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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.02.2025

Hinnahme ist nicht gleichbedeutend mit Resignation

Coast Road
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Alan Murrin nimmt uns in seinem ersten Roman "Coast Road" mit in eine irische Kleinstadt etwa um 1994: noch ist Scheidung in Irland verboten, die Männer haben im Hinblick auf ihre Frauen sehr ...

Alan Murrin nimmt uns in seinem ersten Roman "Coast Road" mit in eine irische Kleinstadt etwa um 1994: noch ist Scheidung in Irland verboten, die Männer haben im Hinblick auf ihre Frauen sehr viele Rechte und Freiheiten.

Dennoch hat die verhältnismäßig erfolgreiche Autorin Colette Crowley ihren Mann - und damit ihre Familie, denn ihre drei Söhne durfte sie nicht mitnehmen - verlassen, um in Dublin ein neues Leben anzufangen. Als sie damit scheitert und zurück in die Gegend zieht, verbietet ihr Mann ihr, die Kinder zu treffen.

Izzy ist auch eine, die mehr vom Leben will, aber sie ist im Ort geblieben und hat sich nicht aus ihrer unglücklichen Ehe gelöst. Nach Colettes Rückkehr entwickelt sich zwischen den beiden ein gewisser Kontakt.

Der Autor hat definitiv ein Herz für die Frauen seines Heimatlandes, er schildert eindringlich ihre ausweglose, gezwungenermaßen oft ausweglose Lebenslage, wie sie in dieser Zeit noch gang und gäbe war. Ein eindringlicher, in vieler Hinsicht erhellender Roman, der mich immer wieder geschmerzt hat. Die Charaktere der Frauen (und weniger Männer) sind kraftvoll beschrieben, ich denke, werde sie nicht so schnell vergessen.

Veröffentlicht am 12.02.2025

Dunkler geht es nicht

Dunkle Momente
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Zumindest in einigen der hier dargestellen Fälle von Strafverteidigerin Eva Herbergen ist es der Fall. Wobei man beim Lesen durchaus manchmal den Eindruck hat, dass der Täter das eigentliche Opfer ist. ...

Zumindest in einigen der hier dargestellen Fälle von Strafverteidigerin Eva Herbergen ist es der Fall. Wobei man beim Lesen durchaus manchmal den Eindruck hat, dass der Täter das eigentliche Opfer ist. Genauso gibt es aber auch das direkte Gegenteil, den Mörder, der selbst stolz auf seine Tat ist und sich vor seiner Verteidigerin sogar noch brüstet.

Tatsächlich sind es eine ganze Reihe ausgesprochen unterschiedlicher Fälle, sehr verschiedener Menschen, die hier zu einer lose zusammenhängenden Handlung aneinander gereiht werden, die vom Stil her durchaus noch ausbaufähig wäre, inhaltlich jedoch so unvorhergesehen und überraschend daher kommt, wie man es kaum erwarten könnte.

Dabei schont sich auch die fiktive Erzählerin Herbergen in ihrer Rolle als Strafverteidigerin nicht selbst, sondern zeigt durchaus auch Situationen auf, in denen sie diejenige ist, die aus unterschiedlichen Gründen dumm dasteht, wenngleich diese sich in der Minderheit befinden.

Eine durchaus spannende Lektüre, mehr Tatsachenbericht als Krimi, aber gerade deswegen etwas Besonderes!

Veröffentlicht am 26.01.2025

In der Natur verankert

Middletide – Was die Gezeiten verbergen
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Elijah Leith und seine Freundin Nakita sind seit ihrer Kindheit tief in der Natur um sie herum verwurzelt, sie leben in ihr und mit ihr. Es ist ein bescheidenes Leben für beide, das Nakita genügt, ...

Elijah Leith und seine Freundin Nakita sind seit ihrer Kindheit tief in der Natur um sie herum verwurzelt, sie leben in ihr und mit ihr. Es ist ein bescheidenes Leben für beide, das Nakita genügt, Elijah jedoch nicht. Er zieht nach seinem Schulabschluss nach San Francisco, um dort ein erfolgreicher Schriftsteller zu werden und verpasst darüber das fest vereinbarte Treffen vier Jahre nach seinem Abschied. Es vergehen mehr als zehn weitere Jahre, bis er zurückkehrt als gescheiterter Mann, dessen einzige Publikation sich kaum verkauft hat, so dass sein Verlag nicht bereit ist, weiter mit ihm zu arbeiten. Er baut die Hütte seiner Eltern wieder auf und versucht, sich ein eigenes Leben darin einrichten - durchaus erfolgreich.

Doch einige Zeit später holt ihn seine Vergangenheit in einer Art ein, die er sich nie hätte träumen lassen. Zunächst sieht es so aus, als könnte aus ihm und der inzwischen verwitweten Nakita wieder ein Paar werden, doch er muss erkennen, dass dem viele Umstände im Weg stehen - und es werden noch mehr.

Ein Roman, den ich in einem Rutsch ausgelesen habe - er enthält Botschaften, ebenso wie interessante und wichtige Informationen zum Leben der Native Americans und Elemente eines Spannungsromans. Besonders geeignet erscheint er mir für Leser*innen, die gern über die Verbindung von Menschen zur Natur lesen. Ein warmherziger Roman, in dem jedoch auch die Grausamkeit, zu der Menschen in bestimmten Situationen fähig sind, thematisiert wird

Es ist der erste Roman der Autorin Sarah Crouch und sie versteht es, die Figuren inmitten ihrer Heimat lebendig werden zu lassen. Ihr kraftvoller, empathischer und vielseitiger Stil wird uns hoffentlich noch weitere Lesefreuden bescheren!

Veröffentlicht am 17.01.2025

So war das nicht geplant!

Von hier aus weiter
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Marlene ist frisch verwitwet - und dabei war doch etwas ganz anderes abgesprochen mit Rolf, mit dem sie seit über 30 Jahren verheiratet war. Sie hatte sozusagen eine Familie auf Distanz - seine drei Söhne ...

Marlene ist frisch verwitwet - und dabei war doch etwas ganz anderes abgesprochen mit Rolf, mit dem sie seit über 30 Jahren verheiratet war. Sie hatte sozusagen eine Familie auf Distanz - seine drei Söhne waren bereits vorhanden, als sie im Alter von 37 mit ihm zusammen kam.

Als er nicht mehr konnte und auch nicht wollte, da sah sie auch keinen Sinn mehr in ihrem Leben, aber nun ist er fort und sie ist noch da. Und trifft aus Zufall einen Bekannten aus früheren Zeiten, mit dem jetzt auf Augenhöhe ist: Jack war nämlich in der Grundschule in ihrer Klasse, jetzt hingegen ist er ihr Klempner und zieht bei ihr ein.

Eine ungewöhnliche, berührende Geschichte, die stellenweise fast das Niveau von "Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster" erreicht, es am Ende aber doch leider etwas zu eilig hat, so dass der Schluss aus meiner Sicht etwas knapp ausfällt und der gesamten Handlung nicht ganz gerecht wird.

Dennoch hat es Spaß gemacht, die Charaktere der Autorin Susann Pásztor zu begleiten und näher kennenzulernen!

Veröffentlicht am 16.01.2025

Ein bisschen anders als die mir bisher bekannten Bücher der Autorin

Verlassen
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Dies ist bereits der vierte Krimi der isländischen Autorin Eva Björg Ægisdóttir, den ich gelesen habe und ich muss gestehen, dass ich zunächst etwas verwirrt war, weil sich dieser Band nicht ...

Dies ist bereits der vierte Krimi der isländischen Autorin Eva Björg Ægisdóttir, den ich gelesen habe und ich muss gestehen, dass ich zunächst etwas verwirrt war, weil sich dieser Band nicht so recht in die bisherige Reihe um Ermittlerin Elma einfügen wollte. Im Verlauf der Lektüre wurde dann aber klar, dass er eigentlich den anderen Büchern vorangestellt ist, Elma ist noch nicht als Ermittlerin nach Akranes zurückgekehrt.

Auch die Handlung ist etwas außergewöhnlich, geht es hier doch um eine der reichsten Familien Islands, die sich zu einem Familienwochenende in einem schicken Hotel inmitten der Natur trifft. Alte und neue Verbindungen und ebensolche Differenzen blitzen wieder auf und irgendwann gibt es eine Leiche - oder doch nicht?

Die Autorin vermag die Spannung im großen und ganzen durch ihren Stil - es wird aus der Perspektive unterschiedlicher Charaktere berichtet - zu halten, wenngleich es für mich hilfreich gewesen wäre, wenn manche Fakten früher dargelegt worden wären. Nicht der gelungenste Fall der Autorin Eva Björg Ægisdóttir, aber einer, den ich durchaus gern gelesen habe.