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Veröffentlicht am 19.03.2025

Solide, aber hauptsächlich für jüngere LeserInnen empfehlenswert.

Die Spiele der Unsterblichen
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Fünf Jahre ist es her, seit Ara ihre Schwester verloren hat. Fünf Jahre, in denen ihre Tage einzig aus Essen, Training und Schlaf bestanden.

Ihre Hoffnung, bei einem der gefürchteten Spiele der Unsterblichen ...

Fünf Jahre ist es her, seit Ara ihre Schwester verloren hat. Fünf Jahre, in denen ihre Tage einzig aus Essen, Training und Schlaf bestanden.

Ihre Hoffnung, bei einem der gefürchteten Spiele der Unsterblichen von Zeus ausgewählt zu werden, ist ebenso ungebrochen wie ihre Begierde danach, Estella zu rächen. Denn deren Tod brach die Familie entzwei, brach ihre Eltern. Nun ist es so weit, ein neuer Blutmond bricht an – und Ara kann zeigen, was sie gelernt hat …


In diesem Jugendroman begleiten wir Ara und können zu Beginn deutlich erahnen, wie der Verlust von Estella das Leben der 16-Jährigen, ihre Ambitionen und ihr Wesen verändert hat. Mitsamt den zu Beginn elf anderen TeilnehmerInnen streift sie durch das ganze Land, um die von Hermes gestellte Aufgabe als Erste zu erfüllen und sich nicht nur einen Platz am Sternenhimmel zu sichern, sondern auch einen Wunsch. Wirkt die junge Wettkämpferin verbissen, zeigt Ara im Angesicht von gefährlichen Prüfungen, perfiden Intrigen und schmerzhaftem Verrat eine loyale, rücksichtsvolle und selbstlose Seite. Eine, die sie letztlich den Sieg kosten könnte …

Aufgewertet wird die Handlung durch Hades’ Perspektive und seine Charakterzeichnung, kann die dunkle Gottheit doch weder dem Olymp noch seinen intriganten GenossInnen etwas abgewinnen. Kein einziges Mal wohnte er den kommenden Spielen mit Enthusiasmus bei, doch mit der diesjährigen Heimtücke von Poseidon und Zeus hat der Gott des Verborgenen nicht gerechnet. Denn durch Neid, Missgunst und unverhohlenen Groll geht es plötzlich um weitaus mehr. Ein mehr, dass Hades erst durch die Moiren begreiflich wird …


Die Umsetzung der Idee von „𝐃𝐢𝐞 𝐒𝐩𝐢𝐞𝐥𝐞 𝐝𝐞𝐫 𝐔𝐧𝐬𝐭𝐞𝐫𝐛𝐥𝐢𝐜𝐡𝐞𝐧“ betrachte ich zwiegespalten – zwar bestückte Avery ihre Handlung teilweise mit temporeichen, detailliert ausgearbeiteten Prüfungen, mit bildreichen, atmosphärischen Beschreibungen sowie mythischen Wesen, mit Gefahren und Tod, aber dennoch war die Story häufiger fad, aufgrund mangelnder Höhen im Gesamten eher schleppend und der Text nicht komplett rund. Der Stil war sehr einfach gehalten; wird dieses Buch zwar ab 13 Jahren empfohlen, hätte ein klein wenig mehr Raffinesse in Ausdruck und Formulierungen, ein bisschen mehr Spannung nicht geschadet.

Der Fokus richtet sich hauptsächlich auf Ara und ihre innere Veränderung, hingegen blieben die Nebenfiguren und deren individuelle Motivationen blass, sodass Verluste lediglich nüchtern zur Kenntnis genommen werden können.

Hades, mit seinem respektvollen, bedachten Auftreten und seinen deutlich gesetzten moralischen Grenzen, war für mich am nahbarsten. Selbst Ara, die sich zu Beginn unsicher ist, was sie von ihrem Los, für diese Gottheit anzutreten, halten soll, kann sich weder dem Charme noch der aufrichtigen Güte des Herrschers der Unterwelt entziehen …


Annaliese Avery nahm Bezug zur griechischen Mythologie, zu den Legenden, Manipulationen und den implizierten Werten der Gottheiten, die den Menschen auch hier wortwörtlich als Spielfigur, als Unterhaltungsgut betrachten. Weder neu noch innovativ, aber definitiv präsent und unterhaltsam eingebunden. Während die konkurrierende, manipulative Dynamik der drei Brüder den Olymp zu Wachsamkeit mahnt, bildet die Gruppe der jugendlichen Sterblichen eine äußerst stabile Gemeinschaft. Die letzten Kapitel mimen einen turbulenten, teilweise überraschenden, letztlich stimmigen Abschluss.

Am wenigsten überzeugen konnten mich jedoch die „romantischen Gefühle“. Keine Ahnung, wann die sich, wie und woraus, entwickelt haben. Die Frage, ob dieser Plot eine oberflächliche, spröde Liebelei brauchte und vorantrieb, würde ich klar mit „Nein!" beantworten. Eine freundschaftliche Koalition hätte dieser Verbindung nicht nur Genüge getan, sondern auch Authentizität geschenkt.

Äußerst positiv empfand ich, wie Wertschätzung, Rache und Verlust sowie Aras Veränderung, ihr inneres Wachsen, eingebettet wurden. Im Verlauf wird der Spielerin des Hades bewusst, was sie alles verpasste, während sie danach strebte, Vergeltung an den Göttern zu üben… Ob sie sich von diesem Vorhaben befreien kann – falls sie die Spiele überlebt?


Fazit: „Die Spiele der Unsterblichen“ ist ein solider Jugend-Fantasyroman mit Bezug zur griechischen Mythologie. Obgleich die Idee interessant ist und es durchaus spannende Sequenzen gab, konnte mich die Umsetzung am Ende nicht für sich gewinnen.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Skurille, interessante Ausgangslage, die durch eine Fülle oberflächlich aufgegriffener Themen untergeht.

Purple Clouds - Honeymoon
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„Honeymoon“ ist Band eins der „Purple Clouds“-Reihe von Mounia Jayawanth, deren Teile in sich abgeschlossene Geschichten erzählen. In diesem Roman geht es um Debbie White und Emory Vaughn ...

Stell dir ...

„Honeymoon“ ist Band eins der „Purple Clouds“-Reihe von Mounia Jayawanth, deren Teile in sich abgeschlossene Geschichten erzählen. In diesem Roman geht es um Debbie White und Emory Vaughn ...

Stell dir vor, du triffst dein Perfect Match, ihr verbringt einen unvergleichlichen Abend zusammen und der krönende Abschluss bildet eine kleine, feine Hochzeit. Eure rechtskräftige Hochzeit. Vier Jahre später führen euch die Zufälle wieder an denselben Ort. In dieselbe Stadt. Und immer noch ist da dieses Knistern, dieses „angekommen fühlen“ … Statt die imaginäre Verbindung zu lösen, die Scheidung zu vollziehen geht's in Phase 2 der Skurrilität und plötzlich wird alles echter. Und komplizierter … Dabei ist das doch alles nur Fake?!

Ich war sehr gespannt auf diesen New-Adult-Roman, ist die Ausgangssituation doch wahrlich witzig. Erzählt wird aus wechselnder Perspektive, was die Lebensumstände der Protagonisten, ihre Probleme und aufkommenden Gefühle verdeutlicht. Bereichert wird die Handlung von Rückblenden, die uns in die magische Nacht mitnehmen, in der alles begonnen hat, sowie durch allerhand Figuren, die mehr oder weniger Raum einnehmen. Zumindest lässt sich sagen, dass Emorys heimelige WG öfter zur Sprache kam als das Magazin, dabei ist die Idee einer feministischen und offensiv kritischen Zeitung nicht nur gut, sondern auch zeitgemäß. Wie die eingebundenen – aber leider nur oberflächlich aufgegriffenen – Themen. Jayawanth spricht von Verhütung(smitteln), greift Gedanken auf, die mit Sicherheit viele Frauen kennen, von Problemen im Bett, die oft ertragen statt geäußert werden, von Mobbing und den daraus entstehendem Trauma, von Selbstzweifeln, Minderwertigkeitsgefühlen und toxischen Beziehungen. Zudem generiert die Autorin Aufmerksamkeit für ADHS und Zöliakie, für patriarchalische gesellschaftliche Konzepte – und verleitet mit all dem zum Nachdenken.
Ebenfalls den aktuellen Anforderungen entspricht die Charakterzeichnung: Deb und Emory sind beide fürsorglich und aufmerksam ihre Gegenüber betreffend. Der Ton zwischen ihnen ist hauptsächlich interessiert und rücksichtsvoll, während die beiden kleine Eigenheiten aufweisen, nicht ausschließlich korrekt, dafür menschlich handeln. Emory fällt auch äußerlich nicht in das Bild des typischen Love-Interests, gewinnt im Verlauf Erkenntnisse und durchläuft – wie auch Debbie – eine mentale Entwicklung. Aber vieles war mir zu „drüber“ – sei es die Vielzahl der Struggle und Probleme, die Hauptsache mal erwähnt werden, oder überdramatisierte, nicht dem Verhältnis, dass die beiden einvernehmlich eingingen, entsprechende Reaktionen. Hier und da hätte ich mir zwischen den Mittzwanzigern mehr erwachsene Kommunikation ihre Gefühle betreffend gewünscht.
Abgesehen dieser künstlich erzeugten Missverständnisse fand ich die Dynamik eher cozy, wenn auch nicht immer rund, häufiger seicht inszeniert. Zunehmend wies der Verlauf etliche Längen und wenig Höhepunkte auf. Vor allem Kayla war die treibende Kraft der Spannung.

Weniger Seiten, Nebenstränge und oberflächliche Einwürfe, dafür eine konsequente Ausarbeitung von Entwicklungen und Ereignissen hätten dieser Romance sicher den grauen Schleier genommen und ihr mehr Farbe verliehen. Nichtsdestotrotz gab es humorvolle, romantische und innige Augenblicke, wertvolle Messages und ein stimmiges Ende.

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Veröffentlicht am 09.02.2025

Tolle Idee, deren Potenzial leider nicht ausgeschöpft wurde.

Legends of Askja 1. A Kiss of Ice and Blood
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Und alles beginnt, wie so oft, mit einem Schmerz, der in rasender Wut, verheerendem Hass gipfelte …

In Askja, einer eisigen Insel, auf der die größte Gefahr weder Kälte noch Schnee, sondern die wunderschönen ...

Und alles beginnt, wie so oft, mit einem Schmerz, der in rasender Wut, verheerendem Hass gipfelte …

In Askja, einer eisigen Insel, auf der die größte Gefahr weder Kälte noch Schnee, sondern die wunderschönen Eisdämoninnen sind, verbindet nur ein fragiler Frieden Mensch mit Magischen. Als Leif und seine Gefolgschaft durch das Fenrisgebirge streifen, um einen Auftrag des Königs zu erfüllen, ist es ein kurzes Zögern, das die sonst effizient tödliche Frin zur Gefangenen macht. Und obwohl einzig dieser Akt den Prinzen vom Thron – und sein Land von einem dringend benötigten Herrscherwechsel – trennt, gären in Leif leise Zweifel, denn gerade SIE macht all das, was kommt, tausendmal schwieriger …

Erzählt wird der Romantasy-Roman aus wechselnder Perspektive, sodass einerseits Leben und Motivation der Eisdämoninnen deutlich werden, andererseits auch Leifs Bedrängnis, welches nach und nach wächst. Ist der demütige, grausame Weg, den er geht, wirklich der richtige?
Auch Frin beginnt zu hadern, denn obgleich sie sich der Tatsache bewusst ist, dass die Seelenräuberinnen – heute mehr denn je – gezwungen sind, Menschen zum Tode zu verurteilen, um selbst zu überleben, hält sie dieses Wissen nicht davon ab, ihr Dasein zu hinterfragen – jedoch auch die Scheinheiligkeit der Menschen, die sich in Unschuld suhlen: Jagen diese nicht selbst, um sich zu nähren?

Trotz der unwürdigen Bedingungen, in denen sich die Gefangene wiederfindet, geschieht im tristen Kerkerverlies etwas, womit die Magischen des Landes wohl nie gerechnet haben: FeindInnen werden zu FreundInnen, zu Verbündeten… Können sich die Seelenräuberinnen aus den verbitterten Klauen des Königs retten, wenn Umber sogar bereit ist, mit seinem Vorhaben das Leben seines Volkes zu riskieren?

Nach einem vielversprechenden, sehr atmosphärischen und mystischen Beginn wurde die Geschichte zunehmend lasch(er), was teilweise dem einfachen Stil, Wiederholungen von Informationen und Gedanken(kreisen) geschuldet ist. Zwar gab es interessante, unterhaltsame Momente, Romantik und eine Portion Drama, jedoch waren viele Szenen für mich nicht sinnig oder rund, manche „Erkenntnisse“, Entwicklungen und Lösungen zu plötzlich. Auch die emotionale Komponente konnte ich kaum spüren, wenn auch Aussagen getroffen wurden, die berühren. Mir fehlte es an Tiefe – worldbuilding- und figurenbezogen –, an Raffinesse und Spannung.

Im Verlauf entwickelt sich die Eisdämonin, reflektiert, versteht. Die Autorin schont ihre Protagonistin nicht vor weitreichenden Bürden, Offenbarungen und schweren Entscheidungen, nicht vor hoffnungslosen Kämpfen und Verlust. Frin bekam genügend Raum, um zu wachsen, hingegen basierten Leifs innere Veränderungen hauptsächlich auf seinen Erinnerungen, seinen Gefühlen. Andere Figuren blieben deutlich blasser, wenn auch bspw. die Beweggründe des Königs dargelegt wurden. Besonders mochte ich die erstarkende Verbindung zwischen Adelaide, Lava und Frin und hoffe, dass wir in einem weiteren Buch über Askja diesen beiden noch einmal begegnen.
In den letzten Kapiteln zieht Amy Erin Thyndal das Tempo deutlich an, um ihre Geschichte zu einem netten Abschluss zu bringen.

Übrigens: „Spicy Romantasy“ ist mMn nicht zutreffend, heißt, LeserInnen, die wenig mit expliziten Szenen anfangen können, können hier beruhigt zuschlagen.

Trotz Kritik ist „A Kiss of Ice and Blood“ leichte, kurzweilige Unterhaltung. Außerdem sind Idee und Aufmachung toll.

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Veröffentlicht am 07.02.2025

Gewichtige Themen.

Seoulicious – Fake Me, Real You
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Die Frage, die sich mir während der ersten 100 Seiten mehrfach stellte, war: Wie äußere ich – eine deutsche Weiße – Kritik an einem Own-Voice-Roman? Darf ich das? Kann ich eine Protagonistin, die wahrscheinlich ...

Die Frage, die sich mir während der ersten 100 Seiten mehrfach stellte, war: Wie äußere ich – eine deutsche Weiße – Kritik an einem Own-Voice-Roman? Darf ich das? Kann ich eine Protagonistin, die wahrscheinlich noch nie das Wort „Selbstreflexion“ gehört hat, die sich in ihrer eigenen Rassismusblase, in eigenen Vorurteilen und längst gebildeten, verallgemeinerten Meinungen verfangen hat, kritisch beäugen? Die sich immer wieder selbst in eine Opferrolle positioniert?
Oh, hellyeahr. Und wie ich das kann.

Doch zuerst: „Seoulicious – Fake Me, Real You“ hat viele, viele gute Ansätze. Sei es die Frage nach dem, was bleibt, wenn man keine Rolle spielt, jegliche Erwartungen anderer streicht, man mit sich alleine ist und die Suche nach dem Platz in einer Welt, in der Herkunft und Äußerlichkeiten stetig hinterfragt, kritisch beäugt werden, Hass und Anfeindungen überall zur Tagesordnung gehören. Eine Protagonistin, die mit ihrem Dasein – hin- und hergerissen zwischen zwei Kulturen – sichtlich überfordert, nicht mit sich und ihrem Leben im Reinen ist. Der eingebundene Alltagsrassismus, das Show-Setting, die Idols-Thematik, der Rollentausch und auch die softe Lovestory. All das waren gute Punkte.
Aber … Suki ist so in ihren Erwartungen, einzig aufgrund ihrer osteuropäischen Herkunft und ihres Äußeren von allen Weißen abgelehnt zu werden, festgefahren, dass sie in allem und jedem nur das Schlimmste sieht. Sicherlich spielen die Erfahrungen der Teenagerin in ihrer ablehnenden Haltung eine Rolle, aber ich fand viele der verbissenen Schilderungen als toooomuch – und vor allem als genauso »falsch« wie das, was doch kritisiert wird. Dabei will ich niemandem seine Empfindungen, sein Erlebtes absprechen – aber gut pointierte Gesellschaftskritik? Nun, das sei dahingestellt.
Zwar entwickelt sich Suki im späteren Verlauf, reflektiert ihre Gefühle und Empfindungen, ergründet den Ursprung ihres Verhaltens, ihrer Wut, doch ganz streichen kann sie weder das Selbstmitleid noch ihre sich um sich selbst und alles hinterfragenden Gedankenkreise, die teilweise übrigens nichts Neues, dafür Längen bringen und Interessantes, Wichtiges zu großen Teilen ausbremsen und überschatten.
Ein Kritikpunkt, der in die Kategorie Objektivität fällt, betrifft den Text selbst. Worte fehlen/wiederholen sich/sind falsch platziert. Kein Buch ist fehlerfrei, aber eine sorgfältigere Korrektur hätte diesem gutgetan.

Sobald die Protagonistin in Seoul ankommt, sich bei ihren Großeltern einlebt, verändert sich die (Grund)Stimmung weitestgehend. Durch koreanische Begrifflichkeiten und Traditionen bekam die Story eine authentische Note – im Anhang findet sich ein sehr schönes Glossar. Sukis Liebe zu diesem Land, ihrer Familie und dem Kochen war spürbar, genau wie ihr Ehrgeiz, der durch Double'ing – Cooking & Dating geweckt wurde.
Es machte Spaß, die Challenges zu verfolgen. Das Setting der Variety Show – inkl. der Nachteile, Einschränkungen und Konkurrenzkämpfe, die ein Leben im medialen Fokus, als Idol, mit sich bringt – wurde unterhaltsam inszeniert.
Die Frage, wer „Yooma“ auf dem Kieker hat, welche MitstreiterInnen fair spielen, echt sind; ob die Täuschung der Zwillinge glückt und welche Konsequenzen diese Erfahrung für Suki – ihr Fühlen und Denken – haben wird, geben dem Roman eine gewisse Spannung.

Thea Hong sorgte mit ihren Nebenfiguren, hauptsächlich mit Minho, Hana und Jin, sowie mit deren speziellen Eigenschaften und Hintergründen für die nötige Abwechslung, mangelt es dem Geschriebenen doch stellenweise an dieser. Nichtsdestotrotz war der Ton der Autorin locker-flockig und modern, oft schwangen Humor und ein Hauch Ironie, jedoch auch Verletzlichkeit mit. Abgesehen von der „Opferrolle“, an die sich Suki (und auch ihre Schwester) krallt, ist sie kein Püppchen, das den Mund hält, still und beherrscht ist, nein, die 19-Jährige steht für sich und ihre Überzeugungen ein, selbst am Set der Show oder unter den Blicken eines der mächtigsten koreanischen CEOs; macht ihren Frust Luft und neigt zu impulsiven Ausbrüchen. Statt sich vornehmlich zurückzuhalten, offensichtliche Manipulationen zu akzeptieren, wehrt sich Suki, manchmal mit trügerischer Höflichkeit, manchmal lautstark artikulierend. Eigenschaften, die sie für mich nicht nur sympathischer, sondern auch menschlicher machten.
Dass Hong nicht auf einen romantischen Strang verzichtet, bereichert die Geschichte übrigens ungemein. Aber über den kleinen Flirts und den neckenden Gesprächen hängt eine graue Wolke, immerhin spielt „Yooma“ nur eine Rolle und ihr Aufenthalt in Korea ist nicht von Dauer. …

Letztlich ist Seoulicious ein herzerwärmender New-Adult-Roman über Selbstfindung und Mut, über Respekt und Träume, über Familie und die Bedeutung von „zu Hause“. Ich hoffe, dass viele der angesprochenen Klischees und (angedeuteten) Anfeindungen, mit denen Suki konfrontiert wird, von denen sie erzählt, den Einzelnen dazu animieren, sorgfältiger über die eigenen Worte – ob laut gesprochen oder feige getippt – nachzudenken.

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Veröffentlicht am 14.01.2025

Solide.

Achtsam Herzen stehlen
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„Achtsam Herzen stehlen“ ist der aktuelle Roman von Christina Rentzing – ob es sich wirklich um eine RomCom handelt, sei dahingestellt. Meiner Meinung nach fehlte es dafür jedenfalls an dem charakteristischen ...

„Achtsam Herzen stehlen“ ist der aktuelle Roman von Christina Rentzing – ob es sich wirklich um eine RomCom handelt, sei dahingestellt. Meiner Meinung nach fehlte es dafür jedenfalls an dem charakteristischen Witz und der typischen, spaßigen Leichtigkeit.

Merle und ihre besten Freundinnen Bahar und Ella erfüllen sich nach jahrelangem darauf hinarbeiten ihren Traum von der eigenen »Ruheoase« – in diesem Geschäft wollen die drei Frauen ihre Leistungen anbieten und den Menschen auf verschiedene Arten helfen, ihre Mitte zu finden. Während Meditation und Yoga sogleich vor TeilnehmerInnen platzen, bleibt das Achtsamkeitstraining spärlich besucht. Dabei ist es gerade Merle, die sich mit diesem Projekt finanziell weit aus dem Fenster gelehnt hat.
Ihre Familie ist alles, nur keine Unterstützung – aber vor allem ihr Vater bringt die eigentlich so ausgeglichene, motivierte und zartbesaitete 28-Jährige regelmäßig aus dem Gleichgewicht. Sogar am Eröffnungstag schafft es der sich selbst überschätzende Narzisst, dass sich seine Tochter unfähig und unwichtig fühlt, bevor er sie in eine schwierige Situation und letztlich dazu bringt, ein Angebot anzunehmen, dass sich entweder als das beste oder das schlechteste ihrer Karriere – und für ihr Herz – entpuppen könnte …

Rentzings Stil ist recht einfach gehalten und locker, die Dialoge fand ich ein wenig „zu steif/gestellt“ und aufgrund fehlender Höhepunkte, die mit inhaltlichen Wiederholungen kompensiert wurden, zog sich der Verlauf mMn stellenweise. Wie die Autorin die unterschätzten Themen Achtsamkeit und Meditation aufgriff, mit einem ironischen Ton die Klischees ausmerzte, fand ich jedoch durchaus unterhaltsam.
Erzählt wird nur aus Merles Perspektive, was die Geschichte eindimensional wirken lässt. Patrick Andlaus', seine Probleme und sein „Umdenken“ hätten nicht nur Abwechslung, sondern auch eine gute Portion zusätzliche Tiefe gebracht. Nichtsdestotrotz: die familiäre Situation der Achtsamkeitstrainerin, das Verhalten ihrer Eltern und ihrer Schwester samt weiteren Unverschämtheiten geben der Handlung Konfliktpotenzial sowie eine Menge Wut und Unverständnis. Die Frage, wie viel sich Merle noch bieten lässt, und ob sie es schafft, sich aus den undankbaren, toxisch-manipulativen Verhältnissen zu lösen, gibt der Story stetig einen gewissen Antrieb. Im Kontrast zu den privaten Struggeln der Loveinterests stand die romantische Entwicklung, die sich recht schnell und unkompliziert binnen vier Wochen festigt, ohne aufgesetzte, spannungsheischende Dramen. Dass sich Merle bei Patrick wohlfühlt, ist unschwer zu erkennen, denn mehrfach lässt sie in der Gegenwart des attraktiven CEO ihre professionelle und strahlende Fassade fallen – und ihren Gefühlen freien Lauf. Ja, so jemanden braucht selbst die achtsamste Achtsamkeitstrainerin in ihrem Leben. Dabei sind auch ihre Freundinnen taff, hilfsbereit und ehrlich, zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Stelle. Zusammen mit Hannelore Andlau – der aufgeweckten, rüstigen Auftragsgeberin – bilden Bahar und Ella definitiv die heimelige, wärmende Komponenten der Geschichte.

Fazit: ein netter Roman, der weit von Enemies-to-lovers entfernt ist.

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