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Aglaja

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.03.2026

Ein harter Weg

Das Tränenhaus. Roman
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Cornelie Reimann, gebildete Tochter aus gutem Hause, landet in der schwäbischen Provinz, in einem für ihre Kreise unpassendem Haus. Es wird das Tränenhaus genannt weil es junge unverheiratete Mädchen beherbergt, ...

Cornelie Reimann, gebildete Tochter aus gutem Hause, landet in der schwäbischen Provinz, in einem für ihre Kreise unpassendem Haus. Es wird das Tränenhaus genannt weil es junge unverheiratete Mädchen beherbergt, die "in der Hoffnung" sind, also in Schande leben.
Anfangs zieht sie sich zurück, die anderen Bewohnerinnen scheinen ihr doch zu ungleich und sie will mit ihrem Schmerz lieber allein sein.

Cornelie ist eine Denkerin und Schriftstellerin, die mit ihren Arbeiten über soziale Missstände ihrer Zeit europaweit Erfolg hat. Sie befasst sich mit Themen über die Frau. Ihr letztes Werk, "Über das Seelenleben eines modernen Kulturweibes" wurde hochgelobt und als"ein Fanal in der Dunkelheit" gepriesen. Nach einer Zeit der selbstgewählten Einsamkeit und Isolation schließt sie sich doch den anderen Mädchen an und öffnet ihren Geist und auch ihr Herz für deren Schicksale. Als ihre Zeit gekommen ist erkennt sie, dass ihre Furcht, ihr Kind nicht lieben zu können völlig unbegründet war. Sie ist sich sicher, dass sie ihre Tochter selbst erziehen wird und das sie das ohne den Vater des Kindes tun will. Das Wesen der Ehe sagt sie,......".ist wohl im letzten Grund immer die Herrschaft und Tyrannei der Frauen über den Mann".

Ihr letzter Satz, ..."ein harten Schädel und einen harten Willen,...denn beides kann ein Weib gebrauchen

Ein Roman aus dem 19.Jahrhundert Gabriele Reuter schreibt in einer Sprache, die nicht mehr die unsere ist, als ob man Fraktur lesen würde, auch die Probleme von denen sie und ihre Generation umgetrieben werden, sind nicht mehr die der heutigen Frauen. Sie schreibt in einer poetischen Sprache, getragen von tiefen Emotionen, die sich in modernen Ohren befremdlich anhören könnten, sie schreibt in Sprachbildern, schwärmerisch, theatralisch, vielleicht sogar manchmal schwülstig, doch alles tief durchdacht und gefühlt.
Es ist schön gerade in dieser Sprache zu lesen!

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Veröffentlicht am 25.02.2026

Eine Kindheit

Immergrün
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Ruth Olshan ist ein Erzähltalent mit literarischer Qualität und großer sprachlicher Kraft. Ihr Buch "Immergrün" ist spannend von der ersten Seite an. Sie geht tief in die Betrachtung des Lebens, bleibt ...

Ruth Olshan ist ein Erzähltalent mit literarischer Qualität und großer sprachlicher Kraft. Ihr Buch "Immergrün" ist spannend von der ersten Seite an. Sie geht tief in die Betrachtung des Lebens, bleibt nie nur an der Oberfläche , sie schreibt stetig reflektierend, sieht genau hin, erkennt genau, berührt die Seele tief. Sie sieht das Wesentliche, sowohl inder inneren, als auch in der äußeren Welt. Im Laufe der Jahre hat sie Abstand gewonnen zu einer teils erschütternden Kindheit, sie konnte alles was sie erlebt hat in große Stärke verwandeln, ohne ihr Mitgefühl und Verständnis zu verlieren. Ihre Erkenntnis der Liebe hat alles Schwere überdauert.

Ruth Olshan ist das Kind von jüdisch-litauischen Emigranten. Sie erlebt das, was viele Emigrantenkinder der ersten Generation kennen. Die Angst vor staatlichen und mitmenschlichen Untiefen ist groß, Sprach- und Hilflosikeit, können die Familien in größte Schwierigkeiten aller Couleur bringen. Oft leben die Eltern rückwärtsgewand, doch die Kinder müssen nach vorne leben in ihre Zukunft hinein. Ein großes Bündel an Konfliktstoff wird dadurch geschnürt. Die Kinder, die ihre Rettung in Büchern finden können, so wie Ruth, werden es schaffen nicht zerrissen zu werden.

Ein lesenswertes, wunderbares Buch!

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Veröffentlicht am 18.01.2025

Flucht

Über allen Bergen
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Ein jüdischer Junge, zwölf Jahre alt, wird von Paris aus auf die Flucht geschickt. Er heißt Vadim, doch jetzt muss er sich an den Namen Vincent gewöhnen. Er fährt, von einer Nonne begleitet nach Chamonix. ...

Ein jüdischer Junge, zwölf Jahre alt, wird von Paris aus auf die Flucht geschickt. Er heißt Vadim, doch jetzt muss er sich an den Namen Vincent gewöhnen. Er fährt, von einer Nonne begleitet nach Chamonix. Zum ersten Mal sieht er die Berge der Alpen, alles ist tief verschneit und zum ersten Mal kann er frei atmen, kann er als Asthmatiker einen unglaublichen Weg beschreiten, ein nie für möglich gehaltenes Leben führen.
Aus dem schwachen Stadtkind Vadim wird ein starker Vincent, der all das macht, was die Vallorcinischen Kinder in der harten Welt am Fuße des Mont Blanc auch machen. Er will verwurzelt sein mit diesem Ort, wie ein Einheimischer will er sein, er beobachtet alles ganz genau und seine zehnjährige Freundin Moinette begreift das und ist stolz darauf und eifrig dabei, ihm ihre Welt zu erklären. Alles was er in Paris noch nie gesehen hat, im Winter die weißen Geheimnisse, die der Schnee in sich birgt, im Sommer die völlig veränderte bunte Welt der warmen Sonne.
Vadim ist Synaesthetiker, er sieht Zahlen, Buchstaben und ganze Worte in Farben. Paris zum Beispiel ist lila, sein Name Vadim ist leuchtend rot, doch seinen neuer Name Vincent sieht er in Grün. Dunkelgrün wie der Wald um das Dorf herum, der Mensch und Tier Schutz bietet. Als er das entdeckt, kann er sich in seinem neuen Namen wohlfühlen, sich geschützt fühlen, so empfindet es der Junge, der noch nie vorher einen Wald gesehen hatte.
Sogar der Lehrer sagte, dass der Wald den Krieg auf Abstand halte.
Vincent sieht seine Welt, wie etwa die Gemälde von Münter oder Kandinsky.
Auch die Sprache und ihre verschiedenen Dialekte ändern ihre Farben mit den jeweiligen Betonungen und Aussprachen, er hat bemerkt, dass Klang und Bedeutung nicht untrennbar miteinander zusammenhängen.
Vadim-Vincent ist eine tiefe Künstlerseele.
...und dann fallen die Worte unerwartet in sein Leben:"Hörst du Vincent? Du musst gehen." Und noch in derselben Nacht muss sich Vincent wieder zurückverwandeln in Vadim.
Sehr schade, dass das Buch hier geendet hat!
Die Autorin hat mit all ihrer dichterischen Kraft die Gewaltigkeit der Natur in den Bergen, die ungeheuere Lebendigkeit und Kraft, die dem Menschen für seine pure Existenz abverlangt wird beschrieben. Man muss diese elementare Welt sehr gut kennen, will man in ihr überleben.
Vadim hatte es auch gelernt, wozu? Wie hat es ihm in seinem späteren Leben gedient?

Die Autorin hat dem Leser einen wunderbaren Text geschenkt, in einer unvergleichlichen Vorsicht und Zartheit beschreibt sie die Wucht der Eindrücke auf den Jungen, wie aus seiner eigenen Künstlerseele entsprungen.
Ihre literarische Sprache ist getragen von Wissen, Verstehen und tiefen Reflexionen. Ein Stück gelungene Literatur im besten Sinne.

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Veröffentlicht am 11.10.2024

Das, was Kinder bezaubert.

Die geheimsten Orte der Welt
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Ein außergewöhnlich schönes und interessantes Buch hat E.A. Seemanns Bilderbande auf den Weg gebracht. Schon der Titel "Die geheimsten Orte der Welt" mit der Beifügung "Betreten auf eigene Gefahr!", lässt ...

Ein außergewöhnlich schönes und interessantes Buch hat E.A. Seemanns Bilderbande auf den Weg gebracht. Schon der Titel "Die geheimsten Orte der Welt" mit der Beifügung "Betreten auf eigene Gefahr!", lässt Kinderherzen höher schlagen. Auch der vorlesende Erwachsene wird manches daraus erfahren, was er vielleicht noch nicht wußte, oder wieder vergessen hat.
Das Kind wird als Du angesprochen, das auf einem fliegenden Teppich zu all diesen außergewöhnlichen Orten reist, z.B., dass es tief im Marianengraben schnell wieder umdrehen sollte, da es sonst Ohrenschmerzen bekommen könnte. Die Texte sind nicht unanspruchsvoll.
Die Illustrationen des Buches von Whooli Chen sind ein bezaubernder Traum, in leicht orientalischer, chinesischer Manier, manchmal an den Jugendstil erinnernd. Ich möchte die meisten dieser Bilder als Poster haben, um mich jeden Tag im Vorübergehen daran zu erfreuen.

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Veröffentlicht am 28.08.2024

Ein Buch, wie das Ballett "Boléro von Maurice Ravel. Ein Buch, über das man ein Buch schreiben könnte.

Mein Mann
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Ein Buch, aufgebaut ähnlich dem Ballett "Boléro" von Maurice Ravel. Eine ständige Wiederholung im gleichen Rythmus mit wachsendem Crescendo, bis zum dramatischen, misstönenden Paukenschlag der Wahrheit.
Der ...

Ein Buch, aufgebaut ähnlich dem Ballett "Boléro" von Maurice Ravel. Eine ständige Wiederholung im gleichen Rythmus mit wachsendem Crescendo, bis zum dramatischen, misstönenden Paukenschlag der Wahrheit.
Der Leser besteigt eine Wendeltreppe der Wochentage und Gedanken, deren immer geiche Spiralen sich im Raum nach oben bewegen, einer Höhe entgegenstreben, einem Endpunkt zu.
Eine Frau von vierzig Jahren, die vermeintlich alles hat, jagt einem Phantom hinterher, dem ewigen Verliebtsein. Sie hat sich durch ihre Ehe die Heilung von all ihren Ängsten versprochen. "In Wahrheit hat mir die Heirat keinen Frieden gebracht." "Verpflichtungen fand ich überall, aber die Liebe nirgends."
Ihr Leben sieht sie von außen, wie ein Theaterstück, in dem jeder eine Rolle spielt. Durch ihr Beharren in ihren inneren Defiziten nimmt sie sich die Chance, eine wahre, umhüllende, tiefe Liebe kennenzulernen, die nicht vom Äußeren lebt.
Ihr Leben ist wie ein Tanz auf einem Seil, gespannt zwischen griechischer Tragödie und Komödie, zum Lachen und zum Fürchten, von süßester Romantik bis zu klarster Berechnung, zwischen Intelligenz und Unreife, zwischen glasklarer Logik und tiefster Verunsicherung, zwischen Aufopferung und grenzenloser Egomanie. Ein Buch zwischen Ideal und Psychiatrie.
Ein Buch, über das man ein Buch schreiben könnte.

Das Buch hat ein anziehendes Cover von einer schönen jungen Frau, die erstaunliche Ähnlichkeit mit der Autorin selbst hat, so wie auch in dem Buch eigene Erfahrungen der Autorin ihren Niederschlag finden

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