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Veröffentlicht am 29.06.2025

Auftaktbände sind Anna Bennings Spezialität!

To Tempt a God
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In Auroras Stadt „Silver City“ herrscht einmal im Jahr große Angst, nämlich dann, wenn die Götter neue Diener, genannt Valets, unter den Menschen auswählen. Diese Valets werden in einem Ritual an ihren ...

In Auroras Stadt „Silver City“ herrscht einmal im Jahr große Angst, nämlich dann, wenn die Götter neue Diener, genannt Valets, unter den Menschen auswählen. Diese Valets werden in einem Ritual an ihren Gott gebunden und können sich daher räumlich nicht sehr weit voneinander entfernen, ohne dass der Valet Schmerzen erleidet oder im schlimmsten Fall sogar stirbt. Aurora selbst hält sich in diesen Wochen meist versteckt, sodass sie den Sentinals, den roboterähnlichen Soldaten der Götter, gar nicht erst auffällt. Doch dieses Mal muss sie das Risiko eingehen, denn ihr Bruder liegt seit einem Sturz vor einem Jahr im Koma und benötigt für die Heilung dringend Götterlicht, welches Aurora auf den höchsten Dächern der Stadt einfängt. In der darauffolgenden Nacht bricht ein junger Mann in das Antiquitätengeschäft ihres Ziehvaters Julien ein. Er ist jedoch nicht auf Geld aus, sondern er bemächtigt sich eines leeren Buches und einiger Gläser Götterlicht. Am nächsten Tag geschieht, wovor Aurora sich ihr Leben lang gefürchtet hat: Sie wird als Valet berufen. Und kein geringerer als der Einbrecher der Vornacht kauft sie, denn er ist der Sohn des Exarchon, des Herrschers der Götter. Ob Aurora in der Hölle oder dem Himmel gelandet ist, muss sich erst noch zeigen, denn beide verbergen Geheimnisse voreinander…
Anna Benning ist die ungeschlagene Meisterin der Auftaktbände! In allen drei Reihen ist es ihr bisher anstandslos gelungen, mich sofort für ihre Geschichte und die darin erschaffene neue dystopische Welt zu vereinnahmen! Ich konnte mich sehr gut in die Welt der Götter und Valets hineinfinden und hatte Silver City als eine Stadt vor Augen, die wohl Coruscant bzw. Galactic City aus Star Wars sehr ähneln dürfte mit seinen verschiedenen Ebenen und dem damit einhergehenden gesellschaftlichen Gefälle.
Ja, diese Welt ist brutal. Sklaverei, Misshandlungen, Verstümmelungen und der Tod sind ständig präsente Themen in dieser Geschichte. Wer damit ein Problem hat, der sollte sie besser meiden. Es ist emotional sehr aufwühlend; einige Szenen haben mich doch ganz schön mitgenommen. Aber gerade diese Gefühlskälte der Götter macht diese Dystopie so menschlich nachvollziehbar.
Die Protagonistin Aurora gefiel mir sehr. Sie handelt nicht kopflos, ist eher überlegt und reflektiert, ihrer Familie gegenüber sehr loyal und eine echte Sympathieträgerin. Colden bleibt bis zum Schluss etwas mysteriös, janusgesichtig, wenn auch Aurora gegenüber immer ehrlich und bedacht.
Der doppelte Cliffhanger dieses ersten Bandes war vielversprechend und gibt einen kleinen Ausblick in das, was uns im nächsten Teil erwartet: Weitere Kämpfe, mehr Herzschmerz und ein weiterer, unbekannter Gegner! Ich freu mich drauf und blicke dem Herbst gespannt entgegen!

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Veröffentlicht am 01.06.2025

Alte und neue Feinde, aber ein gleichbleibendes Spannungslevel

Royal Institute of Magic, Band 3 - Der Angriff der Dunkelelfen
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Ben und Charlie haben es als Lehrlinge des Royal Institute of Magic in die zweite Klasse geschafft. Morgens müssen sie nun in eine extra vom Institut eingerichtete Schule gehen, um dann am Nachmittag ihre ...

Ben und Charlie haben es als Lehrlinge des Royal Institute of Magic in die zweite Klasse geschafft. Morgens müssen sie nun in eine extra vom Institut eingerichtete Schule gehen, um dann am Nachmittag ihre Lehrlingsaufgaben abzuarbeiten. Doch damit nicht genug müssen Ben, Charlie und
Natalie weiter nach dem dritten Teil der magischen Rüstung von Queen Elizabeth I. suchen. Zum Helm haben sie nur einen Hinweis der Ausbildungsleiterin und Hüterin der Stiefel Dagmar: ein altes Foto. Ihnen läuft jedoch die Zeit davon, denn die Dunkelelfen haben ihren Angriff angekündigt… Und als wäre das alles nicht schon anstrengend genug, muss Ben sich mit einem neuen Mitschüler namens Aaron auseinandersetzen, der auch irgendetwas im Schilde zu führen scheint, denn er schart zunehmend die Mitlehrlinge um sich…
Auch der dritte Band der Reihe konnte mich wieder sehr begeistern. Ben erscheint etwas gereifter, auch wenn er gewisse Charakterzüge nicht überwinden kann, seine Schwäche für Herausforderungen zum Beispiel. Er handelt jedoch zunehmend besonnener und durchdachter, denkt immer öfter altruistisch und an die Folgen seiner Taten. Auch Charlie durchlebt eine Figurenentwicklung und überwindet seine Ängste und Schwächen zunehmend öfter. Für mich ist er ja sowieso der heimliche Held dieser Geschichte (#sidekicklove).
Die Story rund um Bens Eltern bekommt noch einen weiteren Aspekt hinzugefügt, der Ben zum Nachdenken darüber bringt, wer seine Eltern überhaupt sind und was genau er eigentlich über sie weiß. Ich bin sehr gespannt, wie sich am Ende alles auflösen wird und was von dem stimmt, was den Greenwoods zur Last gelegt wird. Und auch die Figur des Prinzen Robert bleibt undurchschaubar. Ob er tatsächlich der machtgierige Nachfolger des Throns ist, vor dem Elizabeth die Hüter gewarnt hat? Oder ist er am Ende sogar ein wertvoller und loyaler Verbündeter?
Mit Aaron ist ein neuer Gegenspieler ins Figuren-Ensemble eingeführt worden, dessen Handlungsabsichten noch nicht ganz klar geworden sind. Vielleicht erfahren wir im Folgeband noch etwas mehr über ihn, seine Familie und seine Intentionen. Auf den ersten Blick wirkt er sehr janusköpfig: nach außen hin freundlich und zugänglich, aber Ben gegenüber hat er sein wahres Gesicht inklusive seiner Absichten ja kurz gezeigt. Es bleibt spannend!

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Veröffentlicht am 23.03.2025

Eine fantastische Reise in die Welt der Mantikore, Dryaden, Ratatoskas und Drachen

Impossible Creatures – Das Geheimnis der unglaublichen Wesen
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Christopher muss die Ferien bei seinem Großvater in Schottland verbringen. Dieser warnt ihn davor, die Baumgrenze des Waldes zu überschreiten, denn dort sei es gefährlich. Aber natürlich hält sich Christopher ...

Christopher muss die Ferien bei seinem Großvater in Schottland verbringen. Dieser warnt ihn davor, die Baumgrenze des Waldes zu überschreiten, denn dort sei es gefährlich. Aber natürlich hält sich Christopher – neugierig, wie er nun einmal ist – nicht an das Verbot und gerät dadurch unerwartet in das Abenteuer seines Lebens. Denn er findet an einem See ein verletztes Greifenjunges, das er mit zur Hütte seines Großvaters nimmt. Dieser berichtet ihm daraufhin widerwillig von der geheimen Welt des Archipels, dessen Hüter Christophers Opa ist. Dass die Wesen in unsere Welt gelangen konnten, heißt nichts Gutes, denn der Weg zwischen den Welten sollte derzeit nicht offen sein. Als kurz darauf auch noch ein Mädchen namens Mal(um) aus dem See tritt und Christopher um Hilfe bittet, entscheidet er sich für eine Reise ins Archipel. Denn dort schwindet die Magie, Glimourie genannt, und alle dort lebenden Wesen und Menschen sind dadurch in Gefahr. Wird es den beiden gelingen, die Magie zu retten?

Was für eine wunderbare Geschichte ich hier lesen durfte! Sie beinhaltet alles, was ein Buch großartig macht: Spannung, Magie, starke Figuren, Botschaften zum Nachdenken, aber auch Tiefgründigkeit und ja, auch Trauer. Die Themen dieses Trilogie-Auftaktes sind: Freundschaft, Loyalität, die Schönheit des Lebens, Willensstärke, Zusammenhalt, aber auch Verlust, Trauer und Ängste, Machtgier und nicht zuletzt Arten- und Umweltschutz. Katherine Rundell gelingt hier ein stimmiges, in eine unglaublich fantastische Welt eingebettetes Gesamtbild einer tollen Geschichte, die – so finde ich jedenfalls – für Leser*innen ab 12 Jahren geeignet ist. Die Verlagsempfehlung ab 10 Jahren kann ich nicht ganz unterschreiben, da ich denke, dass es kinder- und charakterabhängig ist. Es gibt einige recht blutige und brutale Szenen im Buch, außerdem mehrere dramatische Verluste, die bei eher ängstlichen oder sensiblen Kindern schon intensiv nachwirken könnten. Die Kapitellängen variieren ein wenig, sind jedoch nach meinem Empfinden für jüngere Leser passend, da nicht zu lang.

Ein großer Pluspunkt dieser Geschichte sind die wunderbaren Figuren. Jede für sich ist stark und einzigartig. Christopher ist der besonnene, durchdachte, kreative, wissbegierige Part, der stets lösungsorientiert denkt und unglaublich loyal zu seinen Freunden steht. Die andere Seite der Medaille stellt Mal dar, eher impulsiv, sicherheitsbedürftig, aber dennoch mutig, wenn es darauf ankommt. Sie benötigt Routinen, die ihr Struktur und Sicherheit geben, sie hängt sich stark an ihre Partner – ob nun magisches Wesen oder Mensch. Mal und Christopher ergänzen sich in meinen Augen wunderbar. Das Figurenensemble runden der etwas eigenbrötlerische Seefahrer Nachthand, die bezaubernde Meeresforscherin Irian, das zu Übertreibungen neigende Ratatoska-Weibchen Ratwin und ein trotz seiner geringen Körpergröße sehr einschüchternde Mini-Drache Jacques ab. Jede Figur für sich ist sympathisch und ein Gewinn für diese Geschichte!

Das Weltensetting ist atemberaubend und sehr komplex. Im Buchdeckel vorn und hinten befindet sich die Abbildung einer Karte des Archipels (erstellt von Virginia Allyn), die mir im Leseprozess sehr geholfen hat, da ich so die Route der Schiffcrew immer mitverfolgen konnte. Außerdem ist vor Beginn der Story das Bestiarium von Christophers Großvater abgedruckt. So lernt der Leser/die Leserin bereits vieles über die im Verlauf auftauchenden Wesen vorab. Die Zeichnungen dazu wurden von Tomislav Tomić erstellt und passen für mich treffend zu den Beschreibungen der Autorin.

Dieser Band stellt eine in sich abgeschlossene Geschichte dar. Im Herbst 2025 erscheint der zweite Band, der sicherlich an diesen Teil anknüpfen wird. Bis dahin wird diese Erzählung sicher in mir nachhallen, denn besonders das Ende war intensiv und recht unerwartet.

Wer Narnia, die Reckless-Reihe und die Drachenreiter Bücher von Cornelia Funke mag, wird sich in der magischen Welt von Katherine Rundell ebenfalls zuhause fühlen!

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Ein historischer Slow-burn-Abenteuerroman

Geheimnisse des Nil, Band 1 - What the River Knows
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Buenos Aires, 1884. Die 19jährige Inez Olivera träumt davon, ihren Eltern zu Ausgrabungen nach Ägypten nachreisen zu können. Bisher hatten diese ihr diese Bitte immer abgeschlagen, aber als nun Post aus ...

Buenos Aires, 1884. Die 19jährige Inez Olivera träumt davon, ihren Eltern zu Ausgrabungen nach Ägypten nachreisen zu können. Bisher hatten diese ihr diese Bitte immer abgeschlagen, aber als nun Post aus Kairo kommt, hofft Inez auf positive Nachrichten. Doch es kommt anders: Ihr Onkel Ricardo informiert sie darüber, dass ihre Eltern in der Wüste Ägyptens ums Leben gekommen sind. Schockiert und ungläubig reist Inez heimlich nach Ägypten, um sich selbst ein Bild davon zu machen, wie ihre Eltern gestorben sind. Doch ihr Onkel und sein Sekretär Whitford Hayes sind alles andere als erfreut darüber, dass Inez Nachforschungen anstellen will. Was nur verbirgt ihr Onkel und wessen Grab hofft er in Ägypten zu finden? Und auch der ehemalige britische Soldat Whit lässt Inez nicht kalt, denn auch er verbirgt etwas vor ihr…
Ich war sehr gespannt, was diese Geschichte für mich bereit hält. Früher habe ich viele historische Romane rund um Ägypten gelesen, denn mich fasziniert die Götterwelt und die Architektur der alten Kultur. Als ich las, dass diese Story Ende des 19. Jahrhunderts verortet ist, war ich kurz skeptisch, denn normalerweise schreckt mich die Steifheit und die traditionellen Konventionen dieser Zeit oft ab. Aber ich muss sagen: Es tritt hier nur sehr wohldosiert auf. Ein eindeutiger Pluspunkt. Dazu gehört aber auch, dass ich befürchtete, auf eine sehr steife und unterwürfige Protagonistin zu stoßen. Aber Inez Olivera könnte nicht weiter davon entfernt sein! Sie ist eine gewitzte, sture, neugierige, abenteuerlustige und mutige Figur, die versucht, sich im ihr anerzogenen gesellschaftlichen Rahmen zu bewegen; die allerdings eine kaum zähmbare Wildheit innehat, die sie in Ägypten endlich ausleben kann. Ich bin ihrem Point of View sehr gern gefolgt und habe mit ihr gefühlt, gelacht und gelitten. Ihre Dialoge mit Whit sind on point, bissig und zeugen von großer Wortgewandtheit – auf beiden Seiten. In diesen Schlagabtäuschen gelingt es ihr regelmäßig, auf ganz subtile Weise ihren Gesprächspartner Informationen zu entlocken. Und besonders bei dem unnahbaren, sich abschottenden Whitford ist es für uns Leserinnen interessant. Er ist – so viel sei verraten – bis zum Schluss eine der undurchschaubarsten Figuren dieser Geschichte. Wer mit Slow-burn-Liebesentwicklungen nichts anfangen kann, ist hier falsch aufgehoben. Denn der historischen Realität angepasst vollzieht sich das Anbändeln sehr gemäßigt, aber durchaus herzerwärmend. Mir persönlich gefiel es!
Der Schreibstil ist sehr flüssig und das Buch lies sich problemlos entspannt und schnell weglesen. Auch die Übersetzung ist eine Glanzleistung, denn die Wortspiele mit dem „Sie“ und „Du“ kommen im Englischen sicher nicht so offensichtlich zum Tragen, wie es hier im Deutschen der Fall ist. Ein tolles Spiel mit der Sprache! Mich würde interessieren, wie es im englischen Original umgesetzt wurde.
Wer gern Geschichten liest, bei denen nichts so ist, wie es auf den ersten Blick erscheint, ist hier absolut richtig aufgehoben! Der Spannungsbogen steigt stetig an, ständig eröffnen sich neue Wendungen und unvorhergesehene Ereignisse treffen ein – es wird also nie langatmig. Und das alles vor dem Hintergrund des (britischen) Imperialismus in Ägypten, und der Archäologie bzw. der Ägyptologie mit den damit einhergehenden Plünderungen von Kulturgütern und -schätzen – Indiana Jones lässt grüßen! Zum Abschluss erwartet die Leser
innen ein verheißungsvoller und zugleich verstörender Cliffhanger…Also, worauf wartest du noch? Ab nach Ägypten!

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Veröffentlicht am 16.02.2025

Schaurig, spannend und geheimnisvoll

Tinte, Staub und Schatten: Das Buch der Verlorenen
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Minna hat vor elf Jahren ihre Mutter verloren. Sie war Büchersucherin in einem geheimen, unterirdischen Bücherlabyrinth, das seine eigenen Regeln hat. Nun setzt Minna alles daran, ebenfalls Büchersucherin ...

Minna hat vor elf Jahren ihre Mutter verloren. Sie war Büchersucherin in einem geheimen, unterirdischen Bücherlabyrinth, das seine eigenen Regeln hat. Nun setzt Minna alles daran, ebenfalls Büchersucherin zu werden und hat dafür nur einen Anhaltspunkt: Das Antiquariat des grummeligen Händlers Raban Krull, dessen Stempel sich in dem Buch ihrer Mutter befindet. Und tatsächlich gelingt es Minna, von ihm als Lehrling aufgenommen zu werden. Kann sie herausfinden, was vor all den Jahren mit ihrer Mutter geschehen ist? Und ist das Labyrinth tatsächlich so gefährlich, wie die anderen Lehrlinge sagen?
Alina Metz erzählt in relativ kurzen, angenehmen Kapiteln eine wirklich spannende und düstere Geschichte über Bücher und die Macht, die sie innehaben. Ergänzend hat sie am Ende eines jeden Kapitels kleine Buchauszüge aus Handbüchern, Märchen usw. beigefügt, was mir persönlich sehr gefiel, da es hin und wieder Informationen über das Gesagte der Geschichte hinaus eröffnete. Faszinierend war für mich ebenfalls das Weltensetting und die Idee des Bücherlabyrinths. Die Autorin ist sehr kreativ an die Herausforderungen der Koordination innerhalb des, und die Lebewesen in dem verzweigten System herangegangen und hat es wie einen lebenden Organismus beschrieben. Für mich in jedem Wort nachvollziehbar und meine Fantasie hat diese Idee sofort angenommen. Der Märchenwald war dabei für mich die Klimax des Erfindungsreichtums. Es war zu keinem Zeitpunkt langatmig oder schleppend, ganz im Gegenteil: Von Seite zu Seite zog das Spannungsniveau an.
Und auch bei den Figuren ist es Alina Metz gelungen, unglaublich undurchschaubare und sehr spezielle Typen zu entwickeln. Seien es der grummelige Lehrmeister Raban oder der verschlossene Jascha – jede Figur hütet ihr eigenes, prägendes Geheimnis aus der Vergangenheit, das Minna den anderen durch ihre verstehende und zugängliche Art stückweise entlocken kann. Doch diese Protagonistin zeichnet so viel mehr aus! Sie ist clever, entschlossen, erfinderisch und hat auf ihre ganz eigene Art ein Urvertrauen in sich selbst, das ich jedoch nicht als Selbstvertrauen bezeichnen würde. Sie hört auf ihr Herz und ihr Bauchgefühl – eine Fähigkeit, die wir Menschen viel öfter wieder in Betracht ziehen sollten. Ich bin sehr gespannt, wie sie sich im zweiten Band nach den Offenbarungen des Finales hier weiterentwickeln wird! Auch Gulliver mit seiner unglaublich tollpatschigen Art ist ein echtes Unikat und mir sehr ans Herz gewachsen.
Die Illustrationen im Vorsatzblatt und im Verlauf der Geschichte passen mit ihrem schwarz-weißen Stil wunderbar zur schaurigen Stimmung der Story. Danke an Lia Visirin dafür!
Für mich ist dieser erste Band eine durchweg gelungene Geschichte. Wer Bücher über Bücher mag und beim Lesen eine leichte Gänsehaut à la „Wednesday“ haben möchte, wird mit dieser Reihe seine wahre Freude haben!

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