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Veröffentlicht am 11.04.2025

Spannende Idee mit zu braver Umsetzung

Fighting Through Deep Waters
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Auch wenn ich die erste Buchreihe von Julia Hausburg, die „Dark Elite“-Reihe, optisch durchaus wahrgenommen habe, so ist der Name mir doch völlig durchgegangen ist, weswegen ich bei „Fighting Through Deep ...

Auch wenn ich die erste Buchreihe von Julia Hausburg, die „Dark Elite“-Reihe, optisch durchaus wahrgenommen habe, so ist der Name mir doch völlig durchgegangen ist, weswegen ich bei „Fighting Through Deep Waters“ zunächst dachte, es wäre möglicherweise ein Debüt oder zumindest ein Durchbruch beim größeren Verlag. Unabhängig davon stürzen wir uns mal in die Lesebewertung.

Zunächst möchte ich einen Aspekt herausheben, der mir sehr gefallen hat und das ist das ganze Setting, die intensive Auseinandersetzung mit meeresbiologischen Themen und überhaupt diese Idee, die für mich auch ein gewisses Wagnis bedeutet, denn das Geschehen ist so sehr an das Schiff gebunden, was eher so einen Lagerkoller-Effekt haben kann. Aber es ist frisch, das habe ich so noch nirgendwo sonst gelesen, von daher klasse Idee. Ich finde auch grundsätzlich, dass das Konzept aufgegangen ist. Ich werde zwar gleich auf einige stilistische Aspekte eingehen, die mich nicht überzeugt haben, aber nichts davon lag am Setting oder an der Grundidee. Hausburg hat in der Dankesrede auch angedeutet, dass sie selbst eine gewisse Zeit Meeresbiologin werden wollte. Das merkt man, denn es steckt viel Leidenschaft drin, es sind Details da und ich habe viel gelernt. Ich fand auch, dass die Mischung aus Liebesgeschichte und eher so wissenschaftlichen Einschüben absolut richtig war. Es war keinesfalls zu viel und es war dann in den Szenen auch nicht zu intensiv, als dass sie mich verloren hätte. Zudem hat sich das ganze Setting für einige höchst spannende Entwicklungen nutzen lassen. Da kam richtig Spannung und Mitfiebern auf. Auch wenn unterm Strich Henriette schon arg viel passiert ist, aber als Kritikpunkt sehe ich das keinesfalls. Machen wir hier also einen positiven Rahmen drum.

Dennoch gab es leider auch einige Aspekte, die mich „Fighting Through Deep Waters“ sehr zwiespältig sehen lassen. Ich würde auch alles auf der stilistischen Ebene verorten wollen, weil die Figuren an sich überzeugend angelegt sind. Henriette und Lukas sowieso, aber neben ihnen auch Kai, Abi, Emily und so viele andere. Die Paare der nächsten beiden Bände sind fast kaum von Bedeutung, was ich hier auch noch positiv nennen will, weil so die Konzentration auf einen kleineren Kreis bleibt und da einiges aufgearbeitet werden kann. Aber dennoch war immer ein Fuß auf dem Bremspedal. Ich habe zwischendurch auf regelrechte Explosionen gewartet, aber es kam kaum etwas. Das fängt schon bei den Kapiteln an, die als Rückblende dienen. Die haben mir echt gar nichts gegeben. Mit Henriettes Gedanken angesichts der ersten Begegnung nach all der Zeit wussten wir unheimlich viel und durch Lukas‘ Ergänzung gibt es auch keine Geheimnisse. Dementsprechend lagen alle Karten auf dem Tisch und die Szenen aus der Vergangenheit haben grundsätzlich alles ausgebremst, weil wir nichts Neues herausgefunden haben. Es werden auch verschiedene Jahre dargestellt und alleine von der Erzählweise ist nicht zu bemerken, dass sich das Alter verändert hat. All das hat für mich auch die Chemie zwischen Henriette und Lukas eingebremst, weil es zu brav wirkt und weil er sich gerade am Anfang auch nicht gerade galant verhält.

Auch wenn es sicherlich Gefühle zwischen den beiden gibt, aber sie kamen aus den Seiten mir nur zäh entgegen. Ich finde zwar, dass sie auch sehr gute Momente haben, aber da merkt man vor allem, dass sie auf der langjährigen Freundschaft fußen. Das Romantische, der sexy Teil, der wird mal eben drauf gepustet und es kam nicht so gut rüber. Beide Figuren bringen auch ihr Päckchen mit. Das Päckchen jeweils hat mir gefallen und auch was beide daraus für sich resultiert haben, auch das passte. Aber es fühlte sich am Ende unvollständig an. Es geht weiter und in den anderen Bänden wird es offenbar auch parallele Entwicklungen geben, aber wie viel werden wir Henriette und Lukas tatsächlich noch erleben? Warum ihre Geschichte dann so unvollständig lassen? Lukas hat am Ende den Durchbruch geschafft, doch ein persönliches Gespräch steht aus. Und bei Henriette gab es zwar mit Annelie einen wichtigen Schritt, aber die gesamte Familie gehört für mich eigentlich dazu und das wirkte unfertig. Es mag auch dem Umstand geschuldet sein, dass die Autorin einen Cliffhanger wollte, der wirklich alles mittendrin abbrechen lässt. Auch alles okay, man will ja Lust auf mehr machen, aber vorher hätten die Meilensteine bei Lukas und Henriette dennoch abgehakt werden können. Am Ende ging vielleicht die Lust/Zeit aus, ich weiß es nicht, aber sowohl individuell als auch die Paargeschichte und dann Aspekte des Studiums mit Wettbewerb etc., alles schweb nun im Raum.

Fazit: Ich lobe Julia Hausburg zunächst gerne für das Wagnis mit dem Auslandssemester auf dem Schiff, weil es neu ist und weil es für mich auch funktioniert hat. Es war voller Abenteuer und auch lehrreich. Jedoch gab es klare erzählerische Schwächen, weswegen mir die Liebesgeschichte zu brav war. Am Ende wirkte auch alles überstürzt abgebrochen, sodass ich mit gemischten Gefühlen aus dem Leseerlebnis gehe.

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Veröffentlicht am 19.03.2025

War der Wurm drin

Lessons in Forgiving
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Nach „Lessons in Faking“ habe ich Selina Mae sofort auf die Liste meiner Autorinnen gepackt, die ich fortan genauer beobachten und verfolgen werde. Auf „Lessons in Forgiving“ musste ich nun auch gar nicht ...

Nach „Lessons in Faking“ habe ich Selina Mae sofort auf die Liste meiner Autorinnen gepackt, die ich fortan genauer beobachten und verfolgen werde. Auf „Lessons in Forgiving“ musste ich nun auch gar nicht lange warten. Ich hatte davon gesprochen, dass da noch mehr bei der Autorin geht, ob der zweite Band das schon bewiesen hat?

Ich würde insgesamt wohl sagen, dass ich ein sehr zwiespältiges Bild von „Lessons in Forgiving“ erhalten habe. Es gab wieder genug Stellen, die mich sehr verzaubert haben. Maes Stärke bleibt, wenn das Paar ganz von sich ist, dass immer eine intime und intensive Atmosphäre entsteht und man den beiden gerne bei allem weiteren folgt. Umgekehrt ergab sich für mich durch die fehlende männliche Perspektive (ich hatte nicht erwartet, dass sich das mitten in der Reihe noch ändert) ein großer Nachteil. Dieser Band hat echt deutlich bewiesen, warum so eine GEMEINSAME Liebesgeschichte auch beide Perspektiven braucht. Als ich in New Adult angefangen habe, war die weibliche Perspektive üblich und es hat mir damals gereicht, aber inzwischen habe ich so viele Reihen mit beiden Perspektiven gelesen und es ist immer besser, sodass ich nur eine Sichtweise immer bedauere und vergleiche. Warum war es jetzt hier so gravierend? Wahrscheinlich hat den Startschuss schon die Widmung von Mae gegeben. Diese schließt mit den Dankesworten nachher einen Kreis und die Autorin hat dabei etwas sehr Persönliches geteilt. Und ich stimme ihrer Aussage sogar oft genug zu, gleichzeitig ist es doch etwas seltsam, dass bei einem Buch zu lesen, dass den Trope ‚Second Chance‘ bedient. New Adult steht oft auch in der Kritik, Mädchen und jungen Frau falsche Vorstellungen zu geben, vielleicht kommt daher auch diese Betonung, dass manche Ex aus dem richtigen Grund der Ex sind. Aber gerade wegen dieser vorangestellten ‚Warnung‘ habe ich für mich bemerkt, Henry mit einer gewissen Vorsicht zu begegnen.

Da wir nicht genau wissen, was einst zwischen Henry und Paula vorgefallen ist, haben wir ein Mysterium und ich habe mich immer gefragt, was hat er wohl getan? Und dann habe ich mich wieder geärgert, dass ich es so einseitig bei ihm gesucht habe. Denn man muss echt sagen, dass Henry weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart Skepsis verdient hätte. Im ersten Band hat er schon eine Rolle gespielt. Er war mir dort nicht übermäßig sympathisch, weil seine Fehde mit Dylan schon etwas anstrengend war, aber da wir dort auch nur die Perspektive von Athelia hatten, waren wir gefangen in ihrer belasteten Wahrnehmung. Aber es war schon ersichtlich, dass wir dort zwei Geschwister haben, die sich alles bedeuten, aber durch einen schlimmen Schicksalsschlag viel aufgebürdet bekommen haben, was gegen sie gespielt hat. Nun erlaubt uns dieser zweite Band nicht, Henry richtig hinter die Birne zu gucken. Und auch wenn er sehr strukturiert, wenig flexibel ist (aber das bin ich selbst auch und ich mag es an mir oft genug auch), so ist das schnell viel mehr. Schon alleine die erste Begegnung hat sofort ein Bild von ihm gezeichnet, was sich immer weiter verdichtet. Deswegen hat mich stellenweise dann ein wenig geärgert, dass immer wieder Bemerkungen zu Henry kamen, die nicht passten. An einer Stelle heißt es konkret, er wäre nicht empathisch. Reden wir vom selben Henry? Sooft wie er Paula priorisiert hat, wie er für sie etwas getan hat, weil er für sie mitgedacht hat, da passt es einfach nicht. Und jeder muss und sollte mal egoistische Momente haben und gerade in stressigen Phasen ist es auch nachvollziehbar, aber die Charakterisierung passt als Gesamtfazit überhaupt nicht.

Letztlich mündet das dann auch in der Enthüllung, was in der Vergangenheit genau passiert ist und auch hier hat mich dann gestört, dass es immer darum ging, wie Paula ihm verziehen kann? Dabei hatte ich angesichts des Konflikts das Gefühl, dass es weniger um individuelle Fehler ging, sondern um fehlende Kommunikation. Ich bin sicher, dass Henry und Paula es geklärt bekommen hätten, wenn sie nur einmal mit etwas zeitlichem Abstand miteinander geredet hätten. Und gerade angesichts dieser Gesamtperspektive waren manche Tendenzen schon fast ärgerlich. Das bedeutet keinesfalls, dass ich das Gefühl hatte, dass Mae etwas gegen Henry hatte, keinesfalls. Er wird ihr auch ein lieber Bookboyfriend gewesen sein, aber es wurden zu viele Chancen vertan, Henry wesentlich mehr Raum zu geben und dadurch die gemeinsame Geschichte ausgeglichener zu machen. In dem Kontext war Paulas stellenweise sehr naive Art auch schwierig, weil ich anfangs auch Alarmglocken hatte, in was sie sich da wohl noch reiten wird. Kommen wir aber nochmal zu den Basics zurück. Mae kann für mich schreiben und sie hat auch an sich eine gute Entwicklung der gemeinsamen Geschichte präsentiert. Deswegen, es war keinesfalls ein Reinfall. Vielleicht könnte ich „Lessons in Forgiving“ auch nochmal anders lesen, wenn ich jetzt weiß, was passiert. Denn die beiden funktionieren miteinander, wenn sie alleine sind, wird das wieder und wieder bewiesen. Doch das Lesen war für mich beeinflusst und nur das kann ich gerade bewerten.

Fazit: Selina Mae hat mich mit „Lessons in Forgiving“ doch sehr herausgefordert. Durch die Widmung wurde dem Buch eine Vorhersehung mitgegeben, die mich zu sehr beeinflusst hat. Es war wahrscheinlich alles nicht beabsichtigt, aber es ist passiert. Aber für mich war die Darstellung von Henry viel zu dürftig. Dabei hat er wohl den Green Flag-Pokal verdient. Für mich hätte es echt eine Highlight-Paarung werden können, aber gewisse Entscheidungen haben das verhindert.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Dramatisches Thema mit gewissen Schwächen

Am Ende nur du
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Sarah Stankewitz ist auch eine dieser Namen im New Adult-Genre, der mir natürlich schon mehrfach begegnet ist, aber es hat bislang noch nie gepasst. Ihr 2018-Titel „Am Ende nur Du“ wurde nun als Hörbuch ...

Sarah Stankewitz ist auch eine dieser Namen im New Adult-Genre, der mir natürlich schon mehrfach begegnet ist, aber es hat bislang noch nie gepasst. Ihr 2018-Titel „Am Ende nur Du“ wurde nun als Hörbuch neu aufgenommen und da dachte ich, dass es doch die ideale Gelegenheit ist, sie als Autorin einmal kennenzulernen, wenn mir natürlich auch bewusst ist, dass sich ein Schreibstil in sieben Jahren sehr ändern und wandeln kann.

Mir hat „Am Ende nur Du“ im Grunde gut gefallen, in jedem Fall aber von der Story her, weil es durch die Suchtthematik sehr erwachsen daher kam. Auch sonst ließ sich das Buch schwer in eine Schublade pressen. Manchmal will ich es etwas aus der Schublade haben, aber in den allermeisten Fällen ist es ein Kompliment, weil die Geschichte dann in keiner Form vorhersehbar ist. Das war hier auch so. Auch wenn hier klar war, dass es am Ende auf Harper und Adam hinausläuft, aber die gemeinsame Geschichte von Harper und Alec ist dennoch respektvoll gestaltet worden und durch seine Sucht hatte es eine Brisanz, die mir schon oft unter die Haut gegangen ist. Denn eine Sucht verändert eine Beziehung und es sorgt für ein Verantwortungsgefühl, das toxisch werden kann. Das wurde hier als Themenspektrum sehr gut abgebildet, sowohl von Harper als Freundin als auch von Adam als Bruder.

Durch die Hörbuchform habe ich drei Stimmen im Ohr gehabt, weil es Kapitel aus drei Perspektiven gibt. Da habe ich dann auch den ersten Punkt, an dem ich etwas kritisieren möchte. Die Stimmen an sich waren für mich völlig in Ordnung, auch wenn ich speziell die Männerstimmen als Gewöhnungssache empfunden habe. Dann kam noch hinzu, dass die beiden Männerperspektiven untergeordnet sind. Das meiste erleben wir aus Harpers Sicht. So habe ich die Männer eh weniger im Ohr gehabt und dann habe ich auch gemerkt, dass sie mir stimmlich nicht unterschiedlich genug waren. Dementsprechend war es schon hilfreich, dass die Namen anfangs immer gesagt werden, weil rein stimmlich hätte ich mich nicht sofort orientieren können. Dann muss ich noch bei Alec als Perspektive bleiben, weil er die wenigsten Kapitel hat. Ich habe mich im Nachhinein gefragt, ob es seine Perspektive überhaupt gebraucht hätte. In den Kopf des Süchtigen zu blicken, das ist sicherlich faszinierend und auch für eine Autorin eine Spielwiese, um Außenstehende etwas nahe zu bringen. Aber es war insgesamt zu wenig, um das so rechtfertigen zu können. Das erste Kapitel aus Alecs Sicht hat kaum Rückschlusse auf eine Sucht gelassen und danach wurde es auch nicht wesentlich expliziter. Die entscheidenden Momente waren immer aus Harpers oder Adams Sicht und es hat gereicht, weil Alec in der Ausgestaltung keinen Mehrwert hatte.

Während mir die Ebene zwischen Harper und Adam durchgängig gefallen hat, was auch das wichtigste ist, weil sie die größte gemeinsame Geschichte haben, so war ich etwas überrascht, wie die anderen Beziehungen rübergekommen sind. Aufgrund des ersten Kapitels hatte ich eher den Eindruck, dass Alec und Harper beste Freunde sind. Auch wenn es schon aufgeklärt wird, so fehlte da eine gewisse Ebene für mich völlig. Stankewitz wird das möglicherweise auch bewusst so gewählt haben, was natürlich auch zur späteren Thematik passt, aber das war erstmal irritierend. Ein weiterer Punkt ist die Brüderbeziehung. Mir haben insgesamt deutliche Momente zwischen den beiden gefehlt. Harper musste eigentlich immer alle Scherben aufsammeln, während Adam ihn fast nur high und völlig neben sich stehend erlebt hat. Dabei haben die beide eine Beziehung und eine gemeinsame Geschichte, die so viele Ebenen andeutet, die spannend gewesen wäre. Letztlich haben wir noch die Mitbewohnerin, die anfangs eine echte Antagonistin ist, ehe noch eine unglaubliche Entwicklung ausgepackt wurde. Das war zwar süß, kam aber doch etwas aus dem Nichts.

Fazit: Insgesamt habe ich die achteinhalb Stunden an einem Tag weggehört. Das spricht für sich, aber ich habe doch auch gemerkt, dass es eher einer der ersten Werke ist, weil manches etwas ad hoc wirkt und Schwerpunkte für ein Ungleichgewicht der Gesamtgeschichte sorgen. Dennoch bin ich nun interessiert an Sarah Stankewitz.

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Veröffentlicht am 27.02.2025

Überfordernd und erst am Ende mit Sogwirkung

The Courting of Bristol Keats
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Mit Mary E. Pearson verbinde ich einige Jahre beste Fantasy-Unterhaltung und sie ist mir wahrscheinlich genau deswegen so beeindruckend im Kopf geblieben, weil ihre „Chronik der Verblieben“ mich in einem ...

Mit Mary E. Pearson verbinde ich einige Jahre beste Fantasy-Unterhaltung und sie ist mir wahrscheinlich genau deswegen so beeindruckend im Kopf geblieben, weil ihre „Chronik der Verblieben“ mich in einem Genre überzeugt haben, das bei mir kein Selbstläufer ist. Angesichts der Faszination, die sie bei hinterlassen konnte, ist es natürlich bedauerlich, dass sie nicht zu den Autoren gehört, die ständig einen raushauen, wobei das echt seine Vor- und Nachteile hat. Aber so verliert man Autoren auch schnell mal aus den Augen, weswegen ich bei „The Courting of Bristol Keats“ kaum glauben konnte, dass es endlich wieder Nachschub gibt.

Und dann habe ich diesen Wälzer zwischen und leider sprang einfach kein Funken über. Ich habe insgesamt nun weit über einen Monat an Bristol Keats gelesen. Da es anfänglich schon so zäh war, hat mich die Seitenzahl, die ich noch zu bewältigen hatte, zusätzlich abgeschreckt und ich war echt demotiviert. So habe ich mir dann gesagt, dass ich ein wenig überfliege, vor allem die beschreibenden Passagen. Auch wenn das eigentlich wahrlich nicht der Sinn des Lesens ist, aber es hat in mir doch gearbeitet, dass Pearson als Erzählerin doch echt ein Gewinn ist, weswegen es nicht sein kann, dass es nicht Klick machen will. Tatsächlich muss ich sagen, dass ich beim letzten Drittel dann doch am Haken war. Auch wenn es mir weiterhin viel zu viele Charaktere waren, aber die zentralen, auf die es ankam, die habe ich immer besser sortiert und für mich charakterisiert bekommen, sodass ich dann echt noch Mitfiebern mit der Handlung entwickelt habe. Auch wenn ich damit dann quasi in der Geschichte drin war, als es schon wieder zu Ende war, so werde ich bis zur Veröffentlichung des zweiten Bandes fleißig rätseln, ob ich weiterlesen werde. Denn selbst wenn es am Ende lief, Band 2 ist nicht mal angekündigt, so bleibt unklar, wie viel mir dann noch im Kopf ist und damit wird es verdammt schwer werden und nochmal will ich so eine innerliche Barriere eigentlich nicht erleben.

Kommen wir jetzt aber nochmal etwas genauer zu meinen Eindrücken. Anfänglich war mein größtes Problem, mich in diesem Konzept zwischen menschlicher Welt und Elfenheim zurechtzufinden. So wie alles in der übernatürlichen Welt wirkte, wollte mir nicht recht in den Kopf, dass Bristol in einer Welt wie meiner lebte, denn ich hatte immer das Gefühl, dass sie eher in einer anderen Zeit lebt. Deswegen gab es für mich einige Brüche. Umgekehrt fiel es mir aber auch schwer, mich in Elfenheim einzufinden. Gerade weil ich mich bei der menschlichen Welt immer so vertan habe, war ich völlig aufgeschmissen, wie ich mir dort alles vorstellen soll. Dazu hat dann nicht geholfen, dass es echt einige Figuren gibt und so prasselten Eindrücke über Eindrücke auf mich ein, ohne dass ich es richtig sortiert bekommen hat. Zudem wurde vieles mysteriös gehalten. Das hat die Handlung, obwohl sie faktisch schon lief, so statisch gemacht. Denn es bewegte sich was, aber in meiner Entwicklung mit der Geschichte tat sich nichts. Es war einfach Überforderung bei mir und das passiert mir bei Fantasy leider schon mal öfters, weswegen es einerseits für mich ein guter Maßstab ist, ob es was für mich ist oder nicht, aber andererseits ist natürlich Überforderung kein schönes Gefühl.

Bristol war als Figur sicherlich stetig ein Anker. Sie ist eine starke Persönlichkeit und sie hat mir auch die gesamte Lektüre über gefallen. Tyghan wiederum ist als Gegenpart jemand, an den ich mich erst gewöhnen musste. Ich merke, dass mir die Bad Boy-Aura immer weniger zusagt und anfangs war er echt abweisend und arrogant. Aber wahrscheinlich hat es für mich auch vor allem wegen ihm Klick gemacht, weil sein Panzer irgendwann aufbricht und so hatte ich zwei Anker, auch zwei, die zusammenpassen. Zudem floss die Handlung dann irgendwann. Da ich aber einiges eher oberflächlich gelesen habe, mag mir auch einiges entgangen sein, aber insgesamt war es doch schon so, das Ende der stärkste Teil ist.

Fazit: „The Courting of Bristol Keats” hat für mich die alte Mary E. Pearson-Magie nicht reaktivieren können. Auch wenn ich im letzten Drittel ihr Erzähltalent wiedererkannt habe, aber zweidrittel waren doch sehr anstrengend, zäh und für mich persönlich überfordernd. Erfahrene Fantasy-Leser werden sicherlich wesentlich mehr Spaß haben, garantiert, aber so werde ich für mich erstmal nicht klären können, ob ich die Reihe weiterverfolge.

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Veröffentlicht am 07.02.2025

Einer fehl am Platz

Bookish Belles – Liebe hat tausend Seiten
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Es ist echt schon lange her, dass ich ein Buch von Kelly Moran gelesen habe. Im Grunde muss ich auch gestehen, dass ich kein treuer Fan geworden bin, denn selbst die „Redwood“-Reihe, mit der für mich alles ...

Es ist echt schon lange her, dass ich ein Buch von Kelly Moran gelesen habe. Im Grunde muss ich auch gestehen, dass ich kein treuer Fan geworden bin, denn selbst die „Redwood“-Reihe, mit der für mich alles losging, habe ich nicht bis zum Ende verfolgt. „Bookish Belles“ kam jetzt aber dennoch genau richtig, weil ich weiß, dass Moran für wohlige Gefühle steht und die konnte ich gerade gut gebrauchen.

Wie bei jedem guten Weihnachtsfilm haben wir auch hier die Kleinstadt, die ihren Charme versprüht und das mit Mythen, Zusammenhalt und ganz viel Glaube an Zauber. Die Portion Magie hat hier zu dem Südstaatensetting echt gut gepasst, weil ich mir alles bildlich wunderbar vorstellen konnte. Auch die ganzen Andeutungen zu den drei Bookish Belles sowie den zukünftigen Bänden der Reihen hat für mich gut funktioniert, weil diese tiefe Vertrautheit, der Spaß und doch auch der Ernst haben einfach etwas in der Mischung, wo man gerne im Geschehen dabei ist. Jedoch muss ich tatsächlich sagen, dass mich der erste Band „Liebe hat tausend Seiten“ in der Paarung nicht so abholen konnte, was für mich vor allem an Graham lag. Relativ spät am Ende des Buchs gibt Rebecca eine Personenbeschreibung zu ihm ab und es tut mir leid, aber ich habe die mir präsentierte Figur darin nicht wiedererkannt. Ich fand ihn zwar keinesfalls problematisch, kein Bad Boy, keine Red Flags, aber er war für mich einfach langweilig und nichtssagend. Es kam keine Persönlichkeit rüber und dementsprechend war es schon sehr anstrengend, für das Paar richtig mitzufiebern.

Das ist extrem schade, denn Rebecca hat mir als Figur sehr gut gefallen. Gerade angesichts ihres Schicksals habe ich gut nachvollziehen können, warum sie abseits von Vallentine ihr Glück versuchen wollte und warum sie sich trotz schrecklicher Jahre in der Großstadt lange nicht zur Rückkehr entscheiden konnte. Manchmal muss man eben weggehen, um zu erkennen, was man zurückgelassen hat. Zudem hat mir die Darstellung ihrer Krankheit und wie sie als Figur darüber denkt und damit umgeht, sehr gut gefallen. Es war kein übertrieben dominanter Aspekt, sondern es floss angemessen ein, was für mich auch das unterstrichen hat, was Betroffene oft berichten. Sie wollen von ihrer Krankheit nicht bestimmt werden, aber sie wollen auch Verständnis entgegengebracht bekommen. Im beruflichen Kontext war es dann aus Rebeccas Perspektive auch sehr mitreißend mitzusehen, wie sie die Zeitung ruckzuck zum Leben erweckt hat, weil sie alles mit ihrer Leidenschaft umgerissen hat.

Dieser Teil hat mich anfangs auch etwas skeptisch gemacht, weil alles so leicht und flott ging und ich daher auf die Baustellen in der Geschichte gewartet habe. Die kleinen Teile, in denen man hängen bleibt und nicht mehr mit dem Lesen (oder in meinem Fall Hören) aufhören möchte. Aber es baut sich doch immer besser auf, zumindest was die dramaturgische Entwicklung angeht. Denn an Graham hat sich nichts verbessert. Durch Rebecca als Gegenpol in der Zeitung wurde schnell deutlich, dass das alles nicht seine Leidenschaft ist, auch der Besuch seiner Eltern hat eigentlich gezeigt, was er alles nicht ist und spätestens dann die finale Aktion von Graham hat mir dann gereicht. Auch wenn es ein wohlverdientes Happy End gibt, aber es tut mir leid, Moran hat mich mit Graham überhaupt nicht vom Hocker gerissen.

Da ich „Liebe hat tausend Zeilen“ als Hörbuch hatte, habe ich mit Christiane Marx nur eine Stimme im Ohr gehabt. Das hat mich doch etwas überrascht, denn zuletzt hatten eigentlich alle Liebesgeschichten einen Mann und eine Frau, was ich durchaus auch angenehmer finde. Es ist nicht dramatisch, die männliche Perspektive von einer Frau vorgelesen zu bekommen, aber weil es menschlich schon mit Graham haperte, habe ich hier vielleicht noch deutlicher gemerkt, dass auch die männliche Stimme zur Identifikation fehlte. Unterm Strich ist Marx aber eine tolle Hörbuchsprecherin, die für mich Rebecca sicherlich ein Gesicht gegeben hat. Bei Graham war halt so schon viel verloren.

Fazit: Es hat Spaß gemacht, noch einmal Kelly Moran zu entdecken, diesmal mit dem Auftakt zu den „Bookish Belles“. Leider hat mir Graham als männlicher Protagonist gar nicht gefallen, was schade ist, weil Rebecca eigentlich alles im Gepäck hatte, um eine tolle Liebesgeschichte zu erhalten. Also alle Voraussetzungen top, eine Figur passte aber nicht rein.

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