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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.01.2018

Beklemmend realistisch

In eisiger Nacht
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Ein komplizierter Fall für Detective Max Wolfe und seine Truppe, der alle Beteiligten zutiefst aufwühlt: zwölf tote junge Frauen sind in einem Lastwagen gefunden worden, jedoch dreizehn Pässe. Was ist ...

Ein komplizierter Fall für Detective Max Wolfe und seine Truppe, der alle Beteiligten zutiefst aufwühlt: zwölf tote junge Frauen sind in einem Lastwagen gefunden worden, jedoch dreizehn Pässe. Was ist mit der verschwundenen dreizehnten Frau passiert?
Flüssig und fesselnd erzählt der Autor in seinem vierten Kriminalroman, welchen Schwierigkeiten und Gefahren Wolfe und seine Partnerin Edie begegnen, als sie diesen verworrenen Fall zu lösen versuchen. Ein realistischer, aktueller Hintergrund und authentisch gestaltete Charaktere bilden das Umfeld, und (wie von ihm gewohnt) sozialkritische Töne durchziehen sein Buch.
Familie, Liebe und das Leben - das sind Themen, die auch in diesem Krimi die wesentlichen Bestandteile darstellen. Soziale Ungleichheit, die aktuelle Flüchtlingsproblematik, ihre Auswirkungen und der Erfolg derer, die davon profitieren, sind die Motive, die Parsons bewegen und die er auf mitreißende Weise schriftstellerisch umzusetzen versteht.
Auch der „private“ Wolfe wird beleuchtet. Als Ich-Erzähler schildert er seine Situation als alleinerziehender Vater sehr offen.
Während der Leser angespannt Wolfes Ermittlungen verfolgt, verweist Parsons immer wieder darauf, dass Polizeiarbeit nicht nur aufregend und interessant ist. Dass die Einsätze auch lebensgefährlich sein können, wird im Londoner „Black Museum“ von Scotland Yard dokumentiert, das Parsons in jedem seiner Romane erwähnt. Man muss die ersten Bücher um Wolfe nicht unbedingt kennen, um seine Arbeit „In eisiger Nacht“ zu verstehen. Aber nach dieser Lektüre wird man sicher den Wunsch verspüren, auch die ersten drei Teile zu lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Spannung
Veröffentlicht am 09.01.2018

"Old School"

Geheimnis in Rot
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Eigentlich weist bereits das originelle Buchcover auf einen Klassiker hin. Eingebunden in traditionelles Leinen, in handlichem Format, zeigt es ein behäbiges Herrenhaus in tief verschneitem Park - und ...

Eigentlich weist bereits das originelle Buchcover auf einen Klassiker hin. Eingebunden in traditionelles Leinen, in handlichem Format, zeigt es ein behäbiges Herrenhaus in tief verschneitem Park - und gibt gleich einen Hinweis auf den ursprünglichen Titel des Kriminalromans „The Santa Klaus Murder“, der erstmalig im Jahr 1936 veröffentlicht wurde.
Zum Inhalt: Wie in jedem Jahr versammelt Sir Osmond die Familie und einige Freunde in seinem Haus in Flaxmere, um gemeinsam Weihnachten zu feiern, wobei einer von ihnen auf Wunsch des Hausherrn den Weihnachtsmann spielt. Aufgrund innerfamiliärer Spannungen ist die Atmosphäre allerdings gereizt. Sir Osmonds Schwester Mildred behauptet, „sie habe schon immer gewusst, dass bei diesen Familientreffen an Weihnachten nichts Gutes herauskomme“ – und diesmal soll sie Recht behalten.
Mit feinem Humor charakterisiert Mavis Doriel Hay (1894 – 1979) ihre Personen und zeichnet mit viel Ironie ihre Beziehungen zueinander und zum Familienoberhaupt nach. Wunderbar beobachtet und in authentischer Weise gibt sie (aus den unterschiedlichen Sichtweisen einzelner Familienmitglieder) menschliche Schwächen und Stärken wieder, wobei der ermittelnde Colonel Halstock ein Bindeglied zwischen ihnen bildet. In klassischer Manier folgt die Autorin dem Prinzip, einen Mord allein mit Hilfe von Kopfarbeit zu lösen, Reflexion und Logik stehen im Mittelpunkt. Hier ist der Leser aufgefordert, auf die Zwischentöne zu achten.
Wer ohne „Action“ auskommt und einen Krimi nicht nur konsumieren will, sondern es mag, mitzurätseln, ist mit diesem „Old School“ Roman gut bedient.

Veröffentlicht am 14.12.2017

Atemlose Spannung...

Der Näher
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… zieht sich auch durch den dritten Thriller aus Rainer Löfflers Feder. Zum Inhalt: In Gummersbach werden zwei schwangere Frauen vermisst gemeldet. Abschiedsbriefe scheinen Hinweise auf ein freiwilliges ...

… zieht sich auch durch den dritten Thriller aus Rainer Löfflers Feder. Zum Inhalt: In Gummersbach werden zwei schwangere Frauen vermisst gemeldet. Abschiedsbriefe scheinen Hinweise auf ein freiwilliges Verlassen ihrer Familie zu geben. Was zunächst wie ein Routinefall aussieht und von Kriminalhauptkommissar Borchert auch als solcher behandelt wird, entwickelt sich nach und nach zu einem komplexen Mordgeschehen. Selbst für den neu hinzugezogenen Fallanalytiker Martin Abel gilt es, eine harte Nuss zu knacken. Und ihm ist sehr schnell klar: ihm bleibt nicht viel Zeit.
Spannend, rasant, atemlos: in schwungvollem Stil, durchzogen von Sarkasmus, schwarzem Humor und besonders bildhaften Darstellungen, verwickelt der Autor seinen Leser in eine Serie von Entführungen und bestialischen Morden. Löffler spart dabei nicht mit detaillierten und äußerst brutalen Beschreibungen, so dass teilweise recht drastische Bilder vor dem geistigen Auge entstehen: ein Thriller, der seinen Namen wahrlich verdient. Auch mit dem Seelenleben des Täters macht er uns nach und nach vertraut. In diesen Abschnitten, die sich mit dem aktuellen Geschehen abwechseln, erfährt man wesentliche Details über Kindheit und Intentionen des Mörders. Die Identität des Täters allerdings bleibt bis fast zum Schluss verborgen. Abels Ermittlungen werden zu einem Wettlauf mit der Zeit, bei dem der Autor den Lesern kaum eine Verschnaufpause gönnt.
Kurz: Ein echter Thriller für Leser, die über gute Nerven verfügen.

Veröffentlicht am 14.12.2017

Mit einem Augenzwinkern

Lauter Leichen
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Der Titel des Krimis übertreibt? Keineswegs, wie der Leser sehr schnell feststellen wird! Bereits zu Beginn des Romans stolpert er über zwei Tote in der Küche von Ellis Mutter. Einer von ihnen ist Peter, ...

Der Titel des Krimis übertreibt? Keineswegs, wie der Leser sehr schnell feststellen wird! Bereits zu Beginn des Romans stolpert er über zwei Tote in der Küche von Ellis Mutter. Einer von ihnen ist Peter, Ellis Ex-Lebensgefährte. Derweil die Protagonistin noch vollauf damit beschäftigt ist, „aufzuräumen“ und mit Oma Friedas Hilfe die Sachlage zu klären, schreitet das Gesetz in Gestalt des smarten Kommissars Watkowski ein. Doch statt Aufklärung folgt zunächst nur noch mehr Verwirrung: wieviele und wessen Leichen haben diverse vornehme Hamburger Familien im Keller verborgen?
In lockerer Sprache und mit reichlich schwarzem Humor entwirrt Zarah Philips alias Elenor nach und nach die verzwickten Fäden um das mörderische Geschehen. Kundig und temporeich führt sie den Leser auf der Suche nach Gerechtigkeit durch Hamburg, stürzt ihn in ungewöhnliche Situationen und macht ihn mit ihrer skurrilen Familie und anderen merkwürdigen Personen bekannt. Dabei geht es absolut nicht zimperlich zu; aber stets spürt man das Augenzwinkern der Autorin.
Der bunt tätowierte Totenkopf auf dem Buchcover verspricht nicht zuviel: dieser Krimi ist ebenso spannend wie vergnüglich zu lesen.

Veröffentlicht am 14.12.2017

Dem Himmel ein Stück näher

Zeitlang
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„Hoakel“ darf eine Sennerin nicht sein. Das ist eine der ersten Erfahrungen, die Sibylle Leimeister macht, als sie es endlich geschafft hat, sich ihren Traum zu erfüllen: einen Sommer als freiwillige ...


„Hoakel“ darf eine Sennerin nicht sein. Das ist eine der ersten Erfahrungen, die Sibylle Leimeister macht, als sie es endlich geschafft hat, sich ihren Traum zu erfüllen: einen Sommer als freiwillige Hilfskraft auf einer Südtiroler Alm zu verbringen. Wie erlebt sie „ihren“ Almsommer? Wieviel Romantik steckt in einem solchen Leben?
Sehr lebendig und frisch erzählt die Autorin von diesem Aufenthalt und ihren Erlebnissen mit den Menschen und der Natur. Ihre Gefühle sind zwiespältig; die Städterin Sibylle begegnet dem Misstrauen und etlichen Vorurteilen der Landbevölkerung und muss sich mit ungewohnt harter Arbeit plagen. Doch auf der anderen Seite verhelfen ihr die Ferne von Zivilisation und Technik und der konstante Rhythmus der täglich wiederkehrenden Arbeiten zu mehr Ruhe und Gelassenheit. Ihre Schilderungen geben ihre Gefühle klar und ungekünstelt wieder und eine gute Portion Humor hilft ihr, sich auch in schwierigen Situationen zu behaupten.
Da ist der Buchtitel durchaus passend gewählt: „Zeitlang“ bedeutet einerseits das Heimweh, das die Autorin oft nach ihrer Familie verspürt; aber es heißt auch „Sehnsucht“. Und die Sehnsucht nach dem Almleben packt sie, als sie am Ende des Sommers wieder zu ihrer Familie zieht.
Ein wunderbar unterhaltsames, erfrischend ehrliches Buch!