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Veröffentlicht am 25.06.2025

Keine Entwicklung bei Joshua

Foul Play
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Nachdem ich im Februar mit „Mismatch“ Laura Willud erstmals kennengelernt habe, wollte ich bei „Foul Play“ jetzt doch direkt wieder zuschlagen. Da ich in meiner Rezension geschrieben hatte, dass ich sehr ...

Nachdem ich im Februar mit „Mismatch“ Laura Willud erstmals kennengelernt habe, wollte ich bei „Foul Play“ jetzt doch direkt wieder zuschlagen. Da ich in meiner Rezension geschrieben hatte, dass ich sehr viele gute Ansätze sehe, aber auch noch Potenzial nach oben, wollte ich das jetzt natürlich überprüfen.

Vielleicht war es nur nicht clever, so einen Test ausgerechnet dem Buch zu unterziehen, auf das ich aufgrund des Paares nur halbbegeistert war. Auf Lori hatte ich richtig Lust. Sie hatte als beste Freundin von Joyce schon ihre tollen Momente und dementsprechend konnte ich mir denken, dass sie so eine Geschichte gut tragen kann. Bei Joshua dagegen? Naja… Er war schon sehr gewöhnungsbedürftig. Auch wenn ich absolut für zweite Chancen bin und es auch gerne sehe, wenn sich Figuren entwickeln und reifen, so ist das natürlich trotzdem schwierig, wenn man so eine unnahbare Figur wie Joshua hat, die nur sich selbst sieht und sich unfassbar behäbig nur öffnen kann. Ich habe „Foul Play“ wieder als Hörbuch gehabt und muss sagen, die Wahl von Fynn Engelkes als Joshua hat irgendwie gepasst, nur leider im negativen Sinne. Ich fand sie zum Lauschen sehr anstrengend, teilweise auch lispelnd und die ganze Emotionsbandbreite hat dann ideal zu Joshua gepasst, denn was soll ich sagen? Ich habe kaum eine Entwicklung gesehen und ihn als Figur immer wieder verflucht. Bevor ich darauf noch etwas genauer eingehe, will ich aber betonen, dass die Kritik für Regine Lange keinesfalls gilt. Sie war für mich eine tolle Lori!

Kommen wir aber wieder zu Joshua. Beim ersten Band hatte ich kritisiert, dass der Sport etwas zu kurz kam, obwohl Basketball von beiden Rollen aus wichtig war. Hier haben wir eigentlich nur Joshua, der für den Sport lebt, während Lori sich am liebsten weit fernhält und dennoch war es sehr, sehr dominant. Das war also positiv und dabei bleibe ich auch, selbst wenn es aus Joshuas Sicht war. Mit ihm sind wir oft im Training und in den Spielen mitten drin. Das war schon mitreißend, weil unweigerlich Emotionen aufkommen. Auch die Verantwortung als Kapitän etc., das waren alles Aspekte, die durchaus funktioniert haben. Aber Joshua war durchgängig so verbissen, so kühl nach außen, so rechthaberisch und gegenüber Lori sehr unfair, indem er ihr Leben ständig beeinflusst hat, obwohl er dazu kein Recht hat. Vor allem finde ich auch, dass seine Gefühle wegen des Basketballs so dominant sind, dass seine Gefühle für Lori sich nicht richtig erklären. Ja, da gab es mal einen Kuss, aber eigentlich merkt man, dass der Sport immer die Nummer 1 ist. Ich fand das für eine Liebesgeschichte schwierig. Umgekehrt fand ich dann aber gut, dass Lori nicht blind verliebt ist und Joshua in allem bestärkt und gut findet. Sie hat nicht mit Kritik gespart, sie hat einen guten Blick auf ihn und seine Persönlichkeit. Aber zusammen erklärt das noch weniger, warum diese beiden zusammengehören.

Ich fand auch die Handlungsentwicklung nicht ideal. Nehmen wir alles zum Basketball und zur Entwicklung der Saison raus, denn das war gut, aber das organisierte Event für die Kinder, der Erste-Hilfe-Kurs und was die beiden noch eng zusammenbringen sollte, das war was wenig, auch weil Joshua auch hier erst spät aufwacht und zuvor vieles mit seiner Art extrem anstrengend macht. Es ist am Ende süß aufgegangen, das ja, aber ich hätte es mir für die Handlung dominanter und hilfreicher für Joshuas Entwicklung gewünscht. Jetzt haben wir die beiden noch jeweils in ihren Familiensituationen und beides ist nicht einfach. Es gab gute Ansätze der Aufarbeitung, aber letztlich bremste es doch ab. Bei Joshua war es irgendwann gar kein Thema mehr, bei Lori kam immerhin eine Ansage, aber dann auch fertig. Ich finde es schon richtig, dass man aufzeigt, dass es nicht für alles ein Happyend gibt, aber gerade weil beide in ähnlichen Situationen steckten und Joshua sogar immer wusste, was Lori am besten tun sollte, es aber selbst nicht getan hat, hätte ich mir bei einem von beiden eine Art Auflösung erhofft.

Fazit: „Foul Play“ war leider nicht das Buch, was mir aufgezeigt hat, dass Laura Willud das Potenzial, was ich in ihr sehe, ausbauen kann. Das lag aber ganz gewaltig an Joshua, der in Band 1 schon so angelegt war. Aber auch wenn wir in seinen Kopf schauen konnten, es wurde leider nicht besser. Ich fand ihn höchst unsympathisch und somit hat der Kern, die Liebesgeschichte, für mich nicht funktioniert. Dafür war diesmal Basketball gut, ausreichend und sinnig ausgebaut. Da sehe ich also eine Entwicklung, aber alles andere muss warten. Jetzt brauche ich was anderes von Willud, denn das Potenzial sehe ich durchaus weiterhin.

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Veröffentlicht am 13.02.2025

Oberflächlich zusammengeschustert

Love will find you
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Wenn das Jahr schon so chaotisch und teilweise auch beängstigend losgeht, dann braucht man Cozy Romance mehr denn je. Bei Isabell Bennett, die für den deutschen Buchmarkt ein Neuling ist, hat mich dann ...

Wenn das Jahr schon so chaotisch und teilweise auch beängstigend losgeht, dann braucht man Cozy Romance mehr denn je. Bei Isabell Bennett, die für den deutschen Buchmarkt ein Neuling ist, hat mich dann neben den schönen Farben des Covers auch die Alpakafarm im Klappentext angesprochen. Da ich selbst erst im vergangenen Jahr bei einer Wanderung dabei war, war ich sehr gespannt, wie es fiktional umgesetzt wird.

Ich bin also enthusiastisch in die Geschichte reingegangen, musste aber für meinen Teil irgendwann feststellen, dass mir der gesamte Aufbau sowie Entwicklungen, Stilistik etc. doch insgesamt einfach zu oberflächlich sind. Auch wenn bei Cozy Romance dieser Eindruck immer latent vorhanden ist, so würde ich dennoch sagen, dass es dennoch eine Skala gibt und „Love Will Find You“ war für mich eher am unteren Spektrum, was ich nun auch genauer begründen möchte. Ein Grund ist für mich, dass die Perspektiven für mich nicht annähernd gerecht verteilt waren. Das Buch arbeitet in der Tendenz mit kürzeren Kapiteln, was für mich kein Kritikpunkt ist, weil es gut durch die Handlung treiben lässt. Aber dann kommen teilweise schon mal längere Kapitel (auch für Noah), was es aber umso auffälliger macht, dass Noah recht viel sehr, sehr kurze Kapitel hat. Da hatte ich ein wenig den Eindruck, dass Bennett zu ihm nicht viel eingefallen ist und sie ihn aber immer mit ein paar Gedanken dazwischen geschoben hat, damit wir nicht vergessen, dass er auch noch da ist. Das mag jetzt etwas übertrieben klingen, aber Noah war für mich als Figur leider deutlich unterdurchschnittlich entwickelt und aufgebaut. Seine ganze Geschichte bestand eigentlich nur aus Harper und die Familientragödie wurde dann auch eher über die Brüder transportiert. Leider einfach schade, wenn dann so der Funke zu der Figur nicht überspringen kann, denn so leidet dann auch die gesamte Liebesgeschichte.

Emma war als Figur durchaus ausgearbeiteter, auch weil wir viel mehr Einblicke in ihr Innenleben bekommen hat. Letztlich wirkt aber auch ihr Leben seltsam abgeschnitten. Selbst wenn Teile bewusst für die Spannung zurückgehalten werden, aber auch später ist es schwer, sich Emmas Leben vor Berryfield vorzustellen. Auch ihre Eltern werden mal erwähnt, doch sie an einem anderen Fleck auf der Erde lebend muss ja kein Kontaktabbruch bedeuten. Das sind leider alles so Lücken, die für mich offen geblieben sind. Wenn wir dann aber das Vorleben ausklammern, dann war Emma die Figur, zu der ich leichter Zugang erhalten habe. Ich fand es beachtlich, wie sie sich ein Leben aufgebaut hat, das mit den Alpakas und wie intensiv sie eingebunden wurden, das hat auch Spaß gemacht. Es waren hier also echt die Kleinigkeiten, die mich bei Laune gehalten haben. Ich mochte auch die Wanderungen, weil ich so eine Vorstellung der tollen Landschaft dort bekommen habe und weil es generell zur ganzen Stadt und den Figuren mit der Naturverbundenheit passte.

Kommen wir dann jetzt nochmal zum Handlungsverlauf. Auch wenn Noah an sich schon eine Hürde darstellte, aber ich fand es auch schade, wie schnell alles ging. Erst totaler Gegner, alles kritisieren und dann zack, alles super, ich lasse alles für dich stehen und liegen. Das Tempo passte so einfach nicht. Gerade weil die Geschichte sich Zeit für die intensiven Momente nimmt, ist es schade, wenn das nebenher wie auf der Autobahn wirkt. Gerade zum Ende hin haben sich für mich dann auch die Ereignisse überschlagen und es wurde stellenweise eine Dramatik ausgepackt, die es wieder komisch gemacht hat. Stichwort Lottie und Adrian. Insgesamt war in der Geschichte viel verpackt, was anders ausgearbeitet mich viel besser unterhalten hätte.

Fazit: „Love Will Find You“ hat mich leider nicht so gepackt wie erhofft. Auch wenn die Erwartungshaltung bei Cozy Romance sicherlich sehr eigen ist, aber so oberflächlich hätte es insgesamt nicht sein müssen. Im Hier und Jetzt war vieles völlig okay, oft auch unterhaltend und mitreißend, aber die Figuren schienen keine Vergangenheit zu haben. Bei den zahlreichen Kritikpunkten bin ich mir nicht sicher, ob ich Isabell Bennett für mich so schnell noch auf dem Schirm haben werde.

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Veröffentlicht am 28.11.2024

Inhaltsschwach

Powerless
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Elsie Silver und ich, das ist eine gewisse Hassliebe, wobei der Schwerpunkt eindeutig auf Liebe liegt. Aber sie schreibt in meinen Augen im tollen ländlichen Setting tolle Figuren, in auch oft sehr tiefgehenden ...

Elsie Silver und ich, das ist eine gewisse Hassliebe, wobei der Schwerpunkt eindeutig auf Liebe liegt. Aber sie schreibt in meinen Augen im tollen ländlichen Setting tolle Figuren, in auch oft sehr tiefgehenden Geschichten, aber die Art und Weise der erotischen Szenen ist einfach nicht meins. Aber durch die Reihenidee bin ich auch an die Figuren gebunden und kann einfach nicht aufhören…

Auf „Powerless“ war ich tatsächlich bislang auch am meisten gespannt, denn Sloane und Jasper sind uns jetzt in den anderen beiden Bänden immer wieder begegnet und diese Liebesgeschichten, die schon ewig andauern, ohne dass es sich beide aber eingestehen konnten, die haben mich immer am Haken. Dementsprechend wollte ich gerne beim Happy End dabei sein. Leider finde ich aber, dass ihre gemeinsame Geschichte relativ inhaltsleer ist. Das trifft es natürlich nicht ideal, weil klar passiert etwas in den 300 Seiten. Aber da ich auch die beiden Bände davor im Hinterkopf habe, wird dann sehr augenscheinlich, wie wenig eigentlich passiert. Nun kann man natürlich argumentieren, dass eine Sache zwischen Sloane und Jasper klar ist: dass sie sich kennen. Und dennoch wurde eigentlich ersichtlich, dass es auch jeweils Seiten von sich gibt, die sie verborgen haben. Und auch ansonsten finde ich, dass es mehr klare Handlungsschritte gebraucht hätte. So haben wir die geplatzte Hochzeit, wir haben ein tragisches Ereignis, das lange wie ein Schleier über allem hängt und dann haben wir einen Ausflug, um eine Portion Heu abzuliefern und fertig. Das ist schon wenig.

Ich fand es angesichts meiner Vorfreude auf den Band einfach etwas schade, dass Silver für Sloane und Jasper nicht mehr eingefallen ist. Sein Eishockeyspiel nimmt immerhin etwas Raum ein, Sloanes Tanzen gar nicht. Die beiden Figuren sind dafür sehr viel zusammen, aber dafür war das erste Viertel auch echt langweilig. Denn es war sicher angemessen, dass beide sich nicht sofort aufeinander eingelassen haben, aber dadurch zig es sich etwas, weil eben nicht so viel passierte. Dazu ist auch wieder das Ungleichgewicht im Stil von Silver zu bemerken. So haben wir weit mehr als die Hälfte des Buchs, die ohne erotische Szenen auskommt und dann ist ein Funke entzündet und dann ist klar, was jetzt erstmal seitenweise passieren wird. Hier fand ich es auch speziell dann enttäuschend, dass Jaspers Kontrollsucht so einseitig dargestellt wurde. Gerade weil Sloanes Geschichte auch auf Selbstbemächtigung gegenüber ihrem Vater und ihrem Verlobten und damit letztlich auch im Allgemeinen beruhte, wäre es doch viel passender gewesen, irgendwann ein Gegengewicht zu erzeugen. Damit Jasper eben auch lernt, dass es nicht nur um Kontrolle geht, egal wie sein vergangenes Trauma aussieht.

Vielleicht hätte es sich auch angeboten, noch etwas mehr in Jaspers Vergangenheit einzutauchen. Aus dieser wird zwar positiv gesehen kein großes Geheimnis unsern Lesern gegenüber gemacht, aber da es angeblich nur Sloane weiß, wirkt es angesichts der ganzen Familiendynamik und aufgenommener Sohn einfach etwas schade. Vielleicht hätte man es zum Thema für alle machen können, indem Gespenster der Vergangenheit aufgetaucht wären. Weiterhin hat man durch die Fokussierung auf die beiden als Paar auch gemerkt, dass das Familiäre diesmal nicht so rüberkam. Oft war es nur der schon traditionell am Anfang stehende Nachrichtenaustausch, der andere Figuren eingebunden hat. Dabei sind die Männer- und Frauenfreundschaften untereinander ein Highlight. Die werden hier zu sehr ausgespart.

Fazit: Wenn es hakt, dann wohl so richtig. Ich hatte mich auf „Powerless“ wirklich sehr gefreut, aber es hat mich doch in der Mehrheit enttäuscht. Es gab zu wenig Handlung, zu wenig Entwicklung und zu wenig von den Zutaten, die mich in den ersten beiden Bänden mitgerissen haben.

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Veröffentlicht am 29.10.2024

Bricht nach gutem Start völlig ein

Haunted Reign
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Mona Kasten hatte aufgrund des riesigen Erfolgs der „Save Me“-Serienadaption ein bombastisches Jahr. Dazu schließt sie mit „Haunted Reign“ ihre Everfall Academy-Reihe ab, aber das würde ich leider eher ...

Mona Kasten hatte aufgrund des riesigen Erfolgs der „Save Me“-Serienadaption ein bombastisches Jahr. Dazu schließt sie mit „Haunted Reign“ ihre Everfall Academy-Reihe ab, aber das würde ich leider eher nicht zu den großen Erfolgen des Jahres zählen, leider.

Auch wenn „Fallen Princess“ nicht mein Jahreshighlight 2023 war, so hat es mir dennoch gefallen, Kasten erstmals im Fantasy-Genre zu erleben und ich fand es auch für einen Auftakt einer Reihe sehr angenehm, weil es nicht überladen an World Building war und dennoch sehr spannend gestaltet war. Dementsprechend war ich jetzt auch froh, in „Haunted Reign“ wieder eintauchen zu können. Der Einstieg ist mir auch trotz des vergangenen Jahres sehr leicht gefallen und ich fand auch, dass es auch so inhaltlich noch sehr vielversprechend wirkte. Dass Zoey sich so sehr nach emotionaler Abstumpfung gesehnt hat, das hat gut in die Geschichte gepasst und es hat ihr als Figur auch Raum gegeben, trotz Kenna und Murphy, dennoch auf ihre Art zu leiden, weil sie schlimm betrogen wurde. Das Verhältnis zu Dylan ist dann auch angemessen, aber es ist distanziert, aber genau im richtigen Abstand werden immer Szenen gegeben, die die Verbindung unterstreichen. Dementsprechend bin ich sehr optimistisch in das Buch gestartet und dann auch die Ankündigung des Turniers hat als Ausgangspunkt für den Schwerpunkt gepasst.

Mit den ersten beiden Prüfungen ist es auch gut weitergegangen. Ich fand sie in der Abwechslung gut gestaltet und man hat bei Zoey richtig gemerkt, wie bei ihr wieder etwas angefacht wurde. Dazu wurden die Beziehungen um sie herum auch weiter intensiviert und mir hat auch genauso gefallen, dass mal andere Figuren wie Lorcan und Georgina eine konkretere Rolle eingenommen haben. Aber dann passierte der Effekt, dass ich merkte, die Seitenzahlen laufen aus und da merkte ich dann auf einmal einen inneren Widerstand. Denn es ist noch kein dritter Band angekündigt. Vielleicht soll es das jetzt auch wirklich sein, aber egal wie, man hat einfach überdeutlich gemerkt, dass Kasten es auf einmal eilig hatte. Für die Liebesgeschichte war noch Raum genug. Okay, ist für die Zielgruppe natürlich auch wichtig, aber ich hätte tatsächlich sogar auf ein paar Szenen davon verzichtet, wenn ich dafür mehr inhaltliche Tiefe bekommen hätte. Denn alles rund um Zoeys Kräfte finde ich einfach schlecht ausgearbeitet. Ich habe den Eindruck, dass sie im Grunde nur 30% vielleicht davon wirklich für sich schon angenommen hat. Auch der Kurs mit der Seelenführung. Er wurde immer wieder angesprochen und wie wichtig er sei. Wofür denn jetzt eigentlich?

Im letzten Fünftel habe ich dann richtig gemerkt, an wie vielen Ecken Kasten Neugier erweckt hat, nur um es jetzt krass abzukürzen und das finde ich einfach schade. Ich weiß nicht, ob sie für sich vielleicht auch erkannt hat, es ist doch nicht ihr Genre, weil ich diesen Kritikpunkt bei ihr auch noch nie so deutlich hatte, aber auch wenn, dann ist es vom Marketing auch bedauernd, weil es groß aufgezogen ist, aber es bietet dafür nur wenig an. Auch der erneute Showdown, er erinnerte mich zu sehr an Band 1 und mir ist wieder nicht so richtig deutlich geworden, was eigentlich das Anliegen der Sammlung der Gegenstände soll. Auch hier also wieder eine Abkürzung.

Fazit: „Haunted Reign“ startet eigentlich völlig okay und auf dem Niveau von Band 1. Erwartungen wurden sofort geformt und dann war leider nicht mehr zu übersehen, dass es auf einmal schnell gehen musste. Leider ist auch nicht bekannt, ob es noch weitergehen wird, das macht das ganz noch seltsamer. Aber klein für sich war die Handlung okay, in einer größer aufgezogenen Welt ist es aber massiv zu wenig.

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Veröffentlicht am 25.09.2024

Zu wenig Konsequenz in der Absicht

Für immer und ein Jahr
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Das Gesamtpaket „Für immer und ein Jahr“ hat mich sehr an die diversen Bücher von Cecelia Ahern erinnert, die auch bei Fischer eine Heimat gefunden hat. Inzwischen habe ihre Bücher in den Neuauflagen ein ...

Das Gesamtpaket „Für immer und ein Jahr“ hat mich sehr an die diversen Bücher von Cecelia Ahern erinnert, die auch bei Fischer eine Heimat gefunden hat. Inzwischen habe ihre Bücher in den Neuauflagen ein ganz anderes Design, aber das Bläuliche in verschiedenen Variationen und dann die Stilistik der Titelwahl, da sind wir von Stefanie Hansen und „Für immer und ein Jahr“ nicht weit weg. Mit dem Klappentext speziell musste ich auch sofort an „P.S.: Ich liebe dich“ denken, weswegen ich sofort reinlesen wollte.

Mich hat die Idee mit dem Geburtstagskalender, den der Witwer ein Jahr lang für die Verstorbene mit Anrufen ausführen soll, gleich überzeugt, zumal im Nachwort auch erklärt wird, dass es auf einer wahren Geschichte beruht, für die eine Autorin gesucht wurde. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass es für Hinterbliebene eine gute Gelegenheit ist, einen Halt zu haben und es so von Anruf zu Anruf auch einfacher wird. Dementsprechend habe ich mich emotional vorbereitet in die Lektüre gestürzt und muss leider doch sagen, dass ich sehr enttäuscht wurde. Unterm Strich glaube ich, dass das Buch überall sehr gute Ansätze hat, denn die Trauer ist sehr gegenwärtig und ihren verschiedenen Formen deutlich zu spüren. Ich fand es auch total löblich, wie die beiden Kinder, Finn und Lina, dargestellt wurden. Es war sehr altersentsprechend und es wurden auch jeweils unterschiedliche Trauerprozesse dargestellt. Ich mochte auch die weitere Mischung an Nebenfiguren, gerade die Großmütter waren doch zwei sehr spezielle Charaktere, aber es hat gut in diese Geschichte gepackt. Gerade weil sie ein Gegenmodell zueinander darstellten, in dem Jan seinen Weg mit seiner Familie finden muss. Auch das Ende ist für mich vollkommen in Ordnung gelungen, weil es alles in einem Rahmen erfolgt ist, den ich für ein Jahr als angemessen empfunden habe.

Aber inmitten dieser Ansätze habe ich vor allem Konsequenz vermisst. Es war zwar okay, dass Jan zum einen nicht der Telefonierer ist (bin ich auch nicht) und dass er sich gerade anfangs wegen der Trauer auch sehr schwer getan hat und einige Geburtstage hat ausfallen lassen, aber ich hatte es mir im Vorfeld als zentrales Momentum vorgestellt. Das kann man aber nicht wirklich behaupten. Ja, es gibt immer mal wieder Anrufe und einige führen auch zu interessanten Nebengeschichten, wie beispielsweise der Anruf bei der Trauerrednerin Tina, der wahrscheinlich auch der wichtigste des ganzen Buchs ist, aber die Handlung verliert das irgendwann fast völlig aus den Augen. Jan wächst auch so an seinen Aufgaben, das kann ich nicht leugnen, aber ich fand es auch als verbindendes Element zu Kaya schön und weil so viele Anrufe gar nicht stattgefunden haben, brach das auf eine Weise, die ich schade fand. Ein weiterer großer Kritikpunkt ist für mich auch, dass viele Handlungen mit dem Kapitel auf einmal abzubrechen scheinen. Da backt die Familie Kuchen, es gibt Schwierigkeiten, Cut und vorbei. Ich kann mir als Leserin denken, dass es in einer Katastrophe geendet ist, aber warum so vieles in der Luft hängen lassen? Das passiert nicht einmal, sondern dauernd. Ja, ich kann Lücken füllen, aber durch die Stilistik entstand bei mir verstärkt der Eindruck, dass Jan keinerlei Beziehungen führen kann, weil ihm schnell alles wieder egal schien. Vielleicht bin ich in dem Punkt auch zu weit von Jan weg, aber ich fühlte mich da mehrfach im Stich gelassen.

Ein letzter Punkt, der mich etwas zwiegespalten hinterlässt, das sind die Einschübe von Kaya, als Geist (?). Ich war beim ersten Auftauchen irritiert, habe dann aber auch diverse Gedanken darin gefunden, die für mich Kaya auch aktiv als Figur gestaltet haben und nicht nur die Erinnerungen durch die anderen. Gleichzeitig aber hatte ich den Eindruck, dass Kaya immer betont hat, nun wäre alles egal, weil menschliche Gefühle für sie keine Rolle mehr spielen, als wäre sie ein anderes Dasein. Aber in manchen Passagen hat sie sich dann doch wieder widersprochen. Das hat mir die Einschübe dann wieder verhagelt, denn auch hier, keine Konsequenz.

Fazit: Ich habe mir bei „Für immer und ein Jahr“ ein ganz anderes Buch vorgestellt, leider. Es gab sehr wichtige Ansätze und ich habe insgesamt alle Tendenzen und Entwicklungen auch verstanden und gut geheißen. Aber gerade auf der stilistischen Ebene war es wenig konsequent und wirkte für mich in zu vielen Aspekten wie zusammengewürfelt. Emotionen blieben dadurch viel zu oft auf der Strecke.

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