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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.03.2025

Szenen aus dem Alltag

Deckung wie ein Boxer
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In seinem Gedichtband 'Deckung wie ein Boxer' nimmt Andie G. Schmitt Szenen aus dem Alltag genauer unter die Lupe. Dabei fängt er den Augenblick gekonnt, rhetorisch geschickt, in einer modernen, klaren, ...

In seinem Gedichtband 'Deckung wie ein Boxer' nimmt Andie G. Schmitt Szenen aus dem Alltag genauer unter die Lupe. Dabei fängt er den Augenblick gekonnt, rhetorisch geschickt, in einer modernen, klaren, allgemein verständlichen Sprache ein und lässt dabei viel Freiraum zur eigenen Interpretation. Die Vielfalt der angesprochenen Themen laden ein zum Lächeln, präsentieren sich melancholisch, geben Zuversicht, sind unerbittlich ehrlich, gehen auf Entdeckungsreise in vertraute, menschliche Verhaltensmuster und tummeln sich in urbanen Lebensräumen.
Die Lyrik der eingefangenen Momente erwacht in einer Lebendigkeit, die begeistert.

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Veröffentlicht am 04.03.2025

Amerikanische Bilder

Es werden schöne Tage kommen
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In seinem Debüt 'Es werden schöne Tage kommen' präsentiert Zach Williams zehn Geschichten, die einen düsteren, zum Teil wahnhaften Charakter besitzen, sich mit dem unheilvollen amerikanischen Zeitgeschehen ...

In seinem Debüt 'Es werden schöne Tage kommen' präsentiert Zach Williams zehn Geschichten, die einen düsteren, zum Teil wahnhaften Charakter besitzen, sich mit dem unheilvollen amerikanischen Zeitgeschehen auseinandersetzen, das beim Lesen Unbehaglichkeit auslöst und sehr nachdenklich stimmt. Der Autor vermag mit wenigen Worten Wesentliches zu vermitteln, bleibt dennoch nicht ganz ausformuliert für eigene spannende Interpretationsmöglichkeiten. Parallelen zum Rest der westlichen Welt lassen sich durchaus finden. Themen wie Selbstisolation und Depression werden intensiv beleuchtet als Zeichen unserer modernen Gesellschaft.
Zach Williams betritt die schriftstellerische Bühne mit einem Achtungszeichen für Beachtung.

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Familientragödie

Die Fletchers von Long Island
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Die jüdische Familie Fletcher lebt in sehr wohlhabenden Verhältnissen auf Long Island. Das Vermögen hat Zelig Flechter nach seiner Flucht in den neunzehnhundertvierziger Jahren in die Vereinigten Staaten ...

Die jüdische Familie Fletcher lebt in sehr wohlhabenden Verhältnissen auf Long Island. Das Vermögen hat Zelig Flechter nach seiner Flucht in den neunzehnhundertvierziger Jahren in die Vereinigten Staaten von Amerika mit viel Fleiß, harter Arbeit aber auch mit einer Portion Glück erwirtschaftet. Sein Sohn Carl wird neunzehnhundertachtzig in der Einfahrt seines Anwesens entführt und gegen eine hohe Lösegeldforderung Tage später körperlich unversehrt freigelassen. Seine mit Tochter Jenny schwangere Frau Ruth und die beiden kleinen Söhne Nathan und Bernard verbringen in dieser Zeit schreckliche Tage der Ungewissheit in großer Furcht um den Ehemann und Vater. In der Familie wird zu dem Ereignis Stillschweigen gewahrt. Es gibt keine Aufarbeitung der traumatischen Stunden, die seelische Schäden bei den Familienmitgliedern hinterlassen haben, ungeachtet möglicher Spätfolgen.
Taffy Brodesser-Akner setzt sich in ihrem Roman 'Die Fletchers von Long Island' sehr ausführlich mit dieser Familientragödie auseinander. Dabei nimmt sie die drei Geschwister genau unter die Lupe, berichtet über ihren Werdegang, ihre ganz persönlichen, sozialen und psychischen Probleme, ihre Auseinandersetzung mit ihrem Lebensumfeld, das geprägt ist durch das riesige Vermögen und scheinbare Sorglosigkeit garantiert. Die Autorin setzt sich mit Angstzuständen, Drogenmissbrauch, krankhaftem Sexualverhalten und Identitätsfragen auseinander, zeigt in dieser fesselnden Geschichte ihr Talent bei aller Dramatik, den Humor einfließen zu lassen.
Ich gebe dem Roman sehr gern meine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 26.02.2025

Aufarbeitung aktueller politischer Fragestellungen

Wohin treibt Russland?
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Jens Siegert beschäftigt sich in seinem Sachbuch 'Wohin treibt Russland?' mit der Frage was nach Putin und seiner Politik kommt. Dazu wirft der Autor zunächst einen Blick in die Vergangenheit des Landes, ...

Jens Siegert beschäftigt sich in seinem Sachbuch 'Wohin treibt Russland?' mit der Frage was nach Putin und seiner Politik kommt. Dazu wirft der Autor zunächst einen Blick in die Vergangenheit des Landes, sein Wachsen und Streben nach Glasnost und Perestroika bevor er Gedanken möglicher zukünftiger Szenarien entwickelt, die Denkanstöße geben und sicherlich kontroverse Diskussionen entfachen.
Der Politwissenschaftler, Journalist und Autor des Buches lebt seit über dreißig Jahren in Moskau, setzt sich intensiv mit den Machtstrukturen des Staates aber auch mit den Meinungen des Volkes auseinander, präsentiert uns ein Spiegelbild seiner Erfahrungen und stellt diese unserem Demokratieverständnis gegenüber. Dabei werden auch kritische Anmerkungen zum politischen Kurs des Westens in der Vergangenheit ausgesprochen.

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Veröffentlicht am 26.02.2025

Gesellschaftliche und kontinentale Risse

Der große Riss
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Christina Henríquez nimmt in ihrem Roman 'Der große Riss' gesellschaftliche Strukturen während des Baus vom Panamakanal, der 82 Kilometer langen Wasserstraße, die den Atlantik mit dem Pazifik verbindet, ...

Christina Henríquez nimmt in ihrem Roman 'Der große Riss' gesellschaftliche Strukturen während des Baus vom Panamakanal, der 82 Kilometer langen Wasserstraße, die den Atlantik mit dem Pazifik verbindet, genauer unter die Lupe. Präzise Recherchen decken auf, unter welchen Umständen die Menschen das gewaltige Bauwerk erschufen, welches den Kontinent Amerika durchtrennt für die Erschaffung einer kostengünstigen, gefahrenfreien Schifffahrtsroute. Ende des neunzehnten bis Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts lockten Aktiengesellschaften mit lukrativen Zweijahresarbeitsverträgen, gesundheitlicher Versorgung und freier Kost als auch Logie unzählige Abenteurer aber auch Menschen, die eine Chance sahen ihren Lebensstandard durch die finanziellen Versprechungen zu verbessern. Mit der Befreiung von Panama aus kolumbianischer Abhängigkeit beteiligten sich auch die US-Amerikaner am großen Geschäft.
Die Autorin stellt die sechzehnjährige Ada Burting aus Barbados, den aus der Familientradition abtrünnigen Fischersohn Omar, John Oswald den Arzt, der die Malaria zu bekämpfen versucht, in den Mittelpunkt ihrer Geschichte, die aufzeigt in welchem rassistischen Umfeld sich Siedler und Einheimische begegnen und wie Geld als auch Drogen eine entscheidende Rolle spielen, die die Gemeinschaft streng klassifiziert.

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