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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.06.2025

Ein Neuanfang mit Hindernissen

Meerblick auf vier Pfoten
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"Meerblick auf vier Pfoten" ist eine leichte, sommerliche Lektüre mit einem angenehmen, flüssigen Schreibstil, der es leicht macht, in die Geschichte einzutauchen. Die Erzählweise ist zugänglich und sorgt ...

"Meerblick auf vier Pfoten" ist eine leichte, sommerliche Lektüre mit einem angenehmen, flüssigen Schreibstil, der es leicht macht, in die Geschichte einzutauchen. Die Erzählweise ist zugänglich und sorgt dafür, dass man sich schnell in der norddeutschen Küstenkulisse zurechtfindet.

Im Mittelpunkt steht Merle, die nach einer schweren Zeit versucht, neu anzufangen. Ihre Figur hat mich emotional berührt – ihr Schmerz, ihre Unsicherheit und ihre inneren Konflikte waren greifbar. Doch gleichzeitig ließ sie mich oft ratlos zurück. Besonders ihre Verschlossenheit gegenüber jenen, die ihr nur Gutes wollten, hat mich zunehmend frustriert. Menschen wie Edda, die ihr trotz langer Funkstille, Vertrauen und Raum schenken, begegnet sie mit einer Distanziertheit, die schwer nachvollziehbar ist. Natürlich kann man verstehen, dass sie sich für vergangene Entscheidungen schämt, aber die Tatsache, dass sie ihre Trennung und ihren Neuanfang nicht offen aussprechen konnte, nahm der Geschichte an Authentizität.

Auch die Handlung selbst war stellenweise überladen. Die Geschichte ist gespickt mit dramatischen Wendungen: Von Bränden und schweren Unwettern bis hin zu persönlichen Rückschlägen ist alles dabei. Diese wirkten in der Summe etwas konstruiert. Weniger wäre hier vielleicht mehr gewesen, um den emotionalen Momenten mehr Tiefe und Raum zu geben.

Irritierend fand ich auch, wie selbstverständlich Merle auf Eddas Hof Veränderungen einführt, ohne dass eine vorherige Annäherung oder ein wachsendes Vertrauen zwischen den beiden Frauen aufgebaut wurde. Es fehlte an emotionaler Verbindung und nachvollziehbarer Entwicklung ihrer Beziehung. Ich hätte mir hier mehr Feingefühl in der Darstellung ihrer Wiederannäherung gewünscht.

Positiv hervorheben möchte ich jedoch, dass Merle trotz aller Schwierigkeiten versucht, ihren Traum zu verwirklichen. Ihre Entschlossenheit, sich ein neues Leben aufzubauen, zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman und gibt der Geschichte Hoffnung. Die Liebesgeschichte mit Jonas war vorhersehbar, aber liebevoll erzählt. Besonders Merles innere Zerrissenheit in Bezug auf Nähe und Vertrauen wurde hier glaubhaft dargestellt.

Insgesamt ist "Meerblick auf vier Pfoten" ein angenehmes Buch für Zwischendurch, das mit Leichtigkeit erzählt wird, aber an einigen Stellen emotional und erzählerisch mehr Tiefe vertragen hätte. Wer eine ruhige Geschichte mit einem Hauch Romantik, einem tierischen Begleiter und einer Prise Drama sucht, wird hier auf jeden Fall fündig.

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Veröffentlicht am 09.06.2025

Große Ideen, wenig Tiefe: Eine Zukunft voller Konflikte

Die Schatten der Solaren Union
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Die Schatten der Solaren Union präsentiert sich als ambitionierter Sci-Fi-Politthriller, der mit einer spannenden Grundidee aufwartet: Machtkämpfe zwischen politischen Lagern, skrupellose Konzerne, persönliche ...

Die Schatten der Solaren Union präsentiert sich als ambitionierter Sci-Fi-Politthriller, der mit einer spannenden Grundidee aufwartet: Machtkämpfe zwischen politischen Lagern, skrupellose Konzerne, persönliche Identitätskrisen und gesellschaftliche Umbrüche im Jahr 2256. Doch leider bleibt die Umsetzung hinter den Erwartungen zurück und dem Thriller gelingt es nicht, sein Potenzial voll auszuschöpfen.

Bereits der Einstieg in die Geschichte gestaltet sich schwierig. Ohne Prolog oder erklärenden Rahmen wird man abrupt in einen komplexen Wahlkampf geworfen, begleitet von einer Flut an Namen, Figuren und Handlungssträngen. Die zahlreichen Perspektivwechsel, oft sogar innerhalb eines Kapitels und ohne klare Abgrenzung, erschweren es, eine emotionale Verbindung zu den Charakteren aufzubauen. Stattdessen bleibt vieles an der Oberfläche und wirkt überfrachtet. Die Figuren, seien es PolitikerInnen, UnternehmerInnen oder AktivistInnen, wirken oft wie FunktionsträgerInnen, nicht wie Menschen mit Tiefe.

Besonders enttäuschend ist, dass die eigentliche Science-Fiction-Welt kaum greifbar wird. Die Handlung spielt auf verschiedenen Planeten des Sonnensystems, doch es fehlt an geografischer oder atmosphärischer Beschreibung. Wie leben die Menschen dort? Wie wurde die Besiedelung technisch möglich gemacht? Diese Fragen bleiben unbeantwortet. Das Potenzial einer faszinierenden Zukunftswelt wird verschenkt. Selbst am Ende, wo im Anhang einige Informationen zu Parteien und Figuren geliefert werden, hätte ich mir zumindest eine kurze Beschreibungen der Planeten oder technologischer Entwicklungen gewünscht.

Auch gesellschaftlich wirkt das Buch erstaunlich rückständig: Homophobie und restriktive KI-Gesetze bestimmen den Alltag, ohne dass diese Zustände sinnvoll begründet oder kritisch eingeordnet werden. So wirken manche Elemente eher wie Relikte der Gegenwart statt visionäre Gedankenspiele einer fernen Zukunft. Für mich bleibt ein verwirrendes Weltbild zurück, dass die Chance verpasst, Zukunft durchdacht zu gestalten.

Trotz dieser Kritikpunkte lässt sich das Potenzial der Geschichte nicht leugnen. Die Grundkonflikte sind interessant und hätten mit mehr Tiefgang, stärkerem Weltenbau und klarerer Struktur durchaus zu einem packenden Thriller werden können.

Insgesamt ist es ein ambitioniertes Buch, das für mich überladen scheint und Luft nach oben hat. Eventuell lesenswert Fans mit Geduld und der Hoffnung, dass im zweiten Teil die fehlenden Lücken geschlossen werden.

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Liebe, Freundschaft und Verlust – Ein Roman voller emotionaler Schwere

Rückkehr nach Budapest
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Rückkehr nach Budapest von Nikoletta Kiss erzählt eine Geschichte, die von Anfang an von einer bedrückenden Atmosphäre durchzogen ist. Das Cover suggeriert eine Leichtigkeit, die sich im Inhalt jedoch ...

Rückkehr nach Budapest von Nikoletta Kiss erzählt eine Geschichte, die von Anfang an von einer bedrückenden Atmosphäre durchzogen ist. Das Cover suggeriert eine Leichtigkeit, die sich im Inhalt jedoch nicht widerspiegelt – vielmehr lastet über dem gesamten Roman eine emotionale Schwere, die sich bis zum Ende nicht auflöst.

Die Handlung dreht sich um Márta, die in einer Beziehung mit András lebt, aber während eines Besuchs bei ihrer Cousine Theresa in Ostberlin den jungen Schriftsteller Konstantin kennenlernt. Während Theresa sich körperlich zu Konstantin hingezogen fühlt, entwickelt Márta eine tiefgehende emotionale Verbindung zu ihm, die in intensiven Gesprächen und Briefen fortgeführt wird. Ihr innerer Konflikt zwischen Vernunft und Begehren, zwischen Loyalität und eigenen Wünschen, ist greifbar und schwer zu ertragen. Ich hoffte als Leserin auf einen Moment der Befreiung, eine emotionale Auflösung, doch dieser blieb aus.

Die Dreiecksbeziehung zwischen Márta, Theresa und Konstantin prägt den gesamten Roman – und genau darin liegt für mich auch eine der größten Schwächen. Die Fixierung der Protagonistinnen auf Konstantin nimmt so viel Raum ein, dass ihre eigene Entwicklung und ihr individuelles Schicksal oft in den Hintergrund rücken. Besonders störend empfand ich die Art, wie Márta und Theresa sich gegenseitig manipulieren und hintergehen, was die Beziehung zwischen den beiden immer weiter vergiftet. Dadurch fiel es mir schwer, wirklich mit ihnen mitzufühlen.

Positiv hervorzuheben sind die historischen Einblicke in das sozialistische Ungarn und die DDR, die interessante Hintergründe bieten, aber leider nicht die Tiefe erhalten, die sie verdient hätten. Ich hätte mir hier mehr Raum für die politischen und gesellschaftlichen Umstände gewünscht, anstatt dass die Handlung sich fast ausschließlich um das Liebesdreieck dreht.

Insgesamt ist Rückkehr nach Budapest ein Roman, der eine dichte, melancholische Atmosphäre schafft und mit emotionalen Konflikten arbeitet, die einen nicht loslassen – allerdings nicht immer auf angenehme Weise. Die permanente Schwere, die über der Geschichte liegt, wird nie wirklich aufgelöst, sodass ein bedrückendes Gefühl bleibt. Wer gerne tiefgründige, von innerer Zerrissenheit geprägte Geschichten liest, könnte hier dennoch fündig werden. Mich persönlich hat der Roman jedoch nicht ganz überzeugt und wird vermutlich nicht lange in Erinnerung bleiben.

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Veröffentlicht am 02.01.2025

Vielversprechender Auftakt, doch am Ende fehlt die Tiefe

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
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"Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben" von Anika Decker beginnt mit einer Leichtigkeit, die den Leser sofort in die Geschichte hineinzieht. Humorvoll, charmant und mit einem modernen ...

"Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben" von Anika Decker beginnt mit einer Leichtigkeit, die den Leser sofort in die Geschichte hineinzieht. Humorvoll, charmant und mit einem modernen Schreibstil versehen, verspricht der Auftakt ein kurzweiliges und unterhaltsames Leseerlebnis. Leider kann das Buch diesen anfänglichen Charme nicht über die gesamte Länge aufrechterhalten.

Besonders gelungen fand ich zu Beginn die Perspektivwechsel, die die Handlung zunächst frisch und spannend erscheinen ließen. Vor allem Lenas Sicht hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Doch je mehr Protagonistenperspektiven und Themenfelder eingeführt wurden, desto mehr verlor sich der Fokus der Erzählung und die emotionale Bindung zur Hauptfigur. Hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen - sei es durch eine stärkere Konzentration auf die Schwestern oder auf das Liebespaar.

Als enttäuschend fand ich, dass die sich entwickelnden Konflikte, insbesondere die Zerrissenheit der Protagonistin zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und den eigenen Gefühlen zwar angedeutet, aber nie wirklich greifbar gemacht wurden. Hierbei fehlten die leisen Zwischentöne, die inneren Monologe, die uns tiefer in Ninas Gedanken- und Gefühlswelt hätten eintauchen lassen.

Ein weiterer Schwachpunkt lag in der oberflächlichen Art, mit der zentrale Themen behandelt wurden. Insgesamt blieben viele Themen nur am Rande gestreift, vor allem die angesprochene Doppelmoral in Beziehungen hätte noch stärker in den Vordergrund gerückt werden können. Es ist nach wie vor ein gesellschaftliches Faktum, dass Frauen mit jüngeren Männern kritischer gesehen werden, während es für Männer gesellschaftlich akzeptiert zu sein scheint, sich jüngere Partnerinnen zu suchen. Diese Dynamik wird zwar angerissen, aber im Zusammenhang mit Ninas Familie und Kindern, vor allem im Kontext der neuen Partnerin des Ex-Mannes, nie vertieft.

Positiv hervorzuheben ist der Ansatz, Tabus wie die Menopause zu beleuchten. Leider wird aber auch dieses Thema nur oberflächlich gestreift, anstatt hier mutig in die Tiefe zu gehen. Schade, denn gerade hier hätte das Buch mit mehr Substanz und der veränderten Sexualität von Frauen punkten können.

Leider wirkt das Finale der Geschichte hastig komprimiert und zu einem klischeehaften Ende gebracht. Die Vielzahl an Konflikten und Themen, die vorher lange aufgebaut wurden, werden auf wenigen Seiten schnell und meiner Meinung nach nicht überzeugend abgehandelt.

Trotzdem möchte ich anerkennen, dass die Autorin sich an Themen wagt, die selten behandelt werden. Allein der Ansatz, Tabus wie die Menopause oder die gesellschaftliche Doppelmoral zu thematisieren, ist mutig und verdient Respekt. Auch die leichten, humorvollen Momente im Buch haben ihren Charme und sorgen dafür, dass die Geschichte insgesamt angenehm zu lesen bleibt.

Alles in allem ist „Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben“ ein Roman mit viel Potenzial, das jedoch nicht vollständig ausgeschöpft wurde. Es bleibt eine nette Lektüre für zwischendurch, die unterhaltsam ist, aber keine bleibenden Eindrücke hinterlässt.

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Veröffentlicht am 01.12.2024

Ein faszinierender Tauchgang in die Tiefsee – mit kleinen Wellen der Kritik

Leuchten am Meeresgrund
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Das Buch "Leuchten am Meeresgrund" von Brad Fox besticht sofort durch sein kunstvoll gestaltetes Cover, auf dem Zeichnungen von Else Bostelmann zu sehen sind. Diese Illustrationen passen nicht nur hervorragend ...

Das Buch "Leuchten am Meeresgrund" von Brad Fox besticht sofort durch sein kunstvoll gestaltetes Cover, auf dem Zeichnungen von Else Bostelmann zu sehen sind. Diese Illustrationen passen nicht nur hervorragend zum Thema, sondern schaffen auch eine visuelle Verbindung zur faszinierenden Welt der Tiefsee, die im Buch beleuchtet wird.

Besonders positiv hervorzuheben ist die anschauliche und verständliche Darstellung der komplexen wissenschaftlichen Hintergründe. Der Schreibstil von Brad Fox ist zugänglich, sodass auch Leserinnen ohne Vorwissen in die Thematik eintauchen können. Was Beebe und Barton auf ihrer waghalsigen Expedition in der Bathysphäre erleben und welche Entdeckungen sie machen, wird spannend und fesselnd geschildert. Leider schweift die Erzählung stellenweise ab. Einige Passagen scheinen sich vom eigentlichen Thema, den Tiefseeexpeditionen, zu entfernen, was dem Buch die nötige Stringenz nimmt.

Ein weiterer Aspekt, der mich nachdenklich stimmte, war die eher knappe Darstellung von Gloria Hollister. Gerade in ihrer Rolle als Wissenschaftlerin in einer von Männern dominierten Zeit hätte sie meiner Meinung nach mehr Raum in der Erzählung verdient, um weitere Perspektiven zu eröffnen.

Ein echtes Highlight des Buches sind die Illustrationen. Es ist kaum zu glauben, dass diese nur anhand der Beschreibungen der Forscher
innen entstanden sind, ohne dass die Künstler*innen die Meereslebewesen je mit eigenen Augen gesehen haben. Allerdings hätte ich es besser gefunden, wenn die Illustrationen direkt bei den Textstellen eingefügt worden wären, die die jeweiligen Tiere beschreiben. So hätte sich ein noch stärkerer Zusammenhang zwischen Text und Bild ergeben.

Trotz dieser Kritikpunkte ist das Buch ein fesselndes Werk, das spannende Einblicke in die Tiefseeforschung und die Herausforderungen dieser Expeditionen bietet. Wer sich für die geheimnisvolle Welt der Tiefsee interessiert, wird hier bestens unterhalten und inspiriert.

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