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Veröffentlicht am 05.05.2025

Der Klappentext verrät alles

Der Baum der verborgenen Erinnerungen
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Der junge Reito hatte nicht unbedingt den besten Start ins Leben. Seine Mutter, eine Bardame, starb, als er noch ein Kind war und so wuchs er bei seiner Großmutter in Armut auf. Um mehr Geld zu verdienen, ...

Der junge Reito hatte nicht unbedingt den besten Start ins Leben. Seine Mutter, eine Bardame, starb, als er noch ein Kind war und so wuchs er bei seiner Großmutter in Armut auf. Um mehr Geld zu verdienen, geriet er schließlich auf die schiefe Bahn. Doch nun, im Gefängnis, kontaktiert ihn seine Tante, die er bisher nicht kannte und macht ihm ein Angebot: wenn er von nun ein Leben ohne Kriminalität führt und sich um den Schrein der Familie kümmert, bezahlt sie all seine Schulden. Zu dem Schrein gehört auch ein mächtiger Kampferbaum, der ein Geheimnis verbirgt.

„Der Baum der verborgenen Erinnerungen“ ist der erste Band einer neuen Reihe des bekannten japanischen Autors Keigo Higashino. Im Original liegen bereits zwei Bände vor, die deutsche Übersetzung verfasste Yukiko Luginbühl. Die Handlung wird aus der Sicht von Protagonist Reito in der dritten Person und der Vergangenheitsform erzählt. Daher wissen wir (eigentlich) über das Rätsel des Kampferbaums immer nur so viel, wie der junge Mann selbst und erfahren außerdem einen Großteil seiner Gedanken.

Eines vorweg: Es stört mich ungemein – und ich kann es auch überhaupt nicht nachvollziehen – wenn ein Klappentext das gesamte Buch verrät. Der Roman macht über gut die Hälfte ein Geheimnis daraus, was es mit dem Kampferbaum und den magischen Fähigkeiten, die ihm zugeschrieben werden, auf sich hat. Der Klappentext? Der verrät es einfach sofort – warum entscheidet man sich so? Und im Prinzip verrät auch schon der Titel zu viel; eine einfache Übersetzung des japanischen, der in etwa „Der Wächter des Kampferbaums“ lautet, hätte genügt.

Ja, natürlich geht es in einer Geschichte nicht nur darum, was vor sich geht, sondern auch wie es geschieht und wie es Einfluss auf die Figuren nimmt. Da dass Erzähltempo jedoch ein sehr langsames ist, verdirbt die Tatsache, dass wir die wichtigste Auflösung schon im Voraus kennen, wirklich den Lesespaß, tut mir leid! Wer hier zugreifen möchte, geht am besten so uninformiert wie möglich in den Text. Die Beziehungen zwischen den Figuren und eine kleine spannende Wendung zum Schluss werten den Roman noch einmal auf.

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Veröffentlicht am 18.04.2025

Zu wenig originell

Das Restaurant am Rande der Zeit
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Die 20-jährige Kotoko Niki kann sich nur schwer mit dem Tod ihres Bruders abfinden, der starb, um ihr das Leben zu retten. Yuito war ein bekannter Schauspieler und wurde von allen geliebt, während Kotoko ...

Die 20-jährige Kotoko Niki kann sich nur schwer mit dem Tod ihres Bruders abfinden, der starb, um ihr das Leben zu retten. Yuito war ein bekannter Schauspieler und wurde von allen geliebt, während Kotoko sich als unbedeutend empfindet. Warum konnte sie selbst nicht an seiner Stelle sterben? Als sie von dem Restaurant „Chibis Kitchen“ in einem kleinen Dorf am Meer in der Präfektur Chiba hört, muss sie unbedingt dort einen Platz reservieren. Denn dort, so erzählt man ihr, kann man Verstorbene treffen und sich ein letztes Mal mit ihnen unterhalten.

„Das Restaurant am Rande der Zeit“ von Yuta Takahashi ist der erste Band einer Reihe rund um das Restaurant „Chibis Kitchen“. Im Original umfasst diese bereits 9 Teile; die deutsche Übersetzung stammt von Yukiko Luginbühl. Erzählt wird die Geschichte von einem allwissenden Erzähler in der dritten Person und der Vergangenheitsform. In jedem Kapitel erfährt eine andere Person von „Chibis Kitchen“, isst dort und trifft dabei eine geliebte Person. Alle Charaktere sind zudem miteinander verwoben, was die einzelnen Geschichten verbindet.

Was mir als erstes auffiel, waren die doch sehr großen Ähnlichkeiten zu der „Before the coffee gets cold“-Reihe, die für mich der Einstieg in diese Art von Genre war. Wir haben ein Restaurant, in dem man verstorbene Menschen treffen kann, „so lange der Dampf des Essens noch heiß ist“. Ich weiß, dass es inzwischen viele solcher Geschichten gibt, aber - meiner Meinung - nach hat sich keine so deutlich an der Idee eines anderen bedient. Seltsam fand ich auch, dass das Restaurant in der deutschen Übersetzung „Chibis Kitchen“ heißt, statt wie im Japanischen „Chibineko Kitchen“ – traut man den Leser*innen nicht zu, diesen Namen zu erfassen?

Grundsätzlich ist „Das Restaurant am Rande der Zeit“ sicherlich ein netter Roman. Es geht um Trauer und um Schuldgefühle und bietet den Figuren eine Chance, die viele von uns sicher gerne hätten: noch ein letztes Mal einen geliebten verstorbenen Menschen sehen und sagen, was bisher unausgesprochen blieb. Für mich hätte die Idee aber origineller sein müssen, schade!

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Veröffentlicht am 03.02.2025

Gute Idee mit mäßiger Umsetzung

Shanghai Story
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Es ist das Jahr 2040 und das Ehepaar Leo und Eko Yang hat es in Shanghai zu Wohlstand gebracht. Doch die Beziehung der beiden ist belastet, denn beide träumen davon, anderswo, mit einem anderen Menschen ...

Es ist das Jahr 2040 und das Ehepaar Leo und Eko Yang hat es in Shanghai zu Wohlstand gebracht. Doch die Beziehung der beiden ist belastet, denn beide träumen davon, anderswo, mit einem anderen Menschen neu anzufangen. Auch die drei Töchter Yumi, Yoko und Kiko haben ihre ganz eigenen Probleme. Yumi ist egoistisch und macht sich ständig über ihre jüngere Schwester Yoko lustig. Die ist eher zurückhaltend und beschäftigt sich lieber mit Zahlen als mit Menschen. Yukiko, das Nesthäkchen, von allen nur „Baby Kiko“ genannt, will ein Star werden und dafür ist ihr jedes Mittel recht. Doch wie konnte es soweit kommen? Wie sind die Yangs als Familie an diesen Punkt gelangt?

In „Shanghai Story“ (deutsche Übersetzung von Jan Schönherr) erzählt Juli Min die Geschichte der Familie Yang von der Ehe der Eltern bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Interessant dabei ist, dass nicht chronologisch, sondern rückwärts berichtet wird. Wir starten also im Jahr 2040 mit einer zerrütteten Familie und bewegen uns rückwärts auf den Juli 2014 zu, in welchem Leo und Eko geheiratet haben. Durch diese besondere Art des Erzählens erfahren wir oft nicht, was aus bestimmten Ereignissen oder Figuren geworden ist, einiges erhält jedoch nach und nach einen Sinn, wenn wir z.B. zunächst von der Wirkung einer Angelegenheit lesen und später erst die Ursache in der Vergangenheit finden.

Die Mitglieder der Familie Yang bleiben, vielleicht aufgrund der Art zu Erzählen, den gesamten Roman hindurch nur schwer greifbar. Sie alle sind nicht sonderlich sympathisch und miteinander bilden sie eher eine Zweckgemeinschaft, als eine echte Familie. Sie sprechen nicht über Probleme, gehen einander aus dem Weg, halten nach außen hin aber die Fassade einer perfekten reichen Familie aufrecht. Einblicke in das Leben ihrer Angestellten, wie des Fahrers oder des Kindermädchens, ergänzen das Bild.

Grundsätzlich folgt „Shanghai Story“ einer guten Idee, die Umsetzung ist aber wenig gelungen. Das Rückwärts-Erzählen bringt keinerlei Gewinn und verkompliziert die Geschichte nur. Auch die Botschaft am Ende des Romans bleibt leider unklar.

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Veröffentlicht am 24.09.2024

Spannender Weihnachtskrimi mit schwieriger Protagonistin

Das mörderische Christmas Puzzle
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19. Dezember. Die 80-jährige Edie O‘Sullivan hasst Weihnachten, seit sie an diesen Tagen einige schwere Verluste verkraften musste. Daher lebt sie auch sehr zurückgezogen und meidet den Kontakt zu anderen ...

19. Dezember. Die 80-jährige Edie O‘Sullivan hasst Weihnachten, seit sie an diesen Tagen einige schwere Verluste verkraften musste. Daher lebt sie auch sehr zurückgezogen und meidet den Kontakt zu anderen Menschen. Nur ihr Adoptivsohn Sean und Freundin Riga haben einen Platz in ihrem Leben; ansonsten verbringt sie es mit Kreuzworträtseln, Puzzles und ihren Katzen. Doch dann erhält sie von einem mysteriösen Absender namens „R.I.P“ einige Puzzleteile und eine Nachricht: wenn Edie dieses Puzzle nicht lösen kann, werden bis Weihnachten vier Menschen sterben. Also macht die Seniorin sich an die Ermittlungen und muss dabei mehr als einmal ihre Komfortzone verlassen.

„Das mörderische Christmas Puzzle“ ist der zweite Weihnachtskrimi aus der Feder von Alexandra Benedict, die deutsche Übersetzung stammt von Elisabeth Schmalen. Erzählt wird die Handlung von einem allwissenden Erzähler, der zwar den größten Teil der Zeit bei Protagonistin Edie bleibt, immer wieder aber auch zu R.I.P, dessen Opfern oder Edies Adoptivsohn Sean springt. So haben wir als Leser*innen die Möglichkeit, die Geschehnisse von allen Seiten zu betrachten und Hinweise auf die Identität des Mörders zu sammeln.

Edie ist kein einfacher Charakter und stößt mit ihrer zynischen, oft verletzenden Art immer wieder Menschen von sich. Auf der anderen Seite nahm sie ihren Großneffen Sean bei sich auf, als an Weihnachten dessen gesamte Familie (Vater, Mutter und Bruder) bei einem Unfall ums Leben kam – und dass, obwohl sie selbst eigentlich nie Kinder haben wollte. Auch die Trennung von Lebensgefährtin Sky vor zwanzig Jahren hat sie noch immer nicht verkraftet. Dennoch ist es wirklich frustrierend mitanzusehen, wie Edie nicht nur Menschen aus ihrem Leben vergrault, sondern auch noch der Polizei wichtige Hinweis vorenthält. Dabei ist Sean leitender Ermittler in diesem Fall.

Die eigentliche Kriminalhandlung ist spannend und führt mit einigen Kniffen auf zahlreiche falsche Fährten, dennoch hätte Edies Bedeutung für die Lösung der Hinweise für mich etwas größer sein dürfen. Ihre Puzzleliebe wird zwar betont, dann löst sie den Fall aber eher durch einen spontanen Einfall – schade!

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Veröffentlicht am 19.09.2024

Interessanter Reihenstart!

Mord in der Charing Cross Road
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Sally Merton arbeitet als Buchhändlerin im Ladengeschäft der Gebrüder Heldar in der Charing Cross Road 200. Eines Abends kommt es zu einem Streit zwischen ihr und Butcher, einem der leitenden Angestellten. ...

Sally Merton arbeitet als Buchhändlerin im Ladengeschäft der Gebrüder Heldar in der Charing Cross Road 200. Eines Abends kommt es zu einem Streit zwischen ihr und Butcher, einem der leitenden Angestellten. Fred Malling, einer der Packer, mischt sich ein, es fallen einige unschöne Worte und Butcher stürmt wütend davon. Am nächsten Morgen wird er tot in seinem Büro aufgefunden und der Verdacht fällt sofort auf Fred. Doch Sally glaubt fest an seine Unschuld und macht sich gemeinsam mit Johnny Heldar, dem Juniorpartner, auf die Suche nach dem wahren Täter.

„Mord in der Charing Cross Road“ von Henrietta Hamilton ist der erste Band der Reihe um das Ermittlerduo Sally und Johnny und wurde bereits 1956 im Original veröffentlicht. Die deutsche Übersetzung stammt von Dorothee Merkel. Die Handlung spielt nach dem zweiten Weltkrieg und wird aus der Perspektive der Protagonistin Sally in der dritten Person und der Vergangenheitsform erzählt. Neben dem eigentlichen Kriminalfall zeigt der Roman auch die unterschiedlichsten persönlichen Schicksale, welche die Belegschaft durch und nach dem Krieg erleiden mussten.

Neben dem Mord an dem unsympathischen Butcher gibt es für Sally und Johnny auch noch ein weiteres Mysterium zu lösen. Ein Geist, der seit dem 19. Jahrhundert im Haus spuken soll und eigentlich bereits ausgetrieben war, scheint plötzlich wieder aufgetaucht zu sein. Sally und Johnny tauschen gemeinsam Theorien und Hinweise aus, führen Befragungen durch und machen sich auf die Suche nach einer logischen Erklärung für die Geistersichtung. Dass sie sich dabei durchaus annähern, deutet schon der Untertitel der Reihe an.

„Mord in der Charing Cross Road“ ist ein unterhaltsamer, spannender Kriminalroman, der jedoch auch mit einigen Klischees arbeitet. Dem Handlungszeitraum irgendwann in den 50ern ist sicherlich zu verdanken, dass ein gewisses Frauenbild herrscht und auch die Kunden werden stereotyp dargestellt. Johnny, der im Zentrum steht, zeichnet sich zum Glück durch eine recht modernes, offenes Weltbild aus und behandelt Sally und sein gesamtes Umfeld mit Achtung. Ein interessanter Reihenstart!

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