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Veröffentlicht am 06.02.2025

Tod einer Wahrsagerin

Das Mörderarchiv: Der Tod, der am Dienstag kommt
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"Das Mörderarchiv" von Kristen Perrin war ein charmanter Cozy-Krimi, in dem die bislang erfolglose Krimischriftstellerin Annie sich als Hobby-Detektivin betätigen musste, um an das Erbe ihrer Großtante ...

"Das Mörderarchiv" von Kristen Perrin war ein charmanter Cozy-Krimi, in dem die bislang erfolglose Krimischriftstellerin Annie sich als Hobby-Detektivin betätigen musste, um an das Erbe ihrer Großtante zu kommen und deren Mord aufzuklären. Nun gibt es einen Folgeband - "Der Tod, der am Dienstag kommt".

Annie ist mittlerweile Bewohnerin des stattlichen Herrenhauses ihrer Großtante, aber ihr Kriminalroman ist immer noch nicht vorangekommen. Liegt es am allgemeinen Verdruss Annies, die sich in der malerischen Kleinstadt Castle Knoll eher ungeliebt und außen vor vorkommt? Nicht ganz unschuldig dürfte das Mörderarchiv der Tante sein, in dem es nicht nur um Mord ging, sondern die Geheimnisse der Einwohner akribisch aufgeführt wurden. So was sorgt natürlich nicht unbedingt für entspannte Beziehungen.

Als die Wahrsagerin, die einst der Großtante ihre Ermordung voraussagte und damit überhaupt erst den Anstoß zum Mörderarchiv gab, tot in Annies Gewächshaus gefunden wird, ist sie natürlich eine "person of interest" - und fängt erneut an zu ermitteln, unterstützt von ihrer besten Freundin. Dabei gilt es einmal mehr, in die Vergangenheit der Tante und die Geheimnisse der Kleinstadt einzutauchen. Dabei macht Annie einige überraschende Entdeckungen und kommt vergangenem Unrecht auf die Spur.

Auch hier hat Perrin wieder einen Wohlfühl-Cozy geschrieben, der allerdings nicht an den ersten Band heranreicht. Außerdem gibt es logische Brüche, hatte doch Annie im ersten Band verlorene Familienbande in Castle Knoll ausfindig gemacht, die ihre isolierte Stellung im zweiten Band rätselhaft erscheinen lassen. Auch einige Familienintrigen, die im ersten Band für zusätzliche Würze gesorgt haben, fehlen diesmal. Einige ungelöste Rätsel lassen allerdings einen dritten Band vermuten - zu wünschen wäre, dass Perrin dabei dann wieder zur Form des ersten Buches über Annie und das Mörderarchiv aufläuft.

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Veröffentlicht am 06.02.2025

Niederschwellig leichte Küche

What I eat in a day
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Wenn Influencer Bücher schreiben, gehe ich zugegebenermaßen immer mit einer gewissen Grundskepsis ran. Bei Sarah Franssen und "What I eat in a day" hält sich die buchstäbliche Nabelschau allerdings in ...

Wenn Influencer Bücher schreiben, gehe ich zugegebenermaßen immer mit einer gewissen Grundskepsis ran. Bei Sarah Franssen und "What I eat in a day" hält sich die buchstäbliche Nabelschau allerdings in überschaubaren Grenzen, auch wenn Fotos der Autorin im bauchfreien Top, offenem Blondhaar und irgendwie provenzalischer Sommervillakulisse vermutlich motivationsfördernd quer durch das Buch platziert sind.

Im Mittelpunkt steht aber tatsächlich healthy Eating, gewissermaßen als niederschwelliges Angebot. Der Theorieteil über Diätmythen ist kurz und überschaubar - wenn ich da vertiefen möchte, würde ich eh eher zum Buch eines Experten oder einer Expertin greifen.

Die Philosophie hinter dem vorgestellten Ernährungsplan lautet: Es muss individuell passen. Leser*innen werden daher u individuellen Anpassungen ermutigt, wer kein Frühstücksmensch ist, kann sich dann bei einer anderen Mahlzeit mehr gönnen. Dabei sind die 14 Tage des Ernährungsplans in Frühstück, Mittagessen, Snack und Abendessen aufgeteilt. Oft sind Smoothies und Salate dabei, doch auch Pasta und Kartoffeln sind nicht verpönt. Süß darf es durchaus sein, wobei gleichzeitig Wert auf unverarbeitete Lebensmittel gelegt wird. Saisonal und regional soll es natürlich auch möglichst sein.

Unterbrochen wird der Ernährungsplan von "Mottogerichten" - was die Autorin bei einem romantischen Abendessen, bei einem Familienessen, bei Herbstblues oder für Sommerstimmung vorschlägt.

Für die vorgestellten Rezepte braucht es weder große Kocherfahrung noch hohen Zeitaufwand. Auch die Zutaten sind ohne Probleme zu beschaffen und dürften auch diejenigen nicht überfordern, für die selber kochen bisher eher selten ein Thema war.

Veröffentlicht am 28.01.2025

Familienfeier am Gletscherfeld

Verlassen
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Eva Björg Aegisdottir hat bisher drei Romane um die Ermittlerin Elma in Akranes geschrieben, die einen Hang hat, sich mit wenig durchdachten Alleingängen in Gefahr zu bringen. Auch ihr Buch "Verlassen" ...

Eva Björg Aegisdottir hat bisher drei Romane um die Ermittlerin Elma in Akranes geschrieben, die einen Hang hat, sich mit wenig durchdachten Alleingängen in Gefahr zu bringen. Auch ihr Buch "Verlassen" führt in die westisländische Region. Doch das Ermittlerteam von Akranes ist in diesem Fall eher eine Randnotiz. Man kann das Buch auch als Prequel zur Reihe verstehen.

Stattdessen zeichnet Aegisdottir das Bild eines schwerreichen Familienclans, der sich in einem chicen Hotel am Gletscherfeld versammelt, um den Urahn und Gründer des Familienunternehmens zu feiern. Schnell zeigt sich: Geld allein macht nicht glücklich. Und es ist einiges dran an dem Spruch über Gründergenerationen und ihre Erben: Die ersten bauen auf, die zweiten mehren den Reichtum, aber die dritte Generation genießt den Luxus deutlich mehr als die Aussicht aufs Arbeiten. Das ist auch in dieser Familie teilweise der Fall.

Alte Konflikte und Eifersüchteleien brechen auf, zusätzlich befeuert von reichlich Alkoholkonsum. Die Fassade bröckelt, während in der düsteren Spätherbstlandschaft ein Sturm heraufzieht. Als dann auch noch eine Leiche am Fuß einer Klippe gefunden wird, ist die Feierstimmung vorbei. Eine Hotelangestellte, die die Feiernden genau beobachtet und sowohl fasziniert als auch abgestoßen von dem Clan, der für sie bisher stets mit Glamour verbunden war, bildet den Kontrapunkt.

Einmal mehr sind es vor allem die Naturbeschreibungen und die grandiose Kulisse, die eine ganz besondere Stimmung dieses Island-Krimis schaffen. Aegisdottir deutet vieles an, lässt die Leser*innen aber lange Zeit im Ungewissen - selbst über die Identität der Leiche muss lange gerätselt werden, da es gleich mehrere Optionen gibt.

Insgesamt fand ich "Verlassen" weniger vorhersehbar als die ersten drei Bände der Autorin. Die Protagonisten sind teilweise ein wenig überzeichnet, trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen.

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Veröffentlicht am 11.01.2025

Kalle Blomquist auf der Wartburg

Mord auf Hohenhaus
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Wer die Regionalkrimi-Persiflagen von Gerhard Henschel kennt, weiß: Dieser Autor neigt zu lustvoller Überfrachtung sämtlicher Klischees und munterem Genremix. Das gilt auch für sein neues Buch "Mord auf ...

Wer die Regionalkrimi-Persiflagen von Gerhard Henschel kennt, weiß: Dieser Autor neigt zu lustvoller Überfrachtung sämtlicher Klischees und munterem Genremix. Das gilt auch für sein neues Buch "Mord auf Hohenhaus", angesiedelt zwischen Nordhessen und Thüringen in einem für seine edle Speisekarte bekanntem Hotel.

Dass hier sowohl die Dylanologen als auch die Anhänger des Schriftstellers Arno Schmidt tagen, macht die Anreise für den Berliner Rechtsanwalt Michael Ritz, gewissermaßen 60-jähriger Superheld und Universalexperte, gleich dreifach lohnend. Hier trifft er auf so illustre Mitstreiter wie einen amerikanischen Rechtsgelehrten, eine polyglotte britisch-deutsche Ex-Polizistin samt 60 Kilo-Schwergewicht von Rottweiler, den 90 Jahre alten ehemaligen Auslandskorrespondenten Kalle Blomquist und dessen Ehefrau Eva Lotta.

Zwischen regionalen Spezialitäten und Fachsimpeleien über Dylan-Songs und Schmidt-Erzählungen muss die Gruppe auch noch ermitteln: Gleich zwei Teilnehmer der Konferenz sterben unter verdächtigen Umständen, eine junge Frau aus einem nahen Ort wird von zwei angeblichen Polizisten entführt und endet fast als Hexe auf dem Scheiterhaufen.

Ein Hauch von Dan Brown weht durch das nördliche Hessen, als sich die rüstigen Ermittler mit Tandem und Picknickkorb auf die Suche nach den Unbekannten machen, die nicht nur die Inquisition wieder aufleben lassen wollen, sondern offenbar auch Spuren Luthers tilgen wollen.

Klingt überzeichnet? Ist es auch, macht aber Spaß zu lesen. Blödeleien lassen sich auch mit allerlei literarischen und musikalischen Anspielungen schmücken.

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Veröffentlicht am 22.11.2024

Tödliches Krippenspiel

Der Weihnachtsmordclub
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Es weihnachtet sehr auf Sylt, doch während der Duft von Lebkuchen und Tannengrün in der Luft liegt, herrscht nicht nur Besinnlichkeit und Liebe zu allen Menschen. Statt dessen müssen in "Der Weihnachtsmordclub" ...

Es weihnachtet sehr auf Sylt, doch während der Duft von Lebkuchen und Tannengrün in der Luft liegt, herrscht nicht nur Besinnlichkeit und Liebe zu allen Menschen. Statt dessen müssen in "Der Weihnachtsmordclub" von Ben Kryst Tomasson vier alte Damen einen Mord im Gemeindezerntrum der Pfarrei Archsum auf Sylt klären: Ausgerechnet bei den Proben für das Krippenspiel wurde die Leiterin der Jugendgruppe vom herabstürzenden Stern von Bethlehem erschlagen. Und auch sonst passiert so einiges, was mit Besinnlichkeit nichts zu tun hat.

Der Buchtitel erinnert an den Donnerstagsmordclub, und auch hier sind die Ermittlerinnen schon über 80, sehr unterschiedliche Charaktere und kabbeln sich schon mal über ihre persönlichen Lebenseinstellungen: Landarztwitwe Witta, die so gerne auf Diva a la Marlene Dietrich macht, und die burschikose Klempnerwitwe Grethe sind einfach zu unterschiedlich. Da müssen dann die harmoniebedürftige Bäckerwitwe Alma und die pragmatische Kapitänswitwe Marijke schlichten.

Doch trotz aller Unterschiede zieht das rüstige Quartett an einem Strang, wenn es gilt, einen mysteriösen Todesfall aufzuklären. In der Vergangenheit haben sie wohl schon der örtlichen Polizei unter die Arme gegriffen, diesmal sitzen sie mit den übrigen Teilnehmern des Krippenspiels sowie eines Back- und Strickwettbewerbs während eines Schneesturms im Gemeindezentrum fest. Klar entwickeln sie schnell den Ehrgeiz, den Fall selbst zu lösen, bis die Polizei auf den verschneiten Straßen überhaupt eintreffen kann.

"Der Weihnachtsmordclub" ist mehr ein Wohlfühl-Cozy-Krimi mit winterlicher Atmosphäre zwischen Reetdächern, den vier aufgeweckten alten Damen und einem attraktiven Pastor, um den gleich eine ganze Reihe weiblicher Groupies buhlt. Hier kommt es weniger auf Plot und Plausibilität an, und auch allzu viel Tiefe sollte man nicht erwarten. Als Lesebegleitung zu Schietwettertee und ein paar Lebkuchen aber durchaus nett und liebenswert.

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