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Veröffentlicht am 22.09.2024

Spannendes Thema, schleppende Umsetzung

Die Abschaffung des Todes
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Was, wenn wir dem Tod von der Schippe springen könnten? Diesem elementaren Thema widmet sich Andreas Eschbach in seinem neuesten Werk „Die Abschaffung des Todes“. Ein Silicon-Valley-Start-up bietet steinreichen ...

Was, wenn wir dem Tod von der Schippe springen könnten? Diesem elementaren Thema widmet sich Andreas Eschbach in seinem neuesten Werk „Die Abschaffung des Todes“. Ein Silicon-Valley-Start-up bietet steinreichen Investoren das ewige Leben an. Eine jener Investorinnen beauftragt den Journalisten James Windover, das Projekt genauer unter die Lupe zu nehmen. Windover stößt nach und nach auf Ungereimtheiten und Verstrickungen, die ihn um sein Leben bangen lassen.

Klingt nach einem spannenden Thriller-Stoff, mit dessen Genrelabel der Verlag Bastei Lübbe die „Abschaffung des Todes“ auch versehen hat – aus meiner Sicht leider nicht zum Vorteil des Buchs. Die Erwartungen, die ich als leidenschaftliche Thriller-Leserin in den Stoff gesetzt habe, wurden nicht erfüllt.

Eschbach hat umfassend zum Thema Neurologie recherchiert. Das hat sich erst interessant gelesen und hat mir einige neue Perspektiven und Denkanstöße geliefert. Nach und nach hatte ich allerdings das Gefühl, dass der Autor jede einzelne Information, die er gesammelt hat, unbedingt unterbringen wollte. Das Ergebnis war eine ausgebremste Handlung und der Verlust von Spannung. Eschbachs sonst lebendiger Schreibstil konnte das auch nicht wettmachen.

Schade, dass nicht auf einige, für die Handlung unerhebliche Fakten verzichtet wurde. Das hätte dem an sich interessanten Thema mit den elementaren Fragen unseres Lebens den Platz eingeräumt, den es verdient hätte.

Fazit
Eine treffendere Genrebezeichnung, hin zu einem Wissenschaftsroman mit philosophischem Anstrich, hätte der „Abschaffung des Todes“ gutgetan und nicht erfüllten Genreerwartungen vorgebeugt. Außerdem hätte der Umfang aus meiner Sicht gut um die Hälfte der umfänglichen, über 600 Seiten gekürzt werden können. Das hätte die Spannungselemente, mit dem Eschbachs Werk durchaus aufwarten konnte, nicht nur punktuell erscheinen lassen. Die Thematik des Buchs hätte viel – leider über weite Strecken verschenktes – Potenzial geboten.

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  • Thema
Veröffentlicht am 16.02.2025

Schwächelnde finale Umsetzung eines brennenden Reihenthemas

Die Glücksfrauen – Das Geheimnis der Rosen
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Mit „Das Geheimnis der Rosen“ findet die Glücksfrauen-Trilogie um das Schicksal von drei Freundinnen in der NS-Zeit ihr Ende. Band drei widmet sich Anni, die nach der Flucht ihrer beiden Freundinnen Maria ...

Mit „Das Geheimnis der Rosen“ findet die Glücksfrauen-Trilogie um das Schicksal von drei Freundinnen in der NS-Zeit ihr Ende. Band drei widmet sich Anni, die nach der Flucht ihrer beiden Freundinnen Maria und Luise ins Exil 1938 in Berlin zurückbleibt. Bald kann sie die Augen vor den Grausamkeiten des Nazi-Regimes nicht mehr verschließen. Ein schrecklicher Verrat führt dazu, dass sie Hals über Kopf selbst die Flucht antreten muss und aus der naiven, jungen Frau die taffe Besitzerin einer Rosenfarm in Tansania wird.

Nach zwei starken Vorgängerbänden war die Erwartung an „Das Geheimnis der Rosen“ hoch. Der Verknüpfung von zwei Erzählsträngen in der Vergangenheit und der Gegenwart ist Anna Claire treu geblieben. Wendy, June und Sandra begeben sich im Tansania der Jetztzeit auf Spurensuche rund um die Geheimnisse und das Schicksal ihrer Großmütter. Jene Verbindung der beiden Zeitebenen hat gut funktioniert, die Informationen und Handlungsstränge sind gut abgestimmt ineinandergeflossen.

Ansonsten ist für mich das Finale der Glücksfrauen-Saga leider hinter den Vorgängerwerken zurückgeblieben. Viele entscheidende Fragen, die bereits von Beginn der Reihe an aufgeworfen werden, bleiben unbeantwortet oder werden mangelhaft beziehungsweise nicht nachvollziehbar beantwortet. Das birgt Enttäuschung; gerade, wenn man einem spannenden Finale, das die Geheimnisse rund um das Schicksal der Glücksfrauen auflöst, bereits nach dem Lesen von Band zwei entgegenfiebert.

Auch den Schreibstil habe ich als extrem blumig und zu beschreibend empfunden. Alles ist gefühlt schön, freudig oder schrecklich gewesen. Das hat das Buch für mich weniger emotional und tiefgehend gemacht, obwohl ich vermute, dass genau das Gegenteil intendiert war. Finde, man kann als Autorin den Leser und Leserinnen durchaus zutrauen, sich selbst in Situationen reinfühlen zu können, ohne Gefühlslagen penetrant vorzugeben. Die Dramatik des Themas und verschiedener Situationen war schließlich schön herausgearbeitet, da hätte es die überbordenden Adjektive nicht gebraucht.

Mehr Hintergrundinformationen hätte ich dagegen bei Annis Wandlung von der gutgläubigen, naiven Seele zur taffen Agentin erwartet. So war diese für mich nicht nachvollziehbar. Gerade hier hätte das historische Thema auch so viel Potenzial gehabt. Wie wird man zu einer Frau, die ihr Leben für den Sturz eines faschistischen, menschenverachtenden, mörderischen Regimes aufs Spiel setzt? Welche Erlebnisse, die einem widerfahren sind, haben einen derart gebrochen, dass man sich endgültig für ein solches Leben entscheidet? Was hat das, was man als Agentin im Dienst der Sache tun musste, innerlich mit einem gemacht? All das ist für mich in Annis Geschichte nur angeteasert worden.

Viele Frauen waren als Agentinnen im zweiten Weltkrieg tätig. Ab 1942 ließ der britische Geheimdienst etwa 39 weibliche Agenten über dem französischen Festland absetzen. 16 von ihnen wurden von der Gestapo umgebracht. Es ist wichtig, diesen Frauen und ihrem viel zu selten beachteten Schicksal endlich die Bühne zu geben, die ihnen zusteht. Das tut Anna Claire und dafür gebührt ihr Respekt. Nur in der Umsetzung dieses wichtigen Themas ist für mich zu viel verschenkt worden.

Dafür hätte etwa auch der Handlungsstrang um Wendy, June und Sandra zugunsten mehr Kapiteln rund um Anni gekürzt werden können. Jene Gegenwartsszenen haben die Handlung für mich zu wenig vorangetrieben, haben sich zu oft in den Liebesgeschichten der drei jungen Frauen verloren.

Fazit
Gerade in Zeiten, in denen extremistische Bewegungen und antisemitische Tendenzen und Glaubenssätze rund um den Globus erstarken, kann nicht oft genug auf die Gräueltaten des NS-Regimes und deren schreckliche Folgen erinnert werden. Umso wichtiger sind Bücher wie jene der Glücksfrauen-Saga, die sich diesem wichtigen Thema widmen. Gut gebaut hat die Autorin die Schicksale der drei Freudinnen, die jene Folgen eindrucksvoll veranschaulichen. Im finalen Band „Das Geheimnis der Rosen“ ist die Umsetzung leider hinter den beiden Vorgängerwerken zurückgeblieben. Das soll dem wichtigen Grundkonzept hinter der Reihe allerdings keinen Abbruch tun.

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  • Atmosphäre