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Veröffentlicht am 14.02.2025

KI in der Psychologie: Gefährlich oder nützlich?

The Killer Profile
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Inhalt:
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Midnight Jones ist Anfang 30, hat einen sehr guten Abschluss in Sozialwissenschaften sowie einen Master in Psychologie und Neurowissenschaften. Sie arbeitet bei der Londoner ...

Inhalt:
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Midnight Jones ist Anfang 30, hat einen sehr guten Abschluss in Sozialwissenschaften sowie einen Master in Psychologie und Neurowissenschaften. Sie arbeitet bei der Londoner Biotech-Firma Necto. Diese produziert Headsets für VR-Training, Zubehör für Elektrokonvulsionstherapie, Lügendetektoren und Psychogalvanometer, die die Reaktion auf emotionale Stimuli messen. Im Rahmen ihrer Arbeit wertet Midnight Profile von Universitätsbewerbern aus. Dabei stößt sie auf ein anormales Profil, das von der Software als "K"-Profil gekennzeichnet wird. Midnight hegt den Verdacht, dass sich dahinter ein rücksichtsloser, brutaler Killer verbergen könnte und geht mit dieser Annahme zur Geschäftsleitung. Doch keiner scheint ihr zu glauben. Da sie sich privat um ihre behinderte Zwillingsschwester Dawn kümmern muss, ist sie hin- und hergerissen zwischen Firmenloyalität und ihrem Gerechtigkeitssinn. Dann werden in ihrer Wohngegend mehrere Frauen brutal ermordet. So hegt sie den Verdacht, dass der Killer auch sie verfolgt und sie und ihre Schwester geraten zunehmend in Gefahr.

Mein Eindruck:
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"Auf niedrigster Stufe konnte die Software erkennen, ob man lieber Kaffee oder Tee trank, auf Männer oder Frauen stand, eher segeln oder Ski fahren würde. Aber sie bot noch viel mehr. Wurde dir ein Clip gezeigt, registrierte sie, wovon dein Blick angezogen wurde, welchen Bewegungen er folgte, ob das Gezeigte dich fesselte oder langweilte, dich ansprach oder abstieß – und Millionen und Abermillionen weiterer winziger Dinge. Der wahrhaft schlaue Kniff war jedoch, dass sie sich den Reaktionen der Testpersonen anpasste. Verriet man bei einem Bild Anzeichen von Erregung, wurden einem ähnliche Aufnahmen gezeigt, bis die Erregung ein Maximum erreichte oder sich Langeweile einstellte, dann ging sie zu anderen Themen über. Nichts war tabu. Nichts blieb verborgen. Was dein künftiger Arbeitgeber oder deine Ausbildungsstätte danach nicht über dich wusste, war auch nicht von Bedeutung. Es war ein psychometrischer Test, gesteuert von einer KI, die schneller lernte, als Necto sich zunutze machen konnte, und Midnight hatte gewaltigen Respekt davor. Amber meinte, dagegen sähe das Lügendetektorsystem der CIA steinalt aus, und das war noch untertrieben. Als die Software herausgekommen war, hatte es Einwände wegen der Verletzung der Privatsphäre gegeben, aber wie so oft hatte sich die Menschheit irgendwann daran gewöhnt. Tatsächlich war es schlicht so, dass fast niemand begriff, welches Potenzial wirklich darin steckte." (S. 22-23)

Die Idee, mittels KI psychologische Profile von Menschen auszuwerten, ist nicht neu. Mich reizte die Umsetzung in einem Roman. Dieser Thriller ist sehr gut aufgebaut und packend geschrieben.
Midnight war mir als Protagonistin sympathisch. Sie liebt ihre Schwester und kümmert sich aufopfernd, hat aber auch manchmal das nachvollziehbare Bedürfnis, ihr eigenes Leben zu leben und ist wütend auf ihre Eltern, die die beiden sich selbst überlassen haben, um auf Reisen zu gehen.
Necto ist eine moderne Tech-Firma, wie sie heute bereits existieren könnte. Jeder ist ersetzbar und absolute Loyalität der Mitarbeiter wird vorausgesetzt. Midnight widersetzt sich jedoch des Öfteren, da ihr Gewissen ihr wichtiger ist, womit sie bei ihren Kollegen und Vorgesetzten verständlicherweise aneckt. Das mochte ich besonders an ihr.
Die Geschichte ist gut und spannend aufgebaut. Die Kapitel sind von den Längen her recht kurz und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.
Dass Bewerbungsprofile mit Hilfe von KI ausgewertet werden, ist keine Zukunftsmusik mehr. Dass für die Auswertung jedoch dem Bewerber ein Teil des Mitarbeiternamens mitgeteilt wird, halte ich aus Datenschutzgründen eher für unrealistisch. Auch sonst gibt es im Roman ein paar Dinge, die etwas überzogen und nicht realitätsnah sind. So fieberte ich zwar durchweg mit, aber das Ende kam für mich etwas zu konstruiert und fast kitschig daher.
Das "Renfield-Syndrom" kannte ich bis dato noch nicht. Es hat dem Killer ein interessantes Mordmotiv gegeben. Auf faszinierende Art und Weise wirft der Roman die Frage auf, ob das Böse in jedem Menschen steckt und durch bestimmte Bilder getriggert werden kann oder nur der Identifizierung des Bösen im Menschen dient.
Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich das Buch fürs Kino verfilmen lässt. Midnight verkörpert für mich das Klischee einer modernen Cyberagentin.

Fazit:
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Packender Thriller, der das Thema KI gekonnt, aber manchmal nicht ganz realitätsnah in Szene setzt und einige Ecken und Kanten aufweist.

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Veröffentlicht am 04.02.2025

Humorvoller Cosy Crime auf dem Campingplatz

Mord im Himmelreich
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Gestaltung:
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Das Titelbild ist für einen Camping-Krimi sehr passend, wobei der Krimi-Anteil nicht ersichtlich ist. Es steht eher das Gemütliche im Vordergrund.
Bei der Klappenbroschur ist ...

Gestaltung:
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Das Titelbild ist für einen Camping-Krimi sehr passend, wobei der Krimi-Anteil nicht ersichtlich ist. Es steht eher das Gemütliche im Vordergrund.
Bei der Klappenbroschur ist zu Beginn ein Foto mit dem Schild des (real existierenden) Campingplatzes Himmelreich neben dem Autor amüsant. Zur besseren Orientierung in der Handlung sorgt hinten im Buch eine Karte mit den Schauplätzen. Insgesamt sehr schön gemacht!

Inhalt:
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Der sechzigjährige ehemalige Schauspieler Björn Kupernikus genießt seinen Ruhestand, indem er als Vagabund mit seinem Campingbus Otto umherzieht. Gerade als er es sich auf dem Campingplatz Himmelreich eingerichtet hat, wird er von einer Frau zu Hilfe gerufen: Ein scheinbar herrenloser Hund treibt auf einem Stand-up-Paddleboard auf dem See herum. Kupernikus eilt zur Rettung und entdeckt dabei eine Männerleiche, die unter dem Board festgebunden war. Es ist unklar, wer der Tote ist und zu wem der Hund gehört. Klar ist nur, dass der Tod durch Fremdeinwirkung eintrat. Da er nie seine Traumrolle als Kommissar ergattern konnte, aber alles über Kriminalfälle gelesen hat, beginnt er zu ermitteln. Annabelle, die Frau, die ihn um Hilfe gebeten hatte, ist eine resolute Künstlerin, die ihm gerne dabei unter die Arme greift mit ihrer besserwisserischen, aber charmanten Art.


Mein Eindruck:
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Andreas Winkelmann schreibt normalerweise Thriller, die ich wiederum selten lese. Daher war sein Debüt als Cosy-Crime-Autor auch mein erstes Buch von ihm. Ich bin sehr gut in die Lektüre reingekommen. Die Handlung ist wie ein Film in mehrere Teile und diese wiederum in Szenen mit passenden Überschriften aufgeteilt. Das passt zu dem Schauspielberuf von Kupernikus und demonstriert seine neue Rolle als Ermittler im wahren Leben. Der Protagonist ist mir als Morgenmuffel, der ohne Kaffee nicht wach wird und gerne seine Ruhe haben möchte, sehr sympathisch. Auch Annabelle gefiel mir, sie bildet seinen perfekten Gegenpart. Als ehemalige Lehrerin weiß sie viel, sie kann gut kochen (er isst gerne), sie ist sehr kontaktfreudig (er eher nicht). Der Fall bietet leichte Spannung und einige unerwartete Wendungen sowie eine überraschende schlüssige Auflösung. Doch im Vordergrund steht beim Lesen eher der Alltag auf dem Campingplatz sowie der Humor.

Besonders Kupernikus lässt in Gedanken immer wieder lustige, teils philosophische Sprüche verlauten, davon sind meine liebsten:

"Er ließ den Satz unvollendet. Nicht alles musste bis ins Letzte ausformuliert und besprochen werden. Das galt nicht nur für die Leiche unter dem Stand-up-Board, sondern gleichsam fürs ganze Leben. Wer wenige Worte machte, ließ mehr Platz für Stille. Und die Stille gebar die besten Gedanken." (S. 18)

"In diesem Zustand es Ungehaltenseins mochte er niemanden sehen und mit niemandem reden, was kein Problem war, wenn man wie er allein lebte. Allein zu leben löste sowieso die allermeisten Probleme, bevor sie überhaupt entstehen konnten." (S. 7)

Die Kapitel sind nicht sehr lang, sodass man immer weiter lesen möchte. So hatte ich das Buch schnell durchgelesen. Als krönenden Abschluss des Romans gibt es die Rezepte zu Annabelles Lieblingsgerichten sowie ein Interview mit dem Autor über die Entstehung dieser Geschichte.

Ich habe diesen Kriminalroman sehr genossen und freue mich auf die geplante Fortsetzung!

Fazit:
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Amüsanter und kurzweiliger Krimi im Campingmilieu mit einem ungewöhnlichen, aber sympathischen Ermittlerteam und einem überzeugenden Fall.

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Veröffentlicht am 09.01.2025

François Loubet jagt Amy Wheeler

Wir finden Mörder (Wir finden Mörder-Serie 1)
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Cover:
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Das Titelbild ist fast ausschließlich in roten und schwarzen Farben gehalten und erinnerte mich an ältere Krimiromane. Ich fand es eher unspektakulär. Allein die Werbung hatte mich ...

Cover:
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Das Titelbild ist fast ausschließlich in roten und schwarzen Farben gehalten und erinnerte mich an ältere Krimiromane. Ich fand es eher unspektakulär. Allein die Werbung hatte mich auf das Buch aufmerksam gemacht, das Cover hätte dies nicht geschafft.
Gefallen hat mir, dass dem Hardcover neben dem Schutzumschlag auch ein farblich passendes (schwarzes) Lesebändchen spendiert wurde.

Inhalt:
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Die Personenschützerin Amy Wheeler befindet sich auf einer privaten Insel, um die Star-Autorin Rosie D'Antonio zu schützen.Dort erfährt sie von dem Mord an einem Influencer, nicht weit entfernt von ihr. Dies ist bereits der dritte Mord eines Influencers, der zum einen Kunde ihrer Firma war, zum anderen befand sie sich in allen drei Fällen in der Nähe. Es scheint so, als wolle ihr jemand etwas anhängen. Und zu allem Überfluss will sie auch noch jemanden aus dem Weg räumen, denn plötzlich wird auf sie geschossen!
Da sie nicht weiß, wem sie sonst trauen kann, zieht sie ihren Schwiegervater Steve ins Vertrauen, einen verwitweten Ex-Polizisten, der eigentlich nur in seinem beschaulichen Dörfchen bleiben, wöchentlich am Pub-Quiz mit seinen Freunden teilnehmen und mit seiner Katze Trouble schmusen möchte. Doch Steve kann Amy nicht im Stich lassen und zusammen mit Rosie machen sich die drei auf einen unglaublichen Trip über den Globus auf der Suche nach der Frage, wer das Phantom "François Loubet" ist, das Jagd auf Amy macht.

Mein Eindruck:
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Ich kannte die Donnerstagsmordclub-Reihe des Autors, wobei ich einen Band dieser Reihe sehr gut fand, andere eher weniger gut. So war ich sehr gespannt und freute mich auf frischen Wind durch neue Charaktere und ein neues Setting.
Bereits der Einstieg hat mir gut gefallen, in dem der Verbrecher aka François Loubet den Leser direkt anspricht und teilhaben lässt an seiner Vorgehensweise und seinen Gedanken. So verschleiert er seine Identität, indem er seine Mails alle mit ChatGPT umformulieren lässt, bevor er diese versendet. Er meldet sich zwischendurch immer wieder in Form von kurzen Kapiteln, sodass man als Leser direkt einbezogen wird und der Ratespaß aufrechterhalten wird. Generell gefielen mir die vielen Anspielungen auf KI, das Influencer-Leben und Social Media. Wie auch schon in seiner anderen Reihe hat der Autor hier zwar neue, aber nicht weniger skurrile Charaktere als im Donnerstagsmordclub geschaffen.

Amy bleibt mir davon am unnahbarsten. Sie ist einerseits ein "hartes Mädchen", andererseits hat sie aber auch ihre mentalen Momente und eine sehr innige Beziehung zu Steve. Ihren Mann Adam liebt sie zwar, das wird immer wieder eingestreut, aber spürbar ist diese Liebe für mich nicht. Steve dagegen gefiel mir sehr gut, er trauert seiner verstorbenen Frau hinterher und "redet" mit ihr regelmäßig. Er hat es sich in seiner kleinen Welt im Dorf gemütlich eingerichtet und mag es nicht, aus seiner Komfortzone herauszukommen. Dennoch nimmt er die Verfolgungsjagd für Amy auf sich und erfährt dabei eine positive Entwicklung.
Rosie mochte ich auch sehr gerne. Obwohl sie eine reiche Autorin ist, viele (Ehe-)Männer verschlissen hat und scheinbar ein sehr oberflächliches Leben führt, zeigt sie doch Empathie, Abenteuergeist, Verstand und Mut und ergänzt das Trio hervorragend.

Die Handlung hat mich von Anfang an in ihren Bann gezogen. Durch viele kurze Kapitel hat man immer das Bedürfnis, weiterzulesen. Die Geschichte erfährt stets neue Wendungen, es ist unklar, wer für wen arbeitet, wer gut und wer böse ist und erst gegen Ende gibt es plötzlich die Auflösung. Und wenn diese nicht so abrupt und für mich nicht ganz schlüssig erfolgt wäre, hätte ich dem Buch die volle Punktzahl gegeben. Doch leider wird der Überführung von François Loubet am Ende nur wenig Raum geschenkt und auch der Teil, der danach geschieht, wird für meinen Geschmack etwas zu kurz abgehandelt.
Dennoch hat mir der Auftakt zur neuen Reihe gut gefallen, vor allem, weil sie actionreicher war. Ich bin sehr gespannt auf die geplante Fortsetzung!

Fazit:
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Actionreicher Krimi mit skurrilen Charakteren, britischem Humor, überraschenden Wendungen, aber einer zu abrupten Auflösung.

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Veröffentlicht am 28.11.2024

Entdeckung, Erforschung, Ausrottung und dem Respekt vor dem Leben

Das Wesen des Lebens
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Cover:
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Das Titelbild fällt aufgrund seiner zurückhaltenden Farben nicht so sehr ins Auge. Aber dafür ist die Stellersche Seekuh im Vordergrund ein Eyecatcher. Im Hintergrund sieht man Fragmente ...

Cover:
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Das Titelbild fällt aufgrund seiner zurückhaltenden Farben nicht so sehr ins Auge. Aber dafür ist die Stellersche Seekuh im Vordergrund ein Eyecatcher. Im Hintergrund sieht man Fragmente anderer Tiere sowie Motive aus der alten Seefahrt. Insgesamt hat mich dieses Mosaik unterschiedlicher Bilder neugierig gemacht und passt zu diesem historischen Roman.

Mein Eindruck:
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"Alle diese Schätze der Natur, die in ihren drei Reichen enthalten sind, die der höchste Werkmeister so künstlich bauet, sich vermehren lässt und so sorgfältig unterhält, scheinen bloß um des Menschen willen geschaffen zu sein. Zu seinem Nutzen kann alles, wo nicht unmittelbar, doch mittelbar verwendet werden; andere Geschöpfe aber haben diesen Vorteil nicht. Der Mensch bezwingt durch seine Vernunft die unbändigsten Tiere, verfolgt und fängt die schnellsten Geschöpfe; ja, er kann sogar diejenigen erlangen, welche sich in den Grund des Meeres verbergen. Linnaeus, Oeconomica Naturae, 1749"

Seit langem strebt die Menschheit danach, die Erde zu erkunden und zu erforschen, um allmählich ihre Kontrolle zu erlangen. Mithilfe des Beispiels der ausgerotteten Stellerschen Seekuh schildert dieser Roman, was Menschen dazu bewegt hat und weiterhin antreibt, die Natur zu erforschen. Er verdeutlicht die Auswirkungen der Habgier und Kurzsichtigkeit des Menschen auf seine Umgebung und wie er sich dabei selbst Schaden zufügt. Aber er beschreibt auch, dass es Menschen gibt, die diesen Prozess bewusst wahrnehmen und sich daher für den Erhalt der Natur einsetzen.

Der Roman beginnt mit der zweiten und letzten Kamtschatka-Expedition von Vitus Bering, bei der der anwesende Naturwissenschaftler Georg Wilhelm Steller die "Stellersche Seekuh" entdeckt. Die Exkursion, ihre Strapazen, aber auch die teils kontroversen Ansichten von Seemännern und dem Naturforscher werden ausführlich beschrieben. Die Handlung wird ausschließlich in der dritten Person erzählt, ohne jegliche Dialoge oder direkte Rede. Dadurch bekommt die Erzählung einen sehr ruhigen, aber eindringlichen Ton. Dieser beschreibende Stil hat mir sehr gut gefallen. Dadurch entsteht eine authentische Atmosphäre, die es dem Leser ermöglicht, tief in die Handlung einzutauchen.
Erstaunt war ich über den Umfang des Buches, denn die Geschichte endet nicht bei der Entdeckung der Seekuh, sondern dieser Anlass wird verwendet, um einen roten Faden hin zu weiteren Forschern zu spinnen. Das Seekuh-Skelett verbindet mehrere Ereignisse, wobei beim Streifzug durch die weitere Historie auch seltene und ausgestorbene andere Tierarten thematisiert werden.
Bei den Schilderungen wird immer wieder ein kritischer Unterton spürbar, der nachdenklich macht.

"Es wird heftig diskutiert. Eine Entscheidung wird nicht getroffen, und John Grönvall verlässt die Versammlung verwirrt. Es stimmt, dass auch er sein Gewehr angesetzt und das Herz eines Auerhahns mit Schrot durchschlagen hat. Er ist auf eine Fichte geklettert und hat das Nest eines Wintergoldhähnchens geleert, aber seine Motive sind rein. Das Töten des Vogels und das Sammeln des Eis erfolgten aus wissenschaftlichem Interesse, aus künstlerischem Ehrgeiz, im Herzen nichts als Liebe für Vögel. All die endlosen Stunden, die er ihnen gewidmet hat – kann es sein, dass sie eine ins Gewand der Liebe gehüllte Tücke sind, dass er beschädigt hat, was er retten möchte? John findet in seinem Bett keine Ruhe und geht dahin, wo sein Verstand ruht." (S. 206-207)

Am Ende findet man ein Dankeswort an alle ausgestorbenen Tiere, was für mich die Sache rund gemacht hat.

Mein einziger Kritikpunkt: Gelegentlich empfand ich die ausführliche Darstellung der Lebensgeschichten der Forscher etwas zu ausufernd. Einige Aspekte des alltäglichen Lebens und der zwischenmenschlichen Beziehungen hätten für mich nicht so ausführlich dargestellt werden müssen.

Ich habe dieses spannende Buch genossen, viel über Tiere, Naturwissenschaft und ihre Historie gelernt und es mit einem nachdenklichen Blick auf uns Menschen geschlossen.

Fazit:
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Eindringlicher und fesselnder Roman: Unser Forscherverhalten gepaart mit Gier und Herrschaftsbestreben, das uns gleichzeitig selbst schädigt

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Veröffentlicht am 15.10.2024

Tiefe Einblicke in staatsanwaltliche Tätigkeiten

Digital. Kriminell. Menschlich.
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Cover:
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Das Titelbild wirkt nüchtern, die Staatsanwältin Jana Ringwald lächelt verhalten in die Kamera, schaut den Betrachter aber direkt an. Der Hintergrund ist eher düster gehalten, was ...

Cover:
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Das Titelbild wirkt nüchtern, die Staatsanwältin Jana Ringwald lächelt verhalten in die Kamera, schaut den Betrachter aber direkt an. Der Hintergrund ist eher düster gehalten, was zum Titel passt. Als Hardcover ist das Buch wertig verarbeitet.

Mein Eindruck:
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"Wir treten erst in Aktion, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Wir können zwar nicht mitgestalten, wenn es um Prävention, Werte- und Sozialarbeit geht. Wir sind auch nicht konstruktiv im Transformationsgeschäft in Wirtschaft und Gesellschaft. Aber wir sind die Aufräumer für Abräumer im Darknet. Cyberstaatsanwälte sind Pioniere des technologischen Wandels, die kriminelle Businessmodelle auf Basis kreativer Geldgier verfolgen und austrocknen. Denn der Spur des Geldes folgen wir noch immer. Und sammeln dabei Kryptomillionen ein." (S. 193)

Die (Cyber-Staatsanwältin Jana Ringwald erzählt in diesem Buch, wie sie von einer gewöhnlichen Staatsanwältin zur Cyberstaatsanwältin wurde, was sie in ihrem Job antreibt, gibt tiefe Einblicke in die Arbeit der Staatsanwaltschaft und einige Highlights ihrer Fälle preis.

Das Buch ist in mehrere Kapitel eingeteilt, die verschiedene Aspekte des Berufs Staatsanwalt beleuchten. Die drei im Titel beschriebenen Facetten spiegeln sich dabei wider.
Die Sprache empfand ich als angenehm. Frau Ringwald war mir sehr sympathisch, sie hebt sich selbst als Staatsanwältin nicht auf einen hohen Sockel, sondern betont immer wieder, dass viel Fingerspitzengefühl, Empathie, aber vor allem auch Zuhören und Zusammenarbeit im Team mit den Fachexperten bedeutend sind, um ihre Arbeit erfolgreich durchführen zu können. Zudem drückt sie Tätern per se keinen Stempel des "Schurken" auf, sondern betrachtet differenziert, wer und aus welchen Gründen zum (Cyber-)Straftäter werden kann.
Dabei geht sie immer wieder auf ihre "normale", d. h. nicht in der digitalen Welt stattfindende Ermittlungsarbeit ein. Wichtige Rechtsbegriffe sowie Begriffe im Kontext von Cybercrime werden gut verständlich auch für Laien erklärt. Zumindest war dies mein Empfinden, allerdings habe ich beruflich ein paar Vorkenntnisse auf beiden Gebieten erworben.
Daher las sich das Buch für mich auch insgesamt sehr verständlich. Die Autorin nutzt häufig lange und verschachtelte Sätze wie viele Juristen. Ich komme damit gut klar, andere Leser haben hier eventuell Probleme.
Besonders spannend fand ich ihre Fälle und die Hintergrundinformationen auf dem Gebiet der Cyberkriminalität. Allerdings kamen mir diese im Verhältnis zur sonstigen rechtsstaatlichen Tätigkeit etwas zu kurz. Der Titel hat hier ein wenig falsche Erwartungen geweckt. Vielleicht hätte man das "Cyber" besser eingeklammert.
Auch fehlte mir der rote Faden ein wenig. Innerhalb der Kapitel wurde immer wieder auf ein anderes Thema gesprungen und manchmal erschloss sich beim Lesen nicht direkt, warum dieser Sprung nötig war bzw. welchen Kontext er zum Inhalt hatte. Das war etwas anstrengend.
Insgesamt ist dieses Buch jedoch sehr informativ und unterhaltsam geschrieben. Ich sehe unsere Staatsanwaltschaft mit neuen Augen und habe einiges dazu gelernt.

Fazit:
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Aufschlussreiches und unterhaltsames Buch über die Tätigkeit einer deutschen Cyberstaatsanwältin, bei dem das Cyber-Thema etwas zu kurz kam

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