Geschichte mit viel Potential
Die Glücksfrauen – Das Geheimnis der RosenIm dritten Teil der "Glücksfrauen"-Reihe versuchen die Enkelinnen in der Gegenwart gemeinsam die Fluchtgeschichte der dritten Freundin Anni aus dem Berlin der 1930er Jahre nachzuverfolgen. Nach New York ...
Im dritten Teil der "Glücksfrauen"-Reihe versuchen die Enkelinnen in der Gegenwart gemeinsam die Fluchtgeschichte der dritten Freundin Anni aus dem Berlin der 1930er Jahre nachzuverfolgen. Nach New York und Rio ist der Handlungsort diesmal die von Anni gegründete Rosenfarm in Tansania.
Grundsätzlich sind alle drei Geschichten der Freundinnen sehr gut durchdacht und auch die Reihenfolge ist gut gewählt, da sich die Dramatik der Handlungen von Buch zu Buch steigert. Auch der Schreibstil ist sehr flüssig. Ich habe die Bücher sehr schnell gelesen. Die Geschichten der Enkelinnen hätten etwas weniger ausgeschmückt werden können und auch die Liebesgeschichten für jede Frau und einige Dialoge waren unnötig. Hätte sich die Autorin auf die Vergangenheit konzentriert und dafür den Enkelinnen jeweils ein paar Seiten weggenommen, hätte es hervorragend werden können. So fehlen an wichtigen Stellen Erklärungen, Motive und ein bisschen mehr Hintergrund. Für mich müssen nicht alle Details am Ende bei den Enkelinnen ankommen, da es nicht für alle Lebensabschnitte Zeitzeugen gibt. Aber für die Lesenden sollten diese Abschnitte dargestellt werden, wenn sie Einfluss haben oder später thematisiert werden. Bestes Beispiel dafür ist Luises Verrat: Seit dem ersten Buch ist er ein wichtiges Handlungselement und der Grund für so vieles in der Gegenwart. Die Spannung und die Erwartungshaltung der Lesenden werden über alle drei Bücher hinweg aufgebaut. Leider wird die Auflösung am Ende kurz abgehandelt und wirkt durch das Fehlen einer Erklärung oder eines entsprechenden Rückblicks ernüchternd. Ein paar Absätze mehr hätten an dieser Stelle wirklich gut getan. Unklar bleibt auch, warum Anni es zulässt, dass Siegfried ihr ganzes Leben lang Macht über sie ausübt. Die Botschaft des Buches, dass die drei Freundinnen starke Frauen sind, die ihren Weg gehen, wird für mich dadurch verwässert.
Wie schon in den ersten beiden Teilen hat mich die Handlung in der Vergangenheit mehr überzeugt als die in der Gegenwart. Die drei Freundinnen und ihr Leben werden anschaulich dargestellt und wirken in ihren Handlungen und Entscheidungen sehr authentisch. Die Enkelinnen in der Gegenwart sind etwas unausgegoren, ihre Dialoge sind entweder Geschwätz über mögliche Liebesbeziehungen oder sie sprechen über die Probleme und Missstände der heutigen Zeit. Die Substanz und Tiefe ihrer Charaktere wird im Vergleich zu den Freundinnen aus der Vergangenheit nicht erreicht.
"Das Geheimnis der Rosen" ist für mich insgesamt ein gutes Buch, das viel mehr Potential gehabt hätte. Vielleicht liegt es aber auch einfach nur am Vergleich mit den Vorgängern und meinen Erwartungen.