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Claudia86

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.01.2025

Zwischen den Jahrhunderten

Das Geheimnis der Glasmacherin
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Der Roman beginnt 1468 auf der Glasbläser-Insel Murano, nicht weit von Venedig. Im Zentrum der Geschichte steht die Familie Rosso. Der tragische Tod des Glasmachermeisters Lorenzo Rosso stellt das Leben ...

Der Roman beginnt 1468 auf der Glasbläser-Insel Murano, nicht weit von Venedig. Im Zentrum der Geschichte steht die Familie Rosso. Der tragische Tod des Glasmachermeisters Lorenzo Rosso stellt das Leben der Familie auf den Kopf. Die beiden Söhne Marco und Giacomo, die die Werkstatt einst übernehmen sollten, sind noch nicht so weit. Giacomo ist zwar fleißig und macht, was man ihm aufträgt. Sein Bruder Marco hat zwar Talent, aber macht am liebsten das, worauf er Lust hat.

Doch die Familie muss nach dem Tod ihres Familienoberhauptes zusammenhalten. Auch Tochter Orsola will ihren Teil dazu beitragen. Orsola ist jung und weiß was sie will. Die Liebe zur Glaskunst hat sie von ihrem Vater übernommen. Doch gehört in der Vorstellung der Glasbläser auf Murano eine Frau nicht in die Glasbläserei-Werkstatt. Mit der Unterstützung von Maria Barovier, einer Frau, die sich in dieser Männerdomäne zu behaupten weiß, findet sie ihren eigenen Weg, ihre Leidenschaft für das Glas auszuleben. Das sie die Perlen verkaufen kann, bleibt zunächst ihr Geheimnis.

Metaphorisch lässt die Autorin Tracy Chevalier einen Kieselstein über das Wasser springen und lässt so die Zeit über Jahrhunderte wandern, über die Kapitel hinweg bis in die heutige Zeit mit Corona und Smartphone. So lässt sie auch die Familien sich über die Jahrhunderte weiterentwickeln, so altert die Familie in den über 500 Jahren nur langsam und es stoßen auch immer wieder neue Figuren zur Familie hinzu.

Anfangs doch etwas gewöhnungsbedürftig, wurde es mit der Zeit doch immer spannender, weil man so die Geschichte Venedigs und der Glasbläserkunst auf Murano lebendig erleben konnte. Man erlebt, wie die Pest über Venedig herzieht, wie Napoleon und die Habsburger versuchen, sich Venedig zu eigen zu machen und merkt schnell, wie auch die Familie Rosso mit den Herausforderungen dieser Zeit zu kämpfen hat. Natürlich bekommt auch Giacomo Casanova seine Gastrolle in der Geschichte.

Der Roman ist authentisch, atmosphärisch und gut gelungen. Weit entfernt von einer geschichtlichen Dokumentation, schafft es die Autorin durch ihren Weg zu erzählen, der Geschichte um die mystische Stadt im Meer und die Glaskunst durch die Jahrhunderte ein besonderes Leben einzuhauchen. Absolute Leseempfehlung, nicht nur für die, die in Venedig schon mal ihr Herz verloren haben!

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Veröffentlicht am 19.01.2025

Wie doch manchmal der Zufall spielt

Die Zuverlässigkeit des Zufalls
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Die 29-jährige Nina-Marie ist ein sympathische Protagonistin, die zusammen mit ihrer Mutter Paula den Laden Buch & Blume im Herzen von Spandau mit Liebe führt.

Paula ist gelernte Floristin und wurde vor ...

Die 29-jährige Nina-Marie ist ein sympathische Protagonistin, die zusammen mit ihrer Mutter Paula den Laden Buch & Blume im Herzen von Spandau mit Liebe führt.

Paula ist gelernte Floristin und wurde vor fünf Jahren von ihrem Mann wegen einer anderen Frau verlassen. Nina-Marie ist ausgebildete Buchhändlerin und hat vor zwei Jahren ihre große Liebe Eric verloren. Und obwohl ihnen nur etwas mehr als ein gemeinsames Jahr vergönnt war, war diese Zeit doch für sie voller Intensität und Erlebnisse, die sie in ihrer Trauer nur schwer loslassen kann.

Sie leidet unter diesem Verlust entsetzlich und findet nur Trost in ihrer Arbeit. Der Blumen- und der Buchladen sind nur durch den Rundbogen miteinander verbunden und Nina liebt es, bunte Sträuße zu binden oder Kunden mit einer Buchempfehlung glücklich zu machen. Aber ansonsten igelt sie sich am liebsten ein und lebt ziemlich zurückgezogen. Auch möchte sie sich in ihrer Trauerbewältigung nicht wirklich helfen lassen.

Als sie dann eines Tages an einen übellaunigen, älteren Herren ganz besondere Blumensträuße ausliefern soll, wendet sich ihr Schicksal. Denn dieser Herr ist nämlich ihr Lieblingsautor Curt Fernau, von dem sie bisher alle seine Bücher gelesen hat. Doch schon seit langem ist kein neuer Roman von ihm erschienen… Sie möchte ihm so gern helfen und merkt doch schnell, dass sie sich zunächst erstmal selbst aus ihrer Trauer-Zone raustrauen muss.

Anfangs etwas träge und melancholisch, hat sich die Geschichte richtig toll entwickelt. Rückblickend erfährt man dann auch mehr von Ninas Vergangenheit, als sie anfängt, von ihrem Leben mit Eric zu erzählen. Was er sich alles für Nina hat einfallen lassen, war schon echt beeindruckend und man merkt schnell, was er für ein besonderer Mensch für sie war. Doch das alles endet mit einem furchtbaren Schicksalsschlag.

Die Autorin Lilli Beck hat die Geschichte so intensiv und real erzählt, dass man die Emotionen spüren kann. Die Orte werden so bildhaft beschrieben, dass man sich fühlt, als wäre man mittendrin. „Die Zuverlässigkeit des Zufalls“ ist ein moderner Roman, der Verlust, Trauer, Loslassen und Liebe thematisiert. Eine Geschichte, die mich auf besondere Art und Weise wirklich fasziniert hat, daher empfehle ich das Buch auch gern weiter.

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Veröffentlicht am 03.01.2025

Zwischen den Fronten

Saale Premium - Die Frauen vom Weinschloss (Die Weinschloss-Saga 2)
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Der Roman „Saale Premium – Die Frauen vom Weinschloss“ ist der zweite Teil der Trilogie der Autorin Paula Seifert rund um die Sekt- und Weingeschichte im Saale-Unstrut-Tal.

Im Mittelpunkt der Geschichte ...

Der Roman „Saale Premium – Die Frauen vom Weinschloss“ ist der zweite Teil der Trilogie der Autorin Paula Seifert rund um die Sekt- und Weingeschichte im Saale-Unstrut-Tal.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht nun Hedda, die nach ihrer Scheidung von ihrem Mann aus Leipzig wieder zu ihrer Mutter Aenne auf das Weinschlösschen zurückgekehrt ist. Hedda, die genau so wie ihre Mutter eine leidenschaftliche Winzerin ist, führt das Unternehmen erfolgreich fort. Doch das allein kann Hedda nicht glücklich machen, denn nach ihrer Scheidung wird sie von allen im Ort gemieden. Doch dann macht der Witwer Hanno ihr, bevor er in den Krieg ziehen muss, einen Antrag und sieht willigt ein.

Auch wenn Hedda nicht weiß, ob sie ihren Ehemann jemals wiedersehen wird, muss das Leben und die Arbeit auf dem Weinberg doch weitergehen. Mit der Hilfe von Thomas, eine Weinbergarbeiter, der auf Grund einer Herzerkrankung nicht eingezogen wurde, bewältigt sie die Herausforderungen der täglichen Arbeit. Und merkt dabei, dass sie sich stark zu dem attraktiven und ruhigen Mann hingezogen fühlt.

Als dann eines Tages ihre Halbschwester Juliette mit ihrer Mutter Claire auf dem Weingut auftaucht, ändert sie alles. Denn Juliette ist so anders als ihre Schwester.

Genauso spannend und gefühlvoll wie schon im ersten Teil schafft es die Autorin, die Herausforderungen für die Frauen und Kinder zu beschreiben, als die Männer in den Krieg ziehen mussten. Und auch als die NSDAP gegründet wurde und Hitler an die Macht kam, merkt man aus der Erzählung schnell, wie nah uns doch die Geschichte immer noch ist.

Hedda musste schnell merken, wozu Menschen in der Lage waren, die bislang Freunde waren, als sie plötzlich Macht ausübten. Auch Heddas Tochter Elisabeth wuchs mit der Winzerei, doch mehr noch konnte sie sich für die Literatur begeistern. Und so geriet „Lizzy“ auch in den Fokus der NSDAP. Sie musste lernen, dass Menschen auch skrupellos mit Literatur umgehen und diese vernichten konnten.

Auch dieser zweite Teil der „Frauen vom Weinschloss“ hat mich überzeugt. Schnell habe ich auch wieder Zugang zu den Figuren gefunden. Das Buch ist wieder unterhaltsam gelungen, vom Anfang bis zur letzten Seiten – von 1914 bis 1939. Auch wer den zweiten Teil gelesen hat, wird wahrscheinlich genauso wie ich Lust auf mehr bekommen. Ich freue mich schon darauf zu erfahren, wie es im letzten Teil weitergehen wird.

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Veröffentlicht am 26.12.2024

Kampf um die Freiheit

Saale Premium - Stürme über dem Weinschloss (Die Weinschloss-Saga 1)
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Der Roman „Saale Premium - Stürme über dem Weinschloss“ ist der erste Teil der Trilogie der Autorin Paul Seifert rund um die Sekt- und Weingeschichte im Saale-Unstrut-Tal.

Im Mittelpunkt der Geschichte ...

Der Roman „Saale Premium - Stürme über dem Weinschloss“ ist der erste Teil der Trilogie der Autorin Paul Seifert rund um die Sekt- und Weingeschichte im Saale-Unstrut-Tal.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die junge Aenne Strauß und es wird bildhaft beschrieben, wie schwer es für eine Frau Ende des 19. Jahrhunderts ist, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Aenne war schon als kleines Mädchen am liebsten mit ihrem Vater im Weinberg und wollte immer alles rund um die Weinproduktion lernen um eines Tages in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten.

Und als sie dann vom größten Konkurrenten ihres Vaters, der Sektkellerei Kloss & Foerster, ein Jobangebot bekommt, überschlagen sich die Ereignisse. Als sie ihren Kollegen Clemens kennen lernt, lernt sie zum ersten Mal die Liebe kennen. Doch ihr Vater untersagt ihr die Heirat. Und so trennt sie sich schweren Herzens von ihm. Als sie sich dafür entscheidet, den älteren der beiden Brüder des Weinschlösschens zu heiraten, nimmt das Schicksal seinen Lauf und Aenne wird gezwungen ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Mit der Unterstützung ihrer Mutter Ernestine, ihrer Tante Oda und ihrer Schwester Bettina geht sie ihren Weg.

Der 1. Teil der Trilogie ist spannend und unterhaltsam geschrieben. Die Autorin schafft es das Setting der Zeit, der Region und der Weingeschichte anschaulich zu gestalten und man begleitet die Figuren gern durch das Geschehen. Man leidet mit der Protagonistin doch die Höhen und Tiefen ihres Lebens.

Durch den flüssigen Schreibstil und die kurzen Sätze fliegt man nur so durch die Seiten.

Nachdem ich die letzte Seite des Buches gelesen hatte, war ich schon gespannt, wie es mit der nächsten Generation der Winzerinnen im Saale-Unstrut-Tal weitergehen wird. Ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung.

Alles in allem ist es ein sehr gelungener Roman, der Lust auf mehr macht. Die Geschichte ist definitiv empfehlenswert für alle die historische Romane mögen, nicht nur für Weinliebhaber oder Kenner des Saale-Unstrut-Tals!



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Veröffentlicht am 07.12.2024

Eine Geschichte die zu Herzen geht!

Der Buchspazierer
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Wie überraschend man manchmal an Bücher gelangt, die so unscheinbar sind und doch plötzlich zu einem richtigen Highlight werden können, hat mir „Der Buchspazierer“ von Carsten Henn gezeigt. Zunächst war ...

Wie überraschend man manchmal an Bücher gelangt, die so unscheinbar sind und doch plötzlich zu einem richtigen Highlight werden können, hat mir „Der Buchspazierer“ von Carsten Henn gezeigt. Zunächst war es zwar die Verfilmung, die mich neugierig auf das Buch gemacht hat, aber kaum aus dem Kino raus konnte ich gar nicht anders als direkt in die nächste Buchhandlung gehen und mir auch den Roman zu holen.

Eigentlich bin ich ja immer etwas skeptisch, wenn es um die Romanvorlagen zu Filmen geht. Aber da ich den Film schon so toll fand, konnte ich eigentlich nicht enttäuscht werden. So kam es also, wie es kommen sollte, aber jetzt möchte ich Euch erstmal etwas mehr zur Geschichte erzählen...

Die Geschichte vom „Buchspazierer“ Carl Kollhoff ist nämlich eine Hommage an die Macht der Bücher. Denn hier findet jeder seiner Kunden nicht nur die Bücher, die er lesen will, sondern die Geschichten, die er wirklich braucht. Man trifft auf Carls Spaziergang viele, teilweise doch echt skurille Charaktere, die für ihn zu Figuren aus Büchern geworden sind. So begegnet man Mister Darcy, Frau Langstrumpf oder auch Herkules und vielen mehr, die doch alle selbst mit den Problemen ihres Alltags zu kämpfen haben. Und so ist der tägliche Besuch ihres „Buchspazierers“ für jeden immer ein besonderes Highlight.

Und als Carl eines Tages Schascha kennenlernt, geht ein Ruck nicht nur durch sein Leben. Schascha, ein gleichermaßen kluges und freches, aber vor allem extrem liebenswertes, kleines Mädchen, welches durch ihre muntere Art nicht nur wieder Leben in Carls Alltag bringt. Anfangs doch ziemlich verschlossen ihr gegenüber, kann Carl nicht anders, als die Kleine in sein Herz zu schließen. Und so geht es garantiert, genau wie mir, auch jedem anderen Leser.

Der Schreibstil des Autors ermöglicht einen guten Einblick in die Gedanken und Gefühle aller Charaktere. Die Geschichte(n) der Figuren sind tiefgründig erzählt, aber dennoch verliert die Geschichte nicht ihre Leichtigkeit, was für mich auch das herzliche Zusammenspiel der beiden Protagonisten entscheidend prägt.

Alles in allem ist dieses Buch einfach nur großartig. Der Autor liefert eine zauberhafte Geschichte, die vielleicht nicht ganz realistisch ist, aber dennoch tiefgründig und mit so viel Liebe zu Büchern und zum Leben gespickt, dass man es einfach nicht mehr aus der Hand legen möchte. Lasst Euch diese tolle Geschichte auf keinen Fall entgehen!

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