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Veröffentlicht am 23.04.2025

Die Hoffnung nach der Klimakatastrophe

Das Ende ist beruhigend
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Das Ende ist nah – und das ist dramatisch. Und so rein gar nicht „beruhigend“. Denn die Auswirkungen sind erheblich: Große Teile der Erde sind unbewohnbar, und auch die verbliebenen Landstriche sind von ...

Das Ende ist nah – und das ist dramatisch. Und so rein gar nicht „beruhigend“. Denn die Auswirkungen sind erheblich: Große Teile der Erde sind unbewohnbar, und auch die verbliebenen Landstriche sind von Dürre, Hitze und starken Winden geprägt. Und zu Un-Orten geworden, an denen nur noch lebt, wer dies eben muss. Und sich mit Shields, Luftfiltern und UV-Schutz gegenüber der feindlichen Außenwelt abschirmen kann.
Ganz anders ist es jedoch für die Residenz in Spes I, einem künstlich geschaffenen und bewirtschafteten Ort in Norditalien. Mit erstaunlicher Ruhe und Gelassenheit ertragen die handverlesenen Bewohnerinnen die Auswirkungen der weltweiten Klimakatastrophe und widmen sich unter den geschützten Bedingungen des Dorfes ganz ihren Talenten und Begabungen.
Auch Esther hat nun nicht nur die Zeit, sondern ist vor allem auch in der Stimmung und Gemütsverfassung, in Spes I ganz der Malerei nachzugehen. Ihre Bilder faszinieren die Menschen über alle Grenzen hinweg und üben einen Sog auf die Betrachter
innen aus, welchem sich diese nicht widersetzen können. Denn die großformatigen Sonnen vermitteln das, was der Menschheit schon lange abhandengekommen ist: Hoffnung.
Mit dem plötzlichen Weggang von Théa, Esthers Mitbewohnerin und engen Freundin, und dem Zuzug eines jungen Künstlerpaares aus Berlin entstehen jedoch Risse in dem vermeintlichen Paradies. Und deren Auswirkungen bekommt Esther direkt zu spüren. Als sie aufgrund einer großen und für ihr weiteres Schaffen bedeutenden Ausstellung Spes I verlassen muss, scheint die Katastrophe auch in ihrem Leben anzukommen. Wenn auch ganz anders als gedacht.
Mit „Das Ende ist beruhigend“ ist es Carla Kaspari gelungen, den Klimawandel und seine Auswirkungen auf den Geist und das Wesen des Einzelnen mit der Spannung und dem Nervenkitzel von Climate Thrillern zu verbinden. Das Ergebnis ist eine Geschichte, die ebenso fasziniert wie zum Nachdenken anregt. Und dabei Fragen und Verantwortlichkeiten offen lässt.

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Veröffentlicht am 08.03.2025

Ein Fluch, zwölf Tage und Nächte Liebe und Leid

Twelve of Nights – Das gestohlene Herz
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Wie ist eine fiese Wintererkältung nur noch halb so schlimm? Richtig, mit einem Roman, der so richtig schön ans Herz geht. Und in diesem Fall sogar von Herzen handelt. Herzen, die nicht mehr schlagen, ...

Wie ist eine fiese Wintererkältung nur noch halb so schlimm? Richtig, mit einem Roman, der so richtig schön ans Herz geht. Und in diesem Fall sogar von Herzen handelt. Herzen, die nicht mehr schlagen, obwohl Geist und Körper weiterleben. Herzen, die in Silvester wieder in Takt gebracht werden. Und Herzen, die sogar aus der Brust geschnitten werden.
Hört sich geheimnisvoll an? Ja, sehr! Ekelig? Nein, das nun wirklich nicht. Eher schön. Sehr schön. Denn es geht um die große Liebe. Die einzig wahre. Die, die unverhofft kommt und dann wie ein Blitz einschlägt. Und vor Sehnsucht verbrennt.
So ist es zumindest bei Ioanna und Daphne. Und alles könnte so wunderbar sein, wäre Ioanna nicht ein Kalikanzari. Ein Wesen, das mit einem Fluch belegt seine Gefühle, seine Menschlichkeit eingebüßt hat und nur zu den Raunächten wieder Emotionen empfinden kann. Und in eben dieser Zeit verlieben sich Ioanna und Daphne im wahrsten Sinne des Wortes unsterblich ineinander, bevor sie dann die restlichen Tage des Jahres getrennt voneinander verbringen müssen. Für die Kalikanzari bedeutet das, keine Gefühle und keinerlei Kontakt zu der Außenwelt zu haben. Die Menschen dagegen besitzen keinerlei Erinnerung mehr an die besagten zwölf Tage und Nächte. Und Daphne damit auch nicht an Ioanna.
Das wird tragisch, traurig, ein verzweifelter Kampf um die gemeinsame Liebe – erzählt aus zwei Perspektiven und in verschiedenen Zeitebenen. Und als ob das nicht schon Herzschmerz, fesselnd und schön genug wäre, stehlen auch Cover, geprägter Einband, Farbschnitt und Illustrationen einem das Herz.
Und das Gesamtpacket hat mir so wunderbare Lesestunden bereitet. Und den Viren und Bakterien sehr schnell den Gar aus gemacht.

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Raffiniertes Rätselraten mit Witz und doppeltem Boden

Wackelkontakt
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Ein Wackelkontakt, Kurzschluss oder einfach ein Schluckauf des Schicksals? Es ist geheimnisvoll, unerklärlich: Franz Escher ist Trauerredner, Puzzlefanatiker und ein eher durchschnittlicher, unauffälliger ...

Ein Wackelkontakt, Kurzschluss oder einfach ein Schluckauf des Schicksals? Es ist geheimnisvoll, unerklärlich: Franz Escher ist Trauerredner, Puzzlefanatiker und ein eher durchschnittlicher, unauffälliger Typ. Als großer Liebhaber von Mafiageschichten schmökert er sich durch das Leben des Kronzeugen Elio Russo. Und dann gibt es da Elio Russo selbst, der im Gefängnis sitzt, nachdem er gegen sämtliche Mafiagrößen ausgesagt hat. Und der mit dem Buch seines Zellengenossen die deutsche Sprache zu erlernen versucht, um sich so auf sein neues Leben weit weg von Italien vorzubereiten. Und dieses Buch handelt von Franz Escher, scheinbar dem Franz Escher.
Klingt verwirrend? Ist es nicht, eher verflochten, verstrickt und ineinander verwoben. Zwei Leben, die sich so miteinander verschränken. Scheinbar unabhängig, völlig losgelöst voneinander. Doch auch bei einem Wackelkontakt und Kurzschluss berühren sich die losen Ende, entzünden einen kräftigen Funken. Und eben diesen Funken arbeitet Wolf Haas nach und nach heraus, lässt so Aha-Momente und überraschende Wendungen entstehen und die Gedanken der Leser rotieren und sich ebenso in deren Köpfen umschlingen.
Das macht Spaß. Und lässt mich über die Seiten fliegen. Immer wieder mit kurzen Zwischenstopps, um mich zu sortieren, die Handlungsstränge auszubreiten, nachzuverfolgen. Und das bei sich steigender Frequenz im Wechsel, was der Geschichte zusätzlich Dynamik gibt. Sie nach vorne treibt. Doch das eine oder andere Ampere mehr hätte ich mir noch gewünscht, das Moment, das alles zum Leuchten bringt.

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Veröffentlicht am 22.02.2025

Kolonialismus und die Suche nach der eigenen Identität

Unentdeckt
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Unsere Ahnen lebendig halten – für jeden Menschen mag dies eine eigene Bedeutung, Inhalt und Dringlichkeit haben, ist mit der jeweiligen Kultur, Tradition und Religion verbunden. Für Gabriela Wiener ist ...

Unsere Ahnen lebendig halten – für jeden Menschen mag dies eine eigene Bedeutung, Inhalt und Dringlichkeit haben, ist mit der jeweiligen Kultur, Tradition und Religion verbunden. Für Gabriela Wiener ist es ein Zurückblicken auf ihre Familiengeschichte in Peru, auf ihren Ururgroßvater, welcher Beutekunst, tausende präkolumbianische Objekte – dingliche und lebendige Menschen – nach Europa gebracht hat. Diebesgut, gestohlen im Namen der Wissenschaft und für die Neugierde und den Voyeurismus seiner Bevölkerung.
Gabriela Wiener lebt mit dieser Vergangenheit, die tief in ihrem Geist und Körper eingeschrieben ist. Sie begibt sich auf Spurensuche. Selbst inzwischen in Spanien lebend, reist sie aus Anlass des Todes ihres Vaters zu ihrer Mutter nach Peru, begibt sich dort in Identitäten und Parallelen, welche über Raum und Zeit hinweg ihre Familie zu durchdringen scheinen. Das Doppelleben ihres Vaters mit zwei Beziehungen, Haushalten und Kindern erscheint dabei als eine Widerspiegelung des Lebens des Deutschlehrers Charles Wiener, des großen Abenteurers und Entdeckers, der Frau und Kind in Peru zurückgelassen hat.
Und auch Gabriela Wieners eigene Beziehungsgeschichte ist von Treulosigkeit und dem Priorisieren ihrer eigenen Bedürfnisse geprägt. Mit ihrem Mann lateinamerikanischer Herkunft und einer gebürtigen Spanierin in einer Lebens- und Hausgemeinschaft hat sie zahlreiche sexuelle Affairen und Seitensprünge und ist gequält von ihrer eigenen Untreue und Eifersucht in ihrer Partnerschaft. Ihre Suche nach Identität, Herkunft und Zugehörigkeit wird zu einer Belastung für alle Beteiligten und stellt das Beziehungsmodell zunehmend in Frage – sowie auch ihre Verwandtschaft mit Charles Wiener plötzlich nicht mehr gesichert scheint.
Gabriela Wieners autobiographischer Roman ist auch für ihre Leser*innen ein Reisen, Erfahren und Entdecken von Ungeahntem und Ungesagtem, von Schwere und Schrecken, von Dunklem in der Geschichte und Wegen aus dieser Schuld und Vergangenheit hinaus. Und sie ist ein Mahnen vor einer Überlegenheit und Vorherrschaft im Denken, dem Setzen von Normen und Werten und einem Eurozentrismus in der Begegnung von Menschen, Völkern und Kulturen.

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Veröffentlicht am 01.11.2024

Wie viel Leben verträgt die Liebe?

Okaye Tage
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Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt – Liebe kann eine Achterbahnfahrt sein. Sie kann Endorphine und ungeahnte Höhen bereithalten und einen dann wieder ins Bodenlose stürzen und alles um einen herum ...

Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt – Liebe kann eine Achterbahnfahrt sein. Sie kann Endorphine und ungeahnte Höhen bereithalten und einen dann wieder ins Bodenlose stürzen und alles um einen herum grau und farblos werden lassen. Und den einen Menschen zum Mittelpunkt der eigenen Welt machen.
So geschieht es Sam mit Luc und Luc mit Sam. Was mit einer Begegnung, einem flüchtigen Gespräch begann, findet nun nach über zehn Jahren seine überraschende Fortsetzung. Und wird sofort zu etwas ganz Großem, etwas, was Kopf, Herz und den Sommer in London einnimmt. Denn eines steht fest: Nach nur wenigen Monaten muss Sam die Stadt und damit auch Luc wieder verlassen. Und ihre Beziehung ist beendet. Ein kalter, sauberer Schnitt, so ist es geplant. So soll es für Sam sein.
Das Ultimatum vor Augen, verlieren sich Sam und Luc ganz ineinander und ihrem gemeinsamen Leben. Gehen gemeinsam über Grenzen, sind zügellos, trunken vor Liebe und Alkohol. Und sind mit dem Abschied voneinander mit einer Leere konfrontiert, die sich auch systematisch, mit Plan und Disziplin nicht füllen lässt. Und sie zu einem großen Schritt veranlasst.
Doch ist Liebe allein genug? Ist sie für ein gemeinsames Leben erprobt, belastbar? Trägt sie durch Kompromisse und über Herausforderungen, Schwierigkeiten hinweg?
Bei allem, was sie eint, so verschieden sind Sam und Luc – und so ist auch ihre Sicht auf sich, ihr Gemeinsames und das, was sie trennt. Wir als Leser*innen können eben diese Sichtweisen erleben, wird die Geschichte doch in einem Wechsel mal aus der einen, mal aus der anderen Perspektive erzählt. Ergibt dadurch ein Ganzes, füllt Leerstellen, gibt Klärung. Und vor allem hält es Spannung und Lesefreude durchgehend auf einem hohen Niveau – der Roman macht Spaß! Wenn auch die Handlung das eine oder andere Mal erwartbar scheint.

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