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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.01.2025

Ungewöhnlicher und stiller Roman, der mich trotzdem nicht ganz erreichen konnte

Hey guten Morgen, wie geht es dir?
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Juno ist Performance-Künstlerin und lebt mit ihrem Ehemann Jupiter in Leipzig. Jupiter ist schwer krank, sitzt im Rollstuhl und verbringt seine Tage komplett zu Hause. Er kann sich kaum mehr als ein paar ...

Juno ist Performance-Künstlerin und lebt mit ihrem Ehemann Jupiter in Leipzig. Jupiter ist schwer krank, sitzt im Rollstuhl und verbringt seine Tage komplett zu Hause. Er kann sich kaum mehr als ein paar Schritte mit dem Rollator durch die enge Altbauwohnung bewegen. Juno schafft den Spagat zwischen der Krankheit ihres Mannes, Geldsorgen, ausbleibenden Jobangeboten und Einsamkeit meist recht gut, nur nachts fühlt sie sich oft allein. Deshalb flüchtet sie sich, sobald Jupiter schläft, in die Welt der Online-Love-Scammer - Männer aus ärmeren Ländern, die mit falschen Fotos vorwiegend ältere Frauen anschreiben um an Geld zu kommen. Juno weiß um diese ausgeklügelten Betrügereien, schreibt mit den Scammern und kann in den Chats sein, wer immer sie möchte- mal verheiratet, mal jünger, mal Partymaus. Eines Tages schreibt sie Benu aus Nigeria an. Schnell enttarnt sie ihn als Scanner, aber anders als die anderen wendet er sich nicht ab, sondern schreibt weiter mit ihr, nun mit wahrer Identität. Er schenkt ihr ein wenig Hoffnung in ihrem trüben Alltag. Auch hier erfindet sie ein neues Leben, sie ahnt aber, dass sie selbst vor der Realität fliehen möchte.

Nach Bekanntwerden des Gewinners des Deutschen Buchpreises 2024 war ich sehr gespannt auf den Roman. Bereits das Cover ist sehr gut und ungewöhnlich gestaltet. Es spiegelt mit den Abbildungen der Götter Juno und Jupiter perfekt den mythologischen Bezug der Namen wider, im Gegensatz dazu steht die plakative gelbe Schrift.
Die Personen im Roman tragen alle Namen der griechischen Mythologie, die ihre Eigenschaften gut wiedergeben: Juno als Göttin der Ehe und Fürsorge, Jupiter als den größten Planeten des Sonnensystems und viele mehr. Dieser Bezug hat mir sehr gut gefallen.
Martina Hefter zeichnet Juno sehr gut als fürsorgende Ehefrau, die den Alltag vermeintlich perfekt im Griff hat. Wir erfahren aber auch von ihrer Einsamkeit, ihrer Angst vor der Zukunft und Jupiter zu verlieren. Die Ausgangslage bietet viel Potenzial für einen tollen Roman, trotzdem lässt die Geschichte nach einem tollen Start für mich etwas nach. An manchen Stellen hat mir schlicht die Handlung gefehlt. Die Aneinanderreihung von Tagen spiegelt zwar perfekt die Leere und Eintönigkeit in Junos Leben wider, aber es fehlte mir manchmal an Spannung.
Die Dialoge zwischen Juno und Benu haben mir dafür sehr gut gefallen, Juno schreibt hier mit viel Witz und Schlagfertigkeit. Auch die Alltagsroutinen Junos, allen voran das Einkaufen, zeigen diese Leere.
Der Erzählstil ist leicht und gut verständlich, man findet sich gut in die Geschichte hinein. Auch als Theaterstück kann ich mir das Buch gut vorstellen, es bietet viel Aktionspotenzial für die Schauspieler und das Bühnenbild.

Für mich hat der Roman den Deutschen Buchpreis insgesamt teilweise zu Recht bekommen, allerdings fehlt mir die Spannung und Handlung, vieles bleibt offen und der Roman tritt ab der Hälfte auf der Stelle. Mit den Bezügen zu Geschichte und Mythologie müsste man sich wahrscheinlich nochmal intensiver befassen, vieles wird dann wahrscheinlich mehr Sinn ergeben und man kann tiefer in die Geschichte eintauchen. Von mir gibt es trotzdem eine Empfehlung für eine stille Geschichte, die ihren Zauber für mich allerdings nicht komplett entfalten konnte.

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Veröffentlicht am 21.01.2025

Zwischen Realität und Fantasie - ungewöhnliche Geschichte aus Japan

Das Loch
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Asahi und ihr Mann leben in der Stadt, wo beide auch arbeiten. Zu Beginn der Geschichte wird der Mann jedoch versetzt und es bietet sich an, in sein Geburtsdorf zu ziehen. Dort wohnen auch Asahis Schwiegereltern ...

Asahi und ihr Mann leben in der Stadt, wo beide auch arbeiten. Zu Beginn der Geschichte wird der Mann jedoch versetzt und es bietet sich an, in sein Geburtsdorf zu ziehen. Dort wohnen auch Asahis Schwiegereltern und sie bieten dem jungen Paar an, in das Haus nebenan zu ziehen. Beide willigen ein, auch wenn Asahi ihren Job in der Stadt aufgeben muss. Ihre Kollegin beneidet sie um das neue Leben als Hausfrau, Asahi ist einerseits froh, dem schlecht bezahlten Teilzeitjob zu entfliehen, andererseits fehlt ihr auch die Arbeit und eine Aufgabe. Die Hausarbeit füllt sie nicht aus, ihr Mann kommt meist nach Mitternacht nach Hause. Sie beginnt, sich die Umgebung anzusehen und bemerkt dort eines Tages ein seltsames Tier, dem sie folgt. Sie fällt bei dieser Suche in ein Loch, aus dem sie nicht mehr alleine heraus kommt. Zum Glück kommt eine Nachbarin vorbei und hilft ihr heraus. Ab diesem Tag passieren allerdings immer mehr seltsame Dinge sowohl in Asahis Leben als auch in ihrer Umgebung...

Das Cover hat mich direkt zum Buch gezogen und auch der Klappentext verspricht Einiges. Ich habe bereits mehrere Bücher von japanischen Schriftsteller/innen gelesen und war gespannt auf die Autorin, die ich zuvor noch nicht kannte. Ich gehe allerdings etwas enttäuscht aus der Geschichte raus.
Der Erzählstil ist nüchtern, es wird aus der Ich-Perspektive Asahis erzählt. Sie reiht die Ereignisse aneinander, was einerseits gut die Eintönigkeit und Langeweile in ihrem Leben widerspiegelt, anderseits auch keine Spannung erzeugt, sodass ich mich beim Lesen dabei ertappt habe, abzuschweifen. Die Ausgangslage ist vielversprechend und es werden auch gut das Rollenbild und die Erwartungen in Japan an eine Frau eingebunden: die Frau folgt dem Mann, sie soll sich nicht auflehnen und ihre Hausarbeit erledigen. Asahi schafft es nicht, daraus auszubrechen oder sich mit der Situation zu arrangieren. Vielmehr flüchtet sie sich in eine Fantasiewelt und als Leser verfolgt man die Ausmaße, die diese Welt in ihrem Leben annimmt.
Das Buch spielt zwischen Realität und Fantasie, Traum und Wirklichkeit. Stets schwingt auch eine Unheimlichkeit und Gefahr mit beim Lesen. Ich habe jedoch schlecht in die Geschichte hineinfinden können, mich hat die Geschichte nicht wirklich abgeholt.

Das Buch regt zum Nachdenken an, es bleiben aber auch viele Fragen offen. Es hätte auch noch etwas ausführlicher sein können, auf den knapp 120 Seiten bleibt für mich vieles auf der Strecke. Das Buch ist nichts für die breite Masse, wer aber japanische Autor/innen schätzt und Geschichten zwischen Traum und Wirklichkeit mag, ist mit "Das Loch" sicherlich gut bedient.

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Veröffentlicht am 06.11.2024

Eine junge Frau in der vermeintlich perfekten Social-Media-Welt

That Girl
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Tess Raabe ist 25 Jahre alt, wohnt im hippen Stadtteil Hannover-Linden und ist erfolgreiche Influencerin. Auf ihren Social-Media-Accounts teilt sie so gut wie alles aus ihrem Leben. Sie steht für Selbstliebe ...

Tess Raabe ist 25 Jahre alt, wohnt im hippen Stadtteil Hannover-Linden und ist erfolgreiche Influencerin. Auf ihren Social-Media-Accounts teilt sie so gut wie alles aus ihrem Leben. Sie steht für Selbstliebe und die richtigen Werte. Auch ihr Buch "Date Me", in dem sie über die Partnersuche bei Tinder schreibt, ist sehr erfolgreich. Doch der Schein trügt und Tess fühlt sich oft allein und unglücklich. Auch ihre eher weniger erfolgreiche Partnersuche lässt sie im Inneren immer pessimistischer werden. Sie trifft auf einer Party auf Leo, der ihr sofort den Kopf verdreht und so ganz anders scheint als ihre vorherigen Dates. Sie muss sich schließlich fragen: wer bin ich eigentlich wirklich und kann die Liebe für mich funktionieren?

Das Cover finde ich zur Geschichte passend, allerdings ist es für meinen Geschmack etwas zu bunt und die Kachelanordnung finde ich weniger gelungen. Der Einstieg in das Buch fällt leicht, Tess beschreibt aus der Ich-Perspektive. Dadurch erfährt man sehr viel über Tess selbst und ihre Sicht der Dinge.
Beim Lesen habe ich mich oft gefragt ob Tess stellvertretend für die neue Generation steht, in der ein makelloses Zuhause, Selbstliebe und das "Alles auf Social Media festhalten" Alltag ist oder ob die Autorin hier eine Gruppe junger Menschen von vielen beschreibt. Ich selbst bin zwar auch erst Anfang dreißig, aber für mich ist dieses Leben, wie Tess es führt, sehr weit weg von meinem eigenen und ich hatte oft Probleme, mich in sie hinein zu fühlen. Sie erzählt zynisch und pessimistisch aus ihrem Leben, von ihren Dates und ihren Freundinnen, was das Lesen oft lustig, aber auch einseitig gemacht hat. Die Annäherung mit Leo wird toll beschrieben, aber im Verlauf wurde es für mich immer unrealistischer und ich hatte weniger Lust, weiterzulesen.

Dennoch ist das Buch gerade für junge Menschen wahrscheinlich gut geeignet, da es die vermeintlich perfekte Welt der anderen auf Social Media auseinander nimmt. Am Ende sind wir alle Menschen mit Fehlern, schlechten Tagen und Ängsten.

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Veröffentlicht am 25.09.2024

Zwei Schwestern und ein Bär lassen mich ratlos zurück

Cascadia
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Sam und Elena leben gemeinsam mit ihrer todkranken Mutter im Norden der USA auf einer kleinen Insel in ärmlichen Verhältnissen. Der Traum der beiden Schwestern ist es, nach dem Tod der Mutter das Haus ...

Sam und Elena leben gemeinsam mit ihrer todkranken Mutter im Norden der USA auf einer kleinen Insel in ärmlichen Verhältnissen. Der Traum der beiden Schwestern ist es, nach dem Tod der Mutter das Haus und Grundstück zu verkaufen und mit dem Geld ein neues Leben außerhalb der Insel anzufangen. Es wird eines Tages ein Bär gesichtet und als die beiden Schwestern ihn direkt vor ihrem Haus sehen, bekommen sie es zuerst mit der Angst zu tun. Der Bär kreuzt fortan nun immer wieder die Wege der Schwestern. Während Sam sich fürchtet und den Bären so schnell es geht loswerden möchte, ist Elena seltsam fasziniert von dem Tier, das einen unerklärlichen Reiz auf sie ausübt. Es gibt immer wieder Streitigkeiten zwischen den Schwestern, die am Ende eskalieren.

Ich habe mich sehr schwer getan, eine Rezension zu schreiben und das Buch im Gesamten zu bewerten. Das Cover ist toll gestaltet und wird mit dem rosa Himmel und den dunklen Bäumen einerseits stimmig und harmonisch, anderseits auch mystisch und geheimnisvoll.
Das Buch beinhaltet keine Kapitel und keine Zeitangaben, was es mir schwer gemacht hat, dem Ganzen zu folgen. Die Geschichte wird aus Sams Sicht geschrieben, jedoch nicht aus der Ich-Perspektive. Vielleicht hätte die abwechselnde Sicht von Sam und Elena oder anderen Personen geholfen, die Entwicklungen und Gefühle der einzelnen Personen besser einzuordnen.
Das Setting und die Atmosphäre werden sehr gut und eindrücklich beschrieben. Julia Phillips versteht es, eine einerseits heitere und harmonische Stimmung zu schaffen, die im Verlauf jedoch immer mehr verdrängt wird von Geheimnissen und Düsterheit.
Für mich ist es schwierig, das Buch einem Genre einzuordnen. Der Vergleich zum Märchen "Schneeweißchen und Rosenrot" liegt nah, da die Autorin auch einen kleinen Auszug aus diesem Märchen vorne in das Buch einbringt.

Es ist ein Buch, dass man nach dem Lesen erstmal zur Seite legen muss um noch darüber nachzudenken. Mich hat das Ende leider nicht abgeholt, generell ist die Handlung eher langatmig und der Schluss wirkte auf mich eher konstruiert. Vielleicht ist es aber auch genau das, was die Autorin beschreiben möchte: ein modernes Märchen, überspitzt dargestellt, seltsam anmutend und mit Elementen aus vielen Genres. Auch die klassischen Märchen bedienen Klischees und sind meist realitätsfern geschrieben. Je mehr ich über die Geschichte und die Charaktere in "Cascadia" nachdenke, desto eher kann ich der Geschichte etwas abgewinnen.

Alles in allem ist es es ein Buch, das etwas ganz Anderes ist, als das, was man normalerweise liest und das macht auch den Charme aus. Von mir eine Empfehlung an alle, die mal etwas Außergewöhnliches lesen möchten, das einem noch lange im Kopf bleibt.

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Veröffentlicht am 05.09.2024

Seichter Auftakt einer Cosy Crime-Reihe mit Luft nach oben

Nuss und Schluss. Ein Hansel & Pretzel Krimi
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Die deutsche Auswanderin Linn Sommer zieht nach einer gescheiterten Ehe ins beschauliche Örtchen Kitchener-Waterloo in Kanada. Doch der Schein der Idylle trügt: an ihrem ersten Arbeitstag in einer deutschen ...

Die deutsche Auswanderin Linn Sommer zieht nach einer gescheiterten Ehe ins beschauliche Örtchen Kitchener-Waterloo in Kanada. Doch der Schein der Idylle trügt: an ihrem ersten Arbeitstag in einer deutschen Bäckerei findet sie eine Leiche hinter dem Haus. Die unbeliebte Stadträtin Sydney Stark ist tot, neben ihr liegt eine Nussecke. Sofort geraten die Besitzer der Bäckerei Marianne und Rainer in Verdacht. Linns Ermittlungsinstinkt ist geweckt und sie ermittelt auf eigene Faust. Beim Ermitteln stößt sie außerdem auf zwei Männer, die ihr Interesse wecken.

Mich hat das Cover direkt angesprochen, es vermittelt einerseits gut die Idylle in der Kleinstadt, verrät aber auf den zweiten Blick auch anhand des blutigen Messers, dass es um einen Mord geht. Direkt zu Beginn gibt es eine Auflistung und kurze Beschreibung der einzelnen Charaktere im Buch als Übersicht, was ich sehr gut als Orientierung finde. Auch der Einstieg fällt einem als Leser leicht, man ist direkt in der Geschichte drin, als Linn die Leiche findet. Das Buch ist aus ihrer Sicht geschrieben. Man erfährt so viel über ihre Gefühlslage und Eindrücke, jedoch bleibt auch alles sehr subjektiv. Vielleicht hätte mir ein außenstehender Erzähler hier besser gefallen.
Linn ist einem sympathisch, sie ist oft tollpatschig und unbedarft, hilft aber auch, wo sie kann und ist bemüht, den wahren Mörder Sydneys zu finden. Oft hat mich aber auch ihre Art in Bezug auf Männer genervt. Sie ist Single und gerade frisch getrennt, deshalb setzt anscheinend ihr Verstand komplett aus, sobald sie ein männliches Wesen sieht, das ihr zusagt. Das war mir oft zu viel des Guten.
Das Setting und die Kleinstadt an sich werden gut beschrieben, auch über die Charaktere erfährt man Einiges. Aber z.B. ihre Mitbewohner waren mir zu gewollt unterschiedlich und deshalb wirkten sie oft unglaubwürdig und überzogen. Zudem gibt es aufgrund von Sydneys Unbeliebtheit mehr als viele Verdächtige, für mich ein paar zu viel, da sich für fast jeden ein Motiv und einige Indizien finden lassen.
Das Ende konnte mich leider nicht überzeugen, für mich mutete es zu unrealistisch an.
Positiv allerdings sind die Rezepte auf den letzten Seiten, die man Nachbacken kann, sehr passend zum Thema der Bäckerei.

Alles in allem ein Cosy Crime, der sich gut weg lesen lässt, ich hätte mir allerdings mehr Tiefe der Figuren gewünscht und einige Dinge waren für mich unrealistisch und überzogen dargestellt. Da es jedoch noch mehr Teile der "Hansel & Pretzel" Reihe geben wird, wird auf Einiges vielleicht in den Folgebänden näher eingegangen. Fans von locker-leichtem Cosy Crime werden bei dem Krimi sicher auf ihre Kosten kommen.

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