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Veröffentlicht am 12.02.2018

Historisches Werk mit starken Figuren

Olga
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Eine anspruchsvolle Liebesgeschichte die berührt, Sehnsucht weckt und einen tieferen Sinn aufweist. Gewohnt stilsicher zeichnet Bernhard Schlink seine Hauptfiguren sehr detailliert – eine Frau, die kämpft ...

Eine anspruchsvolle Liebesgeschichte die berührt, Sehnsucht weckt und einen tieferen Sinn aufweist. Gewohnt stilsicher zeichnet Bernhard Schlink seine Hauptfiguren sehr detailliert – eine Frau, die kämpft und sich findet und ein Mann, der träumt und sich verliert. Die Liebesbeziehung des ungleichen Paares beginnt am Abend vor Ausbruch des ersten Weltkrieges. Obwohl von der Familie nicht geschätzt, halten die beiden aneinander fest und verteidigen ihre Beziehung gegen Zweifel. Es kommen jedoch Schwierigkeiten und auf, da Herbert, den es in die Weite zieht, Olgas Wunsch nach Nähe nur schwer nachkommen kann und eine geplante Expedition in die Arktis die Beziehung auf die Probe stellt.

Die Dreiteilung des Buches (der erste Teil beschreibt Olgas Werdegang, der zweite Teil erzählt von der Zeit nach der Expedition aus Sicht einer dritten Person, der dritte Teil besteht aus Briefen) ist klug und abwechslungsreich, wenn auch gewöhnungsbedürftig. Insgesamt fehlt es mir an Leidenschaft und Emotionen, die Auseinandersetzung ist sehr sachlich und intellektuell. Erst im letzten Teil erfahren wir mehr über Olgas Inneres, ihre Beweggründe und Sehnsüchte. Hier werde ich fast wieder versöhnt – aber eben nur fast.

Veröffentlicht am 12.02.2018

Ein kluges Buch mit viel Herz

Die Herzen der Männer
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Was macht einen Mann aus? Nicholas Butler beschäftigt sich in seinem Roman in drei Geschichten über drei Generationen hinweg mit den Schwächen, Geheimnissen, Bedürfnissen und Werten der Männer sowie der ...

Was macht einen Mann aus? Nicholas Butler beschäftigt sich in seinem Roman in drei Geschichten über drei Generationen hinweg mit den Schwächen, Geheimnissen, Bedürfnissen und Werten der Männer sowie der einzigartigen Beziehung zwischen Vätern und Söhnen. Verbunden sind Generationen, Geschichten und Männer durch gemeinsame Erlebnisse bei den Pfadfindern.
Hauptfigur Nelson ist als Junge ein Außenseiter, sehr strebsam bei den Pfadfindern, gut in der Schule und bei den anderen Jungen nicht wirklich beliebt. Das Verhältnis zu seinem Vater ist schwierig. Lediglich der zwei Jahre ältere Jonathan steht ihm zur Seite und spielt immer wieder eine Rolle in seinem Leben.
Mehr als 30 Jahre später erfahren wir die Geschichte des nun erwachsenen Jonathan, der mit seinem Sohn auf dem Weg ins Pfadfinderlager ist. Auf der Fahrt konfrontiert Jonathan seinen Sohn mit allerlei harten Lebensweisheiten und wir treffen auch Nelson wieder, der vom Krieg stark gezeichnet ist.
Im dritten Teil, wieder um die 30 Jahre später, lernen wir Thomas, Nelsons Sohn, auf dem Weg ins Pfadfinderlager kennen, das sein Vater nun leitet. Thomas kann den Pfadfindern allerdings so gar nichts abgewinnen.
Die Entwicklung der Männer wird sehr vielschichtig und einfühlsam berichtet, die Charaktere sehr anschaulich und tief dargestellt. Leider ist das Buch stellenweise etwas langatmig, vor allem der mittlere Teil hätte weniger Seiten gut vertragen. Teil eins und drei kommen im Vergleich sehr stark daher und können den insgesamt guten Eindruck des Buches bekräftigen.

Veröffentlicht am 16.12.2017

Einzigartiges Ermittlerduo bietet Spannung pur

Dunkel Land
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Verena Hofer hat nach dem Tod ihrer Schwester deren kleine Tochter, ihre Nichte, bei sich aufgenommen. Dafür hat sie einiges auf sich genommen – den Verlust ihres Jobs an der Uni sowie die Trennung von ...

Verena Hofer hat nach dem Tod ihrer Schwester deren kleine Tochter, ihre Nichte, bei sich aufgenommen. Dafür hat sie einiges auf sich genommen – den Verlust ihres Jobs an der Uni sowie die Trennung von ihrem Partner. In ihrer Not nimmt sie einen gut bezahlten Job als Kindermädchen an, der ihr neben der Unterkunft auch die Betreuung ihrer Nichte bietet. Nach ihrer Ankunft muss sie feststellen, dass sich das vermeintliche Dorf als Gut und das Kind als erwachsener Mann herausstellt. Der Mann, ein vor kurzem angeschossener Kriminalist, leidet unter Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und lehnt den Plan seiner Tante ab. Die beiden arrangieren sich: Verena hilft ihn bei seinen Ermittlungen und er lässt sie den Job machen.
Die Dynamik dieses Duos ist von Anfang an bestechend, mit Witz, Charme und Klugheit liefern sie sich einen Schlagabtausch nach dem anderen. Ich bin sofort bei den Figuren. Auch der Fall ist spannend, wenn auch einige Dinge leicht vorhersehbar sind. Das Ende lässt auf eine Fortsetzung der Beiden hoffen und da muss ich nicht lange überlegen – die würde ich sofort lesen wollen!

Veröffentlicht am 16.12.2017

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Verschieben Sie die Deutscharbeit - mein Sohn hat Geburtstag!
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Selbst Menschen ohne Kinder kommen an diesem Thema nicht vorbei – Erziehung. Momentan laufen zig Sendungen im TV und den Begriff Helikopter-Eltern hat sicherlich fast jeder schon einmal gehört. Das Thema ...

Selbst Menschen ohne Kinder kommen an diesem Thema nicht vorbei – Erziehung. Momentan laufen zig Sendungen im TV und den Begriff Helikopter-Eltern hat sicherlich fast jeder schon einmal gehört. Das Thema löst Diskussionen aus, 1000 Meinungen prallen aufeinander. Besonders interessant ist es dabei, einen Blick aus der Sicht derjenigen zu wagen, die beruflich mit Kindern und Eltern zu tun haben – Hebammen, Ärzte, Erzieher, Lehrer, Trainer und Professoren sowie SPIEGEL-ONLINE Leser erzählen ihre lustigsten, skurrilsten und unglaublichsten Erfahrungen.
Herausgekommen ist eine wirklich unterhaltsame Sammlung, die kurzweilig zu lesen ist und Spaß macht (und zwar auch, wenn man keine Kinder hat). Was schade ist: Der Lesefluss wird durch die blockhafte Aufteilung einzelner Notizen gestört und ich brauche ein bisschen länger, um mich zurechtzufinden und den Aufbau zu verstehen.

Veröffentlicht am 16.12.2017

Wunderschön still

Stille
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In der heutigen Welt viel zu selten zu finden und doch wichtiger denn je - Stille. Das schlicht gehaltene und passend ruhig anmutende Buchcover stimmt gleich auf die Thematik ein. Weltenwanderer Erwin ...

In der heutigen Welt viel zu selten zu finden und doch wichtiger denn je - Stille. Das schlicht gehaltene und passend ruhig anmutende Buchcover stimmt gleich auf die Thematik ein. Weltenwanderer Erwin Kagge ist weit gereist, hat sich an den verschiedensten Orten, von Nord- und Südpol bis zum Mount Everest, mit Fragen rund um das Thema Stille beschäftigt und Antworten gefunden. Genauer gesagt 33 Antworten in Form von Kurzgeschichten. Alle, die nicht am Nord- und Südpol wohnen, sondern in der Stadt, müssen sich nicht erst auf die Reise machen, auch für sie gibt es Antworten. Klug geschrieben, mit vielen Aha-Momenten packt mich dieses Buch, macht mich abenteuerlustig und ganz ruhig, wenn ich mir Stille schaffe, sie bewusst wahrnehme. Dazu trägt auch die ruhige, auf dem Boden gebliebene Erzählart des Autors bei.
Nettes, gut durchdachtes und vielsagendes Detail: Nimmt man den weißen Schutzumschlag ab, kommt ein buntes Bild aus der Stadt zum Vorschein.