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Veröffentlicht am 01.10.2025

Wiedersehen in Coopers Chase - Der 5. Fall für die Hobby-Ermittler aus dem Seniorenheim

Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code (Die Mordclub-Serie 5)
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Die vier vom Donnerstagsmordclub sind gerade jeder mit seinen eigenen Dingen beschäftigt: Elizabeth trauert, Ron hat Familienprobleme, Ibrahim führt Gespräche mit seiner Lieblingskriminellen Connie und ...

Die vier vom Donnerstagsmordclub sind gerade jeder mit seinen eigenen Dingen beschäftigt: Elizabeth trauert, Ron hat Familienprobleme, Ibrahim führt Gespräche mit seiner Lieblingskriminellen Connie und Joyce ist mit der Hochzeit ihrer Tochter ausgelastet. Als der Trauzeuge des Bräutigams Elizabeth um Hilfe bittet, weil er eine Bombe unter seinem Auto gefunden hat, sind ihre Neugier und ihre Lebensgeister wieder geweckt und der Club hat einen neuen Fall.

Der fünfte Fall des Donnerstagsmordclub ist ein Wiedersehen mit lieb gewonnen Figuren und die Weiterführung ihrer persönlichen Geschichte und vielen Gefühlen. Er verknüpft die moderne Cyberwelt mit traditionellen Berufen und Geschäftspraktiken und zeigt einmal mehr, dass man Altbewährtes nicht ad acta legen sollte. Mir hat gut gefallen, wie die vier mit ihrer Lebenserfahrung und viel Mut und Aufopferungsbereitschaft zu Werke gehen und sich auch nicht scheuen, die Hilfe jüngerer, vermeintlich weniger erfahrener oder schlauer Menschen anzunehmen. Ich fand es wunderbar, dass Ron eine tragendere Rolle als sonst spielt und dass er durch seine Aktion zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt, weil er durch kluge Voraussicht gleich noch einem Verbrecher das Handwerk legt. Ebenfalls überzeugt haben mich die Figuren von Rons Enkel Kendrick und Mia, die durch ihre lässige Cleverness entscheidend zur Lösung des Falles beitragen. In bewährter Manier wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, so das man als allwissender Leser einiges mehr erfährt als jeder der Protagonisten. Joyce schreibt wieder Tagebuch und unterhält mit ihren köstlichen Ansichten zu Menschen und Ereignissen und auch sonst kommt der typische trockene Humor nicht zu kurz.

Im Vergleich zu den anderen Fällen des Donnerstagsmordclubs fällt dieser meines Erachtens ein bisschen ab. Vermisst habe ich die Verve und die Cleverness von Elizabeth und das Zusammenspiel mit Joyce. Dass jeder mit seinen persönlichen Dramen zu tun hat, drängt meines Erachtens den Hauptfall zu stark in den Hintergrund. Ibrahims Verbindung zur Drogenkönigin Connie führt dazu, dass man alles über deren Pläne mit ihrem Mündel Mia und deren Coup erfährt, was zwischendurch etwas langatmig wird. In Rons Familie wiederum hängt mehr schief als nur der Haussegen. Immerhin nimmt der Fall aber durch die Kontakte und Initiative der beiden reichlich Fahrt auf. Das Dreamteam Elizabeth und Joyce geht zwar zusammen los, gibt aber wenig Impulse, und Elizabeths geheime Kontakte werden zwar genutzt, haben aber keinen Aha-Effekt. Vieles verpufft und wird nicht weiterverfolgt. Joyce‘ Miss-Marple-Schläue kommt diesmal gar nicht zum Tragen, einen wichtigen Aspekt im Zusammenhang mit dem Fall erfährt zwar ihre Tochter Joanna, aber dieses Wissen bleibt ungenutzt.

Alles in allem fand ich das Ganze nicht so verzwickt und spannend wie die vorangegangenen Fälle, die Kriminellen waren nicht so böse, es gab wenig überraschende Wendungen und die Auflösung blieb eher weichgespült. Es war aber dennoch eine Freude, über die munteren Senioren zu lesen und auch über andere, ebenfalls vertraute Figuren wie Donna und Bodgan. Der ironisch-humorige Stil des Autors macht einfach Spaß und der Club ist mir ans Herz gewachsen. Wie Joyce am Ende in ihrem Tagebuch notiert, ging es eben nicht hauptsächlich um Codes, sondern um andere Dinge, die im Leben wichtig sind, nämlich um Freundschaft und darum, alles für die zu tun, die man liebt.

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Veröffentlicht am 14.02.2025

Über zweite Chancen oder: Jeder sucht sein Stück vom Glück

Luzie in den Wolken
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Gabriel Bach schreibt unter dem Namen Henri Fjord sehr erfolgreiche Liebesromane. Leider befindet er sich zurzeit im einer Sinn- und Schaffenskrise und würde am liebsten alles hinschmeißen. Ein roter Luftballon ...

Gabriel Bach schreibt unter dem Namen Henri Fjord sehr erfolgreiche Liebesromane. Leider befindet er sich zurzeit im einer Sinn- und Schaffenskrise und würde am liebsten alles hinschmeißen. Ein roter Luftballon mit einer rührenden Botschaft berührt ihn dermaßen, dass er beschließt, dem Kind zu helfen und es kennenzulernen. Die kleine Luzie und ihre Mutter ziehen ihn dermaßen in ihren Bann, dass er unter falscher Identität mehr und mehr an ihrem Leben teilhaben will und sich immer mehr in seinem Lügenkonstrukt verstrickt.

Gefühlvolle Familien- und sanfte Liebesgeschichte, die zwischendurch ein paar Längen aufweist, sich aber gut lesen lässt und ein humorvolles und romantisches Happy End darbietet. Es wird recht viel geweint, ob aus Trauer, Wut, Zorn, Trotz oder auch Rührung und Erleichterung, und besonders Miriam ist nah am Wasser gebaut. Die Liebesgeschichte entspinnt sich zart und leise und spielt in meinen Augen eine eher untergeordnete Rolle. Die Hauptgeschichte und die Figur, um die sich alles dreht, ist eindeutig die 7-jährige Luzie. Sie ist Miriams Dreh- und Angelpunkt als ihre Mutter und Gabriels Bindung zu ihr ist die Initialzündung für sein Handeln und die schlussendliche Beziehung zu Miriam.

Sprachlich ist der Roman nicht unbedingt anspruchsvoll, einige Formulierungen wiederholen sich und der Stil selbst ist eher locker-eingängig. In der Mitte des Buches fand ich besonders die seitenlangen Beschreibungen vom Ausflug in den Erlebnispark sehr in die Länge gezogen und alles in allem gibt es viel Kinderkrakeele und Zeit in Miriams Laden. Dennoch gab es humorvolle Momente und solche, die zu Herzen gingen und bei denen die Autorin ihr Gespür für einfühlsame Beschreibungen beweist, wie etwa die Second Hand Kleider, die Geschichten erzählen, oder dem Fest für Luzie.

Die Hauptfiguren mochte ich durchaus, ich konnte aber so einige Reaktionen sowohl von Miriam als auch von Gabriel nicht nachvollziehen. Beide handeln sehr emotional und mitunter auch irrational und bei beiden fand ich einiges überzogen dargestellt. Bei Miriam etwa erschien es mir nicht logisch, dass sie trotz ihrer permanenten Skepsis nicht einmal eher einige Sachen checkt und dass sie ihren eigenen Realitäten gegenüber völlig blind ist. Ihre Meinung zu Gabriel/Ben ist häufig skeptisch, aber auch stinksauer und dann wieder versöhnlich. Über die Auslöser ihrer Sinneswandel war ich mir nicht immer hundertprozentig im Klaren. Auch bei Gabriels Motivation, sich aus seiner Depression heraus plötzlich so dermaßen in Luzies und Miriams Leben förmlich hineinzudrängen und viel Geld hineinzupumpen, erschließt sich einem nicht komplett. Auch ist ihm durchaus klar, dass sein Lügenkonstrukt irgendwann zusammenbrechen muss, als es dann passiert, fällt er jedoch komplett hintenüber. Sehr angetan war ich von einigen Nebenfiguren, besonders von Becka und von Jonathan, Becka gefiel mir durch ihre lebensbejahende Art und Jonathan durch seine Empathie und Vernunft.

Fazit: Wer einen romantischen Liebensroman erwartet, in der Kinder eher eine Nebenrolle spielen, wird enttäuscht werden. Luzie ist der absolute Mittelpunkt, und man muss mögen, dass sich alles um sie dreht. Fakt ist aber, dass die Botschaft, dass nämlich jeder eine zweite Chance verdient hat, dass es viel schöner und gesünder ist, seinen Kummer und besonders seine Freude mit anderen Menschen zu teilen, eine universelle ist. Dies hat die Autorin in einer unterhaltsamen Geschichte schön vermittelt.

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Veröffentlicht am 30.01.2025

Emotionaler erster Fall für ein sehr gegensätzliches Ermittlerinnen-Duo

Dunkle Asche
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Bislang bestand die Arbeit von Gudrun und Judith in ihrer Cold Case Abteilung darin, sich durch Aktenberge aus dem Archiv zu graben. Diesmal jedoch ist es anders: Sie haben einen Zeugen, der im Sterben ...

Bislang bestand die Arbeit von Gudrun und Judith in ihrer Cold Case Abteilung darin, sich durch Aktenberge aus dem Archiv zu graben. Diesmal jedoch ist es anders: Sie haben einen Zeugen, der im Sterben liegt und ihnen überraschende Details zu einem dreißig Jahre zurück liegenden Fall preisgeben will. Der Mord an der jungen Sanna Hansen geht Gudrun unter die Haut, denn er geschah in ihrem Heimatort und war besonders brutal. Wie stark sie wirklich involviert ist, verschweigt sie ihrer Partnerin, was beide in höchste Gefahr bringt.

Solider, gut konstruierter und spannender Krimi mit viel Lokalkolorit und einem sehr unterschiedlichen Ermittlerinnen-Duo, dass sich erst noch zusammenraufen muss. Den Hauptteil der Geschichte erzählt der Autor aus verschiedenen Perspektiven und berichtet in Rückblenden von den Ereignissen vor dreißig Jahren. In dem Maße, wie der Fall in der Gegenwart voranschreitet, erfährt der Leser mehr und mehr Details aus der Vergangenheit, so dass sich am Ende ein stimmiges Bild mit durchaus befriedigender Lösung ergibt.

Für mich lebte ein Großteil der Geschichte von der Interaktion und den unterschiedlichen Persönlichkeiten der beiden Protagonistinnen Judith und Gudrun. Beide Anfang 50, haben sie ihre Geheimnisse voneinander und arbeiten eher widerwillig zusammen. Judith ist kühl und elegant, legt Wert auf Ausdruck und Auftreten und hat ein stabiles Familienleben. Gudrun, vom Stil her mehr der Typ Hippie, durchlebt ein Wechselbad der Gefühle, sowohl durch ihre Beteiligung an den damaligen Ereignissen als auch durch eine mögliche aufkeimende Beziehung zu einer sehr viel jüngeren Frau. Beide wissen nicht, was sie voneinander halten sollen, und besonders Gudrun kocht ihr eigenes Süppchen. Ihre persönliche Betroffenheit, ihre Involviertheit in die damaligen Ereignisse und die Freundschaft mit dem einen oder anderen Verdächtigten fügt dem Ganzen viel Brisanz hinzu.

Der Fall selbst ist gut durchdacht, es gibt viele Ungereimtheiten und natürlich ahnt man, dass da noch viel mehr dahintersteckt, als es auf den ersten Blick scheint. Die beiden Ermittlerinnen befragen und recherchieren und mehr als eine Aussage von damals wird revidiert. Auch die anderen Figuren sind vielschichtig in ihrer Persönlichkeit und hüten so manches Geheimnis. Besonders Gudrun erfährt so manches, was ihr Bild von den ihr so bekannten und gemochten Menschen erschüttert. Sie muss einiges an vorgefassten Meinungen über Bord werfen und Judith vertrauen, die eine deutlich sachlichere Herangehensweise hat. Scharfsinnig sind sie beide, dennoch war mir Gudrun mitunter zu impulsiv und zu sehr an ihren Leuten hängend, um objektiv zu bleiben. Das Zusammenspiel der beiden, wie sie alle Lügen enttarnen, und das aufregende Finale, nach dessen Ausgang beide als Partnerinnen zusammengewachsen sind, haben mir aber sehr gut gefallen. Die Spannungskurve steigt im letzten Drittel des Buches noch einmal deutlich an und als Leser fiebert man herrlich mit den beiden Ermittlerinnen mit.

Fazit: Die ganz großen Überraschungen blieben für mich aus, dennoch ein spannender, sehr flüssig zu lesender Krimi mit einigen Wendungen, bei dem man sehr gut mit ermitteln konnte. Ein gelungenes Debüt, das sich neben den wohlbekannten Reihen im Genre nahtlos einreiht. Ich für meinen Teil mochte das Duo sehr gern und freue mich auf weitere Fälle.

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Veröffentlicht am 08.12.2023

Selbstliebe statt Bodyshaming: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst

Run For Love
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Luca Schmidt ist Mitte dreißig, selbständige Werbefachfrau und das, was man ein Vollblutweib nennt. Groß und üppig wie sie ist, entspricht sie ihrer Ansicht nach nicht dem gängigen Schönheitsideal. Dass ...

Luca Schmidt ist Mitte dreißig, selbständige Werbefachfrau und das, was man ein Vollblutweib nennt. Groß und üppig wie sie ist, entspricht sie ihrer Ansicht nach nicht dem gängigen Schönheitsideal. Dass ihre Mutter ihr ständig Diäten und Sport aufschwatzen will, macht es nicht besser. Als sie einem Typen, der ihre Freundin Charlotta belästigt, einen auf die Zwölf gibt und angezeigt wird, bekommt sie Sozialstunden aufgebrummt, die sie ausgerechnet in einem Jugendzentrum abarbeiten soll. Ihr dortiger Vorgesetzter entpuppt sich als knackiger Schönling mit kantigem Kinn und Sixpack, der auch noch größer ist als sie. Zu glatt und zu langweilig, befindet Luca, und außerdem überhaupt nicht ihr Typ. Wirklich?

Schöne Liebesgeschichte und vor allem die Geschichte einer Frau, die lernt, ihren Körper wahrhaftig zu akzeptieren und nicht nur so zu tun als ob. Tatsächlich nimmt die Liebesgeschichte gar nicht den größten Raum ein, Luca als Protagonistin mit all ihren Stärken und Schwächen und ihre Interaktion mit ihren Mitmenschen stehen ganz klar im Vordergrund. Ihre Arbeit, ihre Freundschaft mit Charlotta, ihr Hadern mit ihrer Figur und ihr Verhältnis zu ihrer Mutter stehen in etwa dem gleichen Verhältnis, und in dem Maße, wie sie lernt, sich von allen Zwängen zu lösen und sich selbst wirklich zu lieben, in dem Maße kann sie sich auch endlich auf Noël einlassen. Luca ist ein interessanter, wenn auch mitunter schwieriger Charakter, sie propagiert die Unabhängigkeit der Frau und den Feminismus, schwört auf Solidarität unter Frauen, steckt aber ebenso wie ihre vermeintlichen Feindbilder alle in ihren Augen hübschen und schlanken Frauen und ebensolchen Männer in eine Schublade. Um ihre Unsicherheit zu überspielen, stößt sie die Menschen in ihrem Umfeld mehr als einmal ziemlich rüde vor den Kopf.

Ihr Kosmos kreist sehr um sich selbst und damit und durch ihre vorgefertigten Meinungen setzt sie ihre Freundschaft zu Charlotta, ihre Zusammenarbeit mit Amelie für die Kampagne und ihre aufkeimenden Gefühle für Noël aufs Spiel. Die Herausarbeitung ihrer Persönlichkeit fand ich nicht immer hundertprozentig überzeugend und mitunter hatte ich Schwierigkeiten, ihre Handlungen und Reaktionen nachzuvollziehen, selbst im Hinblick auf ihr mangelndes Selbstwertgefühl. Warum man so gänzlich gegen den Ritter auf dem weißen Ross sein muss, erschließt sich mir auch nicht. Meines Erachtens ist es kein Widerspruch und man ist nicht gleich willenlos, wenn man sich von einem Mann helfen lässt. Was ich aber sehr gut fand, war ihre Selbstreflektion und wie sie sich im Laufe der Geschichte von den genormten Idealvorstellungen emanzipiert. Durch ihre Arbeit mit Amelie, die mir mit zunehmender Lektüre immer sympathischer wurde, und auch durch die Jugendarbeit, bei der sie sich als empathische Mädelsversteherin erweist, lernt sie, hinter die Fassaden und Kulissen zu schauen und erkennt, worauf es wirklich ankommt: sich unabhängig zu machen von der Meinung anderer und sich von vorgefertigten Normen und Idealvorstellungen zu lösen.

Fazit: Schöne Lektüre, die sich flüssig herunter lesen lässt und einige Stunden gute Unterhaltung bietet. Wer einen Enemy-to-Lovers-Liebesroman erwartet, wird enttäuscht werden, der Fokus liegt meines Erachtens eher auf Lucas Persönlichkeitsentwicklung, die durch verschiedene Ereignisse in der Geschichte angestoßen wird und die im Laufe des Buches dazu führt, dass sie sich für eine Beziehung zu Noël öffnen kann. Dies ist allerdings schön zu lesen und mit Luca mitleben tut man allemal.

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Veröffentlicht am 16.06.2023

Mythos und Ikone – Greta Garbo

Greta Garbo (Ikonen ihrer Zeit 9)
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Greta Gustavsson ist Verkäuferin in der Hutabteilung des Kaufhauses PUB. Sie muss Geld verdienen, denn ihr Vater ist gestorben und die Familie kommt kaum über die Runden. Ihr großer Traum, Schauspielerin ...

Greta Gustavsson ist Verkäuferin in der Hutabteilung des Kaufhauses PUB. Sie muss Geld verdienen, denn ihr Vater ist gestorben und die Familie kommt kaum über die Runden. Ihr großer Traum, Schauspielerin zu werden, scheint weit weg. Immerhin darf sie, obwohl blutjung, in Werbefilmen mitspielen. Der Beginn einer beispiellosen Karriere!

Ein wundervoller Roman, der den Karriereweg einer der wohl bekanntesten Schauspielerinnen überhaupt beleuchtet und dabei tiefe Einblicke in ihr Seelenleben gibt. Geheimnisvoll, mysteriös, charismatisch, talentiert, all das war Greta Garbo. Sie ist eine Ikone des Alten Hollywood, eine vielseitige Schauspielerin, die oft romantische Rollen spielte, Rollen, in denen sie Männer um den Verstand brachte, die aber alles spielen konnte. Der kamerascheue Filmstar zu sein war für sie kein Widerspruch, sie war bekannt dafür, dass sie die Medien ablehnte und nichts über ihr Privatleben preisgab.

All das greift die Autorin sehr schön auf. In sehr gefälligem Stil beschreibt sie Garbos Werdegang und ihre Filmografie, ihr Verhältnis zu Familie und Freunden, zu Regisseuren, Mentoren und ihrem Arbeitgeber MGM und zu Männern und Frauen. Dabei bleibt sie gefühlvoll und empathisch mit ihrer Heldin, driftet nicht ins Kitschige ab und hält sich meines Erachtens gut an biografische Tatsachen. Sehr schön fand ich die Herausarbeitung der starken Persönlichkeit Garbos, die einerseits voller Zweifel ob ihrer mangelnden Bildung und ihres Talents ist, sich aber andererseits in schwierigen Momenten stets durchzusetzen weiß und nie aufgibt. Ihre Chancen nutzen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, auch das war wohl ein großes Talent der Schauspielerin.

Formal unterteilt sich der biografische Roman in vier Teile, die jeweils mit Jahreszeiten überschrieben sind, und setzt am Beginn ihrer Karriere ein. Diese ersten Jahre werden sehr ausführlich beleuchtet, während später, als sie ein Star ist, die Jahre gerafft und die Zeitsprünge größer werden. In dieser ersten Zeit ist alles sehr emotional, Greta macht sich viel Gedanken, vermisst ihre Familie, zweifelt an ihrem Talent. Als sie ein Star ist, tritt mehr der technische Aspekt in den Vordergrund, welche Filme dreht sie mit welchem Regisseur, wie läuft das ab, mit wem kommt sie gut aus, mit wem nicht. Zwischendurch kommt es ein bisschen wie eine Filmografie daher, es wird so aber deutlich, wie viel Greta Garbo gearbeitet hat und welches Vermächtnis sie hinterlässt. Der emotionale Aspekt ist zwar hier auch vorhanden, tritt aber ein wenig in den Hintergrund. Insgesamt ist uns die junge Greta näher als der Star Garbo, die sich als weltbekannte Berühmtheit immer mehr in ihrer selbst gewählten Einsamkeit verschanzt. Die Autorin schafft es aber sehr gut, uns den Menschen Greta nahe zu bringen. Ich habe jedenfalls großen Anteil an ihrem Leben und ihrem Wirken genommen.

Fazit: Man muss kein Garbo-Fan sein, um dieses Buch zu lesen und zu mögen. Eine gewisse Affinität zu Ikonen und starken Frauen schadet aber nicht. Dank des wundervollen Stils lässt sich die Geschichte sehr gut lesen und gewährt tiefe Einblicke in das Filmgeschäft und in die Persönlichkeit einer außergewöhnlichen Frau.

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