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Veröffentlicht am 08.05.2026

Erwartungen leider nicht erfüllt

Aus dem Ofen
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Diana Henry ist eine der beliebtesten britischen Food-Autorinnen. Ihre sämtlichen Kochbücher wurden mit Preisen ausgezeichnet. So auch „Aus dem Ofen“ („From the oven to the table“), das von fast allen ...

Diana Henry ist eine der beliebtesten britischen Food-Autorinnen. Ihre sämtlichen Kochbücher wurden mit Preisen ausgezeichnet. So auch „Aus dem Ofen“ („From the oven to the table“), das von fast allen namhaften Zeitschriften in Großbritannien als bestes Kochbuch des Jahres genannt wurde. Meine Neugier war geweckt, die Erwartungshaltung hoch, da ich ihre anderen Kochbücher sehr schätze.

Die Gliederung des Buches orientiert sich überwiegend an den Zutaten, die ersten beiden Kapitel sind Fleisch, Fisch, Wurst und Hähnchenschenkeln gewidmet, wobei diese aber auch bei den Gemüsegerichten zum Einsatz kommen. Es folgen Frühjahrs- und Sommer- sowie Herbst- und Wintergemüse. Danach Getreide und Hülsenfrüchte, Wochenende und besondere Anlässe und als Abschluss Desserts und Kuchen.

In der Praxis funktionieren die Rezepte, werden allerdings dem Untertitel „Einfache Gerichte schnell zubereitet“ leider nicht gerecht. Zum einen sind die Zutatenlisten ellenlang, zum anderen sind viele der benötigten Bestandteile, wie beispielsweise Nduja, eine italienische Rohwurst, weder im italienischen Feinkostladen noch im italienischen Supermarkt verfügbar. Hier sollte man auf die eigene Erfahrung zurückgreifen und beherzt nach einem Ersatz suchen, dann klappt es auch.

Die „schnelle Zubereitung“ bezieht sich anscheinend lediglich auf das Garen im Backofen, denn nicht nur bei den Gemüse- sondern auch bei den Fleischgerichten sollte man schon einiges an Zeit für die Vorbereitung mitbringen. Da muss geputzt, gewaschen, geschnippelt, vorgekocht und mariniert oder in relativ kurzen Abständen gewendet, gerührt und gerüttelt werden. Also nichts mit in den Ofen schieben und beim Signal des Timers zum Essen kommen.

Neben den Rezepten lebt ein Kochbuch auch von dem fotografischen Anschauungsmaterial, und das ist leider ist für mich das große Manko. Sehr viele Fotos wirken durch die dunkle Tönung wenig appetitanregend und verleiten nicht unbedingt zum Nachkochen. Man hat eher den Eindruck, dass hier Fleisch und/oder Gemüse im Backofen vergessen wurde und deshalb verbrannt ist.

Verglichen mit „Change your appetite“, „Simple“ und „Alle meine Hähnchen, den Kochbüchern der Autorin, die ich gerne und ausgiebig nutze, hat „Aus dem Ofen“ sein Versprechen nicht eingelöst und meine Erwartungen leider nicht erfüllt.

Veröffentlicht am 03.05.2026

Langatmige Mogelpackung

Home Before Dark
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Die „Mörderisches Island“ Reihe habe ich mit Ausnahme von Band 4 „Verlassen“ sehr gerne gelesen, und gerade deshalb hätte ich gewarnt sein sollen, denn genau das, was ich bei diesem kritisiert habe, treibt ...

Die „Mörderisches Island“ Reihe habe ich mit Ausnahme von Band 4 „Verlassen“ sehr gerne gelesen, und gerade deshalb hätte ich gewarnt sein sollen, denn genau das, was ich bei diesem kritisiert habe, treibt die Autorin in „Home Before Dark“ auf die Spitze.

Aber first things first. 1977, zehn Jahre sind vergangen, seit Kristin (Stina) spurlos verschwunden ist. Und noch immer leidet die Familie, insbesondere ihre Schwester Marsibil (Marsi), unter dem Verlust, insbesondere, da offenbar niemand, weder die Eltern noch die Polizei, großes Interesse daran hatte, diesem Vermisstenfall nachzugehen. Was ist damals geschehen? Und hat der geheimnisvolle Brieffreund Marsis, mit dem sie damals im Namen der Schwester, etwas mit dem Verschwinden dieser zu tun? Hat er sie während seines angekündigten Besuchs getötet? Diese Fragen stellt sich Marsi und lässt die damaligen Ereignisse während des Besuchs bei ihren Eltern Revue passieren. Marsibil und Kristin, 1977 und 1967, zwei Zeitebenen, zwei ich abwechselnde Perspektiven, die Licht ins Dunkel bringen sollen.

Gelabelt ist „Home Before Dark“ als Psychothriller, wird als „atemberaubender Nordic Noir“ bezeichnet, was natürlich hohe Erwartungen weckt. Aber leider werden diese nicht erfüllt. Anstelle eines Thrillers bekommt man das Porträt einer dysfunktionalen Familie, in der jede/r bemüht ist, die Realität auszublenden bzw. zu verleugnen. Über 300 Seiten nichtssagende Nabelschauen und Wiederholungen, durch die man sich durchquälen muss, in denen die Handlung auf der Stelle tritt, bevor das letzte Viertel an den Haaren herbeigezogenen Erklärungen gewidmet ist, die leider durch die Vielzahl unglaubwürdiger Twists ad absurdum geführt werden.

Fazit: Eine langatmige Mogelpackung, über weite Strecken ermüdend, die die Erwartungen nicht erfüllt und mit „Nordic Noir“ noch nicht einmal in Ansätzen etwas zu tun hat. Das Einzige, was gelungen ist, sind die Naturbeschreibungen, aber das ist definitiv zu wenig, als das man „Home Before Dark“ als gelungenen Thriller bezeichnen bzw. empfehlen könnte.

Veröffentlicht am 31.12.2025

Historie light

Lebensbande
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Mechtild Borrmann bleibt auch in „Lebensbande“ ihrem Stil und der zeitlichen Einordnung treu. Rund um den Zweiten Weltkrieg bis zu Beginn der neunziger Jahre lässt sie ihre Leserinnen an Leben, Lieben ...

Mechtild Borrmann bleibt auch in „Lebensbande“ ihrem Stil und der zeitlichen Einordnung treu. Rund um den Zweiten Weltkrieg bis zu Beginn der neunziger Jahre lässt sie ihre Leserinnen an Leben, Lieben und Leiden dreier Frauen - Lene, Lieselotte und Nora - teilhaben. Verbindendes Element sind hier die Tagebuch-Aufzeichnungen der ehemaligen Krankenschwester Nora. Und ja, da Borrmann das Buch für die weibliche Leserschaft geschrieben hat (man schaue sich nur das misslungene Cover an), darf natürlich auch eine zarte Lovestory nicht fehlen.

Im Zentrum stehen jedoch Lene und deren Sohn Leo, der nach Komplikationen bei der Geburt gehandicapt ist, bei Schuleintritt auf den Radar des NS-Regimes gerät und mit dem Stempel „unwertes Leben“ und „Reichsausschusskind“ versehen wird. Und wie mit diesen Kindern verfahren wurde, sollte uns allen bekannt sein. Zusätzlich zur Euthanasie packt die Autorin aber auch noch Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft, Einmarsch der Russen, Vergewaltigung, Verschleppung gen Osten in einen Gulag etc. in ihre Geschichte ein.

Allerdings werden die meisten dieser Themen nur en passant und mit abgeschliffenen Kanten angerissen. Das große Mank dieses Romans. Alles sehr oberflächlich, weichgespült und leicht lesbar. Aber wahrscheinlich war das die Intention der Autorin, um Schockeffekte für die Leserschaft zu vermeiden. Was allerdings auffallend ist, im persönlichen Umfeld der Protagonistinnen gab es keine Sympathisanten, keine Mitläufer, keine Funktionsträger, keinerlei Anhänger der NS-Ideologie. Sehr verwunderlich.

Eigentlich reicht es schon, wenn man nur den Klappentext liest, denn der Roman hat kaum mehr als diese Zusammenfassung zu bieten, ist nicht mehr als Historie light, und konnte meine Erwartungen noch nicht einmal in Ansätzen erfüllen. Sehr enttäuschend.

Veröffentlicht am 22.03.2025

Unter die Haut

Achtzehnter Stock
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Berliner Plattenbau, 18. Stock. Dort lebt die alleinerziehende Wanda mit ihrer fünfjährigen Tochter Karlie. Und dass sie dort eigentlich nicht hingehört, macht sie gleich am Anfang klar, denn eigentlich ...

Berliner Plattenbau, 18. Stock. Dort lebt die alleinerziehende Wanda mit ihrer fünfjährigen Tochter Karlie. Und dass sie dort eigentlich nicht hingehört, macht sie gleich am Anfang klar, denn eigentlich ist sie ja Schauspielerin, auch wenn sie bisher nur einen Werbespot für Waschmittel gedreht hat, und wäre in einer Vorstadtvilla wesentlich besser aufgehoben. Sie geht zwar regelmäßig zu Castings, aber es will einfach nicht klappen mit der großen Karriere. Das Leben ist so ungerecht.

Sara Gmuer gelingt es zweifellos, das Setting glaubwürdig zu zeichnen, auch wenn sie dabei bis zum Ellenbogen in die Klischeekiste greift. In der Platte sitzen alle, natürlich außer Wanda, im gleichen Boot. Sie helfen ihr, geben Ratschläge, übernehmen auch mal die Kinderbetreuung. Insbesondere Aylins Mama ist immer für Wanda da, wenn Hilfe gebraucht wird, auch wenn diese der Meinung ist, besser als alle ihrer Nachbarinnen zu sein und sich noch nicht einmal für deren Namen interessiert. Beachtet werden sie nur dann, wenn sie deren Hilfe benötigt.

Ihr merkt es, ich bin kein Fan von Wanda und ihrem Verhalten, das mir zutiefst zuwider ist. Diese gnadenlose Selbstüberschätzung, ihr egoistisches Benehmen und nicht zuletzt die Vernachlässigung ihrer kleinen Tochter, die sie in der Nacht allein in der Wohnung zurücklässt, um mit den Reichen und Schönen Party zu machen, fand ich hochgradig grenzwertig und eigentlich ein Fall für das Jugendamt.

Ja, mir ist dieser Roman unter die Haut gegangen, zumindest das hat die Autorin erreicht, aber gemocht habe ich ihn schon allein wegen der Protagonistin nicht. Wenn das ihr Ziel war, ist er gelungen. Wenn sie uns allerdings mit Lebenswelten konfrontieren wollte, die uns üblicherweise unbekannt sind, wäre eine feinere, weniger klischeehafte Zeichnung des Milieus hilfreich gewesen. Und den märchenhaften Schluss hätte sie sich dann auch gleich sparen können.

Veröffentlicht am 22.02.2025

„Leute, trinkt Wasser“ *Ironie aus*

What I eat in a day
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Ich bin grundsätzlich skeptisch, wenn mir Laien etwas von gesunder Ernährung erzählen wollen. Noch misstrauischer werde ich, wenn dies von Influencerinnen und/oder ContentCreatorinnen kommt. Tja, was soll ...

Ich bin grundsätzlich skeptisch, wenn mir Laien etwas von gesunder Ernährung erzählen wollen. Noch misstrauischer werde ich, wenn dies von Influencerinnen und/oder ContentCreatorinnen kommt. Tja, was soll ich sagen? Meine Vorurteile wurden wieder einmal bestätigt, denn der Fokus der Autorin liegt weniger auf gesunden Mahlzeiten als vielmehr auf solchen, die der Gewichtsreduktion dienen.

Bunte Bilder, in denen sich die Autorin mit knappen Oberteilen in Szene setzt, unzählige Seiten, die den Eindruck vermitteln sollen, dass hier ein Profi schreibt, aber unterm Strich nur Allgemeinplätze zum Thema wiederkäuen, die man schon tausendfach gehört hat. Und ein 14-Tage-Plan, bei dem man sich weitestgehend aus der Schüssel, pardon, der Bowl, ernährt. Und auch die weiteren „Mahlzeiten“ sind nichts Besonderes: Pastagerichte, Salate, Smoothies – sorry, aber dafür braucht selbst ein absoluter Kochanfänger keine Rezepte.

Für diejenigen, die sich, wenn auch nur ansatzweise schon einmal mit dem beschäftigt haben, was bei ihnen auf den Teller kommt, ist dieser „Ratgeber“ komplett überflüssig.