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Veröffentlicht am 06.03.2025

Hier geht es nicht nur um Mord

Die Schanze
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Nach der Trennung von ihrem Freund kehrt Ellen in ihr Heimatdorf in den Alpen zurück. Sie hat dort die Arztpraxis übernommen; will jetzt in der Nähe ihrer Familie wohnen. Als junges Mädchen hat sie das ...

Nach der Trennung von ihrem Freund kehrt Ellen in ihr Heimatdorf in den Alpen zurück. Sie hat dort die Arztpraxis übernommen; will jetzt in der Nähe ihrer Familie wohnen. Als junges Mädchen hat sie das kleine Dorf fluchtartig verlassen müssen. Was war der Grund dafür?
Gleich am ersten Tag in ihrer Heimat wurde sie mit einem Verbrechen konfrontiert. Beim Joggen erblickt sie einen Mann mit einem Seil um den Hals an der Skischanze hängen und gerät in Panik. Denn sie kennt den Mann und befürchtet unter Mordverdacht zu geraten.

Im Prolog schildert der Autor detailreich den Tathergang und verrät vieles über den Täter, jedoch ohne seine Identität preiszugeben. Eins ist sofort klar; es wird nicht seine letzte Tat sein.

Das Mordopfer wurde von dem pensionierten Polizisten Karl Haußer gefunden, der den grausamen Fund sofort als „ein Schrei, ein verzweifeltes Haschen nach Aufmerksamkeit“ deutet. (118) Weiß Haßler mehr als er zugeben will?
Viele Fragen wirft Ellens panisches Verhalten auf. Was ist vor Jahren in dem Ort passiert? Wovor hat Ellen Angst? Was könnte sie mit dem Verbrechen zu tun haben?

Die Spannung ist sehr groß, die Atmosphäre unheimlich, grauenhaft. Lars Menz versteht es, dies gekonnt zu vermitteln; in einer bildhaften, lebendigen Sprache erzählt er die düstere Geschichte.

Ellens Ängste und Zwänge, ihr oft krankhaftes Benehmen; all das geht tief unter die Haut. Aus ihrer Erinnerungsfetzen entstehen nach und nach Bilder der tragischen Ereignisse in der Vergangenheit. Dieser Teil des Thrillers, in dem viele neue Akteure erscheinen, zieht sich etwas in die Länge, wirkt mit den vielen Personen und den Nebengeschichten bisschen überladen.
Doch zum Schluss überschlagen sich die Ereignisse, und obwohl manches davon vorhersehbar war, braucht man hierfür starke Nerven.

Fazit: ein spannender, gut zu lesender Thriller. Ein gelungener Debütroman von Lars Menz.

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Veröffentlicht am 21.02.2025

Ein Mokka für Genießer

Tod im Piemont - Trüffel, Nougat und Barolo
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Ein Toter am Sacro Monte die Ghiffa, einem Wallfahrtsort, beunruhigt die Bewohner des Bergdorfes Corazzo. Während die einem von einer Blasphemie sprechen, verstecken sich die anderen hinter einer Mauer ...

Ein Toter am Sacro Monte die Ghiffa, einem Wallfahrtsort, beunruhigt die Bewohner des Bergdorfes Corazzo. Während die einem von einer Blasphemie sprechen, verstecken sich die anderen hinter einer Mauer des Schweigens.
Sofia Dalmasso, die ein kleines Café in Corazzo betreibt, hat ein schlechtes Gewissen. Denn vor zwei Tagen hat sie dem Opfer ihren berühmten Mokka serviert und in dem Kaffeesatz das Zeichen des Todes erkannt. Als versierte Kaffeesatzleserin und Zukunftsdeuterin fühlt sie sich schuldig, den jungen Mann nicht ausdrücklich gewarnt zu haben. Deswegen entscheidet sie selbst in der Sache zu ermitteln.

Die junge Cafébesitzerin Sofia ist in dem kleinen Ort Corazzo sehr beliebt. Das gemütliche Café ist nicht nur ein Touristenmagnet. Dort treffen sich tagtäglich mehrere Bewohner des Dorfes, um viel Zeit miteinander zu verbringen. Man genießt Sofias Koch- und Backkünste, trinkt gerne Kaffee oder den guten Barolo und plaudert gerne miteinander.
Als Leserin habe ich diese familiäre Atmosphäre sehr genossen. Die italienische Idylle wurde von der Autorin durch die wunderschönen Beschreibungen der Gegend gekonnt untermalt.

Doch trotz der perfekten Dolce Vita Atmosphäre geht es in dem Roman definitiv um einen Mord, der unbedingt geklärt werden muss. Sowohl der attraktive Commissario Allessandro Ranieri, der gerne bei Sofia einen Doppio trinkt, wie auch die tüchtige Sofia selbst, ermitteln – jeder auf seine Art und Weise - in allen Richtungen. Beide entdecken Spuren, die zu einem tödlichen Unfall führen, der sich vor 20 Jahren in der Gegend ereignet hat. Sofia versucht die Dorfbewohner auszuhorchen, entdeckt dabei streng gehütete Geheimnisse und gerät selbst in tödliche Gefahr.

Ich fand den stimmungsvollen und gleichzeitig spannenden Krimi sehr unterhaltsam. Das gut zu lesende Buch hat mich wunderbar an den Ort des Geschehens entführen können. Gerne würde ich weitere Bücher mit den sympathischen Protagonisten des Romans lesen.
Ich empfehle den Cosy-Krimi von Anna Merati als eine kurzweilige Lektüre, die dem Leser ein wunderbares Urlaubsfeeling vermittelt.

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Veröffentlicht am 11.01.2025

Gute Unterhaltung!

Yallah, Mord!
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Erschrocken stellt Bülent Ceylan während seiner letzten Show fest, dass er Hasan nicht mehr spielen kann. Denn Hasan ist spurlos verschwunden und wurde schon bald als Hauptverdächtiger in einem Mordfall ...

Erschrocken stellt Bülent Ceylan während seiner letzten Show fest, dass er Hasan nicht mehr spielen kann. Denn Hasan ist spurlos verschwunden und wurde schon bald als Hauptverdächtiger in einem Mordfall polizeilich gesucht. Das Mordopfer, der Besitzer einer Kühlhalle in Mannheim, Lasse Hoppsen, wurde ermordet und aufgehängt in einem Kühlschrank gefunden.
Als Bülent dann noch anonyme Briefe mit mysteriösen Botschaften bekommt, steht seine Entscheidung fest: er wurde selbst ermitteln und nach dem verschwundenen Hasan suchen.

Eine gelungene Mischung aus Verbrechen und Komödie bietet Bülent Ceylan in seinem ersten Kriminalroman. Die Handlung ist spannend und die Hinweise zum Mordfall regen zum Miträtseln an. Es ist aber nicht leicht dem wahren Täter auf die Spur zu kommen, denn Bülent Ceylan überrascht den Leser mit den einzigartigen Charakteren seines Romans und den ungewöhnlichen Handlungsszenen.
Manche davon sind schön witzig; ich musste dabei oft schmunzeln. Für eine Krimikomödie jedoch kam für mich der Humor insgesamt zu kurz, ich habe mehr davon erwartet.
Sehr interessant fand ich die Exkursionen über Mannheim, die Stadt selbst und seine Bewohner. Um sich dabei nicht zu verlaufen 😉 findet man auf beiden Innenseiten des Buchcover die Pläne der im Buch erwähnten Stadtteile mit den gut markierten Schauplätzen der Handlung.
Das locker geschriebene Buch lässt sich leicht lesen. Der Krimifall wurde zum Schluss aufgeklärt, der Mörder gefasst. Da es sich bei „Yallah, Mord!“ um eine Krimikomödie handelt, sollte man die Ermittlungen in dem Fall nicht zu ernst nehmen. Der Roman bietet einfach gute Unterhaltung!

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Veröffentlicht am 28.12.2024

Interessante Geschichte eines Posthotels

Hotel in den Wolken
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In dem vergessenen Hotel in den Schweizer Bergen checkt schon seit langem keiner mehr ein. Es steht verlassen da, obwohl der Ort von den Ski-Touristen gerne besucht wird. Auch Maike aus Hamburg verbringt ...

In dem vergessenen Hotel in den Schweizer Bergen checkt schon seit langem keiner mehr ein. Es steht verlassen da, obwohl der Ort von den Ski-Touristen gerne besucht wird. Auch Maike aus Hamburg verbringt ihren Winterurlaub immer im Skiparadies Sumbriva. Als sie überraschend erfährt, dass das verlassene Hotel als Erbschaft ihrer Familie zusteht, versucht sie so viel wie möglich über das Hotel und seine Geschichte zu erfahren.

In dem Roman erzählt Mara Konrad die ganze Geschichte in zwei Zeitebenen abwechselnd. In der Gegenwart erfährt Maike bei den Nachforschungen immer mehr über die Entstehung und die Entwicklung des alten Posthotels aus dem 19. Jahrhundert. Sie entdeckt alte Dokumente und Nachweise, die belegen, wie aus dem einfachen Hotel für die Postkutscher und Durchreisende eine glänzende Bleibe für vermögende und prominente Gäste entstand.
Die Tagebücher der Schriftstellerin und Bergwanderin Jane erzählen über die vergangene Epoche. Jane, die mit ihrem Mann gerne ihre Urlaubstage in Sumbriva Hotel verbrachte, verband tiefe Freundschaft mit dem Hotelbesitzer Flo Fernsby. Und nur sie kannte sein Geheimnis, das er vor der ganzen Welt verborgen hielt.
Sehr spannend fand ich vor allem die Teile des Romans über die Vergangenheit. Sowohl die Erzählungen über den Hotelalltag, über seine Gäste und nicht zuletzt über den perfekten Hotelier Flo Fernsby, alle in einer bildhaften Sprache erfasst, sorgen fürs Kopfkino. Flos persönliche dramatische Lebensgeschichte weckt viele Emotionen. Auch sehr interessant sind die Anmerkungen über die Gepflogenheiten der Epoche, über die Rolle der Frau in der Gesellschaft und die damals herrschende Bestimmungen.
Ich habe den Roman mit großem Interesse gelesen und empfehle ihn gerne weiter.

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Veröffentlicht am 18.11.2024

Spannende Unterhaltung

Schneesturm
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Cara freut sich auf das Treffen mit ihren alten Freunden aus den Jugendjahren. Manche von ihnen haben die Insel Inishmore vor Jahren verlassen und kehren jetzt zurück, um den Todestag von Cillian, Caras ...

Cara freut sich auf das Treffen mit ihren alten Freunden aus den Jugendjahren. Manche von ihnen haben die Insel Inishmore vor Jahren verlassen und kehren jetzt zurück, um den Todestag von Cillian, Caras Mann, zu gedenken.
Kurz vor dem Treffen erhält Cara, die einzige Inselpolizistin, die Nachricht über den Fund einer Leiche. Da zu der Zeit ein heftiger Schneesturm die kleine Felseninsel vom Rest der Welt abgeschnitten hat, muss Cara allein den Fall versuchen zu lösen. Eins ist auf jeden Fall von Anfang an klar: der Mörder befindet sich immer noch auf der Insel. Wem kann Cara vertrauen?

Sehr unterhaltsam ist der Thriller vom Triona Walsh. Spektakulär wirkt der im Prolog beschriebene Tathergang. Außergewöhnlich fand ich auch die bedrohliche Atmosphäre in dem kleinen Cottage, in dem sich Caras Freunde treffen, um gemeinsam um ihren vor zehn Jahren verunglückten Freund zu trauern.
Im Verlauf der Handlung wird es klar, dass manche von den damaligen Freunden einiges verschweigen, Ängste und Emotionen bestimmen jetzt ihr Verhalten. Und langsam stellt sich die Frage, ob man einander noch trauen kann, ob sie wirklich immer noch Freunde sind.
Dank der einfachen, lebendigen Sprache ist der Thriller leicht zu lesen. Die Spannung bleibt konstant, der Mordfall wird zum Schluss sauber gelöst.
Ich habe den Thriller gerne gelesen und empfehle ihn als gute Unterhaltung für zwischendurch.

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