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Nilchen

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Veröffentlicht am 27.02.2025

So geht Wiederauflage eines Klassikers!

Unico erwacht (Band 1)
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Was ein cooles Buch! Mit Unico erwacht wird die zauberhafte Welt eines fast vergessenen Klassikers neu belebt. Ursprünglich von Osamu Tezuka im Jahr 1976 geschaffen, hat sich die Geschichte um das magische ...

Was ein cooles Buch! Mit Unico erwacht wird die zauberhafte Welt eines fast vergessenen Klassikers neu belebt. Ursprünglich von Osamu Tezuka im Jahr 1976 geschaffen, hat sich die Geschichte um das magische kleine Einhorn Unico tief in die Herzen von Manga- und Comicfans eingebrannt. Nun kehrt Unico in einer modern interpretierten Version von Samuel Sattin und dem Künstlerduo Gurihiru zurück, um eine neue Generation von Leserinnen und Lesern zu verzaubern, dennen Unico noch gänzlich unbekannt ist.
Das Original von Osamu Tezuka, der oft als "Gott des Manga" bezeichnet wurde, erschuf mit Unico eine Geschichte, die tief in der japanischen Mythologie und in universellen Themen wie Freundschaft, Verlust und Wiedergeburt verwurzelt ist. Ursprünglich erschien Unico als Manga in den 1970er Jahren und wurde später auch in zwei Anime-Filmen adaptiert. Die Geschichte dreht sich um ein magisches Einhorn, das die Fähigkeit besitzt, Liebe und Glück zu schenken. Doch die Göttin Venus, eifersüchtig auf Unicos Einfluss, verbannt ihn immer wieder an fremde Orte und löscht seine Erinnerungen.
In der Neuinterpretation Unico erwacht greifen Sattin und Gurihiru die Essenz von Tezukas Werk auf, während sie es gleichzeitig in ein neues visuelles und erzählerisches Gewand kleiden. Wir finden es frisch und cool! Die farbenfrohen, ausdrucksstarken Illustrationen fangen die Magie und Emotionalität der Geschichte perfekt ein. Besonders dynamisch sind die Passagen, die ganz ohne Text auskommen und nur durch die Kraft der Bilder die Handlung vorantreiben. Daher auch so gut für Erstleser geeignet, denn die Geschichte wird vorrangig von den Bildern getragen und das Lesen passiert (fast) von alleine!
Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt: Venus, die Unico aufspüren und vernichten will, der Westwind, der Unico zu retten versucht, und Unicos eigene Abenteuer.
Die Illustrationen von Gurihiru sind nicht nur eine Hommage an Tezukas Originalstil, sondern setzen auch eigene Akzente. Die leuchtenden Farben und der moderne Zeichenstil machen Unico erwacht zugänglicher für ein breiteres Publikum, ohne die Ursprünglichkeit der Geschichte zu verlieren. Ein besonderes Highlight ist der Vergleich mit dem alten Unico am Ende des Buches, der einen faszinierenden Einblick in die Weiterentwicklung der Figuren und der Erzzählweise gibt. Super für alle die den Klassiker (noch) nicht kannten.
Die Geschichte ist fantasievoll, spannend und liebevoll erzählt, mit Figuren, die das Herz im Sturm erobern. Der Cliffhanger am Ende lässt uns gespannt zurück: Wohin wird Unicos Reise als nächstes führen? Wir freuen uns auf Band 2: Unico wird gejagt!
Toll ab 8 Jahren, auch schon in der ersten Klasse – oder noch besser zum Zeugnis nach der 1. Klasse als Leseansporn!

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Auch Band 16 wieder gelungen!

Das Museum der Insekten
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Ich liiiiiebe diese Reihe aus dem Prestel Verlag mit all seinen „Eintritt Frei“ – Museums-Erklärbüchern. Wir haben schon einige im Regal stehen und immer wenn wir uns wieder einem Thema genauer widmen, ...

Ich liiiiiebe diese Reihe aus dem Prestel Verlag mit all seinen „Eintritt Frei“ – Museums-Erklärbüchern. Wir haben schon einige im Regal stehen und immer wenn wir uns wieder einem Thema genauer widmen, holen wir sie hervor.
Da ist eines über Pilze, Meerestiere, das Planetarium, Bäume. Herrlich! Und nun Insekten! Achtung, auch der Knesebeck Verlag hat ein Buch mit dem gleichen Titel, ist aber ein anderes Buch anderer Autoren!
Was ich wieder so mächtig toll finde, sind die detailreichen Bilder und detailgetreuen Abbildungen der Tiere. Bei Insekten kommt das ganze besonders zum Tragen, da ja viele der Tiere größer als ihre eigene Lebensgröße abgebildet sind.
Es startet mit einem kurzen historischen Abriss und geht dann über in die Frage: Was sind eigentlich Insekten? Wer gehört dazu? Viele!
Und dann geht es Saal für Saal los mit den einzelnen Gruppen. Natürlich sind nicht alle abgebildet und es ist nicht vollständig, aber zeigt einige größere Gruppen und erklärt grundsätzliches. Wer gehört zu den Heuschrecken und Grillen, was sind Schnabelkerfe (ich hab mich nicht verschrieben!).
Und auch wichtig für alle Kindergartenkinder: Auch die Laus kann man hier mal in Ruhe und in Überlebensgröße studieren.
Auch sind zwischendrin immer mal wieder Erklärungen zu Lebensräumen: Wald, Wasser, Wüste.
Aus meiner Sicht auch dieser Band wieder hervorragend gelungen. Aber seht es mir nach: ich bin befangen, ich liebe diese Reihe! :0)

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Ein Mann, eine Zahl, ein Tag.

Das Fest
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“Das Glück war eine einfache, aber bedrohte Angelegenheit. Es hätte den Status eines immateriellen Kulturerbes verdient.” (S 21)
Jakob wird 50 Jahre alt und ihm ist weder nach Feiern, noch nach Reflektieren ...

“Das Glück war eine einfache, aber bedrohte Angelegenheit. Es hätte den Status eines immateriellen Kulturerbes verdient.” (S 21)
Jakob wird 50 Jahre alt und ihm ist weder nach Feiern, noch nach Reflektieren zu Mute. Er will den Tag einfach hinter sich bringen. Ellen, seine langjährige bekannte beginnt mit ihm den Tag und wie von Zufällen begleitet, trifft er über den Tag verteilt auf allerlei Menschen, die einst ein wichtiger Teil seines Lebens war. Es hinterlässt – im wahrsten Sinne des Wortes – Spuren bei ihm und trifft ihn tief in der Seele. Natürlich sind das alles nicht zufällige Begegnungen, aber lest selbst.
Ein Buch, dass ich wirklich gerne lesen habe. Ein schmaler Band mit feinen Formulierungen.
“Manches wurde in einer Beziehung zur Gewohnheit, obwohl man sich nie dafür entschieden hatte. Verschwiegenheiten und Lügen, beides schliff sich ein, bis man glauben konnte, die gesamte Konstruktion sei verfault.” (S 34)
Lucy Fricke erzählt wieder einmal unaufgeregt, dabei voller Leben mit Brüchen und Rückblicken. Eine Aufforderung an uns alle mit offenen Augen und großen Herzen durchs Leben zu gehen. Ich finde ihre Figuren sehr charakterstark gelungen. Ein Schreibstil dem ich viele Seiten sehr gerne folge.
“Wenn zu viele Fragen auf einen zu kurzen Moment trafen, verstrich er in aller Regel ohne jedes Ereignis. Das war bei ihnen nicht anders.” S 50

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Veröffentlicht am 16.02.2025

Berlin ~1913 – ein Einblick in damaliges Leben

Frau Hempels Tochter. Roman
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Habt ihr schon von Alice Berend gehört? Unfassbar, dass diese Schriftstellerin in Vergessenheit geraten ist, war sie doch zum Beginn des 20. Jahrhunderts einer der meistgelesenen Autorinnen Deutschlands. ...

Habt ihr schon von Alice Berend gehört? Unfassbar, dass diese Schriftstellerin in Vergessenheit geraten ist, war sie doch zum Beginn des 20. Jahrhunderts einer der meistgelesenen Autorinnen Deutschlands. Was geschah? Simple und niederschmetternd: Sie war Jüdin und ihre Bücher wurden unter den Nationalsozialisten verboten.
“Die besten und die schlimmsten Tage haben gemeinsam, dass man sie erst spürt, wenn sie vorüber sind.” (S 144)
‚Frau Hempels Tochter‘ wurde nun nach sachten Restaurationsarbeiten im Reclam Verlag erneut publiziert und ich danke dem Verlag für diesen Vorstoß! Dieses Buch bietet eine einfache Geschichte, aber ist ein historisches Dokument. Wenn die Portiersfrau den Kuchen zum Bäcker bringt zum Backen, weil es keinen eigene Ofen gibt. Heute erstaunlich zu lesen, damals scheinbar Gang und Gebe. Zuerst erschienen 1913, hat es eine immense Auflage, es war das zweite erfolgreiche Buch der Autorin Alice Berend.
“Die meisten Menschen reden zu viel. Sie vergessen, dass es beim Sprechen nicht auf die Masse ankommt. Die richtige Wahl der Worte ist alles.” (S 24)
Alice Berend, durch und durch Berlinerin, portraitiert das Leben im Moloch Großstadt gekonnt und wenn da Wörter wie „pletten“ (=bügeln) fallen, dann merke ich das sich ein wenig Heimat hier niederschlägt.
„Geflüsterte Worte sprechen doppelt laut im Gedächtnis.“ (S 38)
Es geht im Grunde um Frau Hempel, Portiersfrau, mitten in Berlin. Ihr Mann ist Schuster und ihre Tochter Laura ein entzückendes Wesen. Mutter möchte für das Kind eine bessere Zukunft und hofft auf einen Verehrer aus höherem Stand. Laura verliebt sich in einen Grafen, leider aus verarmtem Hause und mit einer Gräfinnen-Mutter, die davon wenig amüsiert ist, wem es ihrem Sohn angetan hat. Es folgen noch Wendungen, die scheinbar für alle die Karten neu mischen und die Geschichte nimmt seinen Lauf.
Wie erwähnt, die Geschichte ist nicht sonderlich trickreich, aber die erzählweise, auch wenn es ein Unterhaltungsroman zur damaligen Zeit war, ist historisch spannend und schön geschrieben. Eine Fülle an Aphorismen und Zitaten habe ich mir aufgeschrieben.
Der Mensch tastet in Lärm und Ungewissheit vorwärts, aber still und sicher geht die Zeit ihren Weg. (S 135)
Auf jeden Fall sollte man das sehr gelungene Nachwort von Marget Greiner lesen, das rundet das Lesevergnügen besonders ab und meine Neugier über die Schriftstellerin war (zum Teil) gestillt.
Nun – lieber Reclam Verlag, wann kommt den eines der anderen Werke von Alice Berend neu aufgelegt in die Buchhandlungen?

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Veröffentlicht am 12.02.2025

Drei Jungs - volles Leben

Pink Elephant
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Drei Jungs – Ali, Tarek und Vincent. Vincent, das Opfer aus dem Reihenhaus. Ali und Tarek, Hochhauskinder, diejenigen, die ihn scheinbar grundlos vermöbeln. Es kommt zu einem Täter-Opfer-Gespräch und Vincent ...

Drei Jungs – Ali, Tarek und Vincent. Vincent, das Opfer aus dem Reihenhaus. Ali und Tarek, Hochhauskinder, diejenigen, die ihn scheinbar grundlos vermöbeln. Es kommt zu einem Täter-Opfer-Gespräch und Vincent wird neugierig. Ist er hier wirklich das Opfer?
Drei Freunde - Ali, Tarek und Vincent. Die drei kommen sich näher. Vincent findet hier mit seinen 14 Jahren etwas was er von zu Hause nicht kennt: echtes Leben. Seine Eltern sind karrieretechnisch auf der Überholspur, haben aber ihr Einzelkind wohlstandsverwahrlosen lassen. Vincent sieht in Tarek und Ali seine Crew.
Diese Geschichte rauscht förmlich auf eine Katastrophe zu. Toll erzählt und mit viel Bedacht formuliert. Spannend ist diese Coming-of-Age Geschichte auch alleine aus dem Grund, dass man in Frage stellen könnte, ob Luca Kieser es zusteht so einen Roman zu schreiben. Viele Klischees schwingen mit, wenn hier über den weißen privilegierten Jungen aus dem Reihenhaus gesprochen wird und den Kindern mit Migrationshintergrund, die im Hochhaus leben. Hierzu ist wohl recht viel an Auseinandersetzung im Bezug auf Rassismus in dieses Roman geflossen, zwei Sensitivity reader haben den Autor beraten. Ein genaues Lektorat und eine lange Auseinandersetzung des Autors mit den pain points. 10 Jahre lang hat Luca Kieser am Roman geschrieben.
Ich finde ihn gelungen.

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