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Veröffentlicht am 27.02.2025

Berührendes Märchen

Für Polina
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Der Titel "Für Polina" erinnert sicher nicht ohne Grund an Beethovens "Für Elise", denn die Musik spielt im neuen Roman von Takis Würger eine sehr große Rolle.
Der "Held" der Geschichte ist Hannes Prager, ...

Der Titel "Für Polina" erinnert sicher nicht ohne Grund an Beethovens "Für Elise", denn die Musik spielt im neuen Roman von Takis Würger eine sehr große Rolle.
Der "Held" der Geschichte ist Hannes Prager, der viele tiefe Täler durchschreiten und viele Gefahren bestehen muss, bis er endlich mit seiner geliebten Polina vereint ist.
Hannes ist ein typischer Antiheld, schüchtern, klein, aber musikalisch hochbegabt. Er wächst im Moor in einer verwunschenen Villa auf, Polina ist seine beste Freundin. Auf einem uralten Klavier spielt er komplizierte Stücke nach Gehör, komponiert, doch als seine Mutter plötzlich stirbt, wird es aus seiner kleinen heilen Welt herausgerissen. Sein Vater möchte unbedingt, dass er Karriere macht, aber Hannes wird Klavierträger, fährt kostbare Instrumente von hier nach da, Schrottklaviere zum Schrottplatz und sehnt sich doch immer nach der einen Frau, für die er vor vielen Jahren eine Melodie erfunden hat.
Man muss die Vielseitigkeit von Takis Würger bewundern. Während sein erstes Buch "Der Club" das Innenleben in einem englischen Internat untersuchte und sein zweites Buch "Stella" die historische Geschichte der Jüdin Stella Goldschlag aufarbeitete, ist er nun in einem ganz anderen Genre gelandet.
Das Buch ist so liebevoll und zart, aber in einer recht sachlichen Sprache geschrieben, dass ich es gleich ins Herz geschlossen habe. Ein Buch, das aufbaut in diesen schlimmen Zeiten und einen Hoffnungsschimmer am Horizont zeigt. Um es mit Hölderlin zu sagen: "Wo aber Gefahr ist, da wächst das Rettende auch!"

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Veröffentlicht am 16.02.2025

Banalität des Bösen

Ginsterburg
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Hannah Arendt schrieb von der "Banalität des Bösen" und in diesem Buch wird sie vollkommen und erschreckend deutlich.
Im fiktiven Ort Ginsterburg, einer mittelgroßen Stadt, sickert das Böse ganz langsam ...

Hannah Arendt schrieb von der "Banalität des Bösen" und in diesem Buch wird sie vollkommen und erschreckend deutlich.
Im fiktiven Ort Ginsterburg, einer mittelgroßen Stadt, sickert das Böse ganz langsam ein. Zuerst darf die Buchhändlerin nicht mehr alle Bücher im Schaufenster präsentieren, die ihr wichtig sind, dann möchte ihr Sohn Lothar unbedingt zur HJ, weil man da so spannende Dinge unternimmt. Er ist begeistert vom Fliegen und wird später ein erstklassiger Pilot, was ihm Ruhm und Ehre einbringt, aber sein Ende ist schrecklich.
Einige Menschen in der Stadt nutzen die Gunst der Stunde und machen Karriere, andere bleiben auf der Strecke. Ganz langsam sickert das Böse in die Beziehungen und in den Alltag.
Das alles schildert Arno Frank eher kühl, aber nicht ohne Empathie. In Fünfjahresschritten zeigt er die Entwicklung auf und vermeidet dabei jede Dramatik.
Dabei ist das Buch hoch aktuell, denn alles könnte sich wiederholen, wenn die Demokratie nicht wachsam bleibt.
Unbedingt lesenswert, das ist ein Buch, das man in einem Rutsch durchliest!

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Veröffentlicht am 14.02.2025

Kriegswirren

Nacht der Ruinen
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Cay Rademacher führt uns in diesem Buch zurück in das Jahr 1945. Bei einem der letzten Luftangriffe auf Köln stürzt ein englisches Flugzeug ab, der Pilot kann sich mit dem Fallschirm retten, wird aber ...

Cay Rademacher führt uns in diesem Buch zurück in das Jahr 1945. Bei einem der letzten Luftangriffe auf Köln stürzt ein englisches Flugzeug ab, der Pilot kann sich mit dem Fallschirm retten, wird aber von Unbekannten nach seiner Landung ermordet.

Die Alliierten haben das linke Rheinufer kurz darauf schon besetzt und der US-Soldat Joe Salmon, der als Joseph Salomon in Köln aufwuchs, soll den Fall aufklären. Zusammen mit seinem Fahrer Gonzales folgt er ersten Spuren in der vollkommen zerstörten Stadt. Das ist nicht ungefährlich, denn neben Blindgängern, einstürzenden Mauern und Fleckfieber bedrohen ihn auch die noch immer überzeugten Nazis, die sich schon wieder ein warmes Plätzchen in der Friedensgesellschaft gesichert haben. Sie werden gebraucht, in den Verwaltungen, bei der Polizei und in den Krankenhäusern. Joe muss sich aber auch mit seiner eigenen Vergangenheit auseinandersetzen, denn er ließ seine beste Freundin und seinen besten Freund bei seiner Flucht zurück.

Rademacher muss für dieses Buch eine Menge Recherchearbeit geleistet haben, denn er schildert sehr plastisch den Zustand der Großstadt, die Zerstörungen und die überlebenden, traumatisierten Menschen. Eine Leseliste am Ende des Buches weist dann auch auf weiterführende Lektüre hin.

Immer wieder tauchen historische Personen wie Konrad Adenauer, George Orwell oder Irmgard Keun auf, sie verleihen dem Buch noch mehr Authentizität.

Das Buch ist sehr spannend und gut lesbar geschrieben. Ich konnte kaum aufhören zu lesen und bin tief in diese - zum Glück - vergangene Welt eingetaucht. Die Ambivalenz der Situation wird sehr gut sichtbar: einerseits ist man froh über den Frieden, andererseits muss man irgendwie das Überleben sichern, und sei es mit Plünderungen oder Schwarzmarktgeschäften. Auch Joe schwankt zwischen den Erinnerungen an die Vergangenheit und der Notwendigkeit seinen Auftrag auszuführen. Da bleibt keine Hand wirklich sauber und manche moralische Überlegung muss der Realität zum Opfer fallen. Das alles macht Rademacher sehr deutlich.

Ich finde das Buch unbedingt lesenswert.

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Veröffentlicht am 30.01.2025

Herrlich!

Wackelkontakt
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Zuerst fällt bei diesem Buch das Cover auf. Es hat den Anschein als bewege es sich und man kann es nicht richtig fokussieren, Wackelkontakt im Gehirn... Passt aber gut zum Buch, dessen Inhalt auch nicht ...

Zuerst fällt bei diesem Buch das Cover auf. Es hat den Anschein als bewege es sich und man kann es nicht richtig fokussieren, Wackelkontakt im Gehirn... Passt aber gut zum Buch, dessen Inhalt auch nicht so richtig zu fokussieren ist.
Franz Escher ist Trauerredner und lebt allein mit vielen hundert Puzzles, als eines Tages eine Steckdose einen Wackelkontakt hat und von einem Elektriker repariert werden muss. Während der Mann arbeitet liest Escher ein Buch von einem Mitglied der Mafia, der auch Elektriker ist. Dummerweise stellt Escher aus Versehen den Strom an und der Elektriker stirbt. Was nun? In Rückblicken auf das Leben des Elektrikers liest dieser ein Buch, das von einem Trauerredner namens Franz Escher handelt.
Die Verschränkung der beiden Geschichten ohne jeglichen äußerlich sichtbaren Übergang ist eine hohe Kunst, die Haas perfekt beherrscht. Während man bei anderen Büchern oft Mühe hat der Geschichte zu folgen, wenn sie aus mehreren Perspektiven erzählt wird, gleitet man hier mühelos von einer Geschichte zur anderen und irgendwann merkt man, dass sich beide Geschichten nach und nach immer mehr annähern.
Dazu kommt noch eine gehörige Prise Humor und ein Quäntchen Philosophie. Was daraus entsteht ist ein perfekt unterhaltendes Buch , das nicht nur eine große Portion Lesevergnügen bietet, sondern auch die Gehirnzellen zu heftiger Tätigkeit anregt.

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Veröffentlicht am 12.01.2025

Sehr spannend

Die blaue Stunde
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Ich hatte bisher nur den Film nach Paula Hawkins' Buch "Girl on the train" gesehen, aber noch nichts von ihr gelesen. Deshalb war ich sehr gespannt auf dieses Buch.
Es geht um die Malerin Vanessa Chapman, ...

Ich hatte bisher nur den Film nach Paula Hawkins' Buch "Girl on the train" gesehen, aber noch nichts von ihr gelesen. Deshalb war ich sehr gespannt auf dieses Buch.
Es geht um die Malerin Vanessa Chapman, die schon lange tot ist, aber deren Werke sehr berühmt geworden sind. Als man bei einer Ausstellung in einem ihrer Werke einen menschlichen Knochen entdeckt, sorgt das für viel Aufsehen. Hat Chapman ihren Mann "entsorgt", der seit Jahren spurlos verschwunden ist? Der Kurator James Becker macht sich auf die Suche nach der Hinterlassenschaft von Chapman, die auf einer einsamen Insel gelebt hat. Dort trifft er auf Vanessas Freundin und Nachlassverwalterin. Oder war sie viel mehr?
Das Buch zeigt alle Facetten eines guten Romans und eines guten Krimis. Erstklassig geschrieben, spannend zu lesen und mit vielen überraschenden Wendungen hat mich das Buch vollkommen begeistert. Die Personen sind ungewöhnlich, haben ihre Macken und immer auch ein kleines oder großes Geheimnis. Dazu kommt die ungewöhnliche Landschaft auf der Insel, die sehr plastisch beschrieben wird. Man glaubt das Meer zu riechen und zu hören...
Das Buch war ein sehr guter Auftakt zum neuen Lesejahr und hat mich begeistert.

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