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Veröffentlicht am 02.02.2026

Generationsübergreifende Geschichte spannender Frauen

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Alena Schröder schreibt mit einer schnörkellosen Klarheit und gleichzeitig einer solchen menschlichen Nähe zu den Charakteren, dass es mich sofort in die Geschichte hineingezogen hat. In der Berliner Gegenwart ...

Alena Schröder schreibt mit einer schnörkellosen Klarheit und gleichzeitig einer solchen menschlichen Nähe zu den Charakteren, dass es mich sofort in die Geschichte hineingezogen hat. In der Berliner Gegenwart treffen wir Hannah wieder, die sich nach dem Abbruch ihrer Promotion mit unerwarteten Familientreffen, fehlenden Zugehörigkeitsgefühlen und ihrem neuen nervigen Mitbewohner rumschlägt. Abwechselnd springt der Roman in die Nachkriegszeit und erzählt die Geschichte von Marlen und Wilma im mecklenburgischen Güstrow.

Die beiden Handlungsstränge könnten sich im Setting kaum mehr unterscheiden und behandeln doch ähnliche Themen rund um Familie, Zugehörigkeit und gegenseitige Verantwortung. Die Protagonistinnen sind allesamt spannende Charaktere - nicht einfach nur starke Frauen, sondern vielseitige Frauen mit Schwächen, in deren Welt man gerne eintaucht. Das titelgebende Ölgemälde, das Hannah im ersten Band der Reihe gesucht und das Marlen in diesem Band findet, verbindet die beiden Handlungsstränge und Zeitebenen. Wie genau, erfährt man erst ziemlich spät.

"Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid" hab ich sehr geliebt, allerdings ist es schon ein paar Jahre her, dass ich das Buch gelesen habe. Dadurch hatte ich nicht mehr alle Details und Charaktere sofort parat. "Bei euch ist es immer so unheimlich still" habe ich bisher noch nicht gelesen. Bei "Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel" bin ich trotzdem ohne Probleme mitgekommen.

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Veröffentlicht am 28.10.2025

Sensibler, herzzerreißender Roman über einen viel zu alltäglichen Femizid

Da, wo ich dich sehen kann
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Mit Feingefühl und Menschlichkeit erzählt Jasmin Schreiber in "Da, wo ich dich sehen kann" von den Menschen, die nach dem Femizid an Emma zurückbleiben und mit dem Unverständlichen versuchen zu leben. ...

Mit Feingefühl und Menschlichkeit erzählt Jasmin Schreiber in "Da, wo ich dich sehen kann" von den Menschen, die nach dem Femizid an Emma zurückbleiben und mit dem Unverständlichen versuchen zu leben. Im Mittelpunkt stehen Emmas kleine Tochter Maya, ihre beste Freundin Liv und ihre Eltern Brigitte und Per, die alle auf ganz unterschiedliche Weise mit ihrem Tod zu kämpfen haben.

Extrem gut fand ich, dass die konkrete Tat nicht im Detail nacherzählt wird und auch der Täter, Emmas Mann Frank, so gut wie keinen Raum bekommt. Er wird ab und zu erwähnt, wenn es für die Handlung relevant ist, aber sonst spielen er, seine Gefühle oder Motive keine Rolle. Sowohl in der medialen Berichterstattung zu Femiziden als auch in Büchern, Filmen etc. ist das zu oft anders. Die Taten werden als "Familiendrama" bezeichnet, Täter erhalten mehr Aufmerksamkeit als ihre Opfer und zu oft werden gerade die Täter betont menschlich präsentiert, als wenn es irgendwelche Gründe gäbe, einen Mord zu relativieren. Das passiert hier überhaupt nicht. Die Autorin gibt den gesamten Raum den Menschen in Emmas Leben, die ihr wohlgesonnen waren und die nun mit dem Verlust und den damit verbundenen komplexen Gefühlen weiterleben müssen.

In einigen Rückblenden erleben wir zudem Emma. Auch dort kommt der Täter nur soweit nötig vor. Gleichzeitig gelingt es der Autorin aber, ein erschreckend genaues Bild einer toxischen Beziehung zu zeichnen, von dem großen Altersunterschied über Gaslighting und Isolation, bis die Gewalt immer weiter eskaliert und ihr Mann Emma ermordet. Das fühlt sich alles erschreckend lebensnah an, weil es leider Realität ist. Wie gut, dass Jasmin Schreiber so ein wichtiges und aktuelles Thema schriftstellerisch so hervorragend aufbereitet hat.

Der Roman ist sehr durchdacht gestaltet. Jedes Kapitel leitet neben dem Namen der Person auch eine Illustration einer Sternenkonstellation ein. Zudem gibt es immer mal wieder Zeichnungen von Maya sowie total herzzerbrechend drei Einschübe, in denen Per, Brigitte und Liv eine alternative Wirklichkeit vorstellen, in der sie zu Emma durchgedrungen sind und ihr helfen konnten. Diese Seiten sind in Schwarz mit weißem Text gestaltet und reißen optisch aus der erzählten Realität heraus. Das passt auch perfekt zu dem Motiv der parallelen Welten, das immer wieder aufgegriffen wird.

Ich habe den Fehler gemacht, das Buch zum Teil im Zug zu lesen. Aber na ja, öffentlich Heulen beim Lesen ist auch mal eine besondere Erfahrung. Wer sich für eine menschliche, feministische, empathische, nicht-voyeuristische Geschichte über die erschreckend alltägliche Gewalt an Frauen und deren Folgen interessiert, sollte "Da, wo ich dich sehen kann" unbedingt lesen.

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Veröffentlicht am 14.03.2025

Spannende Geschichte zwischen zwei Welten

Achtzehnter Stock
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Die Ich-Erzählerin Wanda lebt mit ihrer kleinen Tochter Karlie in einer heruntergekommenen Plattenbauwohnung. Sie ist auftrags- und perspektivlose Schauspielerin, kommt finanziell kaum über die Runden ...

Die Ich-Erzählerin Wanda lebt mit ihrer kleinen Tochter Karlie in einer heruntergekommenen Plattenbauwohnung. Sie ist auftrags- und perspektivlose Schauspielerin, kommt finanziell kaum über die Runden und mogelt sich frustriert durchs Leben. Dann die unerwartete Wende: Eine Einladung zum Casting für eine Netflix-Serie verspricht Wanda eine große Karriere. Plötzlich trifft sie sich mit berühmten Schauspielern, Regisseuren und allerlei anderen einflussreichen Menschen in schicken Restaurants und lernt ein ganz anderes Leben kennen. Wo und wie sie wohnt, verschweigt sie ihren neuen Bekanntschaften jedoch und verbiegt sich so zunehmend, um nach außen hin zu ihnen gehören zu können. Darunter leidet nicht nur Wanda, sondern besonders ihre Tochter.
Die fesselnde Geschichte zeichnet sich zum einen durch plastische, unperfekte Charaktere aus, die man beim Lesen nicht immer mag, deren Weg man jedoch gespannt verfolgt. Zum anderen hat mich die ausdrucksstarke und anschauliche Sprache begeistert, in der Sara Gmuer vom trostlosen Hitzetag in der Hochhaussiedlung bis hin zum fieberhaft absurden Seriendreh alle Szenen mitreißend zum Leben erweckt. Besonders spannend fand ich zudem den Zwiespalt zwischen prekärem Alltag und der glamourösen Filmwelt, den die Protagonistin zunehmend schwer vereinbaren kann. Daran werden wichtige Themen wie Zugehörigkeit und Zuhause mit einem überraschenden Ende behandelt.

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Veröffentlicht am 24.02.2025

Interessante Charaktere im starren Korsett der katholischen Gesellschaft im Irland der 1990er Jahre

Coast Road
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Vor der idyllischen Kulisse einer Kleinstadt an der irischen Westküste erzählt Alan Murrins Roman "Coast Road" die Geschichte mehrerer (unglücklicher) Familien. Zwischen Streits, Fremdgehen und Entfremdung ...

Vor der idyllischen Kulisse einer Kleinstadt an der irischen Westküste erzählt Alan Murrins Roman "Coast Road" die Geschichte mehrerer (unglücklicher) Familien. Zwischen Streits, Fremdgehen und Entfremdung versuchen die Einwohnerinnen in ihren Ehen und ihrem Alltag klarzukommen. Der Roman spielt 1994 kurz vor dem Volksentscheid zum Scheidungsverbot, das die irische Bevölkerung mit sehr knapper Mehrheit aufhob. Das Referendum kommt nur am Rande des Buches vor, es endet vor der Abstimmung. Trotzdem zeigt der Autor anhand seiner faszinierenden Charaktere sehr deutlich, dass ein Zusammenbleiben aus Zwang nicht zum Glück führt und Selbstbestimmung ein wertvolles Gut ist. Die Charaktere sind so alltäglich und normal, dass sie unsere Nachbarinnen sein könnten. Gleichzeitig sind sie so komplex und glaubwürdig gezeichnet, dass man total mitfiebert. Überhaupt hat mir der Schreibstil enorm gut gefallen, das Buch liest sich in seinem meist eher leisen Ton sehr flüssig und hat mich schnell in die Handlung hineingezogen.

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Veröffentlicht am 13.06.2024

Kraftvolle Geschichte über weiblichen Widerstand

Und alle so still
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Frauen streiken: Privat und beruflich legen sie ihre Arbeit nieder und sich selbst symbolisch auf den Asphalt. Sie verweigern ihre Arbeit und machen so . Das hat schnell dramatische Folgen für die ganze ...

Frauen streiken: Privat und beruflich legen sie ihre Arbeit nieder und sich selbst symbolisch auf den Asphalt. Sie verweigern ihre Arbeit und machen so . Das hat schnell dramatische Folgen für die ganze Gesellschaft. Zunächst bleiben Museen geschlossen und Landwirte, die die Arbeit ihrer Frauen mit übernehmen müssen, verletzen sich häufiger. Bald sind die Krankenhäuser überlastet und auch international zeigen sich innerhalb weniger Tage Auswirkungen, beispielsweise bleiben ausländische Pflegekräfte fern und Lieferketten brechen ein.

Was passiert, wenn sich Frauen den von ihnen erwarteten Aufgaben verweigern und so sichtbar machen, was sie sonst ohne Anerkennung leisten? Dieses Gedankenexperiment spielt Mareike Fallwickl gekonnt durch. Eindringlich und klar erzählt die Autorin diese höchst zeitgemäße Geschichte aus Perspektive der Influencerin Elin, der Krankenschwester Ruth und des Niedriglohnjobbers Nuri. So kommen verschieden Arguemnte, Entscheidunggen und Positionen hinzu, aus der diese fesselnde Geschichte ohne Sensationslust erzählt wird. Rundum gelungen!

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