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Veröffentlicht am 10.11.2025

Eine dysfunktionale Familie

Sieben Jahre
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Der Titel des Buches umfasst die sieben Jahre zwischen 1756 und 1763, die Zeit des Siebenjährigen Krieges Friedrichs des Großen gegen Österreich, Frankreich, Russland, Schweden, also große Teile Europas.

Friedrich ...

Der Titel des Buches umfasst die sieben Jahre zwischen 1756 und 1763, die Zeit des Siebenjährigen Krieges Friedrichs des Großen gegen Österreich, Frankreich, Russland, Schweden, also große Teile Europas.

Friedrich II. hatte kurz nach seinem Machtantritt Schlesien überfallen, seine Kontrahentin Maria Theresia in Österreich konnte sich mit diesem Verlust nie abfinden und schmiedete in den Folgejahren Allianzen mit den großen Mächten Europas, um Schlesien zurückzugewinnen.

Das Buch ist mitnichten eine Wiederholung dessen, was man im Geschichtsunterricht gelernt hat oder zwischenzeitlich in Sachbüchern, Biografien oder Romanen gelesen hat. Der Ansatzpunkt ist ein anderer, denn es steht nicht Friedrich im Vordergrund, sondern sein jüngerer Bruder Heinrich.

Die Kinder sind geprägt von der unglücklichen Ehe der Eltern, des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. und der Prinzessin aus Hannover Sophie Dorothea. Der Soldatenkönig war ein Choleriker, der von seinen Kindern absoluten Gehorsam forderte, zwei seiner Kinder leiden ein Leben lang darunter, dass sie vom Vater zu Dingen gezwungen wurden, die sie ablehnten. Dennoch wiederholt sich dieses Muster, auch Friedrich wird später als Vormund seiner Geschwister diesen Gehorsam einfordern, auch wenn er selbst als Ältester am meisten unter seinem Vater leiden musste.

Entlang der Geschehnisse des Siebenjährigen Krieges begleiten wir den König und drei, manchmal auch vier seiner Geschwister in Berlin und Magdeburg, auf den Schlachtfeldern und in den eroberten Städten.

Heinrich war 14 Jahre jünger als Friedrich, Sein ältester Bruder wurde nach dem Tod des Vaters sein Vormund. Ihr Verhältnis zueinander war schwierig. Während Friedrich vor allem ein inniges Verhältnis zu der nur leicht jüngeren Wilhelmine hatte, so hatten sich die jüngeren Geschwister ebenfalls zusammengetan. Heinrich hatte sich eng an Wilhelm, den Thronfolger angeschlossen, später ergab sich auch ein enges Verhältnis mit der Schwester Amalie.

Während des Krieges wurde von den Preußenprinzen Engagement für ihr Land gefordert und Heinrich lag der Beruf des Soldaten. Ganz anders Wilhelm, er wurde beim Militär nicht glücklich und nach einem Misserfolg vom König, seinem Bruder mit Schimpf und Schande entlassen.

Der König forderte Unterwerfung und eine Entschuldigung, die Wilhelm nicht zu geben bereit war, Heinrich stand lange zwischen beiden, aber eine Versöhnung der beiden Brüder gelang ihm nicht. Wilhelm starb 1758, ohne den König noch einmal wiedergesehen zu haben.

Heinrich wird, anders als Friedrich, als ein General mit Gewissen dargestellt. Es belastete ihn, dass dieser lange Krieg so viele Opfer forderte. Seine Soldaten liebten ihn dafür, dass er sich für sie einsetzte, dass er die Verwundeten im Lazarett besuchte und dass er eher einer Schlacht aus dem Weg ging und dem Gegner auswich, als weitere Tote und Verletzte zu riskieren. Friedrich schien oft genug eifersüchtig auf den jüngeren Bruder zu sein, im Endeffekt mussten sie aber aufeinander zugehen und Kompromisse schließen.

Ich fand das Buch hochinteressant. Es war genial von der Autorin, die Position Heinrichs zum Ausgangspunkt ihres Romans zu machen. Zum einen rückte damit einer der weniger bekannten Brüder Friedrichs, der einen großen Anteil am letzendlichen Sieg hatte, in den Vordergrund, zum anderen erlaubte es aber auch, die komplizierten Familienverhältnisse unter den Hohenzollern näher unter die Lupe zu nehmen. Tanja Kinkel hat sehr gut dazu recherchiert, im Nachwort beschreibt sie ihre Faszination für die Familie und die vielen Quellen, die sie für das Buch zu Rate zog.

Der Schutzumschlag in Gelb oder Sepiabraun, der sich auch im Farbschnitt fortsetzt, weist auf ein historisches Buch hin. Ich musste allerdings näher hinschauen, um das zu erkennen. In der Buchhandlung wäre es mir nicht direkt ins Auge gefallen.

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Veröffentlicht am 21.09.2025

Schwestern-Schicksale

Der Wind von Yorkshire
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Lia Scott hat nach den wunderbaren Bänden „Sturmjahre“, die in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg in Schottland spielten, sich sowohl eine andere britische Region als auch eine andere Zeit ausgesucht. Der ...

Lia Scott hat nach den wunderbaren Bänden „Sturmjahre“, die in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg in Schottland spielten, sich sowohl eine andere britische Region als auch eine andere Zeit ausgesucht. Der Wind von Yorkshire spielt in den 1860er Jahren in den Craven Dales und in Bradford, dem damaligen Zentrum der internationalen Wollindustrie. Schafzucht hatte in diesem Teil Englands schon immer eine große Rolle gespielt, doch die Verarbeitung der Wolle war lange in den Händen von Familien geblieben. Mit der Industrialisierung wurden die kleinen Webstühle nun obsolet, in Bradford bildeten sich große Firmen, die in viel kürzerer Zeit sehr viel mehr Waren herstellen konnten. Die Arbeitsbedingungen in diesen Fabriken waren allerdings alles andere als gut, Lärmbelastung führte z. B. zu späterer Taubheit, die chemischen Substanzen, mit denen die Wolle gereinigt wurde, zu Hauterkrankungen.

So bildete sich nach und nach ein Arbeiter-Proletariat, der Zufluss in die Städte riss nicht ab, immer wieder rückten billige Arbeitskräfte nach.

Wir lernen zunächst einmal June und ihre beiden Schwestern in den Craven Dales sowie im Anschluss daran auch ihren Vater und ihre Tante kennen. Dahlia ist der Schöngeist der Familie, schreibt Gedichte, kann aber auch wunderbare Handarbeiten anfertigen, die sie verkauft. June hilft ihrer Tante und wird auf den Beruf als Heilerin und Hebamme vorbereitet und Fern ist der eher robuste Typ, der sich eine eigene Schafzucht aufgebaut hat.

Auf der anderen Seite ist da Frankie, offenbar aus Bradford, der sich bei einem älteren Bauernehepaar verdingt hat und dabei hilft, Mauern zu bauen und Zäune instand zu halten. Um ihn weht ein Geheimnis, denn die Tante weiß von einer Frau zu berichten, die mit ihm zusammen aufs Land gekommen ist und bei ihm lebt. Diese Frau gebärt ein Kind und stirbt bei der Geburt, vorher allerdings lässt sie ihren Mann noch wissen, dass alles seine Schuld sei. Frankie verlässt die Region und überlässt den Sohn seiner Schwester, die im gleichen Tal lebt.

Vieles in diesem ersten Band bleibt ein Geheimnis, denn ein zweiter Band wird bereits im Dezember folgen und sicher einige meiner Fragen beantworten. So kann man zunächst einmal nur über das weitere Schicksal der Schwestern und Frankies mutmaßen. Das Buch ist tatsächlich wie ein Serienfilm aufgebaut, der Cliffhanger zum Schluss stellt sicher, dass man dranbleibt und wissen will, wie es in der Handlung weitergeht. Das Buch ist flüssig und spannend geschrieben und, soweit ich das beurteilen kann, auch gut recherchiert. Der erste Teil hat mich auf jeden Fall neugierig gemacht und so würde ich auch die Fortsetzung gerne lesen.

Was die gedruckte Ausgabe angeht, so gefällt mir die Haptik, das Buchcover hätte dennoch ein klein wenig dicker und fester sein dürfen. Auch das Titelbild ist sehr geschmackvoll und verbindet durch die junge Frau, die in einer Heidelandschaft steht und auf die Industriestadt hinübersieht, die beiden Settings, die Dales mit der Industriestadt Bradford.

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Veröffentlicht am 05.09.2025

Ostfrieslandkrimi

Die Leiche auf dem Krabbenkutter. Ostfrieslandkrimi
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Auf einem Krabbenkutter im Greetsieler Hafen wird die Leiche einer Frau entdeckt. Sie wurde ermordet. Der Kutter wird gerade für Filmaufnahmen verwendet und die Ermordete gehörte zu den Schauspielerinnen.

Die ...

Auf einem Krabbenkutter im Greetsieler Hafen wird die Leiche einer Frau entdeckt. Sie wurde ermordet. Der Kutter wird gerade für Filmaufnahmen verwendet und die Ermordete gehörte zu den Schauspielerinnen.

Die beiden Kommissare Ruth Fasan und Hagen Reese ermitteln zunächst einmal im unmittelbaren Umfeld der Crew. Tatsächlich ergeben sich hier auch bereits einige Motive, denn Anne Jaffer, die ermordete junge Frau, hatte sich bereits einigen Ärger zugezogen und vor allem die Männer vor den Kopf gestoßen.

Dann aber fällt ein junger Mann mit Parka auf, die Kapuze über den Kopf gezogen, der sich im Umfeld der Dreharbeiten herumtreibt. Was hat es damit auf sich?

Ich fand die Handlung spannend und wendungsreich, die Kommissare, hier vor allem Ruth Fasan, überlegt und besonnen. Aber auch Hagen Reese überrascht mit Handlungen, die nicht immer dem polizeilichen Vorgehen entsprechen, dafür den Fall aber deutlich schneller zu einer Auflösung bringen.

Der Krimi wäre für mich eine sehr geeignete Lektüre für Strandnachmittage auch gerne außerhalb von Greetsiel.

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Veröffentlicht am 22.07.2025

Retourkutsche auf afrikanisch

Das Geschenk
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Berlin wacht eines Morgens auf und ist von Elefanten bevölkert. In der Spree, vor dem Bundeskanzleramt, am Brandenburger Tor, überall tummeln sich die Dickhäuter.
Die Befürchtung, dass es sich um einen ...

Berlin wacht eines Morgens auf und ist von Elefanten bevölkert. In der Spree, vor dem Bundeskanzleramt, am Brandenburger Tor, überall tummeln sich die Dickhäuter.
Die Befürchtung, dass es sich um einen terroristischen Anschlag handeln könnte, wird schnell widerlegt, denn im Bundeskanzleramt meldet sich der Präsident von Botswana. Als Reaktion auf das Verbot der Einfuhr von Jagdtrophäen, also hier in erster Linie Elfenbein, hat die Regierung von Botswana dem deutschen Volk 20.000 Elefanten geschenkt, die nach und nach per Flugzeug in Schönefeld eintreffen und sich überall in der Hauptstadt verteilen. Schon in kürzester Zeit herrscht das totale Chaos. Die Umweltschützer verlangen, dass sich der Mensch dem Tier unterordnet, alle anderen Politiker sind dagegen. Und die Rechte nutzt die ganze Situation für Panik- und Stimmungsmache aus.

Der Elefantendung überall in der Stadt sorgt dafür, dass sich Pflanzen, die bisher nicht in Deutschland heimisch waren, ungehindert ausbreiten. Es dauert nicht lange, und der Reichstag, das Brandenburger Tor und wichtige Gebäude sind unter den wuchernden Pflanzen begraben. Aber immerhin ist so immer genug Futter für die Elefanten vorhanden. Der Elefantendung wird zwar zum Exportschlager, dafür leiden aber die meisten anderen Industriezweige und die heimische Landwirtschaft.
Und trotzdem, zunächst einmal versucht man verzweifelt, das Volk für die Elefanten zu begeistern. Die Geburt eines Elefantenbabies wird live im Fernsehen übertragen, eine Romanze zwischen einem asiatischen Elefantenbullen und einer afrikanischen Elefantenkuh wird mit fragwürdigen Mitteln gefördert und als Multikulti ausgeschlachtet, frei nach dem Motto, selbst die Tierwelt hege keine Ressentiments gegen andersartige Artgenossen.
Das Buch ist in vier Kapitel gegliedert, in nur vier Begriffen wird die Überforderung des Staates mit dieser Situation klargemacht. Deutschland verlangt von Ländern im Süden Afrikas den Schutz von bestimmten Tierarten und stellt sie über die Bedürfnisse ihrer Bürger. Botswana hat den Spieß umgedreht und verlangt nun von Deutschland das Gleiche und droht mit weiteren Lieferungen, wenn den Elefanten auch nur ein Haar gekrümmt werden sollte.
Die absurde Situation macht uns klar, dass wir nicht immer mit unseren Maßstäben messen können.
Das Buch ist anders geschrieben als „Trophäe“, wo die Überlegungen und Gedanken von White Hunter einen sehr viel größeren Raum einnehmen. An mancher Stelle hätte ich mir gewünscht, dass dem Gespräch zwischen Kanzler Winkler und Präsident Teboga noch etwas mehr Platz eingeräumt worden wäre und die Unterschiede in der Sichtweise aus den verschiedenen Kulturen heraus noch näher beleuchtet worden wären.
Hier liegt der Fokus mehr auf den Handlungen, den Reaktionen der Politiker, wie sie mit der ungewohnten Situation umgehen. Das ist zum einen ihre kurzsichtige Betrachtungsweise, das immer nur Schielen nach dem nächsten Wahltermin, es gibt auch Verweise auf tatsächliche Ereignisse in der Vergangenheit, die auch der Hilflosigkeit entsprangen, aber Mut machen sollten „Wir haben schon so viel überwunden, dass wir auch das hinbekommen. Wir schaffen das!“
Letztendlich aber stellt man sich der Realität, auch wenn man damit seine eigenen Ideen verrät und seine Überzeugungen mit Füßen tritt. Aber immerhin dient es der Machtsicherung!

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Veröffentlicht am 23.01.2025

Als Frau eine Ausnahmeerscheinung ihrer Zeit

Wer aus dem Schatten tritt
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Melanie Metzenthin hat zwar bereits zahlreiche Romane veröffentlicht, arbeitet aber außerdem als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und das merkt man dem Buch auch deutlich an.

Die Handlung ...

Melanie Metzenthin hat zwar bereits zahlreiche Romane veröffentlicht, arbeitet aber außerdem als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und das merkt man dem Buch auch deutlich an.

Die Handlung des Buches spielt im Jahr 1958. Voller Elan tritt die junge Ärztin Renate ihre erste Stelle in der Psychiatrie an. Sie merkt jedoch schnell, dass sie als Frau nicht mit offenen Armen empfangen wird. Der Oberarzt würde sie am liebsten an den Herd verbannen, ihr Kollege aus der Nachbarabteilung behandelt sie eher wie eine Assistentin, jedenfalls nicht wie eine gleichberechtigte Kollegin.

Renate lässt sich das zu Beginn ihrer Arbeit in der Abteilung auch noch gefallen, stellt aber mit der Zeit fest, dass die Methoden ihrer Kollegen veraltet sind und nicht mehr in die Zeit passen. Eine große Rolle spielt dabei die Zeit des Nationalsozialismus, den am liebsten alle vergessen würden, der aber gerade bei den Kranken oft die Ursache für ihr Leiden ist.

Für mich was das Buch kein Liebesroman, auch wenn Renate im Laufe der Handlung tatsächlich in Matthias den Mann fürs Leben findet. Viel wichtiger und eindrücklicher waren die Erlebnisse auf der Krankenstation, die Erfahrungen mit den Patienten und ihre Gespräche mit ihnen. Der zweite Weltkrieg lag zwar 1958 bereits 13 Jahre zurück, trotzdem spielte er immer noch in alle Gedanken hinein und die Gräueltaten an der Front hatten ihre psychischen Verletzungen hinterlassen, sowohl bei den Opfern als auch bei den Tätern.

Renate war eine Ausnahmeerscheinung ihrer Zeit oder auch einfach ihrer Zeit um einige Jahre voraus. Die Mehrheit der Frauen ließen sich nach dem Krieg wieder zurück in ihre Mutter- und Ehefrau-Rolle drängen, erst das Umdenken in den 70er Jahren brachte hier mehr Selbstvertrauen. Wichtig war auch, dass der Ehemann nun nicht mehr über die beruflichen Pläne seiner Frau entscheiden durfte.

Das Buch hat sich sehr flüssig gelesen und war für mich auch sehr angenehm nüchtern und nicht gefühlsbeladen. Wie bereits erwähnt, fand ich es gut, dass die Autorin als Ärztin Krankheitsbilder genau beschreiben kann und auch zwischen den Krankheitsbildern differenziert. Das plätschert bei einem Laien-Autor doch immer mehr an der Oberfläche entlang.

Was mir allerdings durch den Kopf geht, ist, dass wir uns heute nur noch ganz schwer in den Zeitgeist der 50er Jahre versetzen können. Renate erscheint mir sehr modern in ihren Ansichten und dem was sie tut, sie würde genauso gut in die heutige Zeit passen.

Dennoch gebe ich gerne eine Leseempfehlung.

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