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Veröffentlicht am 04.04.2025

Ein Plädoyer für das Leben im Süden - mit leider zu wenigen umsetzbaren Tipps, um diesen ein wenig in den Alltag zu holen.

Es kann so schön sein, das Leben
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"Sie müssen gar nicht in den Süden, um Ihr Leben zu ändern. Versuchen Sie doch all die Dinge, die Sie im Urlaub genießen, auf Ihr alltägliches Leben, auf Ihre Heimat zu übertragen."

Kapitel 6

"Wie wir ...

"Sie müssen gar nicht in den Süden, um Ihr Leben zu ändern. Versuchen Sie doch all die Dinge, die Sie im Urlaub genießen, auf Ihr alltägliches Leben, auf Ihre Heimat zu übertragen."

Kapitel 6

"Wie wir mit dem Dolce-Vita-Prinzip gesund und glücklich werden", so das Versprechen des Untertitels. Was Alexander Oetker dann in seinem Buch beschreibt, sind typische südländische Bräuche und ein anderes Gesellschaftsbild, als man es von Deutschland kennt.

Eines vorneweg: Ich komme aus Österreich, aus einem eher ländlichen Umfeld. Es ist immer die Rede von Deutschland, schon alleine deshalb habe ich mich wenig angesprochen gefühlt. Und viele Dinge, die der Autor in deutschen Großstädten beklagt, sind hier auf dem Land wie im goldenen Süden - und sicher sind sie auch in ländlicheren Regionen Deutschlands auch noch so.

Nachbarschaftshilfe, den älteren Generationen zuhören, eine Hand, die die andere wäscht, kleine Alltagserledigungen zu Fuß erledigen - das ist hier in meinem Umfeld gelebte Realität und würde ich nicht nur südlichen Ländern zuschreiben.

Der Autor hat viele Gespräche geführt, mit deutschen Auswanderern, die ihr neues Leben in Frankreich, Portugal oder Spanien genießen. Diese Ausschnitte fand ich interessant. Was davon in einem deutschen Leben in unserem normalen Umfeld umsetzbar ist, da stoße ich schnell an meine Grenzen.

Für Selbstständige mögen manche Tipps umsetzbar sein, für Otto und Ottilie Normalarbeiterin sind sie schlichtweg nicht möglich. Am Abend in großem Stile kochen und stundenlang gemeinsam am Tisch sitzen - naja, mein Wecker läutet um halb fünf, so viel zu spätem Essen. Zu Mittag stundenlang Pause machen? Selbst wenn mein Chef das genehmigen würde, am späten Nachmittag würde ich wohl keinen meiner Gesprächspartnerinnen erreichen und wäre zur Untätigkeit gezwungen. Abgesehen davon, würde ich dann so lange arbeiten, dass sich der gemütliche Einkauf 3 Mal die Woche (wie empfohlen) schlichtweg nicht ausgehen würde. Und dann sind wir schon wieder am Abend, wo stundenlang gemeinsam gekocht und gegessen wird. Dafür hat (m)ein Tag zu wenig Stunden.

Es gelassener sehen, wenn der Handwerker um Stunden oder Tage zu spät kommt - wenn ich von zu Hause aus arbeite, kein Problem. Wenn ich aber anschließend in die Arbeit muss, ist das eine Challenge.

Der letzte Tipp in der Liste ist "Zieh in den Süden" - schließlich sind dort schöne Zweitwohnsitze schon um 130.000 bis 250.000 Euro zu haben. Für die privilegierte Blase des Autors mag das wenig sein, bei den meisten anderen sieht das wohl anders aus. Und wenn ich dann im Ausland lebe, wie soll ich mich um die (Enkel-)Kinder und die Alten kümmern, was ja auch zum Dolce-Vita-Prinzip gehört?

Dieses Kapitel ist mit einigen guten Hinweisen für wirklich Auswanderungswillige durchsetzt, die wohl hilfreich sind, wenn man das wirklich ins Auge fast.

Für mich, die ich gerne in Österreich leben, die die Weite und das Gefühl, selbst klein zu sein, nicht nur am Meer sondern auch jederzeit auf meinem Hausberg haben kann, ist ein Alter im Süden nicht erstrebenswert.

Ich habe mir von dem Buch Ratschläge erhofft, wie ich in ein bisschen Süden machbar in meinen Alltag integrieren kann, davon war mir persönlich zu wenig.

Abgerundet wird das Buch durch ein Alphabet, von A bis Z Wörter aus südlichen Ländern mit ihrer Bedeutung, von "Amore" über "Mer" bis "Zumo de naranja" (Orangesaft). Das war ein netter Abschluss mit ein wenig Stimmung.

Beim Zuschlagen des Buches hatte ich das Gefühl, einige wenige hilfreiche Dinge gelesen zu haben - und ganz viel darüber, wie sich das Leben für Privilegierte anfühlt und wie schlecht doch alles in Deutschland ist.

Aber mir ist auch klar geworden, was ich an meinem Lebensumfeld schätze und was ich forcieren möchte.

Was zusätzlich auffällt: Ich weiß nicht, ob das in der E-Book-Ausgabe anders ist als im Print-Exemplar, aber es finden sich sehr viele Wörter, die nur zur Hälfte abgedruckt sind und eine Fülle an Lektoratsfehlern. Dies hat zwar auf meine Sternebewertung keinen Einfluss, aber hier hätte ich mir mehr Sorgfalt gewünscht.

Fazit: Ein Plädoyer für das Leben im Süden - mit leider zu wenigen umsetzbaren Tipps, um diesen ein wenig in den Alltag zu holen.

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Veröffentlicht am 24.02.2025

Eine Enemy-to-Lover-Story mit zähem Einstieg, deren Potential nicht ausgeschöpft wurde.

Herzklopfen inklusive - Kaffee von Jake
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Nach einem schweren Schicksalsschlag hat Viktoria Deutschland den Rücken gekehrt und steckt ihre ganze Energie in die Karriere. Jetzt hat sie das Ziel ihrer harten Arbeit vor Augen: Die Leitung der Werbeagentur ...

Nach einem schweren Schicksalsschlag hat Viktoria Deutschland den Rücken gekehrt und steckt ihre ganze Energie in die Karriere. Jetzt hat sie das Ziel ihrer harten Arbeit vor Augen: Die Leitung der Werbeagentur Langham. Doch kurz vor der ersehnten Beförderung wird ihr Jake vor die Nase gesetzt. Ein reicher Erbe, der jetzt zeigen will, dass er auch was drauf hat. Wer das bessere Konzept für ein neues Produkt präsentiert, bekommt die Leitung!

Rasch stoßen die beiden aneinander

Ich habe mich auf das (Hör-)Buch gefreut, ein unterhaltsamer Enemy-to-Lover-Roman! Doch ich habe mich durch den Einstieg gequält, bei ca. einem Fünftel war ich kurz davor, abzubrechen. Jake, dessen "Erfolg" darauf beruht, in eine reiche Familie geboren worden zu sein, bezeichnet sie und andere Frauen ständig als karriereg Fl, das die B b macht, etc. (Ich kann die genauen Bezeichnungen nicht wiedergeben, weil dann die Rezi vermutlich gesperrt wird.)

Da Viktoria eine Frau als Vorgesetzte hat, sind diese Bezeichnungen nicht nur völlig daneben, sondern auch haltlos. Viktorias Art ist kalt, damit will sie sich schützen, und ihre Position hat sie einzig und allein durch Arbeit, und das Tag und Nacht, erreicht. Dass sie ihre Trauer unter Bergen von Arbeit vergräbt, ist sicher nicht richtig und gesund, aber dennoch hat sie das, was sie hat, genau dadurch erreicht - und durch nichts anderes.

Viktoria konnte ich zu großen Teilen verstehen und dadurch ihre ruppige Art akzeptieren, Jakes Bemerkungen über erfolgreiche Frauen jedoch haben ihn mir sehr unsympathisch gemacht.

Als ihre Chefin beschließt, sie als Team zusammenarbeiten zu lassen und zu einem Coaching zu schicken, bekommt die Geschichte eine unterhaltsame Wendung. Eine öffentliche Toilette putzen, Burger braten, in ein fernes Land reisen und dort mit einem Coach zu arbeiten, das hat Potential. Leider wurde auch das nicht ganz ausgeschöpft. Ich habe die Eindrücke von Island sehr genossen, aber die Annäherung der beiden dort ist rein körperlich. Auch das tolle Konzept, das sie erarbeiten, wird nicht näher beleuchtet. Mich hätte interessiert, wie ihre Erlebnisse dort auf die Präsentation Einfluss genommen haben.

Was folgt, sind einige pikante und detaillierte Szenen, auf die ich gut verzichten hätte können. Wie sich Jake und Viktoria dadurch auch emotional annähern, blieb mir verborgen.

Zurück in London wird Viktoria von ihrer Vergangenheit eingeholt, wie immer verliert sie kein Wort darüber und dadurch eskaliert die Situation.

So spannend und interessant ich manche Passagen fand, ganz warm wurde ich mit der Geschichte nicht. Das und der zähe Einstieg kosten einige Sternchen, auch wenn der Stil locker ist und sich die Geschichte leicht liest/anhört.

Fazit: Eine Enemy-to-Lover-Story mit zähem Einstieg, deren Potential nicht ausgeschöpft wurde.

Spoiler- und vor allem Triggerwarnung:

Viktoria wurde schwanger und ihre Tochter ist kurz nach deren ersten Geburtstag gestorben. Die Passagen, in denen darüber berichtet wird, ihre Trauer und Verzweiflung sind sehr intensiv. Wenn du Erfahrungen mit dem Thema hast, überlege dir gut, ob du diese Geschichte lesen/hören willst!


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Veröffentlicht am 17.02.2025

Chronologie einer Angststörung, von der ich mir etwas mehr Mut und etwas weniger Angst erwartet habe.

Mut beginnt im Herzen
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"Es geht nicht darum, keine Angst mehr zu haben. Es geht darum, die Dinge trotz Angst zu tun."
Vorab eine audrückliche Triggerwarnung: Es geht in diesem (Hör-)Buch um die Erlebnisse einer Frau, die plötzlich ...

"Es geht nicht darum, keine Angst mehr zu haben. Es geht darum, die Dinge trotz Angst zu tun."
Vorab eine audrückliche Triggerwarnung: Es geht in diesem (Hör-)Buch um die Erlebnisse einer Frau, die plötzlich mit heftigen Panikattacken zu kämpfen hat und sich nur langsam ihrer Angststörung stellt. Ich persönlich habe keine Erfahrung mit Attacken dieser Art, aber selbst mich haben die hautnahen Schilderungen der körperlichen und psychischen Auswirkungen mitgenommen. Deshalb: Achtet auf euch, brecht ab, wenn es zu viel wird, sucht euch Hilfe, wenn es euch belastet!
Zum Inhalt: Wie es scheint aus heiterem Himmel wird die namenlose Protagonistin von einem Tag auf den anderen von einer schweren Panikattacke überrollt, der Zeitpunkt könnte schlechter nicht sein: Im Zug, mit ihren kleinen Kindern, auf der Heimreise von einem Kurzurlaub bei einer Freundin, der eigentlich Entspannung hätte bringen sollen.
Ich habe mir dem Titel und der Beschreibung nach etwas mehr Mut und etwas weniger Angst vorgestellt. Von daher hat mich die Autorin überrascht. Sie lässt uns daran teilhaben, wie die Protagonistin das erste Mal von Panik heimgesucht wird, wie scheinbar Alltagstätigkeiten auf einmal eine unüberwindbare Hürde werden. Lange hält sie es vor ihrer Familie geheim, nur langsam sucht sie sich Hilfe. Gerade damit tue ich mir sehr schwer, so etwas vor dem Partner und den Kindern zu verheimlichen schafft tiefe Risse und Verletzungen, die oft nie oder nur langsam heilen. Zu spüren und eigentlich zu wissen, dass es dem Anderen nicht gut geht und ausgeschlossen zu bleiben, das schmerzt.
Sie berichtet auch über die Schwierigkeiten, einen Termin zu bekommen, wie Wochen vergehen auf der Suche nach Hilfe auf Kasse. Diese Abläufe fand ich erschreckend realistisch. Wie jemand, der dringend Hilfe benötigt, vom System vor große Hindernisse gestellt wird. Ein Kassenplatz scheint utopisch - bis sich die Protagonistin öffnet und auch anderen von ihren Problemen erzählt und so in Kontakt mit einer wirklich hilfreichen Therapeutin kommt.
Nur langsam geht es aufwärts, manche Dinge scheinen wie ein nicht zu gewinnender Kampf. Doch sie findet Hilfe und Kraft, bei ihren Freundinnen, ihrer Familie, und nicht zuletzt in ihrem Garten. Viel zu lange hat sie vergessen, wie sehr sie die Gartenarbeit erdet, wie sie zur Ruhe kommt, wenn sie der Natur beim wachsen zusehen und helfen kann.
Ich war vom Aufbau des Buches doch überrascht, ich hatte mir eher ein Sachbuch im Romanformat erwartet. Greifbar nimmt uns die Erzählerin mit auf ihre große Reise zu einem mutigeren Leben, bei der jeder Schritt, sei er auch noch so klein, zum Ziel führt.
Etwas unrealistisch fand ich den raschen Heilungsprozess und vor allem die sich reibungslos entwickelnden positiven Änderungen im Umfeld, durch die sich viele Herausforderungen viel zu rasch in Luft aufgelöst haben.
Bei der Bewertung tue ich mir echt schwer. Es ist ein Roman in Ich-Perspektive. Wer wirklich Hilfestellung bei Angststörungen erwartet, der wird hier nur wenig Anregung finden. Für einen mutmachenden Unterhaltungsroman fand ich die Passagen der Panikattacken zu lang und belastend.
Fazit: Chronologie einer Angststörung, von der ich mir etwas mehr Mut und etwas weniger Angst erwartet habe.

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Veröffentlicht am 17.10.2024

Leicht zu lesen, aber sehr viele Zitate und Lebensgeschichten, wenig Praktisches für mich.

Die Kunst des InnSæi
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"Wenn wir die Verbindung zur Natur verlieren, sind wir nicht mehr inspiriert, wir existieren nur noch und nehmen weniger Anteil. Darum ist es so wichtig, in Kontakt mit InnSaei zu sein. Es erfüllt uns ...

"Wenn wir die Verbindung zur Natur verlieren, sind wir nicht mehr inspiriert, wir existieren nur noch und nehmen weniger Anteil. Darum ist es so wichtig, in Kontakt mit InnSaei zu sein. Es erfüllt uns mit Licht und befähigt uns auch, aus dem Chaos einen Kosmos zu erschaffen (...)."

Seite 20

"Die Kunst des InnSaei - Der isländische Weg zu Intuition und innerer Mitte", so das Versprechen des Buches. Eins vorneweg, Hrund Gunnsteinsdóttir schreibt locker und leicht, ihre Buch ist durchflochten von vielen Lebensgeschichten.

Dennoch bleibt das Buch weit hinter meinen Erwartungen zurück. Nach über 230 Seiten tue ich mir noch immer schwer damit, überhaupt zu beschreiben, was InnSaei ist oder sein kann. Es wird nicht mit Zitaten gespart, viele aus dem Film der Autorin zum gleichen Thema. Und sehr vielen Auszügen aus Studien, davon für mich eindeutig zu viele, mit denen dann nicht wirklich weitergearbeitet wurde. So interessant ich die Lebensgeschichten auch fand, für mein Leben war darin wenig Inspirierendes zu finden. Meinen Alltag schon Monate im Voraus auf die Stunde genau zu planen, diese Freiheit mögen manche Menschen haben, der normale Arbeitende in einem Familienverband wird sich wohl schwer damit tun.

Tipps wie "Definieren Sie ihre "Warum"-Aussage und nutzen Sie sie, um zu entscheiden, wie Sie Ihre Zeit und Energie priorisieren." klingen nett. Für mich (und das mag jetzt bitter klingen, aber ich hoffe, ihr wisst was ich meine) als berufstätige Mutter ist die Antwort darauf ganz oft "Weil ich will, dass es meiner Familie gut geht" oder "Weil ich sehr gerne meine Rechnungen pünktlich bezahlen kann".

Des Weiteren ist die Autorin eine ganz große Anhängerin des Tagebuchschreibens, viel mehr braucht man anscheinend nicht, um mit sich selbst in Verbindung zu gelangen. Das lag mir noch nie. Ich hab jetzt zwar motiviert wieder mal ein neues Notizbuch gekauft, aber es - wie empfohlen - immer bei mir zu tragen und immer mal wieder zu notieren, was mir durch den Kopf geht oder worauf ich gerade achte, ist einfach kaum umsetzbar. So sind die Seiten leer, auch irgendwie meine Erkenntnisseiten im Kopf.

Das Buch wird aufgelockert durch kleine Atemübungen und Kurzmeditationen, nichts, was ich nicht schon in dieser oder sehr ähnlicher Form gelesen habe. Manchmal sind die Boxen mit diesen Tipps in den Fließtext eingearbeitet, etwas, was ich von der Gestaltung her gar nicht mag. Wo mache ich jetzt eine Pause, um zu der Box zurückzukehren um sie zu lesen?

Am Ende habe ich viel gelesen, mir kaum etwas gemerkt und leider wenig gelernt. Schade, ich habe mir mehr erwartet.

Fazit: Leicht zu lesen, aber sehr viele Zitate und Lebensgeschichten, wenig Praktisches für mich.

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Veröffentlicht am 18.06.2024

Eine Liebesgeschichte in höheren Kreisen mit sehr problembeladenen Protagonisten.

Sommerherzen im Regen
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"Blondie war bereits an der Tür, drehte sich noch einmal zu ihm um und musterte ihn von oben bis unten, ehe sie sagte:'Eines Tages wirst du eine Frau treffen, die dir unter die Haut geht. Dann wirst du ...

"Blondie war bereits an der Tür, drehte sich noch einmal zu ihm um und musterte ihn von oben bis unten, ehe sie sagte:'Eines Tages wirst du eine Frau treffen, die dir unter die Haut geht. Dann wirst du an all die anderen Frauen denken, bei denen du nichts als einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen hast. (...) Ich wünsche dir eine Frau, die dir das Herz bricht.'"
Kein Problem für Oliver, er verliebt sich nie, da kann auch nichts gebrochen werden! Er genießt sein Leben. Derzeit in Shanghai, wo er für ein paar Tage mit Tamara, der Schwester seines besten Freundes Lucas, in dessen Wohnung zusammenlebt. "Lass ja die Finger von ihr!", hat Lucas ihn noch gewarnt. Als würde Lucas die eher langweilige Lehrerin interessieren!
Doch das Leben hat andere Pläne für ihn und unerwarteterweise verstehen sich die beiden gut und kommen sich näher. Auch nachdem er Shanghai verlassen hat, kreuzen sich ihre Wege immer wieder, aber bei jeder Begegnung schwirrt die Warnung seines Freundes in Olivers Kopf. Und Tamara ist viel zu schade für eine schnelle Begegnung!
Tamara hat eine schwere Vergangenheit, doch sie hat gelernt, mit dem Missbrauch in ihrer Jugend umzugehen. Oliver fühlt sich von seinem Vater ungeliebt und verbringt seine Tage mit Reisen und bloggen. Auf den ersten Blick scheinen sie wirklich nichts gemein zu haben, aber sie schätzen und helfen einander.
Dies war für mich der erste Teil der Shanghai Love Affairs, und ich tat mir ein wenig schwer. Die Personen hat man schnell kennengelernt, aber während Fans der Reihe sich wohl über die langen Wiedersehen der alten Protagonisten, zB bei einer Hochzeit, freuen werden, waren mir diese Passagen zu lang. Irgendwie geriet für mich dabei das Kennenlernen von Oliver und Tamara zu sehr in den Hintergrund.
Dazwischen waren manchmal wirklich berührende Begegnungen der beiden, die mir gut gefallen haben.
Was für mich teilweise schwierig war, ist das Männer- und Frauenbild. Ja, es ist ein leichter Liebesroman, da erwarte ich nicht zu viel. Aber dass ein Mann kurz vor der Hochzeit seine Verlobte als "Luxusweib" bezeichnet, stieß mir sauer auf. Auch der häufige Gebrauch des Wortes "egal" und der teilweise flapsige Schreibstil waren nicht meins.
Gegen Ende wurde noch mal auf große Gesten gesetzt, ich hätte mir da ein wenig mehr Feingefühl erwartet. Gerade bei einer Frau mit Missbrauchsvergangenheit fand ich Olivers oft beinahe übergriffiges Verhalten befremdlich. Auch der Rat einer "Freundin", ihr "Nein" nicht zu akzeptieren, denn jede Frau wolle erobert werden, kauf ihr, "Blumen, einen Ring, was weiß ich", und das, wo Tamara sich nichts aus Materiellem macht, tat irgendwie weh. Ja, sie weiß, dass Tamara Gefühle für ihn hat, aber den Rat, etwas hartnäckiger zu sein, hätte man auch subtiler verpacken können. Schade.
Fazit: Eine Liebesgeschichte in höheren Kreisen mit sehr problembeladenen Protagonisten.

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