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Arambol

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.06.2025

Enttäuschend vorhersehbar

Eine von uns
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"Um ehrlich zu sein, wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr wirklich, ob ich lebte oder tot war."

Nach dem Verlust ihres Hauses durch ein Feuer stehen Gina und ihre Familie vor dem Nichts und ziehen ...


"Um ehrlich zu sein, wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr wirklich, ob ich lebte oder tot war."

Nach dem Verlust ihres Hauses durch ein Feuer stehen Gina und ihre Familie vor dem Nichts und ziehen übergangsweise in das luxuriöse Anwesen ihrer alten Freundin Annie, die sich selbst im Urlaub befindet.

Kurz nach dem Einzug erscheint eine Frau namens Mary, die sich als Annies Haushälterin vorstellt. Obwohl Gina Marys Auftreten als recht ungewöhnlich empfindet, akzeptiert sie doch ihre Anwesenheit. Die Atmosphäre im Haus wird immer angespannter und Gina beginnt zu zweifeln, ob Mary wirklich die ist, die sie vorgibt zu sein. Fortan muss Gina sich nicht nur ihrer eigenen traumatischen Vergangenheit, sondern auch einer zunehmend bedrohlichen Gegenwart stellen.

Das Buch „Eine von uns“ beginnt mit einem vielversprechenden Setting – doch leider bleibt es dabei. Statt eines nervenaufreibenden Thrillers mit überraschenden Wendungen liefert Samantha Hayes einen eher seicht und eingängig geschriebenen Roman mit oftmals oberflächlichen Dialogen ab.

Das größte Problem: Spannung kommt kaum auf. Die Geschichte braucht sehr lange, um in Gang zu kommen – und wenn sie es dann tut, fühlt sich vieles zu konstruiert und absurd unrealistisch an.
Leider war die Handlung zu jeder Zeit absolut vorhersehbar und ohne größere Überraschungen.
Auch die beiden höchst merkwürdigen "Story-Wendungen" am Ende wirken aufgesetzt, fühlten sich überzogen und wenig glaubwürdig an.

Durch den Perspektivwechsel zwischen Gina und Mary entstehen immer wieder Redundanzen, die den ohnehin schon schleppenden Spannungsaufbau weiter bremsen und manche Abschnitte einfach langatmig wirken lassen.

Auch die Charaktere konnten mich nicht überzeugen. Sympathie kam für keine Figur auf, insbesondere Ginas Verhalten war oft so naiv und realitätsfern, dass es schwerfiel, sie ernst zu nehmen. Wer verhält sich so? Ihre Entscheidungen waren zuweilen mindestens merkwürdig bis nicht nachvollziehbar, teils völlig fahrlässig.

Für mich leider kein Highlight: Wer auf Spannung und ein klug konstruiertes Thrillererlebnis hofft, wird enttäuscht.
Eigentlich schade, denn die Grundidee der Geschichte hat durchaus Potential. Dafür und für den angenehm flüssig zu lesenden Schreibstil gebe ich dann doch noch drei Sterne.

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Veröffentlicht am 30.04.2025

farblos triste Fortsetzung

Was am Ufer lauert
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"Verdammt, warum konnte das Leben nicht immer so sein. Wer hatte sich nur dieses Erwachsensein ausgedacht."

Im neuen Roman „Was am Ufer lauert“ von Lenz Koppelstätter, der Fortsetzung von „Was der See ...


"Verdammt, warum konnte das Leben nicht immer so sein. Wer hatte sich nur dieses Erwachsensein ausgedacht."

Im neuen Roman „Was am Ufer lauert“ von Lenz Koppelstätter, der Fortsetzung von „Was der See birgt“, wird die Polizeireporterin Gianna Pitti erneut in einen rätselhaften Fall am Gardasee verwickelt. Wenige Wochen nach den Ereignissen des ersten Bandes (den man zum Verständnis unbedingt kennen sollte) kehrt ihr verschollener Vater Arnaldo unerwartet zurück und bittet sie um ihre Hilfe. Als es dann zu einem Treffen mit einer unbekannten Informantin kommen soll, entdeckt Gianna stattdessen die Leiche einer Frau. Gianna, ihr Vater Arnaldo, ihr exzentrischer Onkel Francesco und die Chefredakteurin Elvira stoßen bei ihren Nachforschungen auf Spuren, die tief in die Vergangenheit der Familie Pitti und in die Geschichte des Gardasees führen.

Nach dem recht unterhaltsamen Serien-Auftakt hatte ich mich auf die Rückkehr an den Gardasee gefreut – leider konnte mich die Fortsetzung nicht überzeugen.
Der weit ausschweifende Schreibstil und unzählige unnötige Längen nehmen der Geschichte viel von ihrer Spannung. Auch die ungemein sperrige Sprache erschwert das Eintauchen in die eigentliche Handlung. Diese wirkt zudem auch noch sehr konstruiert und wenig glaubhaft; der Kriminalfall verschwindet dabei fast vollständig hinter einem familiären Drama.

Die Figuren, die Protagonisten, die im ersten Band noch lebendig und vielschichtig waren, erscheinen diesmal klischeehaft und überzeichnet – eine echte Bindung zu ihnen wollte sich bei mir nicht einstellen.

Auch die Atmosphäre und der Zauber des Gardasees, die im Serienauftakt so überzeugend eingefangen wurde, bleibt diesmal unbefriedigend blass.

Letztendlich konnte mich die Auflösung des eigentlichen Kriminalfalls nicht wirklich mitreißen und auch inhaltlich gar nicht überzeugen.

Schade, eine schwache Fortsetzung. Für mich, im direkten Vergleich zum ersten Band, eine Enttäuschung. Zu viel Familiendrama, zu wenig Kriminalroman.

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Veröffentlicht am 18.03.2025

Konnte mich nicht fesseln

Die Kammer
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"In dieser hermetischen Kapsel verflüchtigt sich der Sinn für Verhältnisse. Für Perspektiven."

Eine Gruppe von Tauchern soll in der Nordsee Wartungsarbeiten an einer Ölpipeline durchführen. Vor ihrem ...


"In dieser hermetischen Kapsel verflüchtigt sich der Sinn für Verhältnisse. Für Perspektiven."

Eine Gruppe von Tauchern soll in der Nordsee Wartungsarbeiten an einer Ölpipeline durchführen. Vor ihrem ersten Tauchgang müssen sie mehrere Tage in einer Druckkammer verbringen, um sich an den hohen Druck in der Tiefe anzupassen. Unerwartet kommt einer der sechs Taucher unter mysteriösen Umständen ums Leben. Da das vorzeitige Öffnen der Kammer für alle Insassen tödlich wäre, sind sie gezwungen, in der beengten Umgebung auszuharren. Es bleibt nicht bei diesem einen Todesfall und deshalb beginnt ein Überlebenskampf, bei dem niemand dem anderen trauen kann.

Die Ausgangslage verspricht Spannung und psychologischen Nervenkitzel – doch leider bleibt der Thriller in vielen Punkten hinter den Erwartungen zurück.
Die beklemmende Atmosphäre der Druckkammer, die intensive Platzangst und Enge, ist eines der zentralen Elemente des Buches. Die Handlung dreht sich immer wieder im Kreis, ohne wirklich voranzukommen, was besonders im Mittelteil zu spüren ist.
Viele recht kurze Kapitel reihen sich aneinander, ohne dass wirklich etwas geschieht. Statt Spannung aufzubauen, werden zahlreiche Anekdoten und Erinnerungen der Protagonisten eingeflochten, die oft nur wenig zur eigentlichen Handlung beitragen.

Ein Thriller sollte fesseln, doch "Die Kammer" schafft es über weite Strecken nicht, echte Spannung zu erzeugen. Das Gefühl der Bedrohung ist zwar allzeit vorhanden, aber oft zu subtil, um wirklich mitzureißen. Als schließlich das Finale naht, bleibt dieses dann überraschend unspektakulär. Wer auf eine unerwartete Wendung oder einen packenden Showdown hofft, wird eher enttäuscht.

Auch die Figuren bleiben deutlich hinter ihren Möglichkeiten zurück. Keine der Figuren wirkt tiefgründig oder wirklich fesselnd. Da sich die Geschichte fast ausschließlich auf eine kleine Gruppe von Menschen fokussiert, wäre es entscheidend gewesen, dass ihre Dynamik und ihre Persönlichkeiten überzeugen. Das gelingt hier nur bedingt.

Wer sich generell für das Thema Tauchen interessiert oder ein Faible für klaustrophobische Szenarien hat, kann Gefallen an diesem Buch finden.
Für mich war "Die Kammer" inhaltlich einfach nicht mein Thema – und auch als Thriller hat mich das Buch nicht wirklich überzeugt.

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Veröffentlicht am 04.02.2025

Unspektakulär

Dunkle Asche
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"Ein Fenster in die Vergangenheit öffnete sich, zu einem Sommer, den sie am liebsten vergessen hätte."

Jona Thomsens Krimi "Dunkle Asche" entführt uns an die Ostseeküste, genauer gesagt in den kleinen ...


"Ein Fenster in die Vergangenheit öffnete sich, zu einem Sommer, den sie am liebsten vergessen hätte."

Jona Thomsens Krimi "Dunkle Asche" entführt uns an die Ostseeküste, genauer gesagt in den kleinen Ort Kalifornien, wo ein alter Mordfall neu aufgerollt wird. Im Zentrum der Handlung steht das neu formierte Ermittlerduo mit Gudrun Möller und Judith Engster; zwei Charaktere, die unterschiedlicher kaum sein könnten.
Die anfängliche übergroße Distanz zwischen den beiden Ermittlerinnen entwickelt sich im Laufe der Geschichte zu gegenseitigem Vertrauen. Besonders für Gudrun wird der Fall sehr schnell zu einer persönlichen Reise in ihre eigene Vergangenheit.

Aufgrund einiger, für mich schwer nachvollziehbarer Handlungen, bin ich mit den beiden Figuren jedoch nie richtig warm geworden.

Der Krimi ist insgesamt flüssig zu lesen, die Kapitel sind überschaubar kurz. Die Geschichte selbst ist handwerklich gut geschrieben, dennoch fehlt es durchgehend an wirklicher Spannung und Überraschung. Zwar sorgt das Ende noch für eine unerwartete Wendung, doch diese wirkt übertrieben konstruiert und ist nun wirklich enttäuschend und unnötig klischeehaft ausgefallen.

Die falschen Fährten, die Jona Thomsen immer wieder legt, sind stets allzu offensichtlich, sodass sich der Fall relativ früh durchschauen lässt.

Wer auf Hochspannung und zahlreiche Wendung hofft, wird möglicherweise enttäuscht. Alles in allem ist "Dunkle Asche" ein solider, aber gleichzeitig auch unspektakulärer Krimi.
Kein herausragendes Highlight, aber dennoch unterhaltsam für zwischendurch.

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Veröffentlicht am 14.11.2024

Irgendwie außergewöhnlich anders

Wir finden Mörder (Wir finden Mörder-Serie 1)
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"Rechne stets mit dem Schlimmsten, dann bist du für alles gewappnet."

Zugegebenermaßen, der Einstieg in diesen Kriminalroman ist mir etwas schwer gefallen. Zu viele handelnde Personen und die ständig ...


"Rechne stets mit dem Schlimmsten, dann bist du für alles gewappnet."

Zugegebenermaßen, der Einstieg in diesen Kriminalroman ist mir etwas schwer gefallen. Zu viele handelnde Personen und die ständig wechselnden Schauplätze haben mich anfänglich leicht verwirrt. Doch hat man, ungefähr nach mindestens hundert Buchseiten, eine erste zarte Vermutung, um was es in etwa vielleicht gehen könnte, macht die Lektüre irgendwie Spaß.
Wer ist Opfer, wer ist Täter? Und warum eigentlich?

Klingt kompliziert? Und ja: ist es auch!

Eine Personenschützerin, eine reiche und erfolgreiche Thrillerautorin sowie ein Ex-Kriminalkommissar müssen sich als Ermittlertrio zusammenfinden, um möglichst schnell mehrere Morde an Influencern aufzuklären, bevor sie selbst in tödliche Gefahr geraten.

Die Kriminalgeschichte bleibt durchweg unübersichtlich, die Verflechtungen der
vielen Charaktere undurchsichtig, fast nicht nachvollziehbar. Trotzdem sind die unterschiedlichen Protagonisten von R. Osman wunderbar detailliert und sehr individuell ausgearbeitet.
Auch für einen stets angenehm hohen Spannungsbogen ist gesorgt, denn mit absoluter Regelmäßigkeit gibt es weitere Mordopfer.

Die zumeist äußerst kurzen, temporeich geschriebenen (über einhundert!) Kapitel lassen sich flüssig lesen. Die Dialoge kommen mitunter wunderbar britisch trocken und humorvoll daher. Diese bisweilen fast sinnfreien, auf die Spitze getriebenen Wortgefechte sind dabei gleichzeitig unterhaltsam originell.

Fazit
Die Handlung an sich ist abgedreht. Die häufig wechselnden Schauplätze und die vielen Protagonisten strengen beim Lesen schon ordentlich an und machen es mühsam, sich zurechtzufinden.
Der trockene Humor kann gefallen, und gerade und nur deshalb hat mich der Roman "Wir finden Mörder" von Richard Osman streckenweise angenehm kurzweilig unterhalten.

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