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Veröffentlicht am 15.03.2025

Liebevolles Kinderbuch rund ums Thema Streit

Wir zwei vertragen uns
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Hase und Igel sind die allerbesten Freunde. Doch als sie eine tolle Wurzel finden, bricht ein Streit aus, denn beide wollen den Schatz für sich behalten.

Im neuesten Band der “Wir zwei”-Reihe geht es ...

Hase und Igel sind die allerbesten Freunde. Doch als sie eine tolle Wurzel finden, bricht ein Streit aus, denn beide wollen den Schatz für sich behalten.

Im neuesten Band der “Wir zwei”-Reihe geht es um das Thema Streit und Versöhnen. Wie schon die Vorgänger eignet es sich für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter.
Die Geschichte ist sehr lebendig geschrieben und viele Adjektive tragen dazu bei, den Wortschatz bei den kleineren Leser*innen zu erweitern (z. B. die “emsige Biene”). Auch die Beschreibungen der Natur finde ich in dieser Reihe immer besonders ansprechend.
Die beiden Protagonisten werden sehr einfühlsam beschrieben und ihre Gedanken und Gefühle finden viel Raum. So hat zum Beispiel jeder der beiden eine ganze Seite, auf der er den Streit reflektiert und erkennen kann, was er daran doof findet. So werden kindliche Emotionen in Worte gefasst und eine Lösung aufgezeigt.
Auch die ausgelassene Stimmung nach der Versöhnung wurde sehr treffend wiedergegeben.
Der Text ist gut verständlich und trotzdem ansprechend formuliert, sodass ihm jüngere Kinder gut folgen können und Erwachsene auch ihre Freude daran haben.

Die wunderschönen Illustrationen von Joëlle Tourlonias ergänzen den Text noch. So kann man auf jeder Seite viele Details entdecken und gut darüber sprechen, was außerdem noch passiert. Rotkehlchen und Maus erzählen dabei wieder ihre eigene kleine Geschichte.

“Wir zwei vertragen uns” hat ein wichtiges und für Kinder gut auf das eigene Leben anwendbares Fazit. Text und Bild erzählen eine liebevolle Geschichte und nicht umsonst zählt alles aus der Feder vom Duo Engler und Tourlonias zu unseren Lieblingen im Kinderbuchregal. ⭐️5/5⭐️

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 07.03.2025

Memoir einer mutigen jungen Frau

I'm Glad My Mom Died
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Jennette ist 6, als ihre Mutter sie zum ersten Schauspiel-Casting bringt. Ihre Tochter soll es einmal besser haben als sie selbst.
Von nun an tut sie alles, um aus ihrer Tochter einen Star zu machen.
Dabei ...

Jennette ist 6, als ihre Mutter sie zum ersten Schauspiel-Casting bringt. Ihre Tochter soll es einmal besser haben als sie selbst.
Von nun an tut sie alles, um aus ihrer Tochter einen Star zu machen.
Dabei nimmt sie keine Rücksicht auf Jennettes Gefühle, Träume und Gesundheit.

Viele kennen Jennette McCurdy als Sam aus der Nickelodeon-Serie “iCarly”. Auch ich habe sie damals gern gesehen und war Fan der eigensinnigen Sam. Umso erschrockener war ich, als ich Jahre später erfahren musste, dass “Sam” nie freiwillig vor der Kamera stand und welchen Leidensweg die junge Jennette damals schon hinter sich hatte.
In ihrem Memoir “I'm Glad My Mom Died” erzählt sie von ihrer toxischen Beziehung zu ihrer Mutter, die ohne Rücksicht auf Verluste einen Star aus ihrer Tochter machen wollte - was ihr eigener Traum war, nicht der Jennettes.
Die Erzählung ist unglaublich erschütternd. Obwohl der Ton sehr humorvoll und locker klingt, ist der Inhalt wirklich keine leichte Kost. Ich musste mir öfter bewusst machen, dass dies keine Fiktion, sondern eine Biografie ist.
Aus kindlicher Perspektive berichtet Jennette wie toll sich ihre Mum um sie kümmert, was sie alles für ihre Karriere opfert - als erwachsener Leserin hat man leider mehr Wissen und einen anderen Blick auf die Handlung. Genau diesen Unterschied zwischen damaliger und jetziger Wahrnehmung bringt sie gut auf den Punkt. Interessant ist auch zu verfolgen, wie Jennette nach und nach bewusst wird, dass ihr eigenes Glück nie Priorität hatte, sondern immer nur das ihrer Mum. Und wie schwierig es für sie war/ ist, sich selbst vorne anzustellen.
Es macht auch deutlich, welchen Einfluss emotionaler und körperlicher Missbrauch auf Kinder hat, welche psychischen Krankheiten sie noch jahrelang verfolgen und wie schwierig es ist, alte Muster zu durchbrechen, selbst wenn der/ die Peinigerin keinen direkten Einfluss mehr hat.

Oft habe ich als Kritik gelesen, dass dies ja ein sehr einseitiger Bericht sei, die kindliche Wahrnehmung selektiv und die Mutter nicht mehr befragt werden kann, um das Geschriebene zu verifizieren. Aber wie wäre es denn, wenn wir einfach mal Opfern Glauben schenkten? Und ja, es ist ein einseitiger Bericht, aber das hat eine Biografie oft so an sich. Schließlich möchte Jennette ihre Mutter nicht vor Gericht verurteilen, sondern einfach ihre Geschichte und ihren Weg der Heilung erzählen. Und das ist ihr gelungen. Ich bewundere ihren Mut, ihre Ehrlichkeit und ihren Umgang damit und hoffe, sie ist heute da, wo sie sein möchte. ⭐️5/5⭐️

Übersetzt von Henriette Zeltner-Shane und Sylvia Bieker

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Veröffentlicht am 20.02.2025

Literarischer Whodunit-Krimi

Der Gott des Waldes
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August 1975: Ein Mädchen verschwindet aus dem Feriencamp.
Und nicht irgendeines: Es ist Barbara Van Laar, deren Bruder Bear vor vierzehn Jahren im selben Wald verschollen ist und bis heute nicht gefunden ...

August 1975: Ein Mädchen verschwindet aus dem Feriencamp.
Und nicht irgendeines: Es ist Barbara Van Laar, deren Bruder Bear vor vierzehn Jahren im selben Wald verschollen ist und bis heute nicht gefunden wurde.
Ein schrecklicher Zufall? Hat es jemand auf die Van Laars abgesehen? Oder haben sie am Ende selbst etwas damit zu tun?

Mit “Der Gott des Waldes” beweist Liz Moore die Vereinbarkeit von einem klassischen Kriminalfall mit Gesellschaftskritik, demonstriert, dass Spannung nicht an reißerische Floskeln und brutales Blutvergießen gebunden sein muss, sondern auch literarisch hochwertig erzeugt werden kann und dass viele Einzelschicksale eine gemeinsame Geschichte erzählen können.

Aufgrund der hohen Personenzahl fällt der Einstieg zunächst etwas schwer, später zeigt sich jedoch, dass genau diese eine der großen Stärken des Romans ausmacht: Liz Moore beleuchtet die Biografien so vieler Figuren, haucht ihnen Leben ein, gibt ihnen Stimmen und erzeugt auf diese Weise mehrere Nebenstränge, die fast genauso spannend sind wie die Aufklärung der Vermisstenfälle. Nach und nach setzen sich die einzelnen Bilder wie Puzzleteile zusammen und ergeben ein großes Ganzes.

Moore versetzt uns nicht nur mitten in die Wildnis, sondern auch in eine atmosphärische Ferienlagerjugend, mit allem was dazugehört: Schauergeschichten am Lagerfeuer, Freundschaften, erste Liebeleien, Wahrheit-oder-Pflicht-Abende.
Wir werden aber auch Gäste von High-Society-Feiern, beobachten dabei, welche Intrigen und Vertuschungen sich zwischen Glanz, Glamour und Drinks abspielen und was der Preis für Erfolg und Ansehen ist.
Außerdem verfolgen wir den Werdegang einer jungen Ermittlerin in den 70ern, die sich nicht von Sexismus und Misogynie unterkriegen lässt und willensstark ihren Weg bestreitet.

Die Aufklärung der beiden Vermisstenfälle ist das Kernstück des Buches. Um das volle Ausmaß zu verstehen, wird der Zeitraum zwischen 1950 und 1975 aus wechselnden Perspektiven beleuchtet.
Die Autorin setzt dabei geschickt platzierte Fallen, lässt bis zum Schluss jeden verdächtig wirken, bis sie dann mit einer unerwarteten Auflösung überrascht, bei der man seinen inneren Detektiv anzweifelt und sich fragt, wie man alle Hinweise darauf übersehen konnte.

“Der Gott des Waldes” ist also ein klassischer “Whodunit”-Krimi, bedient sich aber auch an Elementen des Gesellschaftsromans und kann qualitativ mit Werken von Donna Tartt und Stephen King mithalten. ⭐️5/5⭐️

*Übersetzt von Cornelius Hartz


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Veröffentlicht am 20.12.2024

Große Literatur

Die geheime Geschichte
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Nachdem ich die ersten Sätze der “Geheimen Geschichte” gelesen hatte, wurde mir eins bewusst: Das hier ist wirklich gute Literatur.
Und das hat sich auch auf den folgenden 700 Seiten als richtig erwiesen.
Es ...

Nachdem ich die ersten Sätze der “Geheimen Geschichte” gelesen hatte, wurde mir eins bewusst: Das hier ist wirklich gute Literatur.
Und das hat sich auch auf den folgenden 700 Seiten als richtig erwiesen.
Es ist kaum zu glauben, dass dies Donna Tartts Debütroman ist und sie ihre Werkzeuge schon so früh so gut einzusetzen wusste. Der Schreibstil ist geistreich und anspruchsvoll, ohne dabei hochgestochen zu wirken.
Nicht nur aufgrund des gewaltigen Seitenumfangs kann man komplett in den Roman abtauchen, sondern auch durch die detaillierten Beschreibungen der Charaktere, welche so authentisch wirken, dass man das Gefühl hat, man kenne diese Personen wirklich, sei ein Teil dieser intimen Gruppe. Und doch wird man immer wieder überrascht, denn wie im realen Leben sind die Handlungen der Figuren teilweise unberechenbar.
“Die geheime Geschichte” beschäftigt sich in der ersten Hälfte damit, wie es zu dem im Prolog erwähnten Mord kommen konnte, in der zweiten Hälfte, was der Mord für Auswirkungen auf die Gruppe hat. Die Tat selbst wird nicht beschrieben, Tarrt verschont ihre Leserinnen mit blutigen Details.
Der Roman zeigt auf, wie Gruppendynamiken verlaufen können, wie schnell man zum Mittäter wird. Welche Verführungskraft Macht und Geld haben und wie leicht wir uns manipulieren lassen von Leuten, die uns wichtig sind.

Wer langsame, unterschwellig spannende Romane mit Fokus auf Charakterentwicklung mag und wer sich gerne komplett auf eine fiktive Geschichte einlassen möchte, sodass er danach erstmal wieder in der Realität ankommen muss, der wird in diesem Buch ein Meisterwerk finden.
Für alle anderen könnte es aufgrund des Detailreichtums und der Ausschweifungen langweilig sein. Ich gehöre glücklicherweise zu ersteren. ⭐️5/5⭐️

Übersetzt von Rainer Schmidt

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Veröffentlicht am 20.12.2024

Lobeshymne an die Sprache

Babel
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Mit “Babel” hat R. F. Kuang vor allem eins geschaffen: ein Loblied an die Sprache. Und: wie wichtig gute Übersetzerinnen sind. Schon in den ersten 30 Seiten zeigt sie durch eine Szene am Hafen eindrücklich, ...

Mit “Babel” hat R. F. Kuang vor allem eins geschaffen: ein Loblied an die Sprache. Und: wie wichtig gute Übersetzerinnen sind. Schon in den ersten 30 Seiten zeigt sie durch eine Szene am Hafen eindrücklich, welche Macht jemand hat, der mehrere Sprachen spricht und zwischen diesen vermittelt.
In ihrem Werk gibt sie dieser Fähigkeit einen materiellen Wert, denn die Student
innen in Babel erlernen die Fähigkeit, Wörter in Silberbarren einzugravieren und so Magie zu erschaffen. Dabei bewirkt der Silberbarren genau das, was die Differenz der beiden Wörter - auf den ersten Blick eine genaue Übersetzung - ausmacht; das, was nicht übersetzt werden kann.
Und so gelangt England nicht nur an viel Geld, sondern auch an Macht. Denn die Silberbarren werden inzwischen in allen Bereichen eingesetzt, von der Schifffahrt, über das Militär bis hin zu alltäglichen Geschäften.
Als reichte diese Idee allein nicht, um einen Roman zu füllen, gibt Kuang ihm aber auch noch eine politische Note: denn Kolonialismus, Rassismus und die Unterdrückung der Frau spielen eine ebenso große Rolle und sind entscheidend für den Verlauf der Handlung.
Positiv erwähnen möchte ich das Vorwort, das ausdrücklich erwähnt, welche Fakten nicht historisch korrekt dargestellt wurden (bis auf die Magie nicht viel) und vor allem die ausführlichen Fußnoten. Diese erwähnen alles, was nicht mehr in die Erzählung hineingepasst hat oder ordnen etwas historisch ein.
Ich empfehle dieses unglaublich kluge Buch allen, die sich für Sprache und Übersetzungen interessieren, auch wenn sie sonst kein Fantasy lesen - denn bis auf die Tatsache, dass Kuang Worten neben dem ideellen einen materiellen Wert gibt, liest es sich wie ein historischer Roman über eine Revolution.
Außerdem sollte es nach “Babel” wohl keine Diskussionen mehr darüber geben, ob man Bücher (und Texte im Allgemeinen) KI-generiert übersetzen lassen kann. ⭐️5/5⭐️

*Großartig ins Deutsche übersetzt von Heide Franck und Alexandra Jordan

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