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Veröffentlicht am 07.02.2025

Jude sein ist nicht Gesinnung, sondern Schicksal

Das Vaterland
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Am 2. Weihnachtstag 1933 verließ das Schiff „Kulm“ den Hamburger Hafen. Am 28. März 1933 kommt es zurück. Nichts mehr ist so wie es war. Der Smutje heißt plötzlich nur noch Jude und auf den anderen Schiffen ...

Am 2. Weihnachtstag 1933 verließ das Schiff „Kulm“ den Hamburger Hafen. Am 28. März 1933 kommt es zurück. Nichts mehr ist so wie es war. Der Smutje heißt plötzlich nur noch Jude und auf den anderen Schiffen weht die Fahne der Nationalsozialisten. "Das Vaterland" beschreibt sehr drastisch, wie es den Heimkehrern zumute war.

Brutale Männer schlagen und treten alle, die sich ihnen in den Weg stellen. Sie gehören der „Hilfspolizei“ an und haben Narrenfreiheit. Sie haben die Macht. Das Denunzieren ist an der Tagesordnung. Jeder verrät jeden und das nur, weil er sich damit einen Vorteil verschaffen wollte. Dass die Opfer immer wieder in das KZ Wittmor gebracht wurden und dort Folter hinnehmen mussten, das war den Denunzianten egal. Viele der hier inhaftierten kamen niemals zurück zu ihren Familien. Sie starben durch Hunger, Durst und Folter.

Heinz Liepman war Schriftsteller und Journalist. Bei der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten war er 28 Jahre alt. Leider war er jüdischen Glaubens und wurde nur aus diesem Grund von den Nazis verfolgt. Er musste fliehen. Ein ausführliches Nachwort von Wilfried Weinke beschreibt den Lebenslauf Liepmans und die Hetze gegen ihn und seine Bücher. Als Antifaschist musste er sich in Deutschland ständig vor Übergriffen schützen und konnte seine Schriften nicht veröffentlichen. So ging es vielen und die unsägliche Bücherverbrennung ist nur ein Beispiel für die Verfolgung dieser Autoren.

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Veröffentlicht am 07.02.2025

Ein Buch, das erschüttert

Ginsterburg
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Alfis Maschine wird getroffen. Ein Flügel ist abgerissen und er kann zum Glück rasch den rettenden Fallschirm finden. Er schwebt durch die Weite des Himmels. Und Zola hatte sich hingehockt, um ihre Blase ...

Alfis Maschine wird getroffen. Ein Flügel ist abgerissen und er kann zum Glück rasch den rettenden Fallschirm finden. Er schwebt durch die Weite des Himmels. Und Zola hatte sich hingehockt, um ihre Blase zu leeren. Sie kam mit dem Zirkus nach Ginsterburg und sagte den Menschen ihre Zukunft voraus. Plötzlich hörte sie laute Rufe und flüsterte: „Da seid Ihr ja endlich“. Ein lauter Schwarm Kraniche flog über sie hinweg. Im Jahr 1935 war die Welt (fast) noch in Ordnung.

Was zunächst aussah, als würden endlich besserte Zeiten kommen, entpuppte sich rasch zum Gegenteil. Es fing damit an, dass Kinder und Jugendliche vereinnahmt wurden. Sie trafen sich regelmäßig zu Ausflügen und Freizeitaktivitäten. Heimlich still und leise wurden sie vereinnahmt für die Ideologie der neuen Herrscher. "Ginsterburg" ist ein Roman, der sehr gut beschreibt, wie selbst Menschen, die niemals politisch aktiv waren, den Versprechen Hitlers und seiner Getreuen glaubten.

Das Buch beschreibt die Entwicklung der Einwohner des Ortes Ginsterburg von den Jahren 1935 bis 1945. Jeder wollte den neuen Machthabern gefallen und selbst Freunde und Nachbarn wurden denunziert. Das Wort Ballastexistenz machte auch vor dem beschaulichen Ort nicht halt. Als den Menschen dann endlich klar wurde, dass diese neue Partei keineswegs nur Gutes im Sinn hatte, war es zu spät. Britische Bomber näherten sich dem Ort und es folgte eine Verwüstung, die niemand für möglich gehalten hätte.

Das Cover zeigt recht anschaulich, wie sich der Einschlag einer Bombe auswirken kann. Die Ereignisse rund um Ginsterburg sind bildhaft wiedergegeben. Es mangelt weder an Spannung noch an einer Darstellung von Geschehnissen, die im „3. Reich“ gang und gäbe waren.

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Veröffentlicht am 03.02.2025

Kein Buch ist so spannend, wie die Bibel

Jakob
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Rebekka und Isaak liegen im Bett. Plötzlich sagt sie „Isaak, die Zwillinge streiten sich so sehr, dass ich denke, die bringen sich um. Ehe sie das Licht der Welt erblicken. Nur wenige Minuten danach platzt ...

Rebekka und Isaak liegen im Bett. Plötzlich sagt sie „Isaak, die Zwillinge streiten sich so sehr, dass ich denke, die bringen sich um. Ehe sie das Licht der Welt erblicken. Nur wenige Minuten danach platzt die Fruchtblase. Isaak läuft zur Hebamme und kommt wenige Minuten danach mit drei Frauen zurück. Es dauert nicht lange und die Zwillinge Esau und Jakob sind geboren. 15 Jahre später geht die Geschichte weiter.

Es gibt wohl nur wenige Menschen, die tatsächlich dieses Buch der Bücher gelesen haben. Keineswegs spannend und schon gar nicht unterhaltsam. Aus dem Grund ist es erfreulich, dass es Autoren wie Damaris Kofmehl gibt. Ihr Bibel Thriller #Jakob zeigt eindrücklich, wie brutal es schon damals zuging. Brunnen wurden zugeschüttet und somit nicht mehr als solche zu nutzen. Brüder kämpften gegeneinander und das Wort Gottes war nichts mehr wert.

Selbst für jene, die sich mit den Schilderungen der Bibel auskennen, ist "Jakob" ein Buch, das fesselnd Ereignisse beschreibt, welche die Geschicke der Menschheit beeinflussten. Was bedeutet diese Aussage? An Gott zu glauben ist eine völlig private Ansicht und sollte auch privat bleiben. Das gilt auch für alle Erlebnisse, die in der Bibel beschrieben sind.

Ich habe das Lesen dieses Romans genossen. Die Geschichte um Jakob und Esau einmal in Romanform zu lesen, das war außergewöhnlich. So nah kam ich den Akteuren vorher nicht. Ich begleitete sie auf ihrem Weg und konnte ihre Ängste und Freuden empfinden. Ganz klar, dass es eine ausdrückliche Leseempfehlung von mir gibt.

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Veröffentlicht am 03.02.2025

Außergewöhnlich, und außergewöhnlich gut

Stadt der Hunde
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Solange Nicole nicht sprach und ihre schrille Stimme nicht bei jeder Unterhaltung störte, war für ihn alles in Ordnung. Sie war die Mutter seiner Tochter. Dem Kind, das nicht „geplant“ war. Lea, sein Ein ...

Solange Nicole nicht sprach und ihre schrille Stimme nicht bei jeder Unterhaltung störte, war für ihn alles in Ordnung. Sie war die Mutter seiner Tochter. Dem Kind, das nicht „geplant“ war. Lea, sein Ein und Alles hätte es nie gegeben, wenn er Nicole nicht geehelicht hätte. Abtreiben? Nein, das war nie eine Option für ihn. Er, das ist der weltbekannte Gehirnchirurg Jaap Hollander. Er ist eine Kapazität und aus dem Grund wird er vom Premierminister Israels angesprochen. Er soll einen lebensgefährlichen Eingriff durchführen. Bei einer jungen Frau. Nein, keine „gewöhnliche“ Patientin. Sie ist die Tochter des Prinzen von Saudi-Arabien. Gelingt die OP, dann schwimmt er in Geld. Stirbt die Patientin, dann wird er getötet.

Für Jaap Hollander undenkbar, dass er nicht einmal im Jahr den Ort aufsucht, an dem die letzte Spur seiner Tochter gefunden wurde. Vor 10 Jahren verschwand sie und es gibt keinerlei Erkenntnisse über ihr Verschwinden. Ja, es wurde ein Rucksack gefunden. Vor einer Höhle, die bei starken Regenfällen völlig überflutet wird. Selbst wenn sie nicht mehr leben sollte, wo sind dann ihre Knochen zu finden? Und wo noch Reste ihrer Kleidung?

Leon de Winter schreibt über das Leid des Vaters, der sein Kind bereits 10 Jahre lang sucht. Und das so eindrucksvoll, dass mich dieser Roman

StadtderHunde tatsächlich gefangen nahm. Ich nahm nicht nur Anteil mit Jaap. Auch die Sorgen des Prinzen aus Saudi-Arabien konnte ich ein wenig nachvollziehen. Es spielt also keine Rolle, welchen Reichtum jemand angehäuft hat. Wer sehr krank ist, der kann sich seine Gesundheit nicht kaufen.

Das Buch ist außergewöhnlich. Es zeigt deutlich, wie sehr unser Gehirn von äußeren Gegebenheiten beeinflusst werden kann. Ich las es mit Begeisterung und gebe eine absolute Leseempfehlung.

NetGalleyDE

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Veröffentlicht am 29.01.2025

So spannend kann das Mittelalter sein

INFAMIUM
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Der junge Ignatius hängt sehr an seinem Ziehvater. Kein Wunder also, dass er völlig niedergeschlagen ist, als dieser verstirbt. War er doch noch einen Tag vorher bei ihm. Hat sich mit ihm unterhalten und ...

Der junge Ignatius hängt sehr an seinem Ziehvater. Kein Wunder also, dass er völlig niedergeschlagen ist, als dieser verstirbt. War er doch noch einen Tag vorher bei ihm. Hat sich mit ihm unterhalten und ein Versprechen gegeben. Bodowin, so heißt der Tote, bat ihn um einen Gefallen. Er möge ein Buch an sich nehmen und es still und heimlich an einen Ort bringen, dessen Name niemand wissen dürfe. Der Ort heißt Lauresham. Ignatius zögert keinen Moment und begibt sich auf die gefahrvolle Reise.

„Infamium“ wird in zwei Zeitspannen erzählt. Einmal die Reise des Ignatius im Heute und das Lesen des Buches von Bodowin in der Vergangenheit. Es ist eine lange Reise ins Mittelalter, die mich zu jedem Zeitpunkt fesselte. So lebendig wird sie erzählt. Viele Intrigen und auch einige Anschläge gilt es zu überwinden. Wie Ignatius seine Prüfungen besteht und auf welche Weise er das Buch an seinen Bestimmungsort bringt, ist äußerst unterhaltsam geschildert. Klare Empfehlung von mir, denn auch die Sprecher haben mich mitgenommen und zu keinem Zeitpunkt gelangweilt.

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