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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.01.2025

Aufarbeitung einer schwierigen Vergangenheit

Verlorene Heimat
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In der gegenwärtigen Flüchtlingsdiskussion werden Erinnerungen wach. Unzählige Menschen mussten während und nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verlassen. Oft hatten sie nur wenige Minuten, um das Nötigste ...

In der gegenwärtigen Flüchtlingsdiskussion werden Erinnerungen wach. Unzählige Menschen mussten während und nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verlassen. Oft hatten sie nur wenige Minuten, um das Nötigste zu packen, bevor sie sich auf eine lange Reise ins Unbekannte machen mussten.

Was bedeutet es, seine Heimat zu verlieren? Wie lange bleibt die Sehnsucht zurückzukehren an den vertrauten Ort? Wessen Schuld war es, dass so viele Menschen umgesiedelt oder vertrieben wurden? Was haben die Menschen erlebt, die um ihr Leben fliehen mussten? Und warum sind sie nicht schon früher gegangen?

In diesem Buch werden solche Fragen beantwortet. Es geht um die Schicksale der vielen Menschen, die sich an einem neuen Wohnort zurechtfinden mussten. Zwanzig sehr unterschiedliche Artikel malen ein Bild von den Jahren der Flucht und dem Bemühen, sich eine neue Heimat zu schaffen. Dabei wird auch ein Blick auf die umstrittene Frage geworfen, wer Opfer und wer Täter war.

Die Vielfalt der Themen ist eine Stärke dieses Buches. Es geht um die Flucht über das Meer, um neue Gedenkstätten und Ausstellungen, das Leben der Flüchtlinge in Dänemark, das Ringen um eine Identität in der neuen Heimat, das Verdrängen der Flüchtlingsfragen in Ostdeutschland und viel mehr. Einige Fotos veranschaulichen das Gesagte. Ein besonderes und unerwartetes Plus sind die Rezepte aus der alten Heimat, zum Beispiel Knoblichsoppe aus Mähren und Heringssalat aus Pommern. Eine Chronik der Vertreibungen und eine Aufzählung von Medienangeboten runden die Informationen über Flucht und Vertreibung ab. Sehr hilfreich ist auch das Kapitel mit Tipps zur Recherche über die eigene Vergangenheit.

Fazit: Ein sehr empfehlenswertes Buch, das unterschiedliche Themen rund um Vertreibung und Umsiedlung im Zweiten Weltkrieg anspricht.

Veröffentlicht am 21.01.2025

Vorurteile

Die Kaminski-Kids: Happy Birthday
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Es ist Deborahs Geburtstag. Sie freut sich auf ihre vielen Gäste. Neben den eingeladenen Freunden des Mädchens, steht auf einmal Manfred vor der Tür, der nichts von der Party wusste. Obwohl ihm das peinlich ...

Es ist Deborahs Geburtstag. Sie freut sich auf ihre vielen Gäste. Neben den eingeladenen Freunden des Mädchens, steht auf einmal Manfred vor der Tür, der nichts von der Party wusste. Obwohl ihm das peinlich ist, muss er wegen eines schweren Schneesturms bleiben.

Am meisten freut sich Deborah über das Geschenk ihres Freundes Manu. Doch schon kurz nachdem sie es auf den Geburtstagtisch legt, ist es spurlos verschwunden. Den Kindern ist klar: Das muss der unerwartete Gast, Manfred, gewesen sein.

Dieses Buch ist schnell gelesen. Die Geschichte ist leicht zu verstehen und passt inhaltlich und sprachlich zur Zielgruppe, Kindern im Alter von 8 bis 14 Jahren. Die Erzählung ist nicht so spannend wie die Geschichten in den anderen Bänden. Fast alle wichtigen Charaktere der ganzen Reihe kommen hier zusammen. So ist es selbstverständlich, dass andere Fälle der Kaminski-Kids zur Sprache kommen. Fußnoten verweisen auf die Bücher, in denen die entsprechende Geschichten erzählt werden. Das stört den Lesefluss und nimmt etwas von der Spannung, denn gedanklich hüpft man beim Lesen zwischen dem aktuellen Geschehen und vergangenen Erlebnissen hin und her. Dieser Fall ist auch nicht so vielschichtig wie andere und es bleibt in diesem kurzen Buch wenig Raum für Charakterentwicklung.

Das Thema Vorurteile zieht sich durch dieses Buch. Ein Kind, das in der Vergangenheit Fehler gemacht hat, wird schnell verdächtigt. Der Großvater versucht den Kindern zu zeigen, dass nicht alles immer so ist, wie es auf den ersten Blick erscheint, doch die Kinder bleiben bei ihrer Überzeugung. Der christliche Glaube spielt bei dieser Erzählung eine untergeordnete Rolle.

Als Bonus enthält das Buch eine Geburtstagskarte, ein Gewinnspiel und ein QR-Code, der zu einer Überraschung führt. Als Geburtstagsgeschenk eignet sich dieses Buch besonders gut.

Fazit: Ein schnell gelöster Fall zum Miträtseln und Erinnern an frühere Bände der Kaminski-Kids. Empfehlenswert!

Veröffentlicht am 15.01.2025

Verfolgung vor der Haustür

Herzen ohne Mauer
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Kann man das, was Christen in der ehemaligen DDR erlebt haben, als Verfolgung bezeichnen? Berichte über Menschen, die weltweit wegen ihrem Glauben eingesperrt, gefoltert oder zwangsverheiratet werden, ...

Kann man das, was Christen in der ehemaligen DDR erlebt haben, als Verfolgung bezeichnen? Berichte über Menschen, die weltweit wegen ihrem Glauben eingesperrt, gefoltert oder zwangsverheiratet werden, gibt es viele. Wer in der DDR zu seinen Überzeugungen stand, musste so etwas normalerweise nicht erleben. Doch die Repressalien waren trotzdem sehr schmerzhaft.

Junge Christen durften nicht studieren, selbst wenn sie Klassenbeste waren. In einem einfachen Beruf würden sie wohl weniger Einfluss ausüben können, war wohl die Überlegung, die hinter dieser Einschränkung stand. Wer aus Gewissensgründen nicht bei den Pionieren war, oder bei anderen sozialistischen Aktivitäten nicht normkonform handelte, wurde ausgelacht und verspottet. Verfolgung light.

In diesem Buch spricht Viola Ramsden mit insgesamt elf Personen, die eine Geschichte zu erzählen haben. Viele beschreiben einfach das alltägliche Leben in ihrer Kindheit und Jugend. Es ist sehr viel über lebendige Jugendarbeit zu lesen. Es scheint, dass junge Menschen hier einen Platz gefunden haben, an dem sie Zugehörigkeit erleben konnten. Doch nicht nur Menschen, die vor der Wende jung waren, erzählen hier. Auch die Erfahrungen eines Pfarrers, eines Politikers und einer Lehrerin sind aufschlussreich. Die Interviewpartner kommen aus verschiedenen Generationen, was die Spannbreite ihrer Erlebnisse vergrößert. Für mich persönlich war vor allem interessant zu erfahren, wie schwer es für alle im Osten nach der Wende war.

Am Anfang fällt es wegen der Schreibweise ein wenig schwer hineinzukommen. Die Gespräche sind nicht als Interviews abgedruckt. Stattdessen beschreibt die Autorin ihre Begegnungen mit den Erzählern, zitiert sehr viel aus den Gesprächen, und fügt erklärende Hinweise hinzu. Schnell werden die Stärken dieser Erzählweise deutlich. Die Ergänzungen helfen Hintergründe zu verstehen und geben durch Beispiele aus dem Leben der Autorin ein reichhaltigeres Bild von der Situation. Eine große Stärke dieses Buches ist, dass nicht nur Situationen beschreiben, sondern die Gefühle und Kämpfe der betroffenen Personen deutlich gemacht werden.

Fazit: Eine interessante Beschreibung der Situation im Osten Deutschlands, vor, während und nach der Wende, mit einem besonderen Blick auf das Leben der Christen. Sehr empfehlenswert, vor allem für Menschen, die sich für Geschichte und für menschliche Schicksale interessieren!

Veröffentlicht am 08.12.2024

Wenn Religion missbraucht wird

„Gott habe ihm gesagt, er solle mich zur Frau machen“
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Der evangelische Pfarrer Rolf nutzt jahrelang seine geistliche Stellung, um junge Frauen sexuell zu missbrauchen. Obwohl es viele Berichte, Anfragen und Beschwerden gibt, dauert es lange, bis es zu einem ...

Der evangelische Pfarrer Rolf nutzt jahrelang seine geistliche Stellung, um junge Frauen sexuell zu missbrauchen. Obwohl es viele Berichte, Anfragen und Beschwerden gibt, dauert es lange, bis es zu einem Prozess kommt. Diese Studie untersucht die vorliegenden Fakten dieses Falles, um herauszufinden, warum Pfarrer Rolf so lange ungehindert Menschen missbrauchen konnte.

Das Buch ist ein wissenschaftlicher Bericht und dementsprechend anspruchsvoll zu lesen. Es untersucht nacheinander die Persönlichkeit Rolfs, die Erfahrungen der Opfer, die Wahrnehmungen von Menschen in seinem Umfeld und die Möglichkeiten zur Vermeidung ähnlicher Fälle. Dabei stützt sich die Autorin auf Predigten und Schriftstücke des Pfarrers, Besprechungsprotokolle, Tagebucheinträge und andere Quellen. Besonders hervorzuheben sind die Interviews mit den Opfern und Menschen aus dem Umfeld der Vorfälle. Auffallend ist, dass die Ehefrau des Täters als eher unklare Figur im Hintergrund bleibt.

Die erste Hälfte des Buches, die sich ausführlich mit der Amtsführung des Pastors befasst, scheint in ihrer Ausführlichkeit nicht immer relevant für das Hauptthema. Besonders aufschlussreich sind jedoch die Aussagen der Betroffenen. Sie verdeutlichen, welche Charaktereigenschaften des Täters – Charisma, geistliche Autorität und Empathie – es ihm ermöglichten, über Jahre hinweg viele junge Frauen ungehindert zu missbrauchen. Es ist erschütternd, wie lange ihre Hilferufe ungehört bleiben.

Alle Namen, Orte und Berufe in dieser Studie wurden verändert, um die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen zu schützen. Sie sind aber dokumentiert und können mit entsprechender Genehmigung eingesehen werden.

Fazit: Eine aufschlussreiche Studie über den Fall eines Pfarrers, der unzählige junge Frauen geistlich und sexuell missbraucht hat. Sie zeigt auf, welche Gefahren in der Macht eines geistlichen Amtes liegen und sensibilisiert für Missbrauch, sodass hoffentlich in der Zukunft schneller eingegriffen wird. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 03.12.2024

Wissenschaft vermischt mit Gedankengut von Naturvölkern

Break the Cycle
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Das Buch verspricht wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema, doch der Anfang bietet davon leider nicht so viel. Neben einführenden Gedanken, findet sich hier esoterisches Gedankengut, Erklärungen zu schamanischen ...

Das Buch verspricht wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema, doch der Anfang bietet davon leider nicht so viel. Neben einführenden Gedanken, findet sich hier esoterisches Gedankengut, Erklärungen zu schamanischen Praktiken und viele Wiederholungen.

Positiv daran ist, dass die Autorin ihre Leser auf liebevolle und behutsame Weise ermutigt. Sie macht deutlich, dass die Aufarbeitung familiärer Wunden harte Arbeit erfordert. Es ist spürbar, dass sie viel Wert auf eine sanfte Herangehensweise legt, die den Leser nicht überfordert. Wer dranbleibt und sich nicht von diesem Anfang abschrecken lässt, wird belohnt: Nach dem ersten Drittel des Buches, bieten die Ausführungen wertvolle und tiefgehende Einsichten.

Besonders nützlich sind die zahlreichen Fragen und Checklisten, die es ermöglichen, das Gelesene auf das eigene Leben anzuwenden. Diese Hilfsmittel zur Problemerkennung und Selbsteinschätzung bieten eine praktische Anleitung zur Selbsthilfe. Die Fragen regen zum Nachdenken an und helfen, eigene Verhaltensmuster und emotionale Blockaden zu erkennen. Die Checklisten dienen als wertvolle Werkzeuge, um Fortschritte zu verfolgen und kontinuierlich an sich zu arbeiten.

Die Erklärungen sind einfach und verständlich gehalten, und anschauliche Beispiele verdeutlichen zusätzlich die Inhalte. Allerdings tauchen immer wieder Hinweise darauf auf, verstorbene Personen zu befragen oder zu ehren, was beim Lesen etwas befremdlich wirken kann. Dazu gibt es die Aufforderung heilende Vibrationen oder auch Dankbarkeit zu Verstorbenen zu senden, und die Ermutigung, dass verstorbene Vorfahren besser ruhen können, wenn ich heile.

Fazit: Das Buch bietet viele hilfreiche Ratschläge und ist leicht verständlich. Abgesehen von den esoterischen Elementen, ist es mit wertvollen psychologischen Einsichten und praktischen Hilfsmitteln ein hilfreiches Buch!