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Veröffentlicht am 03.05.2025

Über Hilfsbereitschaft & Tortenglück

Schokotorte für alle!
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Wer kennt ihn nicht: Schokohunger! In diesem Fall sogar Schokotortenhunger. Hund Toni, die Hauptfigur dieses überaus niedlichen Bilderbuchs, will dem Abhilfe schaffen und backen. Doch eine elementare Zutat ...

Wer kennt ihn nicht: Schokohunger! In diesem Fall sogar Schokotortenhunger. Hund Toni, die Hauptfigur dieses überaus niedlichen Bilderbuchs, will dem Abhilfe schaffen und backen. Doch eine elementare Zutat fehlt: Schokolade! Gut, wenn man sich was von den Nachbarn leihen kann. Doch leider herrscht bei denen ebenfalls Schoko-Flaute. Allerdings haben sie, von Giraffe Matilde im ersten bis hin zu den Krokodilen Sophie, Karl und Lars im sechsten Stock, jede Menge gute Ideen, was Toni zusätzlich noch in seiner Torte verarbeiten könnte. Und so ist schließlich eine Heidelbeergelee-Mandel-Wackelpudding-Haselnusskeks-Bananen-Schokoladen-Torte mit bunten Zuckerstreuseln in Planung, von der Toni auch noch jeder Nachbarin und jedem Nachbarn ein Stück versprochen hat. Gut, dass dann alle nicht nur zum Essen, sondern auch zum Helfen vor der Tür stehen!

„Schokotorte für alle“ ist ein ganz entzückendes Buch, bei dem einfach alles stimmt: Die fröhlichen Illustrationen machen genauso viel Spaß wie der Text. Es kommen ganz unterschiedliche Hausbewohner und Lebensweisen vor, Hund Toni durchlebt beim Backen eine große Emotions-Bandbreite und die letzten Seiten haben schon fast Wimmelbildcharakter, weil alle Nachbarn versammelt sind und es so viele lustige Details zu entdecken gibt. Ganz am Schluss überrascht dann noch ein Rezept für Hundekekse – hier wäre eins für die (Original-)Schokotorte naheliegender gewesen, aber egal: ein tolles Buch, das auch schon Dreijährige begeistert.

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Veröffentlicht am 09.04.2025

Nobody is perfect

Der Vergessenstag
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Kinderbücher ab 24 Monaten sind so eine Sache. Manche sind noch etwas komplex für gerade Zweijährige, andere schon zu langweilig für Kinder, deren dritter Geburtstag naht. „Der Vergessenstag“ kann problemlos ...

Kinderbücher ab 24 Monaten sind so eine Sache. Manche sind noch etwas komplex für gerade Zweijährige, andere schon zu langweilig für Kinder, deren dritter Geburtstag naht. „Der Vergessenstag“ kann problemlos die gesamte Bandbreite begeistern: Es geht um ein Thema, das jeder schon mal erlebt hat, ist aber nicht zu einfach geschrieben und hat auch durchaus einiges an Text mit lustigen Reimen. Die niedlichen Illustrationen begeistern zusätzlich und es gibt viel zu entdecken: Sei es das Eichhörnchen, das die Familie auf den meisten Seiten begleitet oder der kleine Basketballkorb über dem Papierkorb neben dem Schreibtisch. Solche Details machen kleinen und großen (Vor-)Leserinnen und Lesern Spaß und sorgen dafür, dass man das Buch oft anschauen möchte.

Die augenzwinkernde Geschichte überzeugt ebenfalls: Eigentlich ist eine Radtour zum Sommerfest der Oma geplant, aber Karli hat erst seinen Kuschelhasen und dann auch noch sein Schnuffeltuch vergessen. Als dann noch ein drittes Mal umgekehrt werden muss, weil Mama das Geschenk nicht mitgenommen hat, guckt Papa schon recht genervt – bis auffällt, dass sein Geldbeutel fehlt … schließlich schafft es die Familie doch noch zur Oma – und sogar die hat etwas vergessen! Nobody is perfect – eine schöne, vergnüglich verpackte Message. Und kennt nicht jede Familie Vergessenstage?

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Veröffentlicht am 14.03.2025

Dickers bestes Buch

Ein ungezähmtes Tier
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Joël Dicker ist einer meiner absoluten Lieblingsautoren. Alle Romane, die ich von ihm gelesen habe, fand ich großartig. Und so bin ich mit sehr hohen Erwartungen an „Ein ungezähmtes Tier“ herangegangen, ...

Joël Dicker ist einer meiner absoluten Lieblingsautoren. Alle Romane, die ich von ihm gelesen habe, fand ich großartig. Und so bin ich mit sehr hohen Erwartungen an „Ein ungezähmtes Tier“ herangegangen, die nicht nur nicht enttäuscht wurden: Ich glaube, es ist tatsächlich sein bestes Buch.

Die Geschichte spielt rund um einen Raubüberfall im Sommer 2022 in Genf. Dicker schildert die 20 Tage vorher, springt aber auch immer wieder kurz zum Tag des Überfalls. Zudem gibt es einige Rückblenden in die Vergangenheit. Im Zentrum des Romans stehen zwei Paare: Sophie und Arpad leben wie Karine und Greg in Cologny, einem schicken Vorort von Genf. Sie haben jeweils zwei Kinder in ähnlichem Alter, Arpad und Greg kennen sich aus deren Fußballverein. Soweit, so ähnlich, allerdings wohnen Sophie und Arpad in einer freistehenden Villa am Waldrand mit imposanten Glasfronten, während Karine und Greg in eine Neubausiedlung mit Doppelhaushälften gezogen sind, die die alteingesessenen Bewohner des Ortes naserümpfend als „Warze“ bezeichnen.
Die Paare freunden sich langsam an. Doch nicht nur das: Greg ist von der attraktiven Sophie extrem fasziniert und stalkt sie, ohne dass sie es merkt. Allerdings ist er bald nicht mehr der Einzige, der Sophie beobachtet, und überdies haben sie und Arpad etwas zu verbergen – vor der Welt, aber auch voreinander. In den 20 Tagen vor besagtem Raubüberfall drängen verschiedenste Geheimnisse ans Licht und werden die Leben von Sophie, Arpad, Karine und Greg unwiderruflich verändern.

Dicker springt spielerisch und mit immenser Leichtigkeit zwischen Perspektiven und Zeitebenen hin und her. Ich habe lange nicht verstanden, was da eigentlich im Busch ist und es hat mich kein bisschen gestört, weil diese grandiose Geschichte so wahnsinnig gut erzählt ist und immer neue Überraschungen bietet. Es gibt viele Twists und Entwicklungen, die unvorhersehbar und gleichzeitig komplett plausibel sind – und immer, wenn ich mir etwas doch nicht so recht erklären konnte, wurde irgendwann eine wasserdichte Begründung nachgeliefert. „Ein ungezähmtes Tier“ ist ein einziges spannendes Lesevergnügen und ich kann es nur absolut empfehlen. Einzig das Cover ist diesmal nicht mein Fall: Den dicken, glänzenden, weißen Rand oben und rechts empfinde ich als störend und vom Bild ablenkend.

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Veröffentlicht am 04.03.2025

Drachenstark und federleicht

Entschuldigung!
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Sibil und Theo sind Freunde und wohnen ganz oben in einem Mehrfamilienhaus. Und was passiert, wenn ein matschverschmierter Fußball von dort mit lautem Kawumm das Treppenhaus runterhüpft? Sibil und Theo ...

Sibil und Theo sind Freunde und wohnen ganz oben in einem Mehrfamilienhaus. Und was passiert, wenn ein matschverschmierter Fußball von dort mit lautem Kawumm das Treppenhaus runterhüpft? Sibil und Theo flitzen fröhlich hinterher und rufen den Nachbarinnen und Nachbarn im Vorbeilaufen „Entschuldigung“ zu. Einer ist gar nicht da, einer fühlt sich nicht gestört, aber vor einer Tür kippt die Einkaufstasche um, es geht etwas zu Bruch und eine Nachbarin wird nach ihrer Nachtschicht unsanft aus dem Schlaf gerissen. Als Sibil und Theo sich mit dem eingefangenen Ball wieder auf den Weg nach oben machen, üben sie Schadensbegrenzung, wo Schaden entstanden ist. Und das ist gar nicht so schwer – nicht für die Kinder, aber auch nicht für eine Erwachsene, die sich ebenfalls entschuldigt, weil sie im ersten Affekt wütend losgemotzt hat.

Ein sehr hübsch bebildertes Buch über einen wilden Ritt durchs Treppenhaus und den geordneten Rückzug. Der Mikrokosmos Mehrfamilienhaus wird schon auf der ersten Doppelseite so toll und farbenfroh illustriert, dass er auch für kleine Kinder erfassbar ist. Wir haben beim Lesen mehrmals zurückgeblättert, um nochmal zu schauen, wer wo wohnt und wie eingerichtet ist. Darüber hinaus hat mir die Botschaft dieses Bilderbuchs sehr gefallen: Dass sich alles lösen lässt, auch wenn die Dinge mal kurz aus dem Ruder gelaufen sind. Es ist – im Wording des Buches – drachenstark, wie sich Kinder und Erwachsene hier auf Augenhöhe begegnen. Da muss dann auch nichts vertuscht oder verheimlicht werden. „Sorry seems to be the hardest word“ – hier nicht! Ein temporeiches Kinderbuch, das ein auch für Erwachsene nicht immer einfaches Thema federleicht aufbereitet.

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Veröffentlicht am 15.02.2025

Konfliktlösung für die Kleinsten – einfühlsam geschrieben und super niedlich illustriert

Streit! Und nun? Das artgerecht-Bilderbuch von Nicola Schmidt
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Ein großartiges Buch, um mit Kleinkindern über verschiedenste Streit-Situationen ins Gespräch zu kommen. Vogel, Maus, Schlange und Hirsch toben auf dem Spielplatz, wo es alles gibt, was das Kinderherz ...

Ein großartiges Buch, um mit Kleinkindern über verschiedenste Streit-Situationen ins Gespräch zu kommen. Vogel, Maus, Schlange und Hirsch toben auf dem Spielplatz, wo es alles gibt, was das Kinderherz begehrt. Doch die gute Laune droht mehrmals umzuschlagen: Der Vogel will immer als erster rutschen, die Maus besetzt die Schaukel zu lange und der Hirsch hat keine Lust, mit den anderen im Sandkasten eine Burg zu bauen. Wie klärt man solche Konflikte? Zum Glück sind Oma Maus, Opa Schlange, Tante Vogel und Bruder Hirsch mit von der Partie und helfen behutsam, Lösungen zu finden. Rückfragen wie „Was brauchst Du?“ werden gestellt, alle Beteiligten können ihre Wünsche äußern und am Ende sind kleine und große Tiere zufrieden. Meine Kinder finden das Buch total faszinierend – auch wegen der liebevollen, detaillierten Zeichnungen. Denn auf dem Spielplatz gibt es noch viel mehr zu entdecken als die tierischen Hauptfiguren: Eichhörnchen streiten sich um einen Ball, der schließlich Opa Schlange am Kopf trifft und eine Käferfamilie erlebt abseits vom Spielplatztreiben ihre eigenen Abenteuer. Das Buch macht damit gleich auf mehreren Ebenen großen Spaß. Außerdem ist mir noch die Papierqualität positiv aufgefallen: Die Seiten scheinen etwas dicker als in anderen Bilderbüchern; das Buch fühlt sich dadurch auch noch sehr wertig an. Große Empfehlung für kleine Leserinnen und Leser – und ihre Eltern, denn ich habe selbst einige gute Impulse zur Streitschlichtung mitgenommen.

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