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Veröffentlicht am 19.01.2025

Düster und sarkastisch zugleich

Was die Nacht verschweigt: Die Fortsetzung von WAS DIE TOTEN BEWEGT – Eine packende und atmosphärische Erzählung in der Tradition von Edgar Allan Poe
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Alex Easton ist zurück - dieses Mal meldet sich Alex aus Galizien, seiner Heimat. Alex ist nach den Abenteuern im Hause Usher (die Alex nebenbei gesagt nur knapp überlebt hat) nach Hause zurückgekehrt. ...

Alex Easton ist zurück - dieses Mal meldet sich Alex aus Galizien, seiner Heimat. Alex ist nach den Abenteuern im Hause Usher (die Alex nebenbei gesagt nur knapp überlebt hat) nach Hause zurückgekehrt. Freiwillig? Nun ja, wie man es nimmt. Miss Potter will unbedingt die Flora und Funga Galiziens bestaunen. Da kommt Alex um eine Einladung in das Landhaus nur schwer herum. Was er und Angus jedoch im Landhaus vorfinden, hat wenig mit einem gut gepflegten Anwesen gemein. Sein Verwalter ist tot, das Haus verlassen und die Bevölkerung des nahe gelegenen Dorfes misstrauisch. Nur mühsam kann Alex eine neue Köchin, die Witwe B. und ihren Enkel Bors einstellen, die vor Miss Potters Eintreffen durch das Anwesen durchfegen. Doch dann geschehen merkwürdige Dinge.

Ich habe auch dieses Abenteuer von Alex wieder sehr genossen. Die Novelle ist aus Alex‘ Perspektive erzählt, was bedeutet, dass wir nicht nur die trockene sarkastische Ader pulsieren hören, wenn Alex sich zähneknirschend den Anweisungen der Witwe fügt, da sie die einzige ist, die gut kochen kann, sondern auch Alex‘ leise Töne, seine Erinnerungen an den Krieg und an die Zeit als Eidsoldat und an die Wunden, die aus der Zeit geblieben sind.

„Doch was einender erzählt, der tatsächlich eine (Krieg) durchlebt hat, ist, dass der Krieg in Wahrheit ein Ort ist, Man ist dort, und dann verlässt man ihn wieder, doch Orte hören nicht einfach auf zu existieren, nur weil man sie gerade nicht sieht.“ Diese Zwischentöne trifft Kingfisher besonders gut - und genau das ist für mich das herausragende an „Was die Nacht verschweigt“.

Natürlich kommt es auch wieder zu schaurigen Ereignissen, die Alex einige schlaflose Nächte bescheren. Wie es dann letztendlich aufgelöst wird, ist schlüssig, ich bin mir aber noch nicht einig mit mir selbst, ob ich es wirklich befriedigend finde oder nicht. Andererseits ist es wohl die Natur eines Schauerromans, dass eben nicht alles bis ins letzte Detail erklärt wird.

Die Figuren waren wie im ersten Teil wieder einfach gut ausgearbeitet. Neben Alex hatte ich Spaß am (gar nicht verliebten) Angus, an Miss Potter (die ruhig ein bisschen mehr Stagetime hätte haben können) und überraschenderweise auch an Bors, dem Enkel der Witwe, der Alex gar nicht mal so unähnlich ist.

Insgesamt hatte ich vergnügliche, schaurige und eklige Stunden mit der Novelle, sie konnte mich aber nicht ganz so begeistern wie der erste Band. Trotzdem - eine große Empfehlung. Ich hoffe, wir sehen uns wieder, Alex.

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Veröffentlicht am 19.01.2025

Koreanischer Histo-Roman

Das Schweigen der Knochen
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Korea, 1800: Die verwaiste Seol ist bei der Polizei angestellt und soll einen hochrangigen Inspektor bei den Ermittlungen in einem brisanten Mordfall Unterstützung leisten. Während sie dem Geheimnis auf ...

Korea, 1800: Die verwaiste Seol ist bei der Polizei angestellt und soll einen hochrangigen Inspektor bei den Ermittlungen in einem brisanten Mordfall Unterstützung leisten. Während sie dem Geheimnis auf den Grund gehen, entwickelt sich eine Freundschaft zu dem Inspektor - die jedoch auf eine harte Probe gestellt wird, als der Inspektor selbst zum Hauptverdächtigen wird. Seol muss nun alles daran setzen, herauszufinden, was in der Mordnacht wirklich geschah. Doch ihre Neugier kann tödlich sein.

Das Buch lebt von den Ermittlungen und den damit verbundenen tiefen Einblick in die Seele Koreas, in die Straßen, Frauenquartiere und geheimen Plätze, in den Palast und in Schubladen, die eigentlich hätten geschlossen bleiben sollen. Das ist das Blut der Geschichte. June Hur hat die Gabe mit wenigen Worten eine Szenerie zu beschreiben, sodass sich der Lesende, sodass ich mich gefühlt habe, als wäre ich Seols Schatten, die mit ihr auf Holzböden kniet oder sich durchs Unterholz schlägt oder oder oder. Diese farbenprächtige Schilderungen machen Laune und bereichern das Buch ungemein.

Ganz nebenbei erfährt man auch wie es um 1800 in Korea aussah und wie die Verhältnisse der damaligen Zeit waren. Schweigen, Gehorsam, keine Neugierde - das war das Credo für die Frauen, Männer durften Frauen nicht berühren, die nicht zur Familie gehörten oder mit denen sie verheiratet waren - so kommt Seol auch zu ihrem Beruf bei der Polizei. Sie muss die Leichen anstatt des Polizisten berühren, damit sie untersucht werden können. Eine grausige Arbeit, die zudem schonungslos geschildert wird. Generell beschönigt das Buch nichts - grausame Folterungen, schaurige Legenden und Erzählungen und verrenkte Leichname sind an der Tagesordnung und sorgen für Spannung im Buch. Die Geschichte ist ein klassischer Kriminalfall, in dem Seol den Mörder einer jungen Adligen sucht. Manchmal kam sie mir zu überhastet in ihren Schlussfolgerungen vor, zu schnell mit ihrem Urteil - dabei muss man aber auch bedenken, dass sie erst 16 Jahre alt ist. Wir erfahren zudem noch viel über ihre Vergangenheit, in der ein Geheimnis verborgen liegt. Seol als Figur blieb mir jedoch ein bisschen fern. Ganz in ihre Haut schlüpfen konnte ich nie.

Eine spannende Thematik, die in dem Buch behandelt wird, ist der im verborgen ausgeübte Katholizismus und die blutige Verfolgung der Gläubigen - das war sehr interessant und erhellend zu lesen!

Eine spannender, stellenweiser brutaler historischer Roman mit einer jungen Protagonistin, die mir nicht so recht ans Herz wachsen wollte.

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Veröffentlicht am 15.01.2025

Süße Lovestory

Unintentional Love Story 2
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Der zweite Band beginnt nahtlos an der Stelle, an der der der erste endet - Won-young behält in dem kleinen Küstenstädten, in das er sich nach seiner Kündigung geflüchtet hat, den Töpfer Yoon Tae-jun im ...

Der zweite Band beginnt nahtlos an der Stelle, an der der der erste endet - Won-young behält in dem kleinen Küstenstädten, in das er sich nach seiner Kündigung geflüchtet hat, den Töpfer Yoon Tae-jun im Auge - im Auftrag seines ehemaligen Chefs. Denn der junge Künstler steht hoch im Kurs bei dem großen Chef des Unternehmens, hat jedoch schon seit langer Zeit keine neuen Arbeiten mehr präsentiert. Won-young soll ihn im Auge behalten - doch er strauchelt in seiner Mission, sobald sich die Schmetterlinge regen.

Die Zeichnungen sind einfach wunderbar detailliert und zart - und sie passen auch perfekt zur Geschichte, die ebenso unaufgeregt daherkommt wie im ersten Band. Pibi legt viel Wert auf die inneren Monologe der beiden Protagonisten Won und Yoon - so dass ich die beiden gut nachvollziehen konnte. Won musste sich seinen Gefühle in diesem Band stellen und aufhören, sie zu verleugnen - da war der junge Töpfer schon weiter. Das langsame sich annähern war irgendwie wirklich schön zu verfolgen, vor allen Dingen da es nicht die typische Boys Love Story ist. Störend empfand ich allerdings, dass die beiden bei wichtigen Gesprächen unterbrochen wurden - und das mehrfach. Ein Telefonanruf hier, das plötzliche Auftauchen eines Freundes dort. Das hat für das ein oder andere Augenrollen meinerseits gesorgt.

Transportiert durch die Nebencharaktere werden einige Gedankengänge bei Won angestoßen. So viel Raum für die Entwicklung wie im ersten Band bekommen sie jedoch nicht. Schade - ich mochte ihre Auftritte sehr gerne im Band davor und hoffe auf mehr Stagetime im dritten.

Alles in allem hat mir die Geschichte wieder viel Spaß gemacht und bekommt vier Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 10.01.2025

Eindringliche Vorgeschichte

Fractal Noise
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Eine (lose) Vorgeschichte zu Paolinis „Infinitum“? Sein zweiter Ausflug in das SciFi Genre? Das musste ich einfach lesen.

Die Crew des Raumschiffes Adamura macht auf dem scheinbar unbewohnten Planeten ...

Eine (lose) Vorgeschichte zu Paolinis „Infinitum“? Sein zweiter Ausflug in das SciFi Genre? Das musste ich einfach lesen.

Die Crew des Raumschiffes Adamura macht auf dem scheinbar unbewohnten Planeten Talos VII eine unglaubliche Entdeckung. Sie finden einen gigantischen kreisförmigen Abgrund, der so perfekt ist, dass er nur künstlich angelegt sein kann. Eine kleine Forschungstruppe landet auf dem Planeten und macht sich zu Fuß auf den Weg zum Abgrund, um mehr über den Grund und den Erbauer an sich herauszufinden. Doch je näher sie ihrem Ziel kommen, desto mehr gerät ihr Leben in Gefahr.

Der Protagonist - Alex Chrichton - wuchs mir schon nach wenigen Seiten ans Herz. Die Geschichte wird aus seiner Perspektive erzählt und der Leser erhält Einblicke in sein nicht so eindimensionales Seelenleben. Er hat einen großen Verlust zu verarbeiten, und dieser Verlust bleibt das gesamte Buch über präsent und gibt ihm auch viele Male den Anstoß um weiterzumachen oder um Entscheidungen zu treffen. Christopher Paolini behandelt in dem Buch also nicht nur einen potentiellen Erstkontakt zu einer außerirdischen Lebensform, sein Roman hat auch eine starke psychologische Komponente. Wir lernen ihn wie auch seine Freundin Layla sehr gut kennen (und nein, dass ist kein Spoiler, wir erfahren von Laylas Schicksal schon nach wenigen Seiten im Buch). Er hat mit Schuldgefühlen und Trauer zu kämpfen und stürzt sich in die Arbeit - sowohl auf der Mission, als auch später auf der Expedition auf Talos.

Er ist Mitglied eines Teams, dass ziemlich viel Zündstoff bietet - die unterschiedlichen Charaktere kommen in Ausnahmesituationen besonders stark zur Geltung - und das bietet viel Konfliktpotential, das die Abende im Hub oder die Wanderungen durch die Ödnis nicht langweilig werden lässt.

Ich fand es ziemlich spannend, wie Paolini die Spannungskreise immer enger zirkelt. Da ist etwas. Sie wissen nicht genau was. Spüren nur ein undeutliches „Whump“ - und es wird immer stärker, je weiter sie kommen. Und je stärker es wird, desto mehr kommt die Crew an psychische Grenzen. Und ich als Leserin habe es gespürt. Wo Paolinis Sprache und Art zu schreiben Anfangs noch klar und getragen daher kam, würde sie mit jeder Seite wahnhafter und schneller. Erinnerungsfetzen wechselten am Ende staccatoartig mit dramatischen Ereignissen innerhalb des kleinen Mikrokosmos der Expeditionscrew - am Schluss ging es auch ums nackte Überleben.

Das Buch an sich hatte eher den Charakter einer Sozialen Studie in einem SciFi-Setting, als dass er groß auf Technik und auf breite Erklärungen setzt. Mir gefiel es, da ich ein ziemlich charakterbasierter Leser bin und bei Science Fiction Büchern auch nicht alles unterfüttert haben muss, insbesondere bei zusätzlichen Büchern, die neben der eigentlichen Hauptgeschichte erscheinen. Das Ende kam für meinen Geschmack zu hastig - obwohl Paolini wohl genau diesen Denkanstoß bei seinen Lesern setzen wollte. Wer „Infinitum“ schon gelesen hat, der hat nun noch ein bisschen mehr aus dieser Welt. Und wer zuerst zu „Fractal Noise“ gegriffen hat, für den gibt es in „Infinitum“ ein breites SciFi Epos, in dem all eure Fragen beantwortet werden.

Ich vergebe vier Sterne.

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Veröffentlicht am 02.01.2025

Coole Portalfantasy mit Gruselelementen

The Hollow Places
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Als Kara vor dem Nichts steht und nur noch die Möglichkeit hat, in ihr eigenes Kinderzimmer zurückzukehren nach ihrer Scheidung, kommt ihr Onkel Earl mit seinem Vorschlag doch ins Wundermuseum zu ziehen, ...

Als Kara vor dem Nichts steht und nur noch die Möglichkeit hat, in ihr eigenes Kinderzimmer zurückzukehren nach ihrer Scheidung, kommt ihr Onkel Earl mit seinem Vorschlag doch ins Wundermuseum zu ziehen, da er nicht mehr gut zu Fuß ist und Hilfe gebrauchen könnte, wie ein Wink des Schicksals vor. Dort gibt es genug ausgestopfte Tierpräparate, skurrile Skelette und anderen Kram, um sie für drei Leben beschäftigt zu halten. Der Kaffee aus dem Café nebenan ist auch klasse - was will sie also vorerst mehr? Doch dann entdeckt sie hinter einem Loch in der Wand mehr als Holz und Mäuseköttel.

Was habe ich über „The Hollow Places“ schon auf den ersten paar Seiten gelacht. Schon als Kara im Wundermuseum ankommt, wird klar, dass die literarische Reise eine von der skurrilen Sorte sein wird. Skurril, gruselig und zum Niederknien witzig. Kingfisher hat mit diesem Roman, mit dem Wundermuseum und allen voran den Figuren meinen Humor in den schwärzesten Winkel seiner Seele getroffen. Besonders zu Beginn musste ich so herzhaft lachen, dass bald alle Eisschollen aus dem Weg geräumt waren und ich mich ins Abenteuer stürzen konnte.

Kara muss die Scherben ihres Ehelebens zusammen sammeln und braucht wirklich guten Sekundenkleber, um es wieder zu einem unverzerrten Bild zusammenzukleben (na gut, die ein oder andere Schnur oder Kaugummi wären auch nicht schlecht!) - wir starten unter der Prämisse ins Buch. Kara ist Mitte 30 und bringt ein bisschen Lebenserfahrung mit - Danke, Kingfisher! Und sie hatte Sarkasmus wohl zu ihrem Nebenfach im Studium erklärt. Mit ihr entstauben wir die Präparate und finden uns langsam im Wundermuseum zurecht - und ich bin sehr gern mit ihr auf Erkundungstour durch die Gänge gegangen. Simon, der Cafébesitzer, versorgt Kara mit Kaffee und W-LAN und einer guten Portion Freundschaft, füttert ihren Sarkasmus und geht mit ihr im weiteren Verlauf auf ein gruseliges Abenteuer hinter der Vitrine - und das ist wirklich ein verrückter Trip! Voller Gehölz, Bunkern mit ziemlich heftigen Grusel- und Ekelmomenten.

Ein bisschen habe ich dem Wundermuseum nachgetrauert, da ich angenommen habe, dass die beiden die Zeit nach dem Übertritt nur noch in der Parallelwelt verbringen würden - dem war zum Glück nicht so. Die Geschichte entwickelte sich zu einem wahnhaften Trip zwischen Traum und Realität - und koffeingetränkten Nächten.

Ich flog durch die Seiten - der Schreibstil, das Setting war genau meins. Ich wusste bis zum Ende nicht wirklich genau, wohin die Reise gehen würde, bis sich dann schließlich doch noch alles gefügt hat. Vielleicht hätten an der Stelle ein paar Seiten mehr gut getan.

In der Summe hat mich „the Hollow Places“ wirklich gut unterhalten. Ich erfuhr auch erst ganz zum Schluss, dass das Buch von „Die Weiden“ von Algernon Blackwood inspiriert ist - ich hatte nochmal etwas von dem Werk gehört, geschweige denn auch nur ein Wort davon gelesen.

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