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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.02.2025

lakonisch, humorvoll, mit übersinnlichen Elementen

Von hier aus weiter
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In „Von hier aus weiter“ widmet sich Susann Pàsztor mit großer sprachlicher Leichtigkeit einem schwierigen Thema, das sich in seiner ganzen Tragweite erst im Laufe des Romans erschließt. Marlenes lakonische, ...

In „Von hier aus weiter“ widmet sich Susann Pàsztor mit großer sprachlicher Leichtigkeit einem schwierigen Thema, das sich in seiner ganzen Tragweite erst im Laufe des Romans erschließt. Marlenes lakonische, trockene Art ließ mich trotz der düsteren Ausgangssituation nach dem Tod ihres Mannes Rolf immer wieder schmunzeln, und auch die anderen Figuren begegnen Marlene erfrischend direkt und unerschrocken. Meistens ziehen sich ja viele Freunde und Bekannte eher zurück, aus Unsicherheit darüber, wie sie mit jemandem umgehen sollen, der gerade seinen Partner oder seine Partnerin verloren hat. Insofern zeigt die Autorin auch, wie heilsam es für die Hinterbliebenen mitunter sein kann, wenn man ihnen weiterhin offen und empathisch, aber ohne Beklemmung begegnet – was sicherlich leichter gesagt als getan ist.

Sehr positiv fand ich, dass die Autorin für Marlenes Situation keine einfache Lösung anbietet, sondern bewusst vieles offen lässt und eher beobachtend schildert. Sicherlich wirkt die Handlung mit Jack, Marlenes ehemaligem Schüler, der spontan bei ihr einzieht und sich in Ida, Rolfs Hausärztin, verliebt, etwas konstruiert, das empfand aber nicht als störend. Im Gegensatz zu den immer wiederkehrenden übersinnlichen Elementen, die ein Eingreifen Rolfs aus dem Jenseits nahelegen. Da ich mit Übersinnlichem absolut nichts anfangen kann, haben diese für mich völlig unnötigen Begebenheiten meinen Lesegenuss leider deutlich geschmälert und führen auch dazu, dass ich leider einen Stern abziehen muss.

Für alle, die sich daran nicht stören, ein sehr lesenswerter Roman.

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Veröffentlicht am 02.02.2025

spannender Thriller mit realistischen Charakteren

They Are Everywhere: Ein Near-Future-Thriller mit Sogfaktor!
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Wir befinden uns im Jahr 2055. Die 16-jährige Hannah aus Deutschland lebt zunehmend in der Onlinewelt Metaverse, in der Realität fühlt sich der unsichere Teenager zunehmend unwohl. Ihre Eltern schicken ...

Wir befinden uns im Jahr 2055. Die 16-jährige Hannah aus Deutschland lebt zunehmend in der Onlinewelt Metaverse, in der Realität fühlt sich der unsichere Teenager zunehmend unwohl. Ihre Eltern schicken sie daher in den Ferien auf Digital-Entzug auf eine Farm in Ohio. Dort lernt sie Jarrett kennen, der auch mit ihr auf der Farm leben wird. Kaum angekommen, spielen alle Maschinen verrückt – Hausroboter, Fahrzeuge und Drohnen wenden sich plötzlich gegen die Menschen, und eine tödliche Jagd beginnt…

Nachdem ich vom Autor Andreas Langer bereits „Schneekinder“ gelesen hatte, war ich sehr gespannt auf seinen neuen Roman. Auf den ersten Blick ein ganz anderes Setting, aber auch hier liegt der Fokus wieder auf der Entwicklung der Charaktere angesichts einer Extremsituation. Wie verhalten sich Hannah und Jarrett in dieser Apokalypse, welche Entwicklung machen sie, einzeln für sich und zusammen, durch?

Die technischen Aspekte der Cyber-Katastrophe stehen hingegen im Hintergrund. An manchen Stellen treffen für mich recht viele Zufälle aufeinander, und die Auflösung geht mir etwas zu schnell. Dennoch bleibt die Handlung bis zum Schluss hochspannend, und dank des flüssigen und sehr lebendigen Schreibstils möchte man das Buch gar nicht aus der Hand legen. Für mich punktet die Geschichte ganz besonders in der Figurenzeichnung, und gerade in Hannah konnte ich mich von Anfang an besonders gut hineinversetzen. Die Ängste, Sorgen und Unsicherheiten von Hannah und Jarrett gleichen denen heutiger Jugendlicher, die sich auf der Suche nach ihrer Identität befinden, und die Zielgruppe ab 14 Jahren wird sich sicherlich in den beiden wiederfinden.

Die Altersempfehlung finde ich aufgrund einiger blutiger Szenen als sehr passend und würde sie nicht unterschreiten.
Fazit: Ein actionreicher, aber auch nachdenklich stimmender Thriller, den ich gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 28.01.2025

ungewöhnliche Bilder, leckere Rezepte

Suppenkult - Deutscher Kochbuchpreis Gold in der Kategorie Foodfotografie
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Suppen und Eintöpfe gehen bei uns gerade in der kühleren Jahreszeit immer, und so war ich sofort neugierig auf das Buch „Suppenkult“.
Das Buch ist eingeteilt in 6 Kapitel: Brühen, Frühling, Sommer, Herbst, ...

Suppen und Eintöpfe gehen bei uns gerade in der kühleren Jahreszeit immer, und so war ich sofort neugierig auf das Buch „Suppenkult“.
Das Buch ist eingeteilt in 6 Kapitel: Brühen, Frühling, Sommer, Herbst, Winter und Einlagen/Toppings. Die jahreszeitliche Zuordnung ist eine sehr gute Idee, bevorzugt man im Frühling und Sommer doch eher leichtere und fruchtige Suppen, und auch die Zutaten sind meist saisonal gewählt.
Auffällig sind die eher kühl, retro und reduziert anmutenden Foodfotos zu den einzelnen Suppen, die gelegentlich ergänzt werden durch ungewöhnliche Nahaufnahmen eines Speiseausschnittes. Bei den Fotos scheint zuweilen eher der künstlerische Aspekt im Vordergrund zu stehen als die Praxistauglichkeit, etwa, wenn sich auf dem Teller mit der Wurzelgemüsesuppe komplette Kartoffeln, Karotten und ganze Knollen Roter Beete wiederfinden. Ich muss ehrlich sagen, dass mir die Bilder etwas zu trist und nüchtern sind, um richtig Appetit zu wecken, dies ist jedoch – im wahrsten Sinne des Wortes – Geschmackssache. Leider sind auch nicht alle Rezepte bebildert.
Neben klassischen Suppen wie Borschtsch und Pichelsteiner Eintopf sind viele Rezepte mit überraschenden Aromakombinationen enthalten, etwa eine Zucchinisuppe mit gebackenen Apfelringen oder eine Zitronensuppe mit Quarkklößchen. Auch die Zutaten variieren über eine große Bandbreite – von „hab ich immer zu Hause“ bis exotisch und aufwendiger zu beschaffen ist alles dabei. Ausprobiert habe ich bisher die Rotkohlsuppe und die Apfel-Kartoffelsuppe mit Zwiebelringen, die beide sehr lecker waren. Wir werden definitiv noch weitere Rezepte nachkochen.
Die Beschreibung der einzelnen Rezepte ist eher knapp gehalten, aber für alle mit etwas Kocherfahrung ausreichend. Ich vermisse leider Angaben zu Zubereitungszeiten. Auch Piktogramme zu veganen oder vegetarischen Gerichten wären schön gewesen, um diese auf den ersten Blick erfassen zu können. Bei den Einlagen und Toppings war für mich bis auf die Gemüsechips nichts Neues dabei, dieses Kapitel hätte gerne etwas umfangreicher ausfallen dürfen.
Insgesamt eine sehr interessante Sammlung teils außergewöhnlicher Suppenrezepte, die Abwechslung auf den Tisch bringen.

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Veröffentlicht am 28.01.2025

zu viel gewollt

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
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Allein der Titel machte mich so neugierig, dass ich das Buch unbedingt lesen wollte, auch wenn mir der Name der Autorin auf Anhieb nichts sagte. Und die Geschichte beginnt so wunderbar spritzig und herrlich ...

Allein der Titel machte mich so neugierig, dass ich das Buch unbedingt lesen wollte, auch wenn mir der Name der Autorin auf Anhieb nichts sagte. Und die Geschichte beginnt so wunderbar spritzig und herrlich pointiert geschrieben, dass ich mit einem breiten Grinsen im Gesicht durch die ersten Kapitel flog. Ich konnte mich wunderbar in Nina, die nur wenige Jahre älter ist als ich, hineinversetzen. Anika Decker entwickelt jedoch nicht einfach eine leichte RomCom, sondern bringt die gesamten Selbstzweifel, den sozialen Druck und die patriarchal geprägten Moralvorstellungen, wie eine Frau um die 50 leben und lieben sollte – und vor allem, wie nicht! – perfekt auf den Punkt. Sehr gelungen sind auch die Passagen über Ninas Schwester Lena und deren verzweifelt-unterwürfige Versuche, im Grunewalder Yogamama-BossBitches-Milieu dazuzugehören.

Leider will die Autorin dann irgendwann zu viel, und bringt neben der Age-Gap-Thematik, Altersarmut von Frauen und den schwierigen Familienverhältnissen von Lena und Nina auch noch die MeeTo-Thematik im Filmbusiness unter. Diese überfrachtet diesen Roman jedoch komplett, und die Geschichte hat inhaltlich und sprachlich die schwächsten Szenen, wenn es um die MeeTo-Sache geht. Nina und ihre Kollegin Zeynep wirken naiv, planlos und emotional gesteuert, und bestätigen damit leider klassische Vorurteile gegenüber Frauen.

Einige Figuren bleiben für mich schwer greifbar. Karin, Ninas Mutter, ist mir zu sehr „drüber“ bis peinlich, die Kinder Marie und Ben wirken seltsam blass und platt, und auch der jugendliche Lover David erscheint mir unglaubwürdig: Nicht weil er sich in eine ältere Frau verliebt, sondern hinsichtlich seines insgesamt recht unreifen Verhaltens, das mich eher an einen Teenie erinnert. Doch auch über Nina schüttele ich zunehmend den Kopf, da sie sich permanent selbst geißelt, an allem die Schuld gibt und gegenüber ihrer Familie für meinen Geschmack zu demütig auftritt. Vielleicht bin ich einfach nicht harmoniebedürftig genug, aber ich hätte hier schon viel früher klare Grenzen gezogen.

Gegen Ende scheint es, als wäre der Geschichte die Luft ausgegangen, die letzten Kapitel wirken schnell hingeschrieben, die Auflösung ist unglaubwürdig. Meine große Hoffnung, dass dieser Roman eine zwar humorvolle, aber doch differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema Age Gap bieten würde anstatt oberflächlicher Antworten, erfüllt sich nicht, und die so vielversprechend begonnene Geschichte endet wie ein seichter Groschenroman.

Die erste Hälfte bekäme 5 Sterne, die zweite 3 Sterne, so dass ich insgesamt knappe 4 Sterne vergebe.

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Veröffentlicht am 24.01.2025

Leben im Krieg

Nachtgäste
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Nachdem ich kürzlich „Radio Sarajevo“ von Tijan Sila gelesen hatte, wurde ich nun auf „Nachtgäste“ aufmerksam.

Die Ich-Erzählerin Maja, eine fiktive junge Erwachsene, deren Wunsch es ist, Schriftstellerin ...

Nachdem ich kürzlich „Radio Sarajevo“ von Tijan Sila gelesen hatte, wurde ich nun auf „Nachtgäste“ aufmerksam.

Die Ich-Erzählerin Maja, eine fiktive junge Erwachsene, deren Wunsch es ist, Schriftstellerin zu werden, erzählt tagebuchartig von ihrem Leben während des Bosnienkrieges in Sarajevo. Das Schreiben wird hierbei für sie zu einer Notwendigkeit, da es ihrem Leben Struktur und Halt gibt. Zusammen mit ihren Eltern, ihrem verheirateten Bruder und dessen schwangerer Frau, der Großmutter, zwei Partisanen und dem Hund Sniffy wohnen sie im Museum, dessen Direktor der Vater ist, nachdem ihre Wohnung ausgebrannt ist.

Mit jugendlichem Blick und ironischem Unterton schildert sie ihren Alltag inmitten des Krieges und ihre oft skurrilen Beobachtungen. Diese sind oft tragisch und komisch zu gleich, etwa wenn es darum geht, eine Ultraschalluntersuchung für die hypochondrische Schwägerin zu „organisieren“. Und so steht die Leichtigkeit von Majas jugendlicher Erzählweise oft im Gegensatz zu den schrecklichen Ereignissen des Krieges.

Ein sehr lesenswerter Roman, der glücklicherweise 30 Jahre nach seinem Erscheinen nun wieder neu aufgelegt wurde.


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