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Veröffentlicht am 17.02.2025

Der Weg ins Dunkel

Die Nacht der Schildkröten
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Als bei Livia eine Augenkrankheit diagnostiziert wird, möchte diese es nicht wahrhaben. Das junge Mädchen möchte ihr Leben genießen und tun, was gleichaltrige Kinder in ihrem Alter tun. Erst allmählich ...

Als bei Livia eine Augenkrankheit diagnostiziert wird, möchte diese es nicht wahrhaben. Das junge Mädchen möchte ihr Leben genießen und tun, was gleichaltrige Kinder in ihrem Alter tun. Erst allmählich begreift sie, dass sie unaufhörlich auf den Zeitpunkt zusteuert, an dem die Dunkelheit auf sie wartet. Und damit das Erwachsensein.

»Mir wurde klar, was passiert war, was von Anfang an passieren sollte, nämlich dass die Welt jetzt diese war. Dass diese Straße, diese Gasse, in der ich noch nie zuvor gewesen war, für mich auf diese und keine andere Weise existierte und immer existieren würde.« (Seite 217)

Das Debüt von Greta Olivo, in dem Livia als Ich-Erzählerin fungiert, hat mir wunderbare Lesestunden beschert. Ich konnte förmlich mitfühlen, welche Verzweiflung sie ergriffen hat, als sie begriff, dass es keinen Ausweg, kein Entkommen gibt, und dass die gestellte Diagnose unumstößlich feststeht. Die kleine Hoffnung, die als leise Stimme im Hintergrund flüsterte, erstarb allmählich und trotzdem wehrte sich Livia vehement dagegen, wenn ihr Hilfe angeboten wurde und wollte es schaffen aus eigener Kraft. Sie dabei zu begleiten hat mich berührt, ihre Stärke hat mich beeindruckt und ihr Schmerz weckte immer wieder mein Mitgefühl. Ein großartiger Roman, den ich gerne weiterempfehlen möchte.

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Veröffentlicht am 14.02.2025

Versunken in Trauer

Mein drittes Leben
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»Wir leben nun in getrennten Welten. Eine gläserne Wand steht zwischen uns, und ich werde sie nicht zerbrechen.« (Seite 127)

Ein kleiner Moment der Unachtsamkeit, ein Augenblick, der alles verändert. ...

»Wir leben nun in getrennten Welten. Eine gläserne Wand steht zwischen uns, und ich werde sie nicht zerbrechen.« (Seite 127)

Ein kleiner Moment der Unachtsamkeit, ein Augenblick, der alles verändert. Die siebzehnjährige Sonja stirbt bei einem Unfall und ihre Mutter verliert den Halt im Leben. Linda zieht weg aus Leipzig, lässt ihren Mann zurück und verkriecht sich regelrecht auf einen alten Hof, wo sie mit Hund und Hühnern lebt, fast abgeschnitten von der restlichen Welt. Schwankend zwischen Mut und Todessehnsucht kämpft sie täglich darum, nicht den Verstand zu verlieren. Wieviel Kraft in ihr steckt, wird sie erst selbst herausfinden müssen.

»Ich gab mir keine Mühe, meine Gefühle zu verbergen. Weder Eifersucht noch Trauer oder Wut ließen meine Hände zittern und meine Lippen beben, sondern der Neid auf ihre Fähigkeit zur Freude. Zwischen ihr und der Welt stand keine Glaswand. Ein Foto wie dieses würde es von mir nie mehr geben.« (Seite 129)

Die Ich-Erzählerin Linda hat es mir anfangs nicht leicht gemacht, ihre Gefühlswelt zu verstehen, was selbstverständlich daran liegt, dass sie selbst das Unglück, den Tod ihrer einzigen Tochter, zu verarbeiten versucht hat. Ich kann mir nicht einmal annähernd vorstellen, welchen Schmerz es verursacht, das eigene Kind beerdigen zu müssen, geschweige denn, ob und wie es möglich ist, danach weiterzumachen mit dem Alltag und dem täglichen Leben.

Bewegend und authentisch erzählte Daniela Krien, nahm mich auf eine emotionale, aber nie kitschige Reise in die dunkle Welt der Zurückgebliebenen, zeigte die Trauer und die Zerrissenheit, schrieb darüber, was es mit einem macht, solch eine Tragödie zu erleben. Ich habe zusammen mit Linda gelitten, Mitgefühl gezeigt, den Mut verloren, die Zähne zusammengebissen und mich wieder auf die Beine gekämpft. Ich habe ihr Kraft gewünscht, mit ihr geweint und darauf gewartet, ob es nicht doch noch irgendwo eine Hoffnung gibt, die das alles etwas leichter macht. Das Ende kam unerwartet, aber es war ein guter Abschluss, etwas anderes hätte ich nicht zu wünschen gewagt. Lesenswert!

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Veröffentlicht am 07.02.2025

Keine Gerechtigkeit

Unschuldig
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»Im Jahr 1976 hob der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten ein vierjähriges Verbot von Hinrichtungen auf, und die fünfunddreißig Todesstrafe-Staaten gingen sofort an die Arbeit. Seit damals sind ...

»Im Jahr 1976 hob der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten ein vierjähriges Verbot von Hinrichtungen auf, und die fünfunddreißig Todesstrafe-Staaten gingen sofort an die Arbeit. Seit damals sind 1572 Männer und fünfzehn Frauen durch Gas, die Todesspritze oder den elektrischen Stuhl getötet worden, eine Person wurde durch Erhängen und eine weitere durch ein Erschießungskommando hingerichtet.« (Seite 407)

In diesem Buch sind zehn Storys versammelt, die einer der erfolgreichsten amerikanischen Schriftsteller John Grisham zusammen mit Jim McCloskey, dem Gründer von Centurion Ministries, einer Non-Profit-Organisation, die sich für zu Unrecht Verurteilte in den USA einsetzt, geschrieben hat. Nach dieser Lektüre bin ich mir nicht mehr sicher, vor wem ich in Amerika mehr Angst hätte; vor den Verbrechern, oder doch eher vor den Strafverfolgungsbehörden und anderen Organen der Justiz. Die handverlesenen Fälle sind alle so unglaublich weit davon entfernt von dem, was ich mir unter einer unvoreingenommenen Gerichtsbarkeit vorstelle, dass ich kaum Worte dafür finde. Die Personen, die für Recht und Ordnung zuständig sind, lügen und betrügen, fälschen Beweismittel oder lassen diese ganz verschwinden, beeinflussen Zeugen, erfinden Tathergänge, die so abenteuerlich sind, dass ich mich an Märchen erinnert fühle, und sorgen so dafür, dass völlig Unschuldige verfolgt und verurteilt werden, bestraft für Taten anderer oder für solche, die überhaupt nicht stattgefunden haben. Dies alles unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit.

Mich überkam beim Lesen sehr oft das Gefühl der Ohnmacht, ich konnte zwischen den Zeilen oft die Verzweiflung, die Ungläubigkeit, aber auch die Angst und die Wut spüren, die die zu Unrecht angeklagten Menschen überkommen haben müssen. Oft konnte ich nicht glauben, was da passiert ist, hatte immer wieder die Hoffnung, dass die nächste Instanz doch erkennen muss, was so klar auf der Hand lag, wurde aber wiederholt enttäuscht. Jahrzehntelang wurden unschuldige Menschen weggesperrt und sogar die Beweise ihrer Unschuld führten nicht zur sofortigen Freilassung, geschweige denn Rehabilitation, sondern es vergingen wiederum Jahre, oft fast ein Jahrzehnt, bis überhaupt darüber entschieden wurde, ob über die Wahrheit verhandelt werden wird. Mein Mitleid war grenzenlos, umso mehr habe ich der Auflösung entgegen gefiebert, weil ich so unbedingt wollte, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wird.

Eine bewegende und wichtige Sammlung ist dieses Buch, für Fans von True Crime fast schon eine Pflichtlektüre, für mich eine Bereicherung im Genre und absolut lesenswert!

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Veröffentlicht am 02.02.2025

Gewohnt spannend

Blutbuße
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Die Stockholmer Immobilienentwicklerin Charlotte Wretlind wird in ihrem Hotelzimmer brutal ermordet. Hanna und Daniel werden mit dem Fall betraut. Die getötete Frau wollte ein kostspieliges Projekt umsetzen, ...

Die Stockholmer Immobilienentwicklerin Charlotte Wretlind wird in ihrem Hotelzimmer brutal ermordet. Hanna und Daniel werden mit dem Fall betraut. Die getötete Frau wollte ein kostspieliges Projekt umsetzen, bei der Planung ging sie dabei sprichwörtlich über Leichen. Widerstand gab es bei der Bevölkerung, aber auch im Bereich der Kommunalverwaltung. Die Ermittler tappen noch im Dunkeln, als ein zweiter Mord geschieht.

Beim vorliegenden Buch handelt es sich bereits um den dritten Teil der Reihe mit der Polizistin Hanna Ahlander und ihrem Kollegen Daniel Lindskog. Man muss die ersten beiden Teile »Kalt und still« sowie »Tief im Schatten« nicht lesen, um folgen zu können, denn die Fälle sind in sich abgeschlossen und im neuen Buch wird zwar auf vorherige Ermittlungen eingegangen, die Lösungen werden aber nicht verraten. Im Hinblick auf die Verhältnisse der beteiligten Personen zueinander und auch deren persönlichen Umstände wäre es allerdings von Vorteil, diese großartige Buchserie in der richtigen Reihenfolge zu lesen.

Wie ich es bereits gewohnt bin, tauche ich schon mit dem Prolog tief ins Buch ein und lese mich fest. Viveca Sten versteht es meisterhaft, die Spannung kontinuierlich zu steigern, dazu verschiedene Schauplätze zu bemühen und natürlich legt sie einige falsche Fährten, denen sie mich folgen lässt. Dabei vergisst sie nicht, mir Einblicke in das Privatleben der ermittelnden Personen zu gewähren, und auch Szenarien zu beschreiben, die zuerst verwirrend erscheinen, später jedoch einen Sinn ergeben, wenn das große Ganze in Sichtweite ist. Erst allmählich steige ich dahinter, welche Ereignisse den schrecklichen Taten zugrunde liegen und verfolge mit angehaltenem Atem, wie sich die Situation zuspitzt. Das Finale schraubt die Spannung noch ein bisschen mehr in die Höhe, bis die Auflösung uns alle erlöst. Das Ende zündet noch ein paar Feuerwerke im privaten Bereich und ich glaube, dass ich wahnsinnig werde vor Neugierde, wenn es nicht schnellstmöglich weitergeht. Ich kann es kaum erwarten!

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Veröffentlicht am 31.01.2025

Was wir lieben

Ein klarer Tag
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Der verarmte schottische Pfarrer John Ferguson reist 1843 auf eine kleine Insel im Nordmeer, um den letzten Bewohner des Eilands dazu zu überreden, diese zu verlassen. Der Gutsbesitzer möchte die Insel ...

Der verarmte schottische Pfarrer John Ferguson reist 1843 auf eine kleine Insel im Nordmeer, um den letzten Bewohner des Eilands dazu zu überreden, diese zu verlassen. Der Gutsbesitzer möchte die Insel mit Schafen bevölkern und will den Einsiedler dafür von dort verjagen. Auf der Insel angekommen, stürzt John Ferguson, er verletzt sich lebensgefährlich, wird von Ivar gefunden und gesund gepflegt. Es entsteht eine Freundschaft zwischen den ungleichen Männern, die nicht einmal eine gemeinsame Sprache haben. Indessen reist Johns Frau Mary diesem nach, weil sie davon überzeugt ist, dass ihr Mann seiner Aufgabe nicht gewachsen ist.

»In der Mitte des achtzehnten und bis in die zweite Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts hinein wurden ganze Dorfgemeinschaften gewaltsam von Grundbesitzern vertrieben, die durch erzwungene und systematische Enteignung mehr Platz für Ackerbau, Rinderzucht und später vor allem für Schafe schaffen wollten.« (Seite 215)

Die Autorin verbindet hier einige historische Fakten und webt diese in ihre Geschichte ein, so wie ich es am liebsten mag. Die Lossagung von einem Drittel der Pfarrer von der Schottischen Kirche im Jahr 1843 verbindet sie mit dem mittellosen John Ferguson, die Vertreibung einer ganzen Bevölkerungsschicht mit dem auf der Insel alleine lebenden Ivar und dazu zwingt sie beide Männer dazu, miteinander in einer Sprache zu kommunizieren, die mittlerweile ausgestorben ist.

Die laufende Erzählung wurde unterbrochen durch Rückblenden, die das Leben von John und Mary beleuchteten, Ereignisse aus dem Leben von Ivar erfuhr ich nebenher. Das langsame Herantasten der beiden Männer genoss ich, verstand Johns Ängste und konnte die Sorgen, aber auch die hoffnungsvollen Gedanken von Ivar ganz gut nachvollziehen. Mich überraschte es, welche Wendung die Geschichte nahm, wie sich behutsam und vorsichtig eine Richtung herauskristallisierte, die mich berührte und fast schon seufzen ließ. Ein kleiner Nervenkitzel und ein furchtsamer Moment folgte, um in einem Finale zu münden, das mich zufrieden stellte. Lesenswert!

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