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Veröffentlicht am 23.02.2025

Lebensgeschichten in historischem Gewand

Rückkehr nach Budapest
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Das Cover repräsentiert den anfänglichen Schauplatz dieses Romans gut. In einem Mix aus Rückschau und Gegenwart geht es um drei gegensätzliche Charaktere, über deren Aufwachsen im Sozialismus, um ihre ...

Das Cover repräsentiert den anfänglichen Schauplatz dieses Romans gut. In einem Mix aus Rückschau und Gegenwart geht es um drei gegensätzliche Charaktere, über deren Aufwachsen im Sozialismus, um ihre Freundschaft und weiteren Lebensweg mitten in politischer Unsicherheit der ehemaligen DDR und von Ungarn. Die Ich-Erzählerin Márta Németh, introvertiert, unsicher und nachdenklich, durchlebt unterschiedliche, schwierige Zeiten mit Familien- und Beziehungsproblemen neben ihrer starken Freundschaft zu ihrer Cousine Theresa, eher angstfrei, selbstsicher, extrovertiert, spontan, egoistisch und verantwortungslos. Mit 18 Jahren vom Dorf in Ungarn ausgerissen nach Ostberlin zu Theresa lernen beide den Rebellen Konstantin Berger bei seiner Lesung kennen. In verschiedenen Heimen und der DDR-Strafvollzugseinrichtung Torgau als vermeintlich ‚schwer erziehbarer‘ Jugendlicher aufgewachsen verarbeitet er literarisch diese harschen Erfahrungen von Gewalt. Eine komplizierte Dreiecksgeschichte aus Liebe, Freundschaft, Verrat und viel Hoffnung wird langsam entblättert durch manchen unklar gekennzeichneten Rückblick zwischen Berlin – erstmals 1984 -, Wien 1986 und Budapest. Thematisiert werden weiterhin Alkoholismus, die Totalisierung und Befindlichkeit der Sprache nicht nur in der DDR mit unterdrückter alternativer Kunstszene, von Fehlgeburt und Abtreibung. Leider erschweren besonders die oft wechselnden Zeitebenen in Mártas Erinnerungen die zügige Einordnung im Gesamtkonzept des Romans, der anfangs langatmig dahin dümpelt.
Der historische, sozialistische Hintergrund gefällt besser als die komplizierten Emotionen der Hauptakteure.

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Veröffentlicht am 18.02.2025

Ein interessantes Zeitzeugnis – Ukraine als Kriegsgebiet

Russische Spezialitäten
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Das in zwei Teile gegliederte Buch beschreibt zunächst das Leben einer ukrainischen Familie aus Kyjiw , die seit ca. 1994 in Leipzig als »jüdische Kontingentflüchtlinge« leben und ein russisches Spezialitätengeschäft ...

Das in zwei Teile gegliederte Buch beschreibt zunächst das Leben einer ukrainischen Familie aus Kyjiw , die seit ca. 1994 in Leipzig als »jüdische Kontingentflüchtlinge« leben und ein russisches Spezialitätengeschäft betreiben, mit dem Autor von Kindesbeinen an als helfende Hand. Er karikiert ihr Familienleben und die teils skurrilen Momente im Geschäftsalltag. Besonders die Mutter unterliegt seit dem russischen Überfall auf die Ukraine dem Einfluss politischer Nachrichten in russischen Medien, während der Sohn solche Propaganda der Russen hinterfragt. Mit dem Schlaganfall des Vaters und Corona verschlechtert sich die finanzielle Situation bis zur Schließung des Geschäfts nach mehr als 20 Jahren.
Im zweiten Teil geht es mit Dmitrij zunächst nach Kyjiw, seiner Heimat in die Ukraine. Mittels Kontakt zu seinem Sandkastenfreund und zu dortigen Verwandten erfährt er hautnah Grenzkontrollen, Luftangriffe, Abkehr von der russischen Sprache im Kriegsgebiet und sieht bauliche Zerstörungsgewalt und frische Soldatenfriedhöfe. Dieser Romanteil endet mit Hakenkreuz und zerbrochener Fensterscheibe in Leipzig, polizeilich behandelt als Ordnungswidrigkeit. Während der Anfang den Spagat in Leipzig zwischen neuer und alter Heimat teils humorvoll, teils komisch, versetzt mit russischen Begriffen, menschlich nah präsentiert, regt der folgende Teil sehr zum Nachdenken an zwischen den verschiedenen politischen Ideologien. Sein Festhalten an der russischen Sprache und an Kyjiw als alte Heimat verhilft ihm zur Festigung der Familienbande und zur eindeutigen Identitätsfindung.
Eine interessante Lektüre.

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Veröffentlicht am 18.02.2025

Ein wahres, brutales Buch

bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann
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Das Szenarium spielt in Oslo. Der Autor, * 2003, hier Ivor genannt, Marco, Jonas und Arjan treiben sich auf den Straßen herum, haben viel Kontakt mit Drogen, Dealern, Polizei, Jugendamt. Der Ich-Erzähler ...

Das Szenarium spielt in Oslo. Der Autor, * 2003, hier Ivor genannt, Marco, Jonas und Arjan treiben sich auf den Straßen herum, haben viel Kontakt mit Drogen, Dealern, Polizei, Jugendamt. Der Ich-Erzähler thematisiert die eigene Jugendkriminalität als Gang, die zusammen aufeinander aufpassen. Die im anhängenden Glossar übersetzten Begriffe aus Somalia, aus dem Arabischen erschweren durchgehend den Lesefluss. Der gesamte Text ist durchwachsen von Straßenslang, Schimpfworten, Begriffen in Englisch und Spanisch. Ohne Groß-/Kleinschreibung und unkorrektem Satzbau erweist sich der Text als kreativ. Unter Verwendung von Begriffen wie Vipps (norwegischer Mobile-Payment-Service), Gammel Dansk, Helen Adams Keller, Voldemort oder Hanne Krogh (norwegische Sängerin), 17. Mai Nationalfeiertag offenbart der Autor zarte Bande zur ihn umgebenden Kultur trotz brutaler Gewalt. In drei Abschnitten spitzt sich die kriminelle Lage der Gang mit zunehmendem Alter zu bis zum allmählichen, schmerzhaften Zerfall.
Der Schreibstil und die Wortwahl sind anfangs sehr gewöhnungsbedürftig. Emotional überzeugend!

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Veröffentlicht am 18.02.2025

Schwierige Themen wie verdrängte Emotionen und Alkoholismus.

Mickey und Arlo
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Das Cover zeigt zwei äußerlich gegensätzlich aussehende, junge Frauen, die beidseits einer weißen Tür frontal zur Wand stehen – vielleicht bereit für ihre Therapiestunde? Das in drei gleich große Bereiche ...

Das Cover zeigt zwei äußerlich gegensätzlich aussehende, junge Frauen, die beidseits einer weißen Tür frontal zur Wand stehen – vielleicht bereit für ihre Therapiestunde? Das in drei gleich große Bereiche unterteilte Cover ist farblich in frühlinghafter Farbgebung stimmig gehalten. Auf zwei Erzählebenen geht es um Michelle aka Mickey Kowalski, 33, Morris mit dem Mädchennamen ihrer Mutter. Sie ist Vorschullehrerin, Alkoholikerin wie ihr Vater. Die zweite Hauptfigur ist ihre ihr anfangs unbekannte Halbschwester Charlotte aka Arlo, Psychologin, bei der Mickey Therapiesitzungen absolviert, wie es im Nachlass ihres Vaters vorgegeben wird. Thematisiert werden Alkoholismus in der Familie, Traumata durch frühen Verlust eines Elternteils in der Kindheit, beruflicher Ethos der Psychologen und im Schulbetrieb, gegenseitige Hilfestellung und Aussöhnung, Trauerbewältigung. Beide problembehaftete Frauen zeigen eine gewisse Persönlichkeitsentwicklung auf, der Schreibstil jedoch überzeugt nicht vollständig. Die Nebenfiguren und Szenerien wirken realistisch skizziert außer der Darstellung von Tom Samson, Rechtsanwalt der Kanzlei Samson, Baker & Chen, von seinem besonderen Lebens- und Arbeitsstil im Zusammenhang mit diesen zwei Schwestern.

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Veröffentlicht am 12.02.2025

Eine unterhaltsame Liebesgeschichte

Degrees of Engagement
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Mit Frau Dr. Bianca Dimitriou und ihrem frisch erworbenen Doktortitel in Informationswissenschaften der Universität von Süd Kalifornien in Los Angeles befindet sich der Leser im wissenschaftlichen Setting ...

Mit Frau Dr. Bianca Dimitriou und ihrem frisch erworbenen Doktortitel in Informationswissenschaften der Universität von Süd Kalifornien in Los Angeles befindet sich der Leser im wissenschaftlichen Setting mit einer ehrgeizigen Hauptfigur mit hohem Karriereziel. Ihr männlicher Gegenpart Dr. Xavier Byrne, Bibliothekar, Bachelor und Master in Archäologie, während ihres gemeinsamen Studiums über fünf Jahre still in sie verliebt, ermuntert sie anlässlich ihrer sie enttäuschenden Doktortitel –Feier zu einer Fake-Verlobung, gedacht als Rache an Familie und Freunde. Der kritische Blick wird hierbei auf gesellschaftliche Normen für Frauen gerichtet: Eine Heirat ist im gesellschaftlichen Ranking bei Frauen eindeutig höher angesiedelt als ihre wissenschaftliche Karriere. Diese zunehmende, aufkeimende Fake-Beziehung zwischen den beiden baut sich langsam auf. Ihre Dialoge kommen realistisch rüber, auch wenn die wiederkehrende Fehlkommunikation zwischen den Charakteren mit all ihren Ängsten und Signalmissdeutungen teils als langatmig empfunden werden können. Das angenehme Rollenbild von Xavier als verständnisvoller, ihre Karriere unterstützender und Liebevoller Partner gefällt. Mit den Nebenfiguren, Freunde und Familie, plätschert die Handlung leider ohne Spannung und überraschende Wendungen seitenfüllend dahin.
Insgesamt ist der Plot mit interessanter Fake-Idee und kurz gefasstem Happy End sehr vorhersehbar.

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