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Veröffentlicht am 11.03.2026

Die Dilettanten-Detektivin

39 Grad Mord
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Hannah Krause-Bendix, die Protagonistin von „39 Grad Mord“, muss dringend liefern. Und zwar einen zweiten Krimi, nachdem ihr erster ein ungeahnter Erfolg war und ihren schriftstellerischen Durchbruch ermöglicht ...

Hannah Krause-Bendix, die Protagonistin von „39 Grad Mord“, muss dringend liefern. Und zwar einen zweiten Krimi, nachdem ihr erster ein ungeahnter Erfolg war und ihren schriftstellerischen Durchbruch ermöglicht hat. Zwar hat sie weder Lust auf noch Inspiration für dieses neue Buch, doch der vom Verlag gezahlte Vorschuss ist bereits aufgebraucht. Ihr Lektor schickt sie schließlich nach Sizilien, da er dorthin Kontakte hat und hofft, dass Krause-Bendix in einer schicken, einsam gelegenen Villa mit Meerblick ihre Schreibblockade bezwingen wird. Doch noch bevor sie sich das erste Mal an den Schreibtisch gesetzt hat, wird die Dänin in einen Mordfall verwickelt und beginnt bald danach, auf eigene Faust zu ermitteln.

So weit, so solide, könnte man meinen. Krause-Bendix ist längst nicht die erste fiktive Krimiautorin, die zur Hobbydetektivin wird. Allerdings gehört sie vermutlich zu den stümperhaftesten und hat einen besorgniserregenden Alkoholkonsum. Überdies neigt sie zu impulsivem Verhalten und undurchdachten Kamikaze-Aktionen. Mich hat das zunehmend irritiert, aber trotzdem ganz gut unterhalten. Gelegentlich zeichnet sich die Protagonistin auch durch einen amüsanten Sarkasmus aus und irgendwie hat mich das bei der Stange gehalten.
Vor der Lektüre war mir nicht klar, dass „39 Grad Mord“ (was für ein sperriger Titel) der zweite Band um diese (Anti-)Heldin ist. Wenn man den Erstling „30 Tage Dunkelheit“ zuerst liest, ist das vermutlich vorteilhaft, um das Beziehungsgeflecht von Krause-Bendix von Anfang an zu verstehen. Würde ich einen dritten Teil lesen? Ich bin mir nicht sicher, habe die dilettantische Hauptfigur aber doch etwas ins Herz geschlossen. Versöhnt hat mich außerdem, dass ich nach knapp zwei Dritteln des Buches befürchtet habe, die Auflösung zu kennen und es dann doch nicht so simpel war wie gedacht. Es gibt definitiv spannendere und raffiniertere Krimis, aber gute Unterhaltung bietet „39 Grad Mord“ – wenn man den wilden und mitunter blinden Aktionismus der Protagonistin auf Dauer ertragen kann.

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Veröffentlicht am 10.10.2025

Super niedlich illustriert, inhaltlich leicht schief

Löwe sucht einen Freund - oder: Ich hab dich zum Fressen gern
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Dieses quietschbunt-vergnügte Bilderbuch handelt von einem fröhlichen, vegetarisch lebenden Löwen, der gerade umgezogen ist. Nun sucht er neue Freunde und schmeißt sich ins Zeug, um möglichst schnell mit ...

Dieses quietschbunt-vergnügte Bilderbuch handelt von einem fröhlichen, vegetarisch lebenden Löwen, der gerade umgezogen ist. Nun sucht er neue Freunde und schmeißt sich ins Zeug, um möglichst schnell mit seinen Nachbarn in Kontakt zu kommen. Dummerweise unterschätzt er dabei seine Außenwirkung und verschreckt erst ein Zebra, dann einen Hund und zuletzt noch ein Eichhörnchen. Wie gut, dass ihm der Bär von nebenan schließlich auf die Sprünge hilft. Doch geben die anderen Tiere dem Löwen noch eine Chance?

Die farbenfrohen Illustrationen finden meine Kinder und ich super. Die Mimik der Tiere ist sehr ausdrucksstark, der rosa bemähnte Löwe einfach ein lustiger Zeitgenosse. Die Geschichte dagegen ist für kleine Kinder nicht ganz unkompliziert: Dass alle Tiere Angst vor dem Löwen haben, hat meine erst einmal erstaunt – zum einen ist dieser hier besonders lieb, zum anderen gibt es viele Bilderbücher, wo Löwen mit anderen Tieren harmonisch zusammenleben und das gar nicht in Frage gestellt wird. Dann ist schließlich die Mutter Schuld, dass der Löwe die anderen Tiere in die Flucht geschlagen hat – allerdings hat sie nur empfohlen, immer schön nett und hilfsbereit zu sein und sich von seiner besten Seite zu zeigen, was der Löwe dann etwas zu eifrig umgesetzt hat. Dass eine Moral der Geschichte ist, dass Mamas nicht immer recht haben, hat mich erstaunt. Generell stimmt es natürlich, ist aber hier inhaltlich nicht ableitbar. Dass der Löwe den verschreckten Tieren Geschenke macht, damit sie ihm noch eine Chance geben, finde ich auch nicht komplett glücklich. Eine süße Geschichte mit einem Happy End, das meine Kinder sehr erfreut hat, ist „Löwe sucht einen Freund“ aber trotzdem.

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Veröffentlicht am 17.09.2025

Hilfreicher Eltern-Ratgeber mit kleinen Abstrichen

QUID+ Aber warum?
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Dieses Buch ist für Eltern und für Kinder, gehaltvoll und niedlich illustriert. Das große, quadratische Format fällt sofort ins Auge. Das Vorwort bietet Eltern eine erste Orientierung zur Nutzung des Buches ...

Dieses Buch ist für Eltern und für Kinder, gehaltvoll und niedlich illustriert. Das große, quadratische Format fällt sofort ins Auge. Das Vorwort bietet Eltern eine erste Orientierung zur Nutzung des Buches und zu seinem Oberthema: Wie können elementare Warum-Fragen von Kindergartenkindern altersgerecht beantwortet werden? Dann kommen 27 Vorlesegeschichten zu konkreten Fragen nach Tag und Nacht, Leben und Tod, Emotionen und Krankheiten. Am Ende folgen dann noch einige Seiten zur Meta-Ebene, die Eltern für die Wichtigkeit von Warum-Fragen sensibilisieren und generelle Hilfestellungen zur Beantwortung bieten.

Letzteren Teil fand ich erst einmal am Wichtigsten und Hilfreichsten. Die Geschichten an sich sind viel zu spezifisch, um sie als kleine Zwischendurch-Lektüre vorzulesen. Sie sind nicht wirklich mit „normalen“ Bilderbuch- oder Kinderbuchinhalten vergleichbar, dafür drehen sie sich zu hartnäckig um jeweils eine Frage, die eben beantwortet werden soll. Trotzdem hätte man sie verspielter oder spannender gestalten können. Mir als Elternteil geben sie aber trotzdem Hilfestellung bei der Beantwortung großer Fragen und zeigen beispielhaft, wie Vergleiche und Metaphern eingesetzt werden können. Einige der Geschichten sind sicherlich eine gute Ergänzung, wenn die enthaltenen oder ähnliche Fragen bei Kindern aufkommen. Dabei ist nicht jede gleich gut gelungen – der Unterschied zwischen Mädchen und Jungen ist z.B. fragwürdig erläutert, das Vokabular nicht zeitgemäß bzw. sogar unangebracht (Wurm und Schmetterling!). Trotzdem kann das Buch helfen, besser auf Kinderfragen einzugehen. Und so ist es quasi ein Ratgeber mit Geschichten-Mehrwert, den ich zumindest teilweise als inspirierend empfinde.

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Veröffentlicht am 16.04.2025

Erst Luxusparty, dann Seenot

Die Yacht
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Aller guten Dinge sind drei! Tatsächlich ist das schon der dritte Thriller, den ich von Sarah Goodwin gelesen habe. Was die Autorin richtig gut kann: Verzweifelte Überlebenskämpfe schildern. Woran es ab ...

Aller guten Dinge sind drei! Tatsächlich ist das schon der dritte Thriller, den ich von Sarah Goodwin gelesen habe. Was die Autorin richtig gut kann: Verzweifelte Überlebenskämpfe schildern. Woran es ab und zu hapert: an der Plausibilität.

Hauptfigur Hannah freut sich auf die luxuriöse Silvesterparty ihrer Kindheitsfreundin Libby, die dieses Jahr auf einer an der Ligurischen Küste liegenden Yacht stattfindet. Die Anreise, die sie mit dem eigenen Auto möglichst kostengünstig gestaltet, ist zwar mühsam, doch sie will sich das Ganze auch nicht entgehen lassen. Schließlich ist Libbys Silvesterspektakel ihr jährlicher Ausflug in die Welt der Reichen und Schönen, zu der sie sonst keinen Zugang hat. Erst bei ihrer Ankunft wird Hannah klar, wie exklusiv die diesjährige Party ist: Sie sind gerade mal zu sechst auf der gar nicht so großen, aber extrem aufgemotzten Yacht, die gut vertaut im Hafen liegen bleiben soll. Doch am Neujahrsmorgen finden sich Hannah und die anderen plötzlich auf hoher See wieder und erkennen bald, dass sie aus eigener Kraft nicht zurück an Land kommen werden. Als von den sechs Anwesenden nur noch fünf auffindbar sind, spitzt sich die Lage immer weiter zu …

Goodwins neuester Thriller hat das Zeug zu einem fesselnden Pageturner: Locked-Room-Szenario, undurchschaubare Gruppendynamik und jede Menge Geheimnisse inklusive. Geschmälert wird das Lesevergnügen durch die zum Teil ziemlich eindimensional dargestellten Charaktere. Ich-Erzählerin Hannah mit ihren Nöten und Ängsten ist man dagegen ganz nah – das ist spannend und ließ mich am Ball bleiben. Vorteilhaft war auch, dass ich keine Ahnung von Yachten und Seewegen habe – denkt man jedoch etwas länger auf der ganzen Situation herum, stellt sich schnell die Frage, wie realistisch das Setting eigentlich ist. Insbesondere im letzten Drittel wurde die Geschichte wieder sehr abenteuerlich. In ihren Bann gezogen hat sie mich trotzdem – mit Schreibstil und Spannungsaufbau kann Goodwin größtenteils überzeugen.

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Veröffentlicht am 07.02.2025

Wenn die Luxusimmobilie zum Albtraum wird

Apartment 5B
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Rosie und Chad können ihr Glück kaum fassen: Völlig unverhofft haben sie die Eigentumswohnung von Chads verstorbenem Onkel geerbt. Damit scheinen die Autorin und der Schauspieler ihre Geldsorgen erst einmal ...

Rosie und Chad können ihr Glück kaum fassen: Völlig unverhofft haben sie die Eigentumswohnung von Chads verstorbenem Onkel geerbt. Damit scheinen die Autorin und der Schauspieler ihre Geldsorgen erst einmal los zu sein – oder? Das Hausgeld im renommierten Windermere ist nicht gering und New York generell eine teure Stadt. Trotzdem scheint das Erbe gerade für Rosie ein Glücksgriff zu sein, hat sie doch beschlossen, ihr zweites Buch über das Gebäude zu schreiben, das eine dunkle Vergangenheit zu haben scheint. Vor Jahrzehnten gab es in der Luxusimmobilie mehrere tragische und auch mysteriöse Todesfälle, zu denen die ehemalige Verlagsmitarbeiterin recherchiert. Doch kaum eingezogen, bekommt sie den Eindruck, dass eventuell auch heute noch nicht alles im Windermere mit rechten Dingen zugeht …

Das Cover wird diesem Thriller leider kein bisschen gerecht. Rosie und Chad ziehen in besagtes Apartment 5B, was aber nicht direkt unterm Dach liegt, und den luxuriösen Windermere-Wohnkomplex stelle ich mir auch um einiges ansehnlicher vor als den düsteren Kasten auf dem Cover. Der Titel wirkt wie gesprayt, etwas Stattlicheres hätte hier besser gepasst. Die Geschichte selbst hat mich alles in allem gut unterhalten. Ab und zu habe ich befürchtet, die Handlung würde ins Übersinnliche und vielleicht auch Trashige abdriften, aber es blieb noch in einem für mich halbwegs akzeptablen Rahmen. Spannend ist der Thriller auf jeden Fall und ich konnte mir lange keinen Reim auf die Ereignisse machen. Teilweise fand ich sie auch etwas an den Haaren herbeigezogen und das Verhalten der Figuren wenig nachvollziehbar und ziemlich naiv, doch die Auflösung geriet dann tatsächlich schlüssiger, als ich zwischendurch zu hoffen gewagt hatte.

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