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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.03.2017

wunderbarer Roman, sehr bewegend

Ein fauler Gott
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Ben ist geschockt, sein kleiner Bruder Jonas, mit dem er noch kurz zuvor schwimmen war ist nun tot. Der faule Gott hat ihn zu sich geholt. Ben ist 11. Er versucht irgendwie zu verstehen und über den Tod ...

Ben ist geschockt, sein kleiner Bruder Jonas, mit dem er noch kurz zuvor schwimmen war ist nun tot. Der faule Gott hat ihn zu sich geholt. Ben ist 11. Er versucht irgendwie zu verstehen und über den Tod seines Bruders hinwegzukommen. Neue Freunde helfen ihm dabei. Seine Mutter Ruth kann es nicht, der Vater ist lange fort. Ruth versinkt täglich mehr in Verzweiflung und Lethargie. Sie sieht keinen Ausweg mehr.

Dieser Roman hat mich von der ersten Seite an gebannt und sehr berührt. Man erlebt die Trauer und wie sie verarbeitet wird auf zwei ganz unterschiedliche Arten. Mutter und Sohn erzählen aus ihrer Sich. Beide konnte ich gut nachvollziehen und mich in deren jeweilige Situation hineinversetzten. Es waren die kleinen Dinge, die mich furchtbar traurig gemacht haben. Bens Gedankengänge sind zugleich kindlich naiv und doch sehr erwachsen. Er schafft wahnsinnig schöne Bilder über Seelen und Gott, in denen er versucht sich den Tod zu erklären. Immer wieder wird die Handlung aufgelockert durch die unweigerlich komischen und humorvollen Situationen, die durch die Denkweise des kleinen Jungen entstehen. Ich bin sehr froh dieses Buch entdeckt zu haben. Ein wahrer Schatz im Bücherregal!

Veröffentlicht am 22.03.2017

so eine Beziehung wünscht man sich

Unsere Seelen bei Nacht
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Eines Tages steht die 70 Jährige Addie bei dem alten Louis mit einem recht heiklen (zumindest was die Ansicht der anderen Dorfbewohner angeht) Ansinnen vor der Tür. Beide sind sie verwitwet, beide seit ...

Eines Tages steht die 70 Jährige Addie bei dem alten Louis mit einem recht heiklen (zumindest was die Ansicht der anderen Dorfbewohner angeht) Ansinnen vor der Tür. Beide sind sie verwitwet, beide seit vielen Jahren einsam und beide können sie nachts deshalb nicht schlafen. Warum also nicht einfach gemeinsam ein Bett teilen, sich besser kennen lernen und einfach reden bis die Augen zufallen? Die zwei wagen das Experiment und erfahren ganz neu was Nähe bedeutet. Noch eine dritte Person durchbricht die Einsamkeit. Addies Enkel Jamie wird von seinen Eltern dank Trennungsstreit kurzerhand zu seiner Großmutter ausquartiert und lernt dort wieder zu vertrauen.

Dieser kurze Roman hat mich sehr berührt. Es ist eigentlich ein ganz einfacher Gedanke der sich zu etwas viel Größerem entwickelt. Die Charaktere leben auf und entwickeln sich weiter. Man erfährt einiges aus ihren früheren Beziehungen und den Familien. Und obwohl der Roman sehr ruhig erzählt wird und oftmals von den kleinen Dingen berichtet, ist man doch gefesselt. Trotz des ungewöhnlichen Schreibstiles und der fehlenden Anführungszeichen in den Dialogen, konnte ich nach ein paar Seiten gut in die Geschichte hineinfinden und den Gesprächen folgen. Sie wirkten so noch unmittelbarer auf mich.
Einfach wunderschön und wirklich lesenswert.

Veröffentlicht am 26.06.2025

Sommer in Rom

Teddy
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Frisch verheiratet zieht Teddy mit ihrem Mann 1969 nach Rom. Er arbeitet in der amerikanischen Botschaft und Teddy erhofft sich durch ihn in den gehobenen Kreisen Roms Fuß zu fassen, glamourös zu shoppen ...

Frisch verheiratet zieht Teddy mit ihrem Mann 1969 nach Rom. Er arbeitet in der amerikanischen Botschaft und Teddy erhofft sich durch ihn in den gehobenen Kreisen Roms Fuß zu fassen, glamourös zu shoppen und auf den beliebtesten Partys zu tanzen. Doch Teddy ist nicht gerade die perfekte Ehefrau und lässt ihre Pflichten gerne links liegen. Bis sie eines Tages in eine kompromittierende Lage gerät und alles daran setzt ihr Leben von nun an besser auf die Reihe zu bekommen.

Teddy ist ein wirklich stimmungsvoller und atmosphärischer Roman! Ich habe die Vibes, die Hitze Roms und die Partylaune praktisch gespürt und könnte mir dieses Buch auch richtig gut als Film vorstellen. Von Teddy als Protagonistin kann man halten was man möchte - sie ist ein bisschen naiv und nicht sehr verantwortungsbewusst. Kein klassischer Charakter mit dem man sich identifizieren würde, aber das hat es irgendwie auch spannend gemacht. Teddy entwickelt sich und versucht sich langsam aus den Zwängen ihrer Ehe und der Familie zu befreien und für sich einzustehen.
Auch der Schreibstil hat es mir leicht gemacht - sehr flüssig, nicht zu ernst und durch eine Interview Situation auch wirklich spannend konstruiert.

Fazit: Atmosphärischer Sommerroman mit Tiefgang. Klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 21.02.2025

macht Spaß

P. S. I Hate You – Auf dem schmalen Grat zwischen Hass und Liebe
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Das Buch hat so Spaß gemacht und ich hatte ein bisschen "Email für dich" - Vibes.
Naomi und Luca sind seit der 5. Klasse in eine erbitterte Brief "Feindschaft" verwickelt und werfen sich die fiesesten ...

Das Buch hat so Spaß gemacht und ich hatte ein bisschen "Email für dich" - Vibes.
Naomi und Luca sind seit der 5. Klasse in eine erbitterte Brief "Feindschaft" verwickelt und werfen sich die fiesesten Sachen schriftlich an den Kopf. Getroffen haben sie sich nie, aber natürlich knistert es schon ein bisschen ;).
Ich fands herrlich. Die beiden haben so einen fiesen Schlagabtausch, dass es schon wieder komisch ist. Der Schreibstil ist humorvoll, leicht und ziemlich frech. Wir wechseln immer wieder zwischen Vergangenheit und Gegenwart und können so die Entwicklung der Charaktere schön miterleben. Lucas Gemeinheiten beruhen vor allem auf einem kindlichen Schmerz, den man gut nachvollziehen kann. Naomi ist nicht nur mit Brieffreund Luca in Kontakt, sondern lernt auch ihren Nachbarn Jake immer besser kennen und ich finde diese Begegnungen sehr schön ausgearbeitet. Beide Charaktere sind unheimlich sympathisch und ergänzen sich wunderbar. Eine erfrischende RomCom fürs Wochenende!

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Veröffentlicht am 13.02.2025

positiv überrascht

Middletide – Was die Gezeiten verbergen
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Für Elijah fühlt es sich wie Scheitern an, als er nach Jahren in seine verschlafene Heimatstadt Point Orchard zurückkehrt. Ausgezogen, um einen Bestseller zu schreiben, hat er nach all den Jahren nur ein ...

Für Elijah fühlt es sich wie Scheitern an, als er nach Jahren in seine verschlafene Heimatstadt Point Orchard zurückkehrt. Ausgezogen, um einen Bestseller zu schreiben, hat er nach all den Jahren nur ein geflopptes Buch vorzuweisen. Seine Jugendliebe Nakita hat er damals verlassen um seinen großen Träumen hinterherzujagen und bereut es nun. Langsam versucht sich Elijah wieder in die Gemeinschaft einzufinden und auch Nakita näher zu kommen. Doch ein Verbrechen in der sonst so beschaulichen Kleinstadt rückt Elijah in den Fokus der Ermittlungen.

Middletide hat mich positiv überrascht. Sarah Crouch hat mich mit ihrer unaufgeregten und gleichzeitig aber sehr feinfühligen Erzählweise beeindruckt. Protagonist Elijah ist nicht immer ein sympathischer Charakter, aber er entwickelt eine tiefe Verbundenheit zur Natur und seiner Heimat und die konnte man auf jeder Seite spüren.
Der Kriminalfall selbst nimmt weniger Raum ein, als ich zunächst vermutet habe. Er ist eher eine Randbedingung und auch relativ schnell durchschaubar. Der Fokus liegt eher auf dem Beziehungsgeflecht und der Entwicklung der Charaktere, die zu dem Verbrechen geführt haben. Der Fall ist sehr geschickt in die Geschichte eingeflochten. Durch Zeitsprünge sind wir beim Lesen den Protagonisten immer einen Schritt voraus und erfahren die genauen Begebenheiten, die zum Ermittlungsstand geführt haben, dann immer erst in den folgenden Kapiteln.

Alles in allem ein ruhiger aber berührender Spannungsroman, der mir wirklich gut gefallen hat.

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