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Veröffentlicht am 03.03.2025

Dramatisches Thema mit gewissen Schwächen

Am Ende nur du
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Sarah Stankewitz ist auch eine dieser Namen im New Adult-Genre, der mir natürlich schon mehrfach begegnet ist, aber es hat bislang noch nie gepasst. Ihr 2018-Titel „Am Ende nur Du“ wurde nun als Hörbuch ...

Sarah Stankewitz ist auch eine dieser Namen im New Adult-Genre, der mir natürlich schon mehrfach begegnet ist, aber es hat bislang noch nie gepasst. Ihr 2018-Titel „Am Ende nur Du“ wurde nun als Hörbuch neu aufgenommen und da dachte ich, dass es doch die ideale Gelegenheit ist, sie als Autorin einmal kennenzulernen, wenn mir natürlich auch bewusst ist, dass sich ein Schreibstil in sieben Jahren sehr ändern und wandeln kann.

Mir hat „Am Ende nur Du“ im Grunde gut gefallen, in jedem Fall aber von der Story her, weil es durch die Suchtthematik sehr erwachsen daher kam. Auch sonst ließ sich das Buch schwer in eine Schublade pressen. Manchmal will ich es etwas aus der Schublade haben, aber in den allermeisten Fällen ist es ein Kompliment, weil die Geschichte dann in keiner Form vorhersehbar ist. Das war hier auch so. Auch wenn hier klar war, dass es am Ende auf Harper und Adam hinausläuft, aber die gemeinsame Geschichte von Harper und Alec ist dennoch respektvoll gestaltet worden und durch seine Sucht hatte es eine Brisanz, die mir schon oft unter die Haut gegangen ist. Denn eine Sucht verändert eine Beziehung und es sorgt für ein Verantwortungsgefühl, das toxisch werden kann. Das wurde hier als Themenspektrum sehr gut abgebildet, sowohl von Harper als Freundin als auch von Adam als Bruder.

Durch die Hörbuchform habe ich drei Stimmen im Ohr gehabt, weil es Kapitel aus drei Perspektiven gibt. Da habe ich dann auch den ersten Punkt, an dem ich etwas kritisieren möchte. Die Stimmen an sich waren für mich völlig in Ordnung, auch wenn ich speziell die Männerstimmen als Gewöhnungssache empfunden habe. Dann kam noch hinzu, dass die beiden Männerperspektiven untergeordnet sind. Das meiste erleben wir aus Harpers Sicht. So habe ich die Männer eh weniger im Ohr gehabt und dann habe ich auch gemerkt, dass sie mir stimmlich nicht unterschiedlich genug waren. Dementsprechend war es schon hilfreich, dass die Namen anfangs immer gesagt werden, weil rein stimmlich hätte ich mich nicht sofort orientieren können. Dann muss ich noch bei Alec als Perspektive bleiben, weil er die wenigsten Kapitel hat. Ich habe mich im Nachhinein gefragt, ob es seine Perspektive überhaupt gebraucht hätte. In den Kopf des Süchtigen zu blicken, das ist sicherlich faszinierend und auch für eine Autorin eine Spielwiese, um Außenstehende etwas nahe zu bringen. Aber es war insgesamt zu wenig, um das so rechtfertigen zu können. Das erste Kapitel aus Alecs Sicht hat kaum Rückschlusse auf eine Sucht gelassen und danach wurde es auch nicht wesentlich expliziter. Die entscheidenden Momente waren immer aus Harpers oder Adams Sicht und es hat gereicht, weil Alec in der Ausgestaltung keinen Mehrwert hatte.

Während mir die Ebene zwischen Harper und Adam durchgängig gefallen hat, was auch das wichtigste ist, weil sie die größte gemeinsame Geschichte haben, so war ich etwas überrascht, wie die anderen Beziehungen rübergekommen sind. Aufgrund des ersten Kapitels hatte ich eher den Eindruck, dass Alec und Harper beste Freunde sind. Auch wenn es schon aufgeklärt wird, so fehlte da eine gewisse Ebene für mich völlig. Stankewitz wird das möglicherweise auch bewusst so gewählt haben, was natürlich auch zur späteren Thematik passt, aber das war erstmal irritierend. Ein weiterer Punkt ist die Brüderbeziehung. Mir haben insgesamt deutliche Momente zwischen den beiden gefehlt. Harper musste eigentlich immer alle Scherben aufsammeln, während Adam ihn fast nur high und völlig neben sich stehend erlebt hat. Dabei haben die beide eine Beziehung und eine gemeinsame Geschichte, die so viele Ebenen andeutet, die spannend gewesen wäre. Letztlich haben wir noch die Mitbewohnerin, die anfangs eine echte Antagonistin ist, ehe noch eine unglaubliche Entwicklung ausgepackt wurde. Das war zwar süß, kam aber doch etwas aus dem Nichts.

Fazit: Insgesamt habe ich die achteinhalb Stunden an einem Tag weggehört. Das spricht für sich, aber ich habe doch auch gemerkt, dass es eher einer der ersten Werke ist, weil manches etwas ad hoc wirkt und Schwerpunkte für ein Ungleichgewicht der Gesamtgeschichte sorgen. Dennoch bin ich nun interessiert an Sarah Stankewitz.

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Veröffentlicht am 27.02.2025

Überfordernd und erst am Ende mit Sogwirkung

The Courting of Bristol Keats
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Mit Mary E. Pearson verbinde ich einige Jahre beste Fantasy-Unterhaltung und sie ist mir wahrscheinlich genau deswegen so beeindruckend im Kopf geblieben, weil ihre „Chronik der Verblieben“ mich in einem ...

Mit Mary E. Pearson verbinde ich einige Jahre beste Fantasy-Unterhaltung und sie ist mir wahrscheinlich genau deswegen so beeindruckend im Kopf geblieben, weil ihre „Chronik der Verblieben“ mich in einem Genre überzeugt haben, das bei mir kein Selbstläufer ist. Angesichts der Faszination, die sie bei hinterlassen konnte, ist es natürlich bedauerlich, dass sie nicht zu den Autoren gehört, die ständig einen raushauen, wobei das echt seine Vor- und Nachteile hat. Aber so verliert man Autoren auch schnell mal aus den Augen, weswegen ich bei „The Courting of Bristol Keats“ kaum glauben konnte, dass es endlich wieder Nachschub gibt.

Und dann habe ich diesen Wälzer zwischen und leider sprang einfach kein Funken über. Ich habe insgesamt nun weit über einen Monat an Bristol Keats gelesen. Da es anfänglich schon so zäh war, hat mich die Seitenzahl, die ich noch zu bewältigen hatte, zusätzlich abgeschreckt und ich war echt demotiviert. So habe ich mir dann gesagt, dass ich ein wenig überfliege, vor allem die beschreibenden Passagen. Auch wenn das eigentlich wahrlich nicht der Sinn des Lesens ist, aber es hat in mir doch gearbeitet, dass Pearson als Erzählerin doch echt ein Gewinn ist, weswegen es nicht sein kann, dass es nicht Klick machen will. Tatsächlich muss ich sagen, dass ich beim letzten Drittel dann doch am Haken war. Auch wenn es mir weiterhin viel zu viele Charaktere waren, aber die zentralen, auf die es ankam, die habe ich immer besser sortiert und für mich charakterisiert bekommen, sodass ich dann echt noch Mitfiebern mit der Handlung entwickelt habe. Auch wenn ich damit dann quasi in der Geschichte drin war, als es schon wieder zu Ende war, so werde ich bis zur Veröffentlichung des zweiten Bandes fleißig rätseln, ob ich weiterlesen werde. Denn selbst wenn es am Ende lief, Band 2 ist nicht mal angekündigt, so bleibt unklar, wie viel mir dann noch im Kopf ist und damit wird es verdammt schwer werden und nochmal will ich so eine innerliche Barriere eigentlich nicht erleben.

Kommen wir jetzt aber nochmal etwas genauer zu meinen Eindrücken. Anfänglich war mein größtes Problem, mich in diesem Konzept zwischen menschlicher Welt und Elfenheim zurechtzufinden. So wie alles in der übernatürlichen Welt wirkte, wollte mir nicht recht in den Kopf, dass Bristol in einer Welt wie meiner lebte, denn ich hatte immer das Gefühl, dass sie eher in einer anderen Zeit lebt. Deswegen gab es für mich einige Brüche. Umgekehrt fiel es mir aber auch schwer, mich in Elfenheim einzufinden. Gerade weil ich mich bei der menschlichen Welt immer so vertan habe, war ich völlig aufgeschmissen, wie ich mir dort alles vorstellen soll. Dazu hat dann nicht geholfen, dass es echt einige Figuren gibt und so prasselten Eindrücke über Eindrücke auf mich ein, ohne dass ich es richtig sortiert bekommen hat. Zudem wurde vieles mysteriös gehalten. Das hat die Handlung, obwohl sie faktisch schon lief, so statisch gemacht. Denn es bewegte sich was, aber in meiner Entwicklung mit der Geschichte tat sich nichts. Es war einfach Überforderung bei mir und das passiert mir bei Fantasy leider schon mal öfters, weswegen es einerseits für mich ein guter Maßstab ist, ob es was für mich ist oder nicht, aber andererseits ist natürlich Überforderung kein schönes Gefühl.

Bristol war als Figur sicherlich stetig ein Anker. Sie ist eine starke Persönlichkeit und sie hat mir auch die gesamte Lektüre über gefallen. Tyghan wiederum ist als Gegenpart jemand, an den ich mich erst gewöhnen musste. Ich merke, dass mir die Bad Boy-Aura immer weniger zusagt und anfangs war er echt abweisend und arrogant. Aber wahrscheinlich hat es für mich auch vor allem wegen ihm Klick gemacht, weil sein Panzer irgendwann aufbricht und so hatte ich zwei Anker, auch zwei, die zusammenpassen. Zudem floss die Handlung dann irgendwann. Da ich aber einiges eher oberflächlich gelesen habe, mag mir auch einiges entgangen sein, aber insgesamt war es doch schon so, das Ende der stärkste Teil ist.

Fazit: „The Courting of Bristol Keats” hat für mich die alte Mary E. Pearson-Magie nicht reaktivieren können. Auch wenn ich im letzten Drittel ihr Erzähltalent wiedererkannt habe, aber zweidrittel waren doch sehr anstrengend, zäh und für mich persönlich überfordernd. Erfahrene Fantasy-Leser werden sicherlich wesentlich mehr Spaß haben, garantiert, aber so werde ich für mich erstmal nicht klären können, ob ich die Reihe weiterverfolge.

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Veröffentlicht am 07.02.2025

Einer fehl am Platz

Bookish Belles – Liebe hat tausend Seiten
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Es ist echt schon lange her, dass ich ein Buch von Kelly Moran gelesen habe. Im Grunde muss ich auch gestehen, dass ich kein treuer Fan geworden bin, denn selbst die „Redwood“-Reihe, mit der für mich alles ...

Es ist echt schon lange her, dass ich ein Buch von Kelly Moran gelesen habe. Im Grunde muss ich auch gestehen, dass ich kein treuer Fan geworden bin, denn selbst die „Redwood“-Reihe, mit der für mich alles losging, habe ich nicht bis zum Ende verfolgt. „Bookish Belles“ kam jetzt aber dennoch genau richtig, weil ich weiß, dass Moran für wohlige Gefühle steht und die konnte ich gerade gut gebrauchen.

Wie bei jedem guten Weihnachtsfilm haben wir auch hier die Kleinstadt, die ihren Charme versprüht und das mit Mythen, Zusammenhalt und ganz viel Glaube an Zauber. Die Portion Magie hat hier zu dem Südstaatensetting echt gut gepasst, weil ich mir alles bildlich wunderbar vorstellen konnte. Auch die ganzen Andeutungen zu den drei Bookish Belles sowie den zukünftigen Bänden der Reihen hat für mich gut funktioniert, weil diese tiefe Vertrautheit, der Spaß und doch auch der Ernst haben einfach etwas in der Mischung, wo man gerne im Geschehen dabei ist. Jedoch muss ich tatsächlich sagen, dass mich der erste Band „Liebe hat tausend Seiten“ in der Paarung nicht so abholen konnte, was für mich vor allem an Graham lag. Relativ spät am Ende des Buchs gibt Rebecca eine Personenbeschreibung zu ihm ab und es tut mir leid, aber ich habe die mir präsentierte Figur darin nicht wiedererkannt. Ich fand ihn zwar keinesfalls problematisch, kein Bad Boy, keine Red Flags, aber er war für mich einfach langweilig und nichtssagend. Es kam keine Persönlichkeit rüber und dementsprechend war es schon sehr anstrengend, für das Paar richtig mitzufiebern.

Das ist extrem schade, denn Rebecca hat mir als Figur sehr gut gefallen. Gerade angesichts ihres Schicksals habe ich gut nachvollziehen können, warum sie abseits von Vallentine ihr Glück versuchen wollte und warum sie sich trotz schrecklicher Jahre in der Großstadt lange nicht zur Rückkehr entscheiden konnte. Manchmal muss man eben weggehen, um zu erkennen, was man zurückgelassen hat. Zudem hat mir die Darstellung ihrer Krankheit und wie sie als Figur darüber denkt und damit umgeht, sehr gut gefallen. Es war kein übertrieben dominanter Aspekt, sondern es floss angemessen ein, was für mich auch das unterstrichen hat, was Betroffene oft berichten. Sie wollen von ihrer Krankheit nicht bestimmt werden, aber sie wollen auch Verständnis entgegengebracht bekommen. Im beruflichen Kontext war es dann aus Rebeccas Perspektive auch sehr mitreißend mitzusehen, wie sie die Zeitung ruckzuck zum Leben erweckt hat, weil sie alles mit ihrer Leidenschaft umgerissen hat.

Dieser Teil hat mich anfangs auch etwas skeptisch gemacht, weil alles so leicht und flott ging und ich daher auf die Baustellen in der Geschichte gewartet habe. Die kleinen Teile, in denen man hängen bleibt und nicht mehr mit dem Lesen (oder in meinem Fall Hören) aufhören möchte. Aber es baut sich doch immer besser auf, zumindest was die dramaturgische Entwicklung angeht. Denn an Graham hat sich nichts verbessert. Durch Rebecca als Gegenpol in der Zeitung wurde schnell deutlich, dass das alles nicht seine Leidenschaft ist, auch der Besuch seiner Eltern hat eigentlich gezeigt, was er alles nicht ist und spätestens dann die finale Aktion von Graham hat mir dann gereicht. Auch wenn es ein wohlverdientes Happy End gibt, aber es tut mir leid, Moran hat mich mit Graham überhaupt nicht vom Hocker gerissen.

Da ich „Liebe hat tausend Zeilen“ als Hörbuch hatte, habe ich mit Christiane Marx nur eine Stimme im Ohr gehabt. Das hat mich doch etwas überrascht, denn zuletzt hatten eigentlich alle Liebesgeschichten einen Mann und eine Frau, was ich durchaus auch angenehmer finde. Es ist nicht dramatisch, die männliche Perspektive von einer Frau vorgelesen zu bekommen, aber weil es menschlich schon mit Graham haperte, habe ich hier vielleicht noch deutlicher gemerkt, dass auch die männliche Stimme zur Identifikation fehlte. Unterm Strich ist Marx aber eine tolle Hörbuchsprecherin, die für mich Rebecca sicherlich ein Gesicht gegeben hat. Bei Graham war halt so schon viel verloren.

Fazit: Es hat Spaß gemacht, noch einmal Kelly Moran zu entdecken, diesmal mit dem Auftakt zu den „Bookish Belles“. Leider hat mir Graham als männlicher Protagonist gar nicht gefallen, was schade ist, weil Rebecca eigentlich alles im Gepäck hatte, um eine tolle Liebesgeschichte zu erhalten. Also alle Voraussetzungen top, eine Figur passte aber nicht rein.

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Veröffentlicht am 03.02.2025

Süß, aber auch ausbaufähig

Mismatch
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Im Jahr 2024 habe ich einige neue deutschsprachige Autoren im New Adult-Genre entdeckt und offenbar geht das auch 2025 so weiter. So habe ich meine erste Begegnung mit Laura Willud gehabt, deren Figuren ...

Im Jahr 2024 habe ich einige neue deutschsprachige Autoren im New Adult-Genre entdeckt und offenbar geht das auch 2025 so weiter. So habe ich meine erste Begegnung mit Laura Willud gehabt, deren Figuren in „Mismatch“ von Rebecca Veil und Max Hoffmann gelesen werden.

Nachdem ich bei Emily Alves und „You Are My Hurricane” zuletzt American Football hatte, geht es bei Willud nun zum Basketball, was ich in diesem Genere doch bislang eher selten zu lesen bekommen habe, dabei ist „One Tree Hill“ als meine erste Lieblingsserie (außerhalb von Kinderformaten) eng mit Basketball verknüpft. Dementsprechend ging es ein wenig zurück zu den Wurzeln. Insgesamt würde ich aber beispielsweise im Vergleich zu Alves sagen, dass der Anteil zum Sport hier nicht so dominant war. Dabei waren die Voraussetzungen durch Austin und Joyce sehr hoch, denn beide leben für den Sport. Er als Spieler, sie als Sportjournalistin. Aber ich habe doch wahrgenommen, dass es eher um eine andere Ebene ging, die für mich auch gut funktioniert haben, weil Austin auf der einen Seite eine sehr sensible und aufmerksame Persönlichkeit ist und weil auf der anderen Seite Joyce als lautere Figur dennoch im Umgang mit ihm so sanft und verständnisvoll ist, sodass die beiden für mich menschlich hervorragend funktioniert haben. Für mich wurde das in der Hörbuch-Version durch Veil und Hoffmann auch echt gut aufgegriffen, weil man die intensiven Gefühle der Figuren füreinander stets greifen konnte.

Da wir mit Joshua, Joyces Bruder, noch eine weitere Figur haben, die Basketball spielt, ist mir im Vergleich doch stark aufgefallen, dass er und Austin sehr unterschiedlich zu dem Sport stehen. Während Joshua alles auf die Spielkarte Sport setzt und dementsprechend fast schon eine krankhafte Besessenheit entstehen lässt, ist Austin angesichts des lange zurück gehaltenen Geheimnisses ganz anders dazu eingestellt. Er hat deutlich gelernt, dass Basketball nicht alles ist und dementsprechend ist seine Ausstrahlung. In dem Sinne ging es zwischen Austin und Joyce auch weniger um Basketball. Wenn sie dann aber auf ihren Bruder traf, da hat man am ehesten die Liebe für den Sport gemerkt, aber es ist eindeutig kein Schwerpunkt, zumal auch bei Joyces Leidenschaft zu merken ist, dass es nicht nur um Basketball geht. Sie hat so eine ausgeprägte Neugier, will immer was Neues lernen und sie hat dann auch eine Art, diese Informationen aufzuarbeiten, indem sie sie niederschreibt. Diese Art würde sie aber zu allen Themensektoren prägen, das war deutlich zu merken.

Mir ist auch klar, dass Joyces Journalisten-Ader rüberkommen sollte, aber ich fand es gerade in der ersten Hälfte doch auch irritierend, wie sie sich in Austins Vergangenheit eingebissen hat. Die ganze Art von Austin hat demonstriert, dass er nicht aus Flirterei sich mit Infos zurückgehalten hat, sondern dass seine Gedanken dazu tiefer und verletzlicher sind. Deswegen fand ich Joyces Art da zunächst deplatziert. Es hat zwar zu lustigen Momenten geführt, wie beispielsweise beim Trinkspiel, aber sie konnte echt kaum locker lassen. Daher war ich fast froh, als Austins Vergangenheit bekannt war, weil dann genau das zum Tragen kam, was ich weiter oben beschrieben habe. Vielleicht war aber auch das Geheimnis etwas zu überdramatisiert. Auch wenn es sicherlich kein schönes Erlebnis für ein Team ist, aber die Folgen wirkten doch etwas unrealistisch. Damit will ich unterm Strich sagen, dass ich Willuds Stärken als Autorin schon sehe, dass ich aber auch die Tendenz sehe, dass sie noch zu sehr auf Klassiker zugreift, um die Handlung am Laufen zu halten. Dabei gibt es genug dramatische Wendungen, die sich viel natürlicher anfühlen können. Aber damit hat sie eindeutig Wachstumspotenzial.

Fazit: Ich habe „Mismatch“ gerne gehört, würde aber insgesamt sagen, dass es noch viel Ausbaupotenzial gibt. Während die Figurenzeichnung an sich sehr sympathisch ist und auch das Miteinander einfach nur süß-ehrlich rüberkommt, so würde die Handlung mehr natürliche Dramatik vertragen. Denn bei so bodenständigen Figuren muss es nicht wie eine Daily Soap wirken.

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Veröffentlicht am 30.01.2025

Mit erzählerischen Schwächen

Golden-Heights-Reihe, Band 2 - Unlock My Truth
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Was war ich doch froh, Saskia Louis letztes Jahr mal wieder richtig entdecken zu kennen. Nachdem ich sie länger aus den Augen verloren hatte, war die Golden Heights-Reihe genau das richtige Momentum, um ...

Was war ich doch froh, Saskia Louis letztes Jahr mal wieder richtig entdecken zu kennen. Nachdem ich sie länger aus den Augen verloren hatte, war die Golden Heights-Reihe genau das richtige Momentum, um wieder zurückzukehren und ich hatte am ersten Band rund um Lexie und Logan auch großen Spaß. Nun geht es also zurück, um diesmal die Geschichte von Ty und Carly zu lesen.

Es ist schon durchaus amüsant, dass wir zwei Charaktere wie Ty und Carly haben und aufgrund des ersten Bandes denkt man, ach, er ist der mit den sieben Siegeln und sie das offene Buch. Umso überraschter war ich, dass gleich durch die Rückblende zu Beginn des Buchs verraten wird, dass Carly die mit den vielen Geheimnissen ist. Das ist auch wenig das vorherrschende Thema von „Unlock my Truth“, weswegen der Titel auch echt perfekt passt. Ty und Carly haben jeweils für sich große Geheimnisse. Carlys lernen wir früh kennen und warten dann nur noch ab, was kommt wie raus, während es bei Ty umgekehrt ist, dass er sich nach und nach anvertraut, nur um dann doch noch eine Sache aus dem Nichts rauszuhauen. Eigentlich fand ich es auch positiv, wie offen beide Figuren mit dem Thema Geheimnisse waren, weswegen es dann explizit für mich schade war, dass es dennoch am Ende für den großen ‚Streit‘ genutzt werden musste. Auch wenn es offensiv alles angesprochen wird, aber hier fand ich es einfach schade, dass es eine selbsterfüllende Prophezeiung wurde. Ich denke schon, dass man Carlys Geheimnisse noch anders hätte aufdecken können und dann auch im Kontext ganz anderer Konsequenzen. Der erste Band hatte auch einen richtigen Showdown, der auch etwas Düsteres hatte. Das Potenzial war in Band 2 ebenfalls vorhanden, weswegen es hier etwas lasch alles aufgelöst wurde, dabei hätte man so eine düstere Atmosphäre auch bestens für den Knall um Carly nutzen können.

An diesem Kritikpunkt hat man wohl schon ein bisschen bemerkt: hier gibt es ein paar Baustellen. Auch wenn ich das Buch wieder sehr flüssig lesen konnte und es auch unterm Strich sofort als empfehlenswerte Unterhaltung einstufen würde, so ist es im direkten Vergleich und vor allem als Louis-Kennerin doch etwas schwächer. Mit fehlte allgemein etwas der Zug in der Geschichte. Gerade am Anfang fehlte das Gasgeben, weil wir uns nicht deutlich entfernt haben von dem Status zu Ty und Carly, den wir schon kannten. Dazu muss ich auch sagen, dass Carly eigentlich genau die Figur ist, die am besten auf die Erzählstimme von Louis passt, wie ich sie schon mehrfach erlebt habe. Es gab auch Szenen, in denen das gut auf die Spitze getrieben wurde, weil ich da echt meinen Spaß an Carly hatte. Aber es wirkte oft genug wie zwei verschiedene Persönlichkeiten. Natürlich hat auch jeder mit dem Schalk im Nacken eine sehr ernste Seite, aber es wirkte doch so, als habe Louis nur sehr dosiert ihren Humor auf die Seiten losgelassen, dabei wäre das mit Carly so viel intensiver möglich gewesen.

Nach diesem Meckern möchte ich jetzt aber festhalten, dass mich Ty und Carly als Paar durchaus gepackt haben. Mit dem Auftauchen von Tys Vater und dann dem Zusammenziehen kam richtig Schwung rein und ich mochte viele der gemeinsamen Momente. Man hat bei ihnen auch richtig die Ebene gemerkt, auf der sie einander gut tun und dass sie sich trotz ihrer Geheimnisse auch kennen. Ich mochte auch speziell Tys Entwicklung, der immer so pessimistisch und nüchtern an alles herangeht und mit seinem Vater ist dann auch noch die Personifikation davon direkt vor ihm und ausgerechnet in dieser Phase dann dank der Liebe immer mehr loslassen zu können, super! Ich fand auch, dass seine ganzen Beweggründe sehr viel dringlicher und aufeinander aufbauend dargestellt wurden. Umgekehrt heißt das nicht, dass es mit Carly eine Barriere gab, aber es war nach Geschlechtern eher überraschend verteilt.

Fazit: „Unlock my Truth“ ist bei der Dilogie für mich der schwächere Band. Auch wenn ich beide Figuren individuell und auch zusammen mochte, aber es war in den kleinen Aspekten nicht immer ideal gewählt, sodass ich immer an eine Vision der Geschichte denken musste, die deutlich mehr hätte strahlen können.

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