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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.02.2025

Betörend und verstörend zugleich

Das Lieben danach
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Helene Bracht, Pädagogin und Psychologin, hat mit „Das Lieben danach“ ihr erstes literarisches Werk vorgelegt.

Das vorliegende Buch schafft einen Spagat zwischen sehr persönlichen, intimen Lebenserinnerungen ...

Helene Bracht, Pädagogin und Psychologin, hat mit „Das Lieben danach“ ihr erstes literarisches Werk vorgelegt.

Das vorliegende Buch schafft einen Spagat zwischen sehr persönlichen, intimen Lebenserinnerungen und neuesten Erkenntnissen der Psychologie.
Als Kind sexuell missbraucht, geht sie ihren Weg und stellt diese Erlebnisse viele Jahre nicht in Frage. Erst rückblickend und in Verbindung mit ihrem fundierten Fachwissen trägt sie Schicht und Schicht ihres Lebens ab um zu erkennen, wie umfangreich diese frühen sexuellen Erfahrungen ihr gesamtes Leben beeinflusst haben. Ihr gelingt, das Schreckliche in Worte zu kleiden, ohne zu verschleiern, zu filtern, zu verharmlosen. Um das Verstörende aus ihrem eigenen kindlichen Erfahrungsradius zu erzählen, teilhaben zu lassen an prägenden Ereignissen und späteren Erkenntnissen.

Sprachlich gewandt wechselt sie zwischen ihren eigenen Erinnerungen und wissenschaftlichen Kontexten mühelos hin und her und macht dieses Buch zu einem ungewöhnlichen und vor allem kraftvollen Leseerlebnis.

Sie gibt mit „Das Lieben danach“ allen betroffenen Frauen - ob bewusst oder unbewusst - nicht nur eine Stimme, sondern auch den Mut, sich solch fatalen Lebensereignissen zu stellen.

Keine leichte Kost, aber in jedem Fall absolut lesenswert!

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Veröffentlicht am 20.01.2025

Eine Geschichte, wie sie das Leben manchmal zu schreiben beliebt

Für Polina
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„Für Polina“ ist das neueste Werk aus der Feder von Takis Würger und überzeugt mit einer gleichermaßen zart flüsternden und dennoch wortgewaltigen literarischen Stimme.

Fritzi Prager ist im letzten Jahr ...

„Für Polina“ ist das neueste Werk aus der Feder von Takis Würger und überzeugt mit einer gleichermaßen zart flüsternden und dennoch wortgewaltigen literarischen Stimme.

Fritzi Prager ist im letzten Jahr vor dem Abitur, als sie ungewollt schwanger von einer Italienreise zurück nach Hause kommt. Ihr Studium mit Vollstipendium verschiebt sie bis auf Weiteres. Hochschwanger schreibt sie dennoch ihr Abitur. Nur wenig später kommt ihr Sohn Hannes zur Welt. Im Krankenhaus lernen die beiden Günes mit ihrer Tochter Polina kennen. Und eine lebenslange Verbindung entsteht – vor allem zwischen Hannes und Polina.

Das Buch ist in drei Abschnitte eingeteilt, die sich getrost in „Zuhause“, „Sehnsucht“ und „Ankommen“ einteilen ließen. Die ersten beiden Abschnitte nehmen den größten Raum der Geschichte ein und könnten in der Stimmung, die sie erzeugen, nicht unterschiedlicher sein. Hannes, der in Abschnitt Eins nichts hat und doch irgendwie alles, was er braucht, hat in Abschnitt Zwei scheinbar eine Menge, mit dem er nicht viel anfangen kann. Ist man im ersten Teil des Buches als Leser noch geneigt, sich in den wildschönen Beschreibungen Würgers zu verlieren, leidet man im zweiten Abschnitt fast ein wenig mit Hannes und Polina und stellt sich klammheimlich immer wieder die Frage „Wie lässt sich der Mut aufbringen, Gedanken auszusprechen, für die es keine Worte gibt?“. Polina und Hannes lieben sich seit Anbeginn ihrer Zeit und sprechen doch so unterschiedliche Sprachen, dass das Leben sie immer wieder voneinander trennt.

Was dieses Buch zu einem hinreißenden Leseerlebnis macht, sind nicht nur die imposant geschriebenen Worte, sondern vor allem diese zarten Zwischentöne, die aus all dem Geschriebenen immer wieder fühlbar hervortreten und eine ganz eigenartig schöne Stimmung beim Leser erzeugen. Man kann sich diesem Roman kaum entziehen - da ist nichts, was noch mehr aus dieser einzigartigen Geschichte hätte herausgeholt werden können.
„Für Polina“ ist so bemerkenswert formvollendet, dass man nach 290 gelesenen Seiten atemlos zurückbleibt und sich in seine eigene Melodie hineinzuträumen versucht.

Ein bemerkenswertes Buch für alle, die das Besondere lieben.

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Veröffentlicht am 06.01.2025

Diese Geschichte lässt Herzwurzeln wachsen

Als wir im Schnee Blumen pflückten
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Das Debüt der schwedischen Schriftstellerin Tina Harnesk, die selbst samische Wurzeln hat, ist so viel mehr als nur ein Roman.

Verwoben mit Begebenheiten ihrer eigenen Familiengeschichte erzählt Harnesk ...

Das Debüt der schwedischen Schriftstellerin Tina Harnesk, die selbst samische Wurzeln hat, ist so viel mehr als nur ein Roman.

Verwoben mit Begebenheiten ihrer eigenen Familiengeschichte erzählt Harnesk in „Als wir im Schnee Blumen pflückten“ die Geschichte des fiktiven alten Sami-Ehepaares Mariddja und Biera.
Beide am Ende ihres Lebens angelangt, stellen sie sich des dunkelsten Kapitels ihres Lebens. Und das ist nicht die Vertreibung aus der Heimat, als Landesgrenzen gezogen und Land zu Besitz und Eigentum erklärt oder große Ungerechtigkeit an der samischen Bevölkerung verübt wurden – es ist der Verlust ihres Neffen Heaika-Joná, den sie wie einen Sohn umsorgt und geliebt haben und der ihnen eines Tages von seiner eigenen Mutter entrissen wurde.

Die Geschichte spielt in der Gegenwart und wird fortlaufend aus verschiedenen Perspektiven erzählt. In Rückblicken erfährt man ganz allmählich die Zusammenhänge und vor allem Beweggründe aller Protagonisten.
Das Buch handelt von Herzwurzeln, Heimat und Vertreibung. Vom Lauf des Lebens und seinen harten Prüfungen. Ein Buch, so schmerzlich schön, dass man es nicht mal eben so weglesen kann. Die Geschichte will tief in ihre Leser einsinken, wie die Schneeschmelze nach einem harten, langen, dunklen Winter in die sich erwärmende Erde einsinken und sie fruchtbar machen will.
Es gibt dutzende Sätze, die in ihrer Schönheit so formvollendet sind, dass man sie am liebsten kosten, schmecken und inhalieren möchte. Kurze Ausflüge in die samische Gedankenwelt lassen den Leser immer wieder innehalten, um simple Wahrheiten in ihrer Tiefe wirken zu lassen.

Einzig der deutsche Titel von “Folk som sår i snö“ ist wohl ein wenig misslungen. Zwar erregt „Als wir im Schnee Blumen pflückten“ zweifellos Aufmerksamkeit, dennoch impliziert der Titel nicht das, was die Autorin ursprünglich damit ausdrücken wollte.

„Als wir im Schnee Blumen pflückten“ ist insgesamt dennoch etwas ganz Besonderes und entzieht sich deshalb konventioneller Bewertungsrichtlinien. Die ganze Geschichte wirkt auf einer viel tieferen Ebene als der des Verstandes. Mag sie auch an manchen Stellen etwas langatmig sein – sie lässt Herzwurzeln wachsen, und das ist eben pure Magie!

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Veröffentlicht am 06.01.2025

Carmilla, Mutter von Dracula?

Carmilla
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Der irische Schriftsteller Joseph Sheridan Le Fanu wird als einer der bekanntesten Schriftsteller klassischer Schauerliteratur bezeichnet und doch ist der vorliegende Roman der Einzige aus Le Fanus Feder, ...

Der irische Schriftsteller Joseph Sheridan Le Fanu wird als einer der bekanntesten Schriftsteller klassischer Schauerliteratur bezeichnet und doch ist der vorliegende Roman der Einzige aus Le Fanus Feder, der es zu mehreren deutschen Übersetzungen gebracht hat.

Bekanntermaßen war Schauerliteratur im 19. Jahrhundert sehr gefragt. Lord Byron, Mary Shelley und Bram Stoker sind nur einige wenige bekannte Namen, die der schaurigen Literaturgattung jener Zeit maßgeblich prägten.
Die Novelle „Carmilla“, 1872 erstmals erschienen, hatte wohl einen sehr prägenden Einfluss auf Stokers sechsundzwanzig Jahre später erschienenen Roman „Dracula“ und nach der vorliegenden Lektüre kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, Le Fanu hätte sich wiederum von Mary Shelley und John William Polidori inspirieren lassen. Sei es drum.

„Carmilla“ brilliert mit einer sprachlichen Schönheit, wie sie selten anzutreffen ist. Bildgewaltig erzählt Le Fanu die Geschichte der jungen Laura, die mit ihrem Vater auf einem Schloss in der Steiermark lebt. Eine Erinnerung aus ihrer frühesten Kindheit lässt ihr auch Jahre später noch das Blut in den Adern gefrieren. Als die schöne, aber kränkliche Carmilla per Zufall den Weg auf das steiermärkische Schloss findet, staunt Laura nicht schlecht – die Ähnlichkeit zwischen der Frau aus ihrer traumatischen Kindheitserinnerung und Carmilla ist verblüffend. Zwischen den beiden entwickelt sich, aller Widrigkeiten zum Trotz, eine enge Freundschaft, die man fast schon als zarte Liebe bezeichnen könnte. Doch die Geschichte nimmt im Nachbarort ein jähes Ende.

Mit Eike Schönfeld liegt hier die dritte Übersetzung der Geschichte vor.
Worte wie „Mündel“ oder „Phantasmagorie“ lassen geneigte Leserherzen höherschlagen.
HobbitPress hat sich nicht lumpen lassen und eine fantastische Neuübersetzung dieser alten Geschichte mit hinreißendem Einband auf den Markt gebracht.

Klare Leseempfehlung für Liebhaber Klassischer Literatur!

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Veröffentlicht am 23.09.2025

Sirenengeflüster

Unbeugsam wie die See
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Die britisch-australische Schriftstellerin Emilia Hart hat mit 'Unbeugsam wie die See' ihren zweiten Roman vorgelegt.

Die Geschichte wird auf drei Zeitebenen fortlaufend erzählt. Hat man zu Beginn noch ...

Die britisch-australische Schriftstellerin Emilia Hart hat mit 'Unbeugsam wie die See' ihren zweiten Roman vorgelegt.

Die Geschichte wird auf drei Zeitebenen fortlaufend erzählt. Hat man zu Beginn noch den Eindruck, die drei Stränge der Geschichte hätten nicht wirklich etwas miteinander zu tun, flicht Hart die Stränge mehr und mehr zu einem Zopf - nicht zu straff, nicht zu lose. Heraus kommt eine starke Geschichte, in der Dunkelheit und Licht gleichermaßen Platz haben.

Hart konnte ihr schriftstellerisches Können im vorliegenden Werk abermals unter Beweis stellen. Die Protagonisten sind nahbarer, die Übergänge der Zeitebenen subtiler und ausgeklügelter als bei ihrem Debüt 'Die Unbändigen'. Insgesamt eine sehr lesenswerte Geschichte, in der Wortmagie betrieben wird.

Punktabzug gibt es für die Umsetzung des Verlags. Je größer die Verlagsgruppe HarperCollins wird, desto mehr verliert sie an Qualität. Zur Abwechslung finden sich im Text mal keine Schreibfehler - was wohl auch der großartigen Übersetzerin Julia Walther geschuldet ist.
Dafür ist im Klappentext von einer jungen Kunstlehrerin die Rede, die Jess' Geschichte nachhaltig verändern soll. Ein Fauxpas, der nicht hätte passieren dürfen - denn die vermeintliche Kunstlehrerin ist ein Kunstlehrer.
Den Titel 'Unbeugsam wie die See' kann man als ebenso misslungen betrachten, wie es auch beim Titel des Debüts 'Die Unbändigen' der Fall war. HarperCollins sollte dringend handeln.

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