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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.02.2025

Sehr vorhersehbar aber mit viel Wohlfühlfaktor

Der Wind singt unser Lied
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Inhalt:
Toni ist wieder einmal unterwegs und verbringt ihre Zeit im sonnigen Costa Rica. Nach einem zum Glück ohne grössere Verletzungen überstandenen Autounfall und einem rätselhaften Anruf von ihrem ...

Inhalt:
Toni ist wieder einmal unterwegs und verbringt ihre Zeit im sonnigen Costa Rica. Nach einem zum Glück ohne grössere Verletzungen überstandenen Autounfall und einem rätselhaften Anruf von ihrem Vater beginnt sie, einige Lebensentscheide zu hinterfragen und beschliesst - zumindest vorübergehend - in ihre alte Heimat St. Peter-Ording zurückzukehren. Sie muss sich einigen Dämonen aus der Vergangenheit stellen und bemerkt dabei auch, dass sie ihre Familie stärker vermisst hat, als sie sich und anderen eingestehen möchte.

Meine Meinung:
Meike Werkmeisters Bücher inhaliere ich aktuell förmlich. Ihre Figuren haben stets Hand und Fuss und es gefällt mir sehr, dass in ihren Geschichten keine unglaubwürdig konstruierten Liebesgeschichten im Zentrum stehen, sondern mitten aus dem Leben gegriffene Themen wie verschieden Freundschaften und Familienkonstrukte, Konflikte und Vergebung, das Gefühl, sich selber zu suchen und auch das Gefühl, nach Hause zu kommen.
Auch in diesem Buch hat mich die schöne Grundstimmung sofort für sich eingenommen. Die Geschichte war zwar extrem vorhersehbar und die Figuren sind leider überhaupt nicht in der Lage, miteinander zu sprechen, was einige Konflikte unnötig in die Länge zieht und was mich tatsächlich immer mal wieder gestört hat. Ausserdem hatte ich zumindest am Anfang der Geschichte meine liebe Mühe mit dem veralteten Narrativ, dass Kinder (vor allem Töchter) ihren älter werdenden Eltern unter die Arme greifen und dabei ihre eigenen Träume vernachlässigen oder sogar aufgeben. Aber vor allem der zweiten Kritikpunkt wird gegen Ende der Geschichte zumindest teilweise aus der Welt geschafft.

Meine Empfehlung:
Leichter Kritik zum Trotz möchte ich sagen: Merkweisters Bücher sind ein Nachhausekommen für mich. Ihre Erzählsprache ist zugänglich und nimmt mich an die Hand. Sie entführt mich an die Nordsee und mitten ins Leben ihrer liebenswerten (wenn auch in diesem Buch eher nicht so konfliktfähigen) Figuren und ich freue mich schon sehr auf weitere Bücher aus ihrer Feder.

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Veröffentlicht am 29.01.2025

Düsteres, abenteuerliches Gedankenexperiment

Das andere Tal
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Inhalt:
In dieser ganz eigenartigen Welt liegen - nur durch steile Gebirgsketten und Zäunen voneinander getrennt - unzählige identische aber um jeweils zwanzig Jahre zeitversetzte Täler nebeneinander. ...

Inhalt:
In dieser ganz eigenartigen Welt liegen - nur durch steile Gebirgsketten und Zäunen voneinander getrennt - unzählige identische aber um jeweils zwanzig Jahre zeitversetzte Täler nebeneinander. Die Grenzen dürfen nicht ohne Erlaubnis des sogenannten Conseils und nur bei einem Trauerfall übertreten werden. Die junge Odile schafft es ins begehrte Aufnahmeverfahren für eine Ausbildung im Conseil zu kommen und beginnt, Gefühle für einen Mitschüler zu entwickeln, von dem sie aber weiss, dass er bald sterben wird, was sie aber eigentlich nicht wissen und verraten darf.
Jahre später ist sie ganz an einem anderen Punkt in ihrem Leben und wird erneut auf die Probe gestellt. Das Konstrukt der Täler suggeriert die Unausweichlichkeit der eigenen Zukunft. Gelingt es Odile trotzdem, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen? Und zu welchem Preis?

Meine Meinung:
Das Buch ist mir einige Male bei Instagram begegnet, ich wusste aber nicht, ob es mir zusagen würde. Dann habe ich es ganz überraschend von Esther erhalten und mich in den letzten Tagen auf diese abenteuerliche, philosophische und tragische Geschichte eingelassen. Die Idee für diese Geschichte hat mir sehr gut gefallen, auch wenn sich daraus auch einige Ungereimtheiten ergeben. Howard wirft aber ganz wichtige und spannende Fragen auf: wie kann man sich einem scheinbar vorbestimmten Schicksal stellen? Welche Rolle spielen Freundschaft und Loyalität in unserem Leben? Wie geht man mit der Verantwortung um, wenn man plötzlich Macht über andere hat und welcher Preis hat die eigene Freiheit?

Schreibstil und Aufbau:
Durch die ganze Geschichte zieht sich eine düstere Grundstimmung und und die Macht des Conseils, der Grenzer und Gendarmen erinnern sehr stark an verschiedene Dystopien wie "The Hunger Games" oder auch "Brave New World". Eine nicht näher definierte Obrigkeit herrscht fast diktatorisch über eine stark eingeschränkte Gesellschaft, die auf das Entgegenkommen und Wohlwollen einzelner angewiesen ist, wenn sie sich letzte Wünsche erfüllen oder geliebte Verstorbene noch einmal sehen will.
Das Buch ist in zwei Teile gegliedert und viele Beschreibungen lassen ganz tief eintauchen, die Handlung geht aber eher langsam voran. Wir begleiten unsere Protagonistin Odile eng auf ihrem steinigen Weg und sehen zu, wie sie harte Entscheide fällen, schnell reagieren und viele Gefühlte unterdrücken muss. Dies geht nahe und regt zum Nachdenken an.

Meine Empfehlung:
Ich habe mich sehr gerne auf dieses gekonnt erzählte Gedankenexperiment eingelassen, auch wenn sich nicht alles ganz rund gefügt hat. Auusserdem kann ich nun verstehen, warum der Schluss Diskussionspotenzial birgt. Das ist aber auch das Schöne an einer solch abenteuerlichen Geschichte und ich habe mich gerne zum Nachdenken anregen lassen.

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Veröffentlicht am 07.11.2024

Leicht und süss

Süßer die Herzen nie klingen
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Inhalt:
Lindy erinnert sich eigentlich gar nicht mehr an die Briefe, die sie dem Weihnachtsmann vor Jahren geschrieben hat, aber ihre Mutter hat sie alle aufgehoben und präsentiert sie Lindy voller Stolz ...

Inhalt:
Lindy erinnert sich eigentlich gar nicht mehr an die Briefe, die sie dem Weihnachtsmann vor Jahren geschrieben hat, aber ihre Mutter hat sie alle aufgehoben und präsentiert sie Lindy voller Stolz bei deren Weihnachtsbesuch in der Heimat. Lindy kommt ins Grübeln und bemerkt, dass ihre Lebenssituation gerade nicht so einfach ist und dass sie vielleicht ein wenig Hilfe vom Weihnachtsmann gebrauchen könnte. Nachdem sie ihre Wünsche formuliert hat, ist sie bereit, sich und ihrem Leben ein paar neue Chancen zu geben.

Meine Meinung:
Debbie Macombers Bücher kommen in der Regel mit viel Romantik, Gebäck und ein wenig Kitsch daher und nichts anderes habe ich auch von diesem Roman erwartet. Auf 240 sehr schmalen Seiten entwickelt sich eine gemütliche Geschichte, in der einzig die Religiosität der Protagonistin für mich eher erzwungen wirkte. Obwohl ich es meistens nicht mag, wenn in einem Roman plötzlich übersinnliche Elemente vorkommen, hat mich in diesem Buch allerdings gar nicht gestört, dass gaaaanz wenig Weihnachtsmagie mit im Spiel ist und so habe ich die kurzweilige und eher ein wenig oberflächliche Geschichte sehr gerne gelesen. Sie war perfekt für turbulente Tage und kurze Zugfahrten.

Schreibstil:
Macomber versteht es hervorragend, Plätzchenduft und weihnachtliche Gemütlichkeit in Worte zu fassen. Ausserdem wirken alle Figuren so, als würde ich mich in ihrer Nähe wohl fühlen. Vor allem Lindys Eltern habe ich sehr ins Herz geschlossen. Die Kürze dieses Romans ist übrigens kein Nachteil. Da sehr schnell klar wird, wie sich alles entwickeln wird, hätten viel mehr Seiten der Geschichte wohl eher geschadet.
Macomber kann auch anders, tiefgründiger, anspruchsvoller aber ganz ehrlich: für diese Geschichte ist ihre leichte Erzählsprache einfach nur stimmig gewählt.

Meine Empfehlung:
Du suchst nach einem hübschen kleinen Weihnachtsroman in dieser chaotischen Zeit? Dann bist du mit diesem Buch genau richtig beraten. Viel Weihnachtsstimmung, ein paar Gaumenfreuden und natürlich eine grosse Portion Romantik sorgen für leichte, nicht zu tiefgründige Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 12.09.2024

Sicher kein Krimi, aber ein spannend erzählter historischer Roman

Blinde Tunnel
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Inhalt:
Ein heruntergekommenes Weingut mit einer schwierigen Vergangenheit hat es Sonja und Daniel angetan. Doch bald finden sie in den unterirdischen Tunneln, welche das Wohnhaus unterwandern, eine Kinderleiche ...

Inhalt:
Ein heruntergekommenes Weingut mit einer schwierigen Vergangenheit hat es Sonja und Daniel angetan. Doch bald finden sie in den unterirdischen Tunneln, welche das Wohnhaus unterwandern, eine Kinderleiche und als auch noch die rätselhafte Anna, welche sich für die Geschichte des Weinguts interessiert, ermordet und Daniel des Mordes verdächtigt wird, macht Sonja sich auf Spurensuche. Sie taucht tief in die Geschichte des Sudetenlandes und der vertriebenen Sudetendeutschen ein und bekommt die heute noch ambivalente Haltung ihrer Mitmenschen am eigenen Leib zu spüren.

Meine Meinung:
Wer "Blinde Tunnel" als Krimi liest und Spannung wie "Auf dem Niveau von Henning Mankell" (wie das Buch auf der Website angepriesen wird) erwartet, ist leider mit diesem Roman falsch beraten. Sowohl der "Cold Case" als auch der sich in der Neuzeit ereignende Kriminalfall sind nämlich überhaupt nicht spannend und Gänsehaut kommt nur auf, wenn man daran denkt, wozu Menschen im Laufe der Geschichte und auch heute noch immer wieder fähig sind und waren. Spannend wird es aber trotzdem, wenn man in die komplexen und tragischen historischen und gesellschaftlichen Hintergründe der Region Böhmen/Mähren/Schlesien eintaucht und - wie Sonja - erfährt, wie gespalten und traumatisiert auch heute noch viele in diesen Regionen lebende Menschen sind.

Fazit:
Dieses Buch benötigt einen "Cold Case", damit Sonja sich überhaupt mit der Geschichte ihres neu erworbenen Weingutes auseinandersetzt, sie hätte aber auch einfach rätselhafte Tagebücher oder Postkarten finden können und so wäre das Buch nicht als Krimi vermarktet worden, sondern als historischer Roman, der durchaus Spannung aufkommen lässt. Das hätte der Geschichte sicher gutgetan und hätte bei mir nicht komplett falsche Erwartungen geweckt.
Schade, der Roman ist nämlich grandios recherchiert und auch gut erzählt. Als Krimi empfehle ich ihn allerdings überhaupt nicht. Wer sich aber für düstere Verstrickungen und wahre historische Begebenheiten interessiert, ist mit diesem Roman bestens beraten.

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Veröffentlicht am 25.07.2024

Ein wenig durchwachsene Sammlung, Jammern auf höchstem Nivea

Fallensteller
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Inhalt:
Zwölf Erzählungen aus der Feder des Wortkünstlers Saša Stanišić, zwölf Szenen aus zwölf Leben, die zwischen Traum und Wirklichkeit, Fantasie und Kühnheit schwanken, die voller List und Erfindergeist ...

Inhalt:
Zwölf Erzählungen aus der Feder des Wortkünstlers Saša Stanišić, zwölf Szenen aus zwölf Leben, die zwischen Traum und Wirklichkeit, Fantasie und Kühnheit schwanken, die voller List und Erfindergeist und Freundschaft stecken und vom Finden, Locken und Erschaffen berichten.

Meine Meinung:
Nachdem ich Stanišićs neues Buch "Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne" im Mai verschlungen hatte, wollte ich sofort weitere Erzählungen des Autors lesen. Und ich muss ehrlich sagen, dass diese Texte mir ganz unterschiedlich gut gefallen haben. Jedes Mal, wenn der vorwitzige Mo aufgetreten ist (wohl der selbe Mo, der auch in der "Witwe" einige Auftritte hat), war ich begeistert und auch die Geschichten "Die Große Illusion am Säge-, Holz- und Hobelwerk Klingenreiter Import Export" sowie "In diesem Gewässer versinkt alles" haben mich begeistert und vor allem letztere auch tief berührt. Einige andere Erzählungen - unter anderem leider die titelgebende Erzählung "Fallensteller" - haben mich nicht ganz für sich einnehmen können, wenn auch mich alle Figuren, vor allem die Figur des Fallenstellers, wirklich fasziniert haben. Woran es genau lag, kann ich gar nicht genau sagen, irgendwie ist der Funke einfach nicht bei allen Texten auf mich übergesprungen. Dennoch ist diese Sammlung ein ganz grossartiges Stück Literatur, das ich aus meinem Regal nicht mehr wegdenken möchte und das die grosse Qualität und Wandelbarkeit des Autors sehr gut abbildet.

Meine Empfehlung:
Diese Texte haben nicht alle meinen Geschmack getroffen, dafür sind einige davon um so mehr herausgestochen und haben meine Neugier auf weitere Bücher des Autors geweckt. "Vor dem Fest" sowie die Kinder- und Jugendbücher "Wolf", "Hey, hey, hey, Taxi" und "Ava auf einem Bein" warten ja zum Glück noch auf mich und ich vertraue fest darauf, dass Saša Stanišić in den nächsten Jahren weitere Bücher veröffentlichen wird.

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