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Shilo_

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.03.2025

Eine Kindheit im japanischen Internierungslager

Ein halber Löffel Reis
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Als im sich Jahr 1943 Fosco Maraini und seine Frau Topazia in Japan weigern, Mussolinis faschistischen Marionettenstaat in Norditalien, genannt Rapubblica di Salò, anzuerkennen, werden sie mitsamt ihren ...

Als im sich Jahr 1943 Fosco Maraini und seine Frau Topazia in Japan weigern, Mussolinis faschistischen Marionettenstaat in Norditalien, genannt Rapubblica di Salò, anzuerkennen, werden sie mitsamt ihren Töchtern, darunter die 7-jährige Dacia, interniert. Hilflos ist die Familie den sadistischen japanischen Wachen ausgeliefert, die sich an den Nahrungsmitteln der Gefangenen bereichern. Da Kinder keine Lebensmittelzuteilung erhalten, müssen die Erwachsenen für sie von ihrem bereits karg bemessenen Reis jeweils einen halben Löffel abzweigen. Und so ernährt sich auch Dacia von ein paar Körnern täglich und von den Ameisen, die sie findet.
Erzählt wird diese Biografie aus der Sicht von Dacia. Und so erfährt der Leser von den Zuständen, unter denen die Familie zusammen mit 13 weiteren Inhaftierten zu leiden hat. Briefe und Pakete werden unterschlagen, Besuche nicht zugelassen. Vergehen, wie sich nach 9.00 h morgens einfach vor Schwäche hinzulegen, und sei es nur auf die Erde, wird, außer mit Stockschlägen, noch mit Rationalisierung der ohnehin schon rationalisierten Zuteilung geahndet. Und so bleiben Krankheiten wie Skorbut und Beriberi nicht aus.
Es ist eine harte Zeit für Dacia und ihre Familie. Und ich versprach mir spannende Memoiren. Doch während der Aufzeichnungen schwenkt die Autorin immer wieder zu ihren gegenwärtigen Gedanken ab, wie z.B. unter anderem in die NS-Zeit mit seiner Judenverfolgung und den KZ-Lagern. Dieses empfand ich als sehr störend, unterbrach es doch meinen Lesefluss erheblich. Das wäre meinem Empfinden nach am Ende des Buches angebrachter gewesen.
Die Erinnerungen von Dacia Maraini geben auch Einblick in eine für uns Europäer schwer nachzuvollziehende Mentalität, die sie jedoch verständlich zu Papier gebracht hat.
Leider konnte ich mich mit dem Buch und der Erzählerin einfach nicht anfreunden. Und so gelang es mir nicht, mich in sie hineinversetzen zu können. Wahrscheinlich waren meine Erwartungen nur zu hoch geschraubt.
3 Sterne.

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Ein spannendes Buch, jedoch vom Schreibstil her schwer zu lesen

Anna Göldin. Die letzte Hexe
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In diesem Buch geht es um Anna Göldin, die im Jahr 1782 in der Schweiz, als letzte Hexe in Europa, hingerichtet wird. Durch Folter gesteht sie, mit dem Teufel im Bund zu sein. Es ist die Geschichte über ...

In diesem Buch geht es um Anna Göldin, die im Jahr 1782 in der Schweiz, als letzte Hexe in Europa, hingerichtet wird. Durch Folter gesteht sie, mit dem Teufel im Bund zu sein. Es ist die Geschichte über eine außergewöhnliche und innerlich starke Frau.
Eigentlich ein spannendes und hochinteressantes Thema. Es ist eine ergreifende und fesselnde Lektüre, doch der anstrengende Schreibstil machte meine hohen Erwartungen schnell zunichte. Denn es war nie ganz offensichtlich, in welchem Zeitraum ich mich gerade bewegte. Scheinbar wahllos springt die Autorin durch die verschiedenen Zeiten. Und so war es immer ein Rätselraten, ob ich mich gerade im Präsens, im Perfekt oder gar im Plusquamperfekt befand. Dieses hat den Lesefluss erheblich getrübt. Ebenso wie die vielen heute nicht mehr üblichen Fremdwörter, die immer wieder ein flüssiges Lesen zunichtemachten.
Sieht man von diesen Kriterien ab, bleibt ein fesselnder Roman über eine vom Pech verfolgte und schließlich in Ungnade gefallene Magd. Ein Schicksal, das im Mittelalter nicht alleine stand.
3 Sterne

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Veröffentlicht am 27.02.2025

Familiengeschichte aus den 1960er Jahren

Frühjahrskollektion
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Lilos Idee ist es, Bademoden aus elastischem Gewebe für die reife Frau auf den Markt zu bringen. Auf einer Gala möchte sie diese der Presse und geladenen Gesten durch ihre Mannequins vorführen. Doch kurz ...

Lilos Idee ist es, Bademoden aus elastischem Gewebe für die reife Frau auf den Markt zu bringen. Auf einer Gala möchte sie diese der Presse und geladenen Gesten durch ihre Mannequins vorführen. Doch kurz vor der Präsentation wird sie mit der Vergangenheit konfrontiert.
Christine Koschmieder hat hier einen Roman geschrieben, der den Leser in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts eintauchen lässt. Es ist die Geschichte einer Familie, die plötzlich von ihrer Vergangenheit eingeholt wird. Lilo, ihr Mann Harry sowie die Tochter Reni sind davon betroffen.
Erzählt wird abwechselnd aus der Perspektive der einzelnen Protagonisten, die auch ihre Erinnerungen beschreibt. Dadurch erhielt ich eine breite Sichtweise.
Die Handlung enthält sehr viel Zeitgeschichte. Realhistorische Personen und Namen von Unternehmen sind in das Geschehen eingeflochten. Trotzdem fiel es mir schwer, mich mit den Charakteren anzufreunden, bzw. mich in sie hineinzuversetzen. Dazu wiesen mir die Personen zu viele Längen auf.
Trotz der Kritik ist ein interessantes Buch, das ich mit 3 Sternen bewerte.

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Auftakt der Krimi-Reihe mit Kajsa Coren

Der Junge, der Rache schwor
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Dieser erste Band der Krimi-Reihe um die norwegische Journalistin Kajsa Coren erzählt von ihrer Recherche zu Gewalt- und Missbrauchsfällen in den Kinderheimen. Dabei stößt sie auf einen Doppelmord, der ...

Dieser erste Band der Krimi-Reihe um die norwegische Journalistin Kajsa Coren erzählt von ihrer Recherche zu Gewalt- und Missbrauchsfällen in den Kinderheimen. Dabei stößt sie auf einen Doppelmord, der damit im Zusammenhang stehen könnte. Kaja beginnt zu recherchieren.
Erzählt wird die Geschichte aus Sicht der Journalistin sowie aus der des Täters. Dabei bleibt die Identität des Mörders jedoch bis zum Schluss im Dunkeln. Und so erfährt der Leser, was sich in den Heimen zugetragen hat.
Während ich durch seine Erzählungen Mitgefühl für den Delinquenten aufbrachte, konnte ich mich mit Kajsa nicht so richtig anfreunden. Einerseits ist sie die überlastete Mutter, die sich von ihrem Ehemann nicht anerkannt fühlt. Andererseits stürzt sie sich bis in die Nacht in ihr Berufsleben und die Familie bleibt im Hintergrund. Kein Wunder, dass es in ihrer Ehe kriselt.
Auch wenn dieser Roman an manchen Stellen etwas langatmig ist, nahm er im letzten Drittel dann an Fahrt auf. Es wurde spannend und interessant. Mit einem angenehmen und unterhaltsamen Schreibstil führt Trude Teige durch die Handlung.
Fazit:
Nachdem mich die beiden Bücher der Autorin "Als Großmutter im Regen tanzte" und "Und Großvater atmete mit den Wellen" begeistert und fasziniert hatten, hatte ich mir von diesem Buch wesentlich mehr erhofft. 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 15.02.2025

Ein Buch, dass nicht einfach so zwischendurch gelesen werden kann

Ginsterburg
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In diesem Buch begleitet der Leser die Einwohner der fiktiven Stadt Ginsterburg durch die Jahre 1935, 1940 und 1945. Die unterschiedlichen Einwohner versuchen 1935 sich mit der Herrschaft der Nazis zu ...

In diesem Buch begleitet der Leser die Einwohner der fiktiven Stadt Ginsterburg durch die Jahre 1935, 1940 und 1945. Die unterschiedlichen Einwohner versuchen 1935 sich mit der Herrschaft der Nazis zu arrangieren oder Profit daraus zu schlagen. Die Zeitsprünge in die Jahre 1940 und 1945 beschreiben die Entwicklung und Veränderung der Menschen. Die Juden sind 1945 geflohen oder haben sich durch Suizid der Deportation entzogen. Profiteure sind Nutznießer. Kritische Stimmen existieren nicht mehr, entweder sie schweigen oder haben die Seiten gewechselt. Und 1945, der Untergang des Städtchens.
Der Autor hat hier ein Gesellschaftsporträt kurz nach dem Beginn bis zum Ende des dritten Reiches entworfen, das zeitweise sehr anstrengend und anspruchsvoll zu lesen ist. Denn es wird eine sehr hohe Konzentration verlangt, da Szenen und Perspektivenwechsel bei den vielen Protagonisten teilweise zu Verwirrung führten und ich einige Male nachschlagen musste, wer denn nochmals wer ist.
Leider konnte mich dieses Buch nicht ganz überzeugen. Die Protagonisten kamen auf mich flach herüber und so konnte ich zu ihnen keinen Zugang finden. Auch war es schwer, mich mit der Schreibweise des Autoren anfreunden. Für meinen Geschmack war er an einigen Stellen einfach viel zu weitschweifig.
Mein Fazit:
Ein Roman, der im Augenblick hochaktuelle Probleme aufzeigt. Mich konnte jedoch die Umsetzung nicht ganz überzeugen, da meiner Meinung nach mehr Potential in dieser Lektüre gewesen wäre.
3 Sterne.

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