Ungewöhnlicher und stiller Roman, der mich trotzdem nicht ganz erreichen konnte
Hey guten Morgen, wie geht es dir?Juno ist Performance-Künstlerin und lebt mit ihrem Ehemann Jupiter in Leipzig. Jupiter ist schwer krank, sitzt im Rollstuhl und verbringt seine Tage komplett zu Hause. Er kann sich kaum mehr als ein paar ...
Juno ist Performance-Künstlerin und lebt mit ihrem Ehemann Jupiter in Leipzig. Jupiter ist schwer krank, sitzt im Rollstuhl und verbringt seine Tage komplett zu Hause. Er kann sich kaum mehr als ein paar Schritte mit dem Rollator durch die enge Altbauwohnung bewegen. Juno schafft den Spagat zwischen der Krankheit ihres Mannes, Geldsorgen, ausbleibenden Jobangeboten und Einsamkeit meist recht gut, nur nachts fühlt sie sich oft allein. Deshalb flüchtet sie sich, sobald Jupiter schläft, in die Welt der Online-Love-Scammer - Männer aus ärmeren Ländern, die mit falschen Fotos vorwiegend ältere Frauen anschreiben um an Geld zu kommen. Juno weiß um diese ausgeklügelten Betrügereien, schreibt mit den Scammern und kann in den Chats sein, wer immer sie möchte- mal verheiratet, mal jünger, mal Partymaus. Eines Tages schreibt sie Benu aus Nigeria an. Schnell enttarnt sie ihn als Scanner, aber anders als die anderen wendet er sich nicht ab, sondern schreibt weiter mit ihr, nun mit wahrer Identität. Er schenkt ihr ein wenig Hoffnung in ihrem trüben Alltag. Auch hier erfindet sie ein neues Leben, sie ahnt aber, dass sie selbst vor der Realität fliehen möchte.
Nach Bekanntwerden des Gewinners des Deutschen Buchpreises 2024 war ich sehr gespannt auf den Roman. Bereits das Cover ist sehr gut und ungewöhnlich gestaltet. Es spiegelt mit den Abbildungen der Götter Juno und Jupiter perfekt den mythologischen Bezug der Namen wider, im Gegensatz dazu steht die plakative gelbe Schrift.
Die Personen im Roman tragen alle Namen der griechischen Mythologie, die ihre Eigenschaften gut wiedergeben: Juno als Göttin der Ehe und Fürsorge, Jupiter als den größten Planeten des Sonnensystems und viele mehr. Dieser Bezug hat mir sehr gut gefallen.
Martina Hefter zeichnet Juno sehr gut als fürsorgende Ehefrau, die den Alltag vermeintlich perfekt im Griff hat. Wir erfahren aber auch von ihrer Einsamkeit, ihrer Angst vor der Zukunft und Jupiter zu verlieren. Die Ausgangslage bietet viel Potenzial für einen tollen Roman, trotzdem lässt die Geschichte nach einem tollen Start für mich etwas nach. An manchen Stellen hat mir schlicht die Handlung gefehlt. Die Aneinanderreihung von Tagen spiegelt zwar perfekt die Leere und Eintönigkeit in Junos Leben wider, aber es fehlte mir manchmal an Spannung.
Die Dialoge zwischen Juno und Benu haben mir dafür sehr gut gefallen, Juno schreibt hier mit viel Witz und Schlagfertigkeit. Auch die Alltagsroutinen Junos, allen voran das Einkaufen, zeigen diese Leere.
Der Erzählstil ist leicht und gut verständlich, man findet sich gut in die Geschichte hinein. Auch als Theaterstück kann ich mir das Buch gut vorstellen, es bietet viel Aktionspotenzial für die Schauspieler und das Bühnenbild.
Für mich hat der Roman den Deutschen Buchpreis insgesamt teilweise zu Recht bekommen, allerdings fehlt mir die Spannung und Handlung, vieles bleibt offen und der Roman tritt ab der Hälfte auf der Stelle. Mit den Bezügen zu Geschichte und Mythologie müsste man sich wahrscheinlich nochmal intensiver befassen, vieles wird dann wahrscheinlich mehr Sinn ergeben und man kann tiefer in die Geschichte eintauchen. Von mir gibt es trotzdem eine Empfehlung für eine stille Geschichte, die ihren Zauber für mich allerdings nicht komplett entfalten konnte.