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Veröffentlicht am 03.03.2025

Tief verwurzelt

Der verschwundene Buchladen
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Endlich hat Martha sich von ihrem Ehemann getrennt. Mit letzter Kraft hat sie es nach Dublin geschafft und sich auf eine Stelle als Haushälterin beworben. Ms Bowden scheint recht exzentrisch zu sein und ...

Endlich hat Martha sich von ihrem Ehemann getrennt. Mit letzter Kraft hat sie es nach Dublin geschafft und sich auf eine Stelle als Haushälterin beworben. Ms Bowden scheint recht exzentrisch zu sein und doch richtig. Vor dem Haus lernt Martha den Doktoranden Henry kennen, der nach einem verschwundenen Buchladen sucht. Die beiden sind sich sofort sympathisch. Marthas großer Traum ist es, zu studieren. Sie weiß nur noch nicht, wie sie das mit der Lektüre schaffen soll, denn sie hat eine seltsame Scheu davor zu lesen. Vielleicht hat Henry eine Idee, wie sie die Sache angehen kann.

Martha und Henry sind nicht unbedingt freigiebig was gewisse Informationen angeht. Ihr Weg ist dadurch nicht so geradlinig wie anderenfalls möglich. Doch ihre Suche nach der Geschichte von Opaline, die auf einer anderen Zeitebene erzählt wird, schweißt sie zusammen. Opaline sollte in den 1920ern gegen ihren Willen verheiratet werden. Im Gegensatz zu vielen anderen jungen Frauen wehrt sie sich dagegen und flieht nach Paris. Dort lernt sie eine Welt der Bücher kennen, die die Erfüllung der meisten ihrer Träume bedeuten könnte. Werden Martha und Henry es schaffen, Opalines Weg zu den Büchern zu verfolgen?

So einen verschwundenen Buchladen möchte man auch gerne suchen, das aufwendig gestaltete Cover mit Farbschnitt macht direkt Lust auf den Roman. Von Opalines Schicksal zu lesen, ist manchmal nicht leicht zu ertragen. Sie versucht ihr Leben nicht nach den Konventionen zu leben und muss dabei Rückschläge hinnehmen. Wie hinterhältig und gemein Frauen damals mitunter behandelt wurden. Doch auch Martha ist, was das angeht, nicht auf Rosen gebettet. Man wünscht ihr wirklich, dass sie ihr Leben in den Griff bekommt. Zwar unternimmt ihre Beziehung zu Henry etwas eigenartige Verläufe, dennoch spürt man die tiefe Verbundenheit zwischen den beiden. Richtig schön und interessant wird es jedoch, wenn es um die Suche nach seltenen oder verloren geglaubten Büchern geht. Da kann man eintauchen und förmlich den Duft von alten Büchern wahrnehmen. Ein schönes und spannendes Buch, dass gerne empfohlen wird.

Veröffentlicht am 28.02.2025

Die Glückshaube

Demon Copperhead
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In einem Trailer wird der kleine Demon Copperhead mit einer Glückshaube auf dem Kopf geboren. Seine jugendliche Mutter versucht von den Drogen weg zu kommen. Bald ist Demon hauptsächlich be seinem Freund ...

In einem Trailer wird der kleine Demon Copperhead mit einer Glückshaube auf dem Kopf geboren. Seine jugendliche Mutter versucht von den Drogen weg zu kommen. Bald ist Demon hauptsächlich be seinem Freund Maggot, der bei seinen Großeltern aufwächst. So unglücklich ist er nicht. Doch irgendwann lernt seine Mutter einen Neuen kennen, der es gut versteht, sowohl ihr als auch Demon das Leben zur Hölle zu machen. Leider stirbt seine Mutter bald und für Demon beginnt eine Odyssee durch ein tragisches Leben, in dem es zwar auch mal Aufs aber immer wieder auch Abs gibt.

Dieser rothaarige kleine Junge muss echt einiges aushalten. Vielleicht würden ihn die anderen als Trailer Trash bezeichnen. Doch zum Glück hat er Maggot, mit dem er durch die Gegend zieht. Maggots Mutter sitzt im Gefängnis. Um den Grund dafür ranken sich Geschichten, die es in sich haben. Durch Maggot und dessen Großeltern kommt auch Demon mal raus. Eine große Enttäuschung für Demon ist es allerdings, dass er nicht von Maggots Großeltern aufgenommen wird. Demon ist aber nicht jemand, der einfach aufgibt. Ein ums andere Mal durchsteht er schwierige Zeiten und verliert doch nicht seinen Mut.

Mit diesem Hörbuch begleitet Fabian Busch den jungen und langsam erwachsen werdenden Demon Copperhead einfühlsam durch die Jahre. Die Zeit des Hören fliegt dann nur so dahin. Wenn man ein wenig nachliest oder das Buch auch kennt, kann man bestätigen, dass dieser Roman dem Klassiker David Copperfield von Charles Dickens nachempfunden ist. Auch mit Demon haben wir einen Waisenjungen, der unverschuldet und schwierige und auch für ihn gefährliche Situationen gerät. So manches Mal denkt man, noch schlimmer kann es doch nicht kommen und dann kann es mit dem Hören auch etwas mühsam werden, weil man sich fragt, warum sich Demon auf bestimmte Sachen einlässt oder Angebote nicht annimmt. Doch dann hält man sich an das klassische Vorbild und hofft auf ein versöhnliches Ende. Wie die Autorin die Worte, mit denen sie Demon erzählen lässt, immer altersgerecht verwendet, ist wirklich klasse, Durch dick und dünn - man ist immer ganz nahe bei Demon Copperhead.

Nominiert für den Deutschen Hörbuchpreis 2025.

Veröffentlicht am 26.02.2025

Teenager verschwunden

Schmerz
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Die Polizistin Dora wird seit einem Einsatz, bei dem sie eine schwere Kopfverletzung erlitt, von Schmerzen geplagt. Voll einsatzfähig ist sie seitdem nicht und meist ist sie im Innendienst. Ihr Kollege ...

Die Polizistin Dora wird seit einem Einsatz, bei dem sie eine schwere Kopfverletzung erlitt, von Schmerzen geplagt. Voll einsatzfähig ist sie seitdem nicht und meist ist sie im Innendienst. Ihr Kollege Rado wird von einer Aktion ausgeschlossen, weil befürchtet wird, dass er den Zielpersonen zu nahe stehen könnte. Nun während beinahe alle Polizeikräfte woanders gebunden sind, kommt die Meldung herein, dass eine jugendliche Person verschwunden ist. Aus dieser Not heraus werden Dora und Rado losgeschickt, um etwas zu dem Verschwinden von Morgan herauszufinden. Dabei ergeben sich erstmal wenige Hinweise, möglicherweise ist Morgan einfach abgehauen.

Mit diesem Reihenstart finden die Außenseiter Dora und Rado zu einem ungewöhnlichen Team zusammen. Für Dora ist das Leben seit ihrer Verletzung anders geworden. Sie hat den Eindruck, dass sie manchmal mehr sieht und empfindet als andere. Damit hat sie schon einige Fälle weitergebracht, eher zum Unmut der Kollegen. Rado dagegen, hat serbische Wurzeln, wobei seine Verwandten nicht alle eine weiße Weste haben. Trotzdem hat er sich bei der Polizei hochgearbeitet. Manchmal fragt er sich jedoch, ob er das volle Vertrauen genießt. Und nun ist ein junger Mensch verschwunden und so richtig besorgt scheint niemand zu sein. Doch Dora hat sofort ein ungutes Gefühl.

Dieser spannende Kriminalroman ist in Island angesiedelt. Der bodenständige Rado und die impulsiv empfindsame Dora bilden ein Zufallsteam, dass unerwartet gut harmoniert. Zwar fragt man sich, wie die eigentlich schwerkranke Dora weiterarbeiten kann und zusätzlich gerät sie in bedrohliche Situationen, bei denen man sich fragt, inwieweit sie für die Handlung entscheidend sind. Von diesem kleinen Manko abgesehen entwickelt sich die Geschichte fesselnd. Das Schicksal der verschwundenen Person ist ungewöhnlich und nimmt einen unerwarteten Verlauf. Ebenso überraschend ist das Ergebnis der Razzia. Dora und Rado wachsen dabei mehr zusammen als sie wohl selbst erwartet haben. Diese Reihe startet gut und macht neugierig auf weitere Fälle. Die Neugier kann mit einem Folgeband gestillt werden, der bereits angekündigt ist.

Der Umschlag des Buches ist ansprechend gestaltet. Durch den Farbschnitt gerät er noch auffälliger und wird somit zum echten Hingucker.

Veröffentlicht am 23.02.2025

Geteilter Vater

Mickey und Arlo
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Mit Leib und Seele ist Mickey Vorschullehrerin und natürlich trinkt sie nicht in der Schule. Doch eines Tages wird der fünfjährige Ian nicht abgeholt. Eigenmächtig entscheidet Mickey, ihn selbst nach hause ...

Mit Leib und Seele ist Mickey Vorschullehrerin und natürlich trinkt sie nicht in der Schule. Doch eines Tages wird der fünfjährige Ian nicht abgeholt. Eigenmächtig entscheidet Mickey, ihn selbst nach hause zu bringen. Sie ahnt nicht, welche Schwierigkeiten sie sich damit einhandelt. Als Mickey erfährt, dass ihr verstorbener Vater ihr eine Menge Geld hinterlassen hat, ist sei wie vom Donner gerührt. Ihr Vater, ein Alkoholiker, hat ihre Mutter verlassen, als Mickey erst kurz zu Schule ging. Doch das Geld ist an eine Bedingung geknüpft, Mickey muss sieben Therapiestunden ablegen. Arlo hatte den besten Vater, den sie sich vorstellen konnte. Und sie hat ihn gepflegt bis zum Schluss. Als sie erfährt, dass ihre unbekannte Halbschwester das ganze Geld erbt, ist sie wie vom Donner gerührt.

Zwei Frauen, Schwestern, die sich nie kennengelernt haben. Wie hätte das Leben sein könnten, wenn sie sich immer gekannt hätten? Auf Beide hat der Vater, der als Alkoholiker häufig fies und unleidlich war, ihrer beider Leben beeinflusst? Mickey wollte nie so werden wie er und doch trinkt sie jeden Tag, manchmal bis zum Augenstillstand. Also meinte immer, sie müsse seine Sucht managen und doch ist er gestorben. Und nun? Die Therapiestunden mit Mickey erweisen sich auch als nicht so einfach.

Eine ungewöhnliche, aber nicht völlig abwegige Geschichte, die einen mitnimmt. Auch wenn man selbst die Problematik mit der Sucht nicht so ganz versteht, weil man Glück gehabt hat und damit nur am Rande in Berührung kam, so berührt die Geschichte doch. Sie stellt die Schwestern mit ihren Stärken und Schwächen dar, menschlich wie Menschen eben sind. Sie hadern mit sich, ihrem toten Vater und den anderen Menschen, die in ihrem Leben sind oder auch gerade nicht. Es ist sehr berührend beschrieben, wie sie versuchen, etwas zu ändern, nicht immer erfolgreich. Und dennoch stehen sie auf, wenn sie gescheitert sind und versuchen von Neuem, zu einer Lösung zu finden. Das zeigt große Empathie und ist auch wegen der klaren Sprache sehr angenehm zu lesen.

Die Darstellung der zwei Frauen auf dem Cover, die zusammen und doch irgendwie getrennt sind, ist sehr treffend und passt gut zu dem Roman.

Veröffentlicht am 18.02.2025

Berliner Platte

Achtzehnter Stock
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Wanda lebt mit ihrer fünfjährigen Tochter Karlie in einem Berliner Plattenbau. Eigentlich wollte sie nie so werden wie ihre Mutter, die mehr scheinen wollte als sie war. Aber irgendwie wurde Wanda arbeitslos, ...

Wanda lebt mit ihrer fünfjährigen Tochter Karlie in einem Berliner Plattenbau. Eigentlich wollte sie nie so werden wie ihre Mutter, die mehr scheinen wollte als sie war. Aber irgendwie wurde Wanda arbeitslos, allein erziehend und immer knapp bei Kasse, weil sie keine Stütze beantragen will. Seit ihrer Schulzeit träumt Wanda von einer Karriere als Schauspielerin. Allerdings raubt ihr eine schwere Erkrankung Karlies den Agenten und damit jede Chance. So sieht es jedoch zunächst aus. Wenigstens hat Karlie in der Platte eine beste Freundin Aylin und deren Mutter hilft Wanda oft, wenn sie mal einen Babysitter braucht.

In ihrem Debütroman geht die Autorin der Frage nach, ob man der Platte entkommen kann. Wanda hat die Wohnung nur, weil ihr Onkel, der den günstigen Mietvertrag abgeschlossen hatte, ihr die Wohnung untervermietet hat. Obwohl sie dort einigermaßen klarkommt, ist es ihr unangenehm, anderen Menschen zu erzählen, wo sie lebt. Als sie den Schauspieler Adam kennenlernt, sieht sie ihre Chance gekommen, vergisst aber Karlie zu erwähnen. Dadurch muss sie häufig herum jonglieren, damit Karlie während ihrer Abwesenheit zu versorgen. Aber was, wenn Aylins Mutter mal keine Zeit hat. Wanda fällt es manchmal schwer zu entscheiden, was wichtiger ist, ihr Kind, die Arbeit oder Adam.

Die Platte ist schon in und wieder mal Schauplatz von Romanen oder Filmen. Wenn man das selbst nicht so kennt, weil es das auf dem Land einfach nicht gibt, weckt der Klappentext des Roman Interesse. Wie wird Wanda mit der Chance umgehen, ihren Traum doch noch zu verwirklichen? Weiß sie zu schätzen, dass sie sich meistens auf Aylins Mutter verlassen kann? Da kommt man selbst ins Überlegen. Reichtum und Oberflächlichkeit oder Armut und Freundschaft? Um welchen Preis kann man seine finanzielle Situation verbessern? Wo ist die Grenze? Man sollte die Platte vielleicht nicht romantisieren, aber sie ist genauso ein zuhause, eine Nachbarschaft wie die meisten anderen auch. Dramatisch und mitreißend ist die Schilderung von Karlies Erkrankung, die wirklich ans Herz geht. Nicht immer versteht man Wandas Entscheidungen, gerade wenn es darum geht, dass sie Karlie nicht erwähnt. Toll ist jedoch, wie sie sich doch befreit und zu sich selbst steht. Dass man den Wolken im achtzehnten Stock etwas näher ist, wird durch das farblich schön gestaltete Cover deutlich.