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Veröffentlicht am 06.03.2025

Endlich nach Luft schnappen

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
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"Wenn früher in meiner Gegenwart über die Wechseljahre gesprochen wurde, war mir nie klar, wie lebendig und hungrig man sich fühlt, wenn man offiziell schon abgeschrieben ist.
Warum hören die meisten Lebensträume ...

"Wenn früher in meiner Gegenwart über die Wechseljahre gesprochen wurde, war mir nie klar, wie lebendig und hungrig man sich fühlt, wenn man offiziell schon abgeschrieben ist.
Warum hören die meisten Lebensträume eigentlich mit circa fünfunddreißig Jahren auf?
Ich hätte gerne einen Plan für die nächste Hälfte, irgendwas außer der Vorbereitung auf das Sterben."

Das fragt sich Nina mit fast fünfzig. Bei der Scheidung hat sie sich von ihrem begüterten Ehemann ordentlich über den Tisch ziehen lassen. Inzwischen hat dieser mit einer um Jahrzehnte jüngeren Influencerin eine neue Familie gegründet. Als Nina auf einem Gartenfest dem dreißigjährigen David begegnet, spürt sie zum ersten Mal seit langem wieder Anziehungskraft und Lebenslust. Die beiden landen gemeinsam im Bett und bald stellt sich die Frage ob da je mehr sein kann...

Anika Decker schafft das Kunststück, gleichzeitig leichtfüßig, tiefgründig und amüsant zu erzählen, auf wie vielfältige Weise Frauen noch immer anders behandelt werden als Männer. Die Geschichte bietet dabei, anders als vom Klappentext beworben, einiges mehr als die Age-Gap-Lovestory. Viel Raum nimmt zum Beispiel auch eine Me too-Problematik in der Filmfirma, in der Nina arbeitet ein, ebenso wie das Hausfrauendasein von Ninas Schwester Lena und weitere Familienthemen.

Wirklich aus dem Leben gegriffen waren für mich Ninas Kinder, die die Handlungen ihres Vaters ohne weiteres akzeptieren, Nina ob ihres Interesse an einem jüngeren Mann aber regelrecht beschämen und abkanzeln. Oft legt Anika Decker den Finger gekonnt in die Wunde, z. B. als Nina auf Tinder von einem einzigen gleichaltrigen Mann ein Like bekommt, trotz ihres guten Aussehens ein so seltenes Ereignis, das es von Nina und ihrer Freundin sogar bejubelt wird.

Mich hat es begeistert, dass hier zahlreiche Missstände angesprochen werden und das Lesen dann gleichzeitig noch so viel Spaß machte. Teilweise habe ich förmlich an den Seiten geklebt. Nur schade, dass das Ende dann doch so überzuckert und übertrieben daherkam, das es für mich nicht recht zur übrigen Story passen wollte.

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Veröffentlicht am 01.03.2025

Magie hat ihren eigenen Kopf

Geheimnisse des Nil, Band 1 - What the River Knows
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"Aber all die schon gewirkte Magie, dieses unfassbare Etwas, war ja in der Welt, war tief in der Erde oder in Seen und Meere eingesunken. Sie haftete an Gegenständen und manchmal sprang sie auch ...

"Aber all die schon gewirkte Magie, dieses unfassbare Etwas, war ja in der Welt, war tief in der Erde oder in Seen und Meere eingesunken. Sie haftete an Gegenständen und manchmal sprang sie auch über... Magie hat ihren eigenen Kopf... Begreiflicherweise kaufen die Leute nicht gerne etwas, dem womöglich noch ein alter Zauber anhaftet. Am Ende erwischt man noch eine Teekanne, die Neid zusammenbraut oder einen kratzbürstigen Geist heraufbeschwört."

Das kleine, feine Magiekonzept in diesem Buch hat mich wirklich begeistert. Teekannen voller Neid oder auch bissige Bücher - davon hätte ich gern noch viel mehr gelesen. Aber letztendlich wollte die Autorin eine historische Romanze schreiben und das ist ihr auch gelungen.

Inez Oliveira hat ihre Eltern immer nur die Hälfte des Jahres bei sich in Buenes Aires. Den Rest der Zeit verbringen sie in Ägypten bei Ausgrabungen. Als sie auf rätselhafte Weise ums Leben kommen, reist Inez kurzentschlossen allein nach Ägypten zu ihrem Onkel Ricardo. Dort gibt ihr nicht nur der verwegen gutaussehende Engländer Whitford Hayes Rätsel auf, sondern auch ihr Onkel selbst. Ist er etwa in den Tod ihrer Eltern verwickelt?

Der Roman, der 1884 spielt, atmet ägyptische Geschichte, Schatzsuchervibes und lebt natürlich auch von der Anziehung zwischen Inez und Whit. Dazu gibt es vor allem zum Ende hin einige überraschende Wendungen, die umso neugieriger auf den zweiten Teil machen. Der wunderschöne Farbschnitt wird sich darauf wahrscheinlich fortsetzen. Den Großteil der Geschichte über ist die Atmosphäre ziemlich cosy. Über die zunehmende Gewalt im letzten Teil war ich daher etwas verblüfft. Spannender wurde es damit aber allemal!

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Veröffentlicht am 24.02.2025

Zusammenhang zwischen dem Furchtbaren und dem Schönen

Bis unsre Seelen Sterne sind. Rilke und Lou Andreas-Salomé
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Den genialen Dichter Rilke verband eine lebenslange Liebe und freundschaftliche Verbundenheit mit der fast 15 Jahre älteren Lou Andreas-Salome. Er ist 22, als sie sich begegnen ubd Lou ist bereits verheiratet ...

Den genialen Dichter Rilke verband eine lebenslange Liebe und freundschaftliche Verbundenheit mit der fast 15 Jahre älteren Lou Andreas-Salome. Er ist 22, als sie sich begegnen ubd Lou ist bereits verheiratet und selbst literarisch erfolgreich.

Maxine Wildner beleuchtet schlaglichtartig Begegnungen der beiden berühmten Persönlichkeiten und springt dabei immer wieder auch zurück in der Zeit, um Entwicklungen durch frühere Ereignisse zu erklären. Dabei beschränkt sie sich insgesamt nicht nur auf die Verbindung der beiden, sondern beleuchtet auch das Liebesleben mit den Ehepartnern und anderen.

Vor allem Lou hat mich sehr fasziniert. Sie war für die damalige Zeit wirklich eine starke Frau, von faszinierender Unabhängigkeit, die sogar von Freud zur Psychoanalytikerin fortgebildet wurde. Über sie hätte ich gern noch viel mehr erfahren. Da alle Begebenheiten sehr nüchtern geschildert werden, bin ich Lous Innersten nicht völlig nahegekommen. Plastischer wurde da insgesamt der oft kränkelnde Rilke, dem das "Wissen um die Unenrinnbarkeit seiner letzten Einsamkeit" das längere Aushalten von Nähe unmöglich machte.

Rilkes Texte sind gelegentlich in die Handlung eingestreut, so dass ihr Entstehen deutlich wird.

Hier wurde das Leben zwei großer Geister lebendig und nahbar.

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Welt ohne Leid

Der letzte Mord am Ende der Welt
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"So wie Niema redet, klingt es, als wären ihre Träume Fische, die ihr bereitwillig ins Netz schwimmen. Aber die Gewässer, mit denen sie es zu tun hat, sind äußerst trüb und bergen sehr viel ...

"So wie Niema redet, klingt es, als wären ihre Träume Fische, die ihr bereitwillig ins Netz schwimmen. Aber die Gewässer, mit denen sie es zu tun hat, sind äußerst trüb und bergen sehr viel schlimmere Gefahren, als sie zu erkennen vermag."

Ein leuchtender Nebel hat die Apokalypse gebracht. Nur auf einer griechischen Insel gibt es hinter einem Abwehrmechanismus, aufrecht gehalten von drei Wissenschaftlern, noch menschliches Leben. Als Ältere leiten sie die Dorfbewohner an. Doch schon bald spürt man, dass die Älteren und die Dorfbewohner sich sehr unterscheiden. Und wer erzählt eigentlich diese Geschichte und kennt jeden Gedanken der Inselbewohner? Dann geschieht ein Mord, und niemand hat mehr Erinnerungen an die Nacht der Tat...

Stuart Turton schafft es, mit jedem Buch nicht nur, einen spannenden Krimi zu liefern, sondern auch ein grundverschiedenes Setting. Diesmal integriert er Science Fiction Elemente. Dorfbewohnerin Emory steht bei ihren Ermittlungen unter hohem Zeitdruck: Gelingt es ihr nicht, den Mordfall rechtzeitig aufzuklären, wird der giftige Nebel auch die Insel verschlingen. Emory sieht sich einem wahren Gespinst an Rätseln und Spuren gegenüber. Turton überbietet sich selbst mit immer neuen Finten und Wendungen, was die Story sehr fesselnd macht, aber leider auch zu Lasten der Tiefe der Protagonisten geht. Diese fand ich in seinem "Der Tod und das dunkle Meer" tatsächlich gelungener. Dennoch hat sich Turton ein weiteres Mal als Garant für einzigartige Krimikost erwiesen, die der Verlag diesmal mit Farbschnitt besonders schön verpackt hat.

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Veröffentlicht am 16.02.2025

Wo Gespenster und Märchen wandeln

Tinte, Staub und Schatten: Das Buch der Verlorenen
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"Es ist ein Welt aus Tinte, Staub und Schatten... Hier unten gibt es nur Stille. Und die Bücher, die sich in ihrer stummen Sprache Geheimnisse zuflüstern. Tausende, Abertausende von ihnen sind ...

"Es ist ein Welt aus Tinte, Staub und Schatten... Hier unten gibt es nur Stille. Und die Bücher, die sich in ihrer stummen Sprache Geheimnisse zuflüstern. Tausende, Abertausende von ihnen sind an diesem Ort versammelt und träumen im Dämmerlicht vor sich hin, aneinandergedrängt auf ihren Regalbrettern."

Willkommen im Bücherlabyrinth, inmitten von Memento-Mori-Pilzen, Carpe-Diem-Schwämmen, lebenden Staubflusen, Bücherwürmern und Zeitungsschlangen, wo nicht nur Schattenweber lauern, sondern auch der Schlund die Büchersucher in Gefahr bringt.

Minna beginnt eine Büchersucher-Lehre, wie einst ihre Mutter, im Antiquariat von Raban Krull, gemeinsam mit dessen Sohn Gulliver und dem androgynen Jascha. Minnas Mutter verschwand einst im Bücherlabyrinth. Schon bald findet Minna heraus, dass es eine Möglichkeit gibt, ihre Mutter wiederzufinden. Und wie so oft, liegt die Antwort in Büchern...

Die Story funkelt nur so vor kreativen Ideen und wunderbaren literarischen Anspielungen. Letzteres beginnt schon bei den Nachnamen wie Mörike und Krull. Der Zielgruppe, Kindern ab 11, dürften sie noch gar nicht geläufig sein, das ist aber auch nicht unbedingt notwendig. Für Erwachsene bietet das einen schönen Mehwert. Das Bücherlabyrinth wird sehr atmosphärisch dargestellt. Warum die Büchersucher dort trotz aller Gefahren unterwegs sind, könnte ebenso wie die Tiefe der Protagonisten im Band 2 noch besser ausgearbeitet werden. Sehr hübsch sind die märchenbuchartigen Verzierungen an den unteren Ecken der Seiten und die angenehme Zeitlosigkeit der Geschichte. Trotz der Angabe, dass die Story in der Gegenwart angesiedelt ist, gibt es beispielsweise keine Smartphones.

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