Reginald ist Drachenfänger – ein Beruf, den er von seinem Vater übernommen hat. Dementsprechend ist er der erste Ansprechpartner, als König Antoine und Königin Hélène entdecken, dass ihr Schloss ein Hort kleiner und mittelgroßer Drachen ist: Zur Vermählung ihrer Tochter Cerise sollen alle Drachen beseitigt werden. Reginald macht sich widerstrebend an die Arbeit – eigentlich mag er Drachen ganz gerne und möchte sie nicht wie Ungeziefer behandeln –, doch plötzlich erscheinen ausgewachsene, feuerspeiende Drachen am Horizont….

Persönliche Meinung: „Ich fürchte, Ihr habt Drachen“ ist ein Fantasyroman von Peter S. Bea-gle. Erzählt wird die Handlung von einem allwissenden Erzähler, der einerseits in die Perspek-tiven verschiedener Figuren (insbesondere Reginald und Cerise) schlüpft, andererseits die Handlung mit einer großen Portion Humor erzählt, wodurch einzelne Fantasyelemente augen-zwinkernd aufs Korn genommen werden. Ebenso wie die Erzählweise hat mir auch die origi-nelle Ausgangslage des Romans gefallen: Wir treffen auf einen Drachenfänger, der Drachen nicht töten möchte, eine Prinzessin, die durch das Erlernen der Schrift/des Lesens aus ihrer Rolle als „damsel in distress“ herausbrechen möchte, und einen Prinzen, der lieber nicht König werden möchte. Man merkt schon: Die typischen Fantasymuster werden auf links gedreht. Die Handlung beginnt behutsam – für mich aber im genau richtigen Tempo. Man lernt Regi-nald, seine Familie und Freunde sowie die Königsfamilie und die Handlungsorte ausführlich kennen und verliert sich mehr und mehr in der literarischen Welt. Nach etwa der Hälfte des Romans nimmt die Handlung abrupt an Fahrt auf – was für mich leider den Charme von „Ich fürchte, Ihr habt Drachen“ nahm: Der Roman mutiert zu einem klassischen Abenteuerroman, was prinzipiell nicht schlecht ist. Allerdings ist der nun leitgebende Konflikt nicht in der ersten Hälfte des Romans angelegt; er ploppt – genau wie (plötzlich) wichtige Figuren – eher unmotiviert auf, sodass der Roman insgesamt nicht mehr organisch auf mich wirkte. Zudem wird die zweite Hälfte des Romans recht rasch erzählt, sodass die großen Themen, die hier angesprochen werden (Freundschaft, Liebe, Selbstfindung, Rache) eher sporadisch (und für mich nicht abschließend) behandelt werden konnten. Insgesamt besitzt „Ich fürchte, Ihr habt Drachen“ eine grandiose erste Hälfte mit vielen tollen Ansätzen, die sich für mich leider durch die rasch erzählte zweite Hälfte nicht zu ihrer vollen Blüte entwickeln konnten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.01.2025

Eine Sammlung atmosphärischer Gruselgeschichten im winterlichen Setting

Schaurige Nächte
0

„Schaurige Nächte“ ist eine Anthologie unheimlicher Geschichten im winterlichen Setting, an der acht unterschiedliche Autorinnen mitgearbeitet haben. Den Beginn macht Bridget Collins mit „Eine Studie in ...

„Schaurige Nächte“ ist eine Anthologie unheimlicher Geschichten im winterlichen Setting, an der acht unterschiedliche Autorinnen mitgearbeitet haben. Den Beginn macht Bridget Collins mit „Eine Studie in Schwarzweiß“ (eins meiner Highlights des Bandes): Wie der Titel schon ankündigt, ist Schach ein wichtiges Motiv der Erzählung. Um diese Motivik spinnt sich eine unheimlich (im zweifachen Sinne des Wortes) atmosphärische Erzählung, die in einem alten, schneebedeckten Herrenhaus spielt, das nicht so verlassen ist, wie es zunächst den Anschein hat. Es folgt „Thwaites Mieter“ von Imogen Hermes Gowar, eine Geistergeschichte, in der – ähnlich wie in „Eine Studie in Schwarzweiß“ – Unheimliches in einem Haus vorgeht. Die drit-te Geschichte „Die Aal-Sänger“ von Natasha Pulley entführt die Lesenden in einen anders-weltlichen Bereich: Die drei Protagonisten der Erzählung möchten an einem abgelegenen Ort die Weihnachtstage verbringen, doch Ort wie Bewohner wirken seltsam opak; das Nebulöse durchzieht die gesamte Handlung, wodurch die Erzählung ungemein originell ist. „Lily Wilt“ von Jess Kidd handelt von einem Gedenk-Fotografen, der sich unsterblich in sein Motiv ver-liebt: eine aufgebahrte junge Frau. Von dieser Ausgangslage aus entspinnt sich eine unge-wöhnliche Geschichte (wie ich sie bisher noch nie gelesen habe), die mit klassischen Horror-Motiven gewürzt ist. Auch Laura Purcells „Chillinghams Rollstuhl“ hat mir sehr gut gefallen: Eine junge Frau ist nach einem Unfall auf einen Rollstuhl angewiesen, der ein Geheimnis in sich trägt. Die Geschichte wird spannend erzählt und besitzt am Ende einen schönen Twist. Ähnlich wie in „Die Aal-Sänger“ spielt auch in der folgenden Erzählung „Das Hängen des Grüns“ von Andrew Michael Hurley das Außerweltliche eine große Rolle. Der Ich-Erzähler, der sich in einer Kirche um Bedürftige kümmert, klärt hier das Schicksal eines seiner Schütz-linge. Insbesondere durch die analytische Erzählweise weiß die Geschichte zu fesseln. Ein kleines Meisterstück ist auch die nächste Geschichte: „Gefangen“ von Kiran Millwood Har-graves. Sie handelt von einer Frau im viktorianischen England, die nach der Entbindung ihr Zimmer nicht verlassen darf – doch sie und das Baby sind nicht alleine dort. Die Gedanken-welt der Frau wird sehr eindrücklich geschildert, die Atmosphäre ist latent bedrohlich und insbesondere der letzte Satz der Erzählung weist auf die Tragik des Erzählten hin. Zudem wird hier, wie die Autorin in einem kurzen Nachwort ausführt, ein gesellschaftlich relevantes Problem literarisch ausdifferenziert. Den Abschluss bildet „Ungeheuer“ von Elizabeth Macne-al, in der die Schattenseiten des Forscherdrangs beleuchtet werden. Es findet sich insgesamt eine Fülle abwechslungsreicher Geschichten in „Schaurige Nächte“, die meist im viktoriani-schen England spielen und dadurch eine besondere Atmosphäre besitzen. Für mich überwie-gen eindeutig die hochkarätigen Geschichten, sodass ich den Sammelband allen Liebha-berinnen von Schauergeschichten, die sich auch in der Weihnachts- und Winterzeit gruseln wollen, ans Herz legen kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere