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Veröffentlicht am 24.02.2025

Schattenwelt

Die Wächterin von Köln
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Spätmittelalter in Köln: Elsbeths Weg führt sie schon als Sechzehnjährige ins Bordell, Jahre später findet man ihren Halbbruder aufgeknüpft an einem Baum. Glücklicherweise hat sie sich in der Zwischenzeit ...

Spätmittelalter in Köln: Elsbeths Weg führt sie schon als Sechzehnjährige ins Bordell, Jahre später findet man ihren Halbbruder aufgeknüpft an einem Baum. Glücklicherweise hat sie sich in der Zwischenzeit ein Netz in der Schattenwelt aufgebaut und kann dem Todesfall nachgehen, der eindeutig Mord und kein Freitod ist.

Spannend geht es zu in den Jahren 1396 bis 1423, zwischen denen die Handlung munter hin- und herspringt. Elsbeth wandelt sich vom vermeintlich tumben Mädchen zur gewieften Bordellmutter, wobei sie größten Wert darauf legt, dass es bei ihr anständig und sauber zugeht. Als ihr die Nachricht vom Tod des Bruders zugeht, nützt sie all ihre Seilschaften, um Licht ins Dunkel zu bringen. Dabei steht allerdings weniger die Aufklärung eines Kriminalfalles im Mittelpunkt, sondern eher Elsbeths Leben selbst und die Umstände des Freudenhauses zur damaligen Zeit. Höchst lebendig und akribisch recherchiert tun sich hier alte Zeiten auf, in welchen man wohl eher nicht gelebt haben möchte. Armut, Hunger, Prügel stehen an der Tagesordnung, selbst die Machthabenden nützen ihre Position oft genug nur zu ihrem eigenen Vorteil aus und lassen es an Fürsorge für ihre Untergebenen mangeln. Geschickt versteht es Elsbeth dennoch, mit einem Geben und Nehmen vertrauenswürdige Freundschaften aufzubauen und sich und ihre Frauen um Hurenhaus bestmöglich zu beschützen.

Mit ihrem fesselnden Schreibstil und überaus bildhaften Beschreibungen versetzt einen Petra Schier in eine brutale Welt des Spätmittelalters, in welche man für einige Stunden tief eintauchen kann. Ihre Charaktere hat der Leser rasch vor seinem geistigen Auge, ja sogar Geräusche und Gerüche vermeint man zwischen den Zeilen zu verspüren. Für die vielen Figuren im Roman gibt es glücklicherweise ein übersichtliches Verzeichnis zu Beginn, am Ende noch ein informatives Nachwort, das außerdem Lust weckt auf weitere Romane der Autorin mit einigen nun bekannten Personen.

Mir haben sowohl die geheimen Intrigen als auch die Welt im Freudenhaus großen Spaß bereitet beim Lesen, die Szenen sind höchst ausgewogen gehalten, auch was die Zeitsprünge innerhalb der etwa dreißig Jahre betrifft. Daher empfehle ich die Wächterin nun sehr gerne weiter.

Veröffentlicht am 22.02.2025

Fräulein Doktor

Wer aus dem Schatten tritt
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Renate Schwarz ist mit Leidenschaft Ärztin im Allgemeinen Krankenhaus Ochsenzoll, einer Psychiatrischen Klinik in Hamburg. Aber das ist als junge Frau (Fräulein Doktor!) gar nicht so einfach im Jahre 1958, ...

Renate Schwarz ist mit Leidenschaft Ärztin im Allgemeinen Krankenhaus Ochsenzoll, einer Psychiatrischen Klinik in Hamburg. Aber das ist als junge Frau (Fräulein Doktor!) gar nicht so einfach im Jahre 1958, insbesondere, wenn man den Kollegen im Erdgeschoss gegen sich hat und erst recht nicht, wenn der leitende Oberarzt einen loswerden will (kindle, Pos, 3392). Wie Renate mit den Anfeindungen umgeht, welche Romanze sich entspinnt und warum auch noch ein Stück weit eines Krimis mit hereinspielt, das erzählt Melanie Metzenthin auf brillante Weise in diesem wunderbaren Roman.

Erst geht es eher gemächlich dahin, erfahren wir von Renates Lebenslauf und ihren ersten Tagen in Ochsenzoll, dennoch spürt man gleich die Begeisterung der Ärztin für ihren Beruf und das große Fachwissen der Autorin, welche selbst Psychiaterin und Psychotherapeutin ist. Wer also anfangs meint, es handle sich vielleicht um einen oberflächlichen Roman mit einer piepsigen Dame als Hauptperson, der irrt gewaltig. Denn schnell stellt sich heraus, dass dieses Buch eine ganze Reihe von interessanten historisch belegten Details bereithält und ein phantastisches Bild seiner Zeit zeichnet. Dabei blickt Metzenthin tief hinter die Kulissen und beschreibt die einzelnen Szenen so bildhaft und realistisch, dass man sich ganz leicht verlieren kann im Geschehen und die 28 Kapitel in einem Rutsch hintereinander durchlesen möchte, ohne auf die Uhr zu sehen oder sich durch seine Umgebung ablenken zu lassen. Egal, ob es sich um das damalige Frauenbild handelt, als Mutter und am Herd, die Nachwirkungen des Nationalsozialismus oder eine aufkeimende Liebe, ja sogar um einen Kriminalfall – Melanie Metzenthin beherrscht ihr Metier und verknüpft alle Facetten dieses vielseitigen Romans perfekt zu einem lesenswerten Ganzen, das durch seine Lebendigkeit punktet. Die Charaktere sind derart lebhaft gezeichnet, dass man sich fast vor einer Leinwand wähnt, auf der dieser unterhaltsame Film abläuft. Während einige Figuren fest am Patriarchat festhalten, wenden sich andere der Zukunft zu und begegnen Frauen auf Augenhöhe, nicht zuletzt trägt Renate selbst dazu bei, sich ihren Platz zu erobern. Wenn sie demnächst ins Licht tritt, bin ich auf jeden Fall wieder mit dabei!

Dieses Buch hat mich mit seiner Themenvielfalt und mit Metzenthins feinfühliger Schreibart so begeistert, dass ich „Im Lautlosen“ und „Die Stimmlosen“ sofort auf meine Wunschliste setze. Uneingeschränkte Leseempfehlung!


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Veröffentlicht am 20.02.2025

In der Forstau

Wintertöchter Trilogie
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Anna ist vierundsechzig und erinnert sich an ihr Leben in der Forstau, nahe Radstadt in Salzburg. Wehmütig schreibt sie auf, wie sie mit ihrer Mutter Marie am Julianenhof aufgewachsen ist und von klein ...

Anna ist vierundsechzig und erinnert sich an ihr Leben in der Forstau, nahe Radstadt in Salzburg. Wehmütig schreibt sie auf, wie sie mit ihrer Mutter Marie am Julianenhof aufgewachsen ist und von klein auf mitgeholfen hat bei der Almwirtschaft, weit weg vom Dorf und dessen Bewohnern. Ihre besondere Gabe, Dinge zu sehen, welche anderen verborgen bleiben, begleitet sie von Geburt an und bringt nicht nur Positives, sondern auch eine Menge an Schwierigkeiten mit sich, auch wenn Tante Barbara Erklärungen liefert. In drei überaus bewegenden Teilen dürfen wir Annas Geschichte mitverfolgen und teilhaben an aufwühlenden Ereignissen.

In der wunderschönen Forstau spielt sich der Großteil der Handlung ab und führt uns weit zurück ins Jahr 1940, in dem am Dreikönigstag Anna das Licht der Welt erblickt. In einer gelungenen Abwechslung aus tagebuchähnlichen Erinnerungen und einer romanhaften Erzählung sind wir hautnah dabei, wie sich dunkle Wolken über dem Tennengebirge zusammenbrauen und einen Schatten werfen auf Annas Schicksal, das geprägt ist von Niederlagen und Rückschlägen. Mit ihrer bildhaften und detailreichen Schreibweise fesselt Mignon Kleinbek ihre Leser von der ersten Seite an, zuweilen stockt einem der Atem, was Marie und Anna an Bürde zu tragen haben. Die Liebe zur Natur und die Ruhe auf der Alm können nur zum Teil ausgleichen, was das Leben für Mutter und Tochter vorgesehen hat. Mit eindringlichen Worten bringt die Autorin eine sehr berührende Geschichte zu Papier, die sich über viele Jahrzehnte spannt, bis hin ins Jahr 2004. Dabei bleibt die Spannung auf hohem Niveau, die gesamte Trilogie extrem kurzweilig. Wer anfangs im dritten Band meint, der große Zeitensprung kopple die Ereignisse zu stark ab vom bisherigen Geschehen, der wird bald eines Besseren belehrt und begegnet einigen Überraschungen, die das Ende dieser schönen Trilogie bereithält. Allerlei Interessantes über Kräuterkunde, besondere Sinnesempfindungen, Ausgrenzung von Menschen, die auf irgendeine Art „anders“ sind, fließt nach gewissenhafter Recherche in die drei Bücher ein, die Kulisse der abgelegenen Bauernhöfe passt bestens zur Atmosphäre, welche überwiegend vorherrscht. Wer Lust hat, kann auch heute noch zu jeder Jahreszeit auf Annas Spuren wandeln, im Nachwort werden Originalschauplätze genannt.

Wer sich einlassen kann auf ein entbehrungsreiches Leben am Berg, wer Einklang sucht bei Tieren und in der Natur, daraus Zuversicht und Überlebenswillen schöpfen kann, wer malerische Eindrücke von Österreichs Bergwelt schätzt, tief verschneite Winterlandschaften und anstrengende Sommer als Senner auf der Alm, darüber hinaus eine überwältigende Familiensaga mit ungewöhnlichen „Gaben“ sucht, der ist mit der Wintertöchtertrilogie von Mignon Kleinbek bestens beraten. Ich empfehle diese drei Bücher (in einem Band) jedenfalls sehr gerne weiter!


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Veröffentlicht am 11.02.2025

Mord in Mayerling

Der Fotograf der Kaiserin
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Wir schreiben das Jahr 1882 am kaiserlichen Hof in Wien. Sisi kasteit sich beim Essen und raucht ohne Unterlass, sie und ihr Gemahl Kaiser Franz Joseph haben einander ohnehin schon lange nichts mehr zu ...

Wir schreiben das Jahr 1882 am kaiserlichen Hof in Wien. Sisi kasteit sich beim Essen und raucht ohne Unterlass, sie und ihr Gemahl Kaiser Franz Joseph haben einander ohnehin schon lange nichts mehr zu sagen. Als auf den Schauspieler und Geliebten von Schwager Erzherzog Ludwig ein Mordanschlag verübt wird, ist ausgerechnet Hoffotograf Viktor Angerer zugegen und gerät, gemeinsam mit Kammerdienerin Liesel, in aufregende Ermittlungen zwischen Gendarmerie und militärischer Geheimpolizei.

Wortgewandt und humorvoll erzählt Tom Sacher, wie es bei Hofe zugeht, nachdem bereits im Prolog ein schrecklicher Mordfall im schönen Mayerling passiert. (Achtung - es handelt sich nicht um den allseits bekannten Anschlag!) Rasch muss Gendarmerie-Major Vösenhuber eine Entscheidung bezüglich der Tatortfotografie treffen – und schon ist Angerer mitten im Geschehen. Dazu gesellt sich, vorerst getarnt als seine Assistentin, die gewitzte Kammerdienerin Liesel, welche, aufgrund ihres Unvermögens zu schreiben und zu lesen, einen Brief der Kaiserin Sisi an Schwager Ludwig, innerhalb der Familie gerne Luziwuzi genannt, überbringen sollte.

Die Figuren im Roman sind blendend beschrieben, der Humor und die Ironie des vielseitigen Schriftstellers dürfen auch diesmal nicht fehlen, um den dramatischen Geschehnissen ein gewisses Maß an Pfiffigkeit zu verleihen. Um die Authentizität zu gewährleisten, werden Liesel zuweilen bayerische, der Schauspielerin Mina Pick jiddische Begriffe in den Mund gelegt. Etliche historische Figuren werden wieder zum Leben erweckt und mit Eigenschaften ausgestattet, welche zum Teil belegt sind, zum Teil auf Gerüchten beruhen. Jedenfalls wirkt alles höchst lebendig und bestens vorstellbar, sodass man sich selbst mitten in den Wirren rund um den Mordanschlag und anderen üblen Taten wähnt. Die komplizierten Beziehungen zwischen den einzelnen Figuren wecken nicht nur beim Leser Zweifel, auch Angerer und Liesel wissen mitunter nicht, wem sie trauen können und wer auf feindlicher Seite agiert. So überschlagen sich besonders in der zweiten Romanhälfte die Ereignisse und lassen der bauernschlauen Kammerdienerin kaum Zeit zum Atmen, während der Fotograf einer falschen Fährte zum Opfer fällt. Halt, nicht zu viel verraten, diese spannende Geschichte muss man selber lesen!

P.S.: Da nicht immer ein schlauer Kater mit von der Partie sein kann, wird Ludwig begleitet von seiner Hundedame Fifi, einer polnischen Rassehündin, welche über eine großartige Menschenkenntnis verfügt. Ohne sie wäre der Roman nicht vollständig.

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Veröffentlicht am 08.02.2025

Parallelen

Das Dinner – Alle am Tisch sind gute Freunde. Oder?
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Nach fünf Jahren treffen einander Jonathan, Lotta, Hanna, Kiano und Tristan in einem abgelegenen Spitzenrestaurant in der Eifel wieder. Nur Maria fehlt, sie ist während der letzten gemeinsamen Veranstaltung ...

Nach fünf Jahren treffen einander Jonathan, Lotta, Hanna, Kiano und Tristan in einem abgelegenen Spitzenrestaurant in der Eifel wieder. Nur Maria fehlt, sie ist während der letzten gemeinsamen Veranstaltung spurlos verschwunden. Das geplante Krimi-Dinner führt schon kurze Zeit später in ein Desaster, denn mehrere Teilnehmer erkennen frappierende Parallelen zu dem Abend am Musikfestival, seit dem Maria nicht mehr unter ihnen weilt. Ist sie tatsächlich freiwillig abgereist oder ist sie ermordet worden? Sitzt gar der Mörder mitten Im Saal? Schnell ist klar, dass jeder hier ein Motiv gehabt hätte.

Ein spannendes Szenario bietet sich dem Leser, da nicht nur die fünf Freunde im aktuellen Geschehen eine tragische Vergangenheit verbindet, sondern auch sechs fiktive Rollen im Spiel auftauchen, die für einen unterhaltsamen Krimi-Abend sorgen sollen. Die Ähnlichkeiten zwischen Realität und Spiel rufen Misstrauen und Unruhe hervor, die Stimmung im Luxusrestaurant verdüstert sich zunehmend. Emily Rudolf versteht es, ausgesuchte Personen aufeinandertreffen zu lassen, die Geheimnisse hüten und womöglich durch Alkohol und Drogen nur getrübte Erinnerungen haben an das, was fünf Jahre zuvor geschehen sein mag. Kann man überhaupt einem von ihnen trauen? Ist Maria tatsächlich tot? Schließlich hat man nie eine Leiche gefunden.

Die abwechselnde Schilderung des Krimidinners mit neuen Charakteren aus dem Rollenspiel und des verregneten Zeltfestes damals lässt über manche Langatmigkeit im Mittelteil hinwegsehen. Überraschende Details, die immer wieder auftauchen und durch die unterschiedlichen Blickwinkel der einzelnen Freunde dargestellt werden, spornen an, stets noch ein Kapitel weiterzulesen, die Sogwirkung kann man nicht leugnen. Der flotte Schreibstil tut ein Übriges, den Leser an die Seiten zu fesseln. Überzeugt schon die laufende Handlung an sich, so bietet das Ende dann noch einmal eine Steigerung, diese verblüffende, kaltschnäuzige Wendung habe ich nicht erwartet. Perfekt auf den Punkt gebracht!

Ein interessanter Thriller mit durch Drogen vernebelten Erinnerungen und vielfältigen Motiven, denen man nachspüren kann, auch die Atmosphäre in allen Ebenen ist bestens getroffen. Ich hatte großen Spaß beim Lesen und empfehle dieses mehrgängige Menü gerne weiter.


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