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Veröffentlicht am 22.03.2025

Die Rache der alten Damen

Hieb und Strich
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Die Auswirkungen von Patriarchat und Misogynie hat Margaret Atwood in ihren Romanen mehrfach beschrieben - allen voran in ihrem berühmten "Report der Magd" oder "Die Zeuginnen". Mit "Hieb und Strich" schlagen ...

Die Auswirkungen von Patriarchat und Misogynie hat Margaret Atwood in ihren Romanen mehrfach beschrieben - allen voran in ihrem berühmten "Report der Magd" oder "Die Zeuginnen". Mit "Hieb und Strich" schlagen nun die Frauen zurück. Mit einer Länge von gerade mal 48 Seiten handelt es sich eher um eine Kurzgeschichte als eine Novelle, die aber ist vergnüglich zu lesen.

Ein bißchen erinnert die Handlung an das Sprichwort, wonach Rache am besten kalt gegessen wird: Eine Gruppe alter Damen, allesamt aus dem akademischen Lehrbetrieb, wollen sich an einer Gruppe Männern rächen, die einst die literarische Karriere einer Freundin mit Verrissen und hämischer Kritik in einer Literaturzeitschrift zerstörten. Die Autorin hatte sich nie von den Attacken des Männerklüngels erholt und ihr literarisches Potential ausgelebt, inzwischen ist sie todkrank. Späte Gerechtigkeit soll her. Die mobbenden Herren müssen bestraft werden, das aber endgültig.

Bei Gin Tonic, Weinschorle und Cola light planen die alten Damen ihren Rachefeldzug. Es gibt schließlich viel Diskussionsbedarf, wenn acht - oder waren es neun? - Männer ermordet werden sollen. Natürlich so, dass die später an die Reihe kommenden nicht gewarnt werden und die Polizei den Frauen nicht auf die Schliche kommt. Sind überhaupt alle gleich schuldig? Wird das Trio seine mörderischen Pläne umsetzen?

Hier soll natürlich nicht gespoilert werden, aber der ironische Stil Atwoods und die Dialoge des mörderischen Trios sorgen für ausgesprochenes Lesevergnügen. Da hätte Atwood gerne noch ein paar Seiten dranhängen können.

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Veröffentlicht am 19.03.2025

Bassd scho!

Gebrauchsanweisung für Franken
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Ewald Arenz ist nicht nur in Franken geboren und aufgewachsen, auch seine Romane spielen häufig in der Region, in den Dörfern und Kleinstädten mit ihrem nicht gerade zu rheinischer Kommunikationsfreude ...

Ewald Arenz ist nicht nur in Franken geboren und aufgewachsen, auch seine Romane spielen häufig in der Region, in den Dörfern und Kleinstädten mit ihrem nicht gerade zu rheinischer Kommunikationsfreude auflaufenden Menschen. Da liegt es nahe, ihn als Reiseführer und Erklärer der Region in der Reihe "Gebrauchsanweisung für..." einzusetzen, und Arenz ist der Aufgabe offenbar hochmotiviert nachgekommen. Zu dem Ergebnis würde man in Franken vermutlich knapp sagen: Bassd scho. Das ist, wie auch Arenz in seiner Beschreibung fränkischer Mentalität erzählt, geradezu überschwengliches Lob.

Arenz nimmt seine Leser*innen mit auf eine Reise kreuz und quer durch Franken, ausgehend von Nürnberg, schildert Lokalrivalitäten zwischen Ober- Mittel- und Mainfranken, zwischen Nürnberg und Fürth und zwischen Franken und Bayern sowieso. Denn eines müssen Franken-Besucher gleich von Anfang an verinnerlichen: Franken fühlen sich ganz überwiegend nicht als Bayern!

Arenz´Gebrauchsanweisung für lieblich-romantische Landschaften, schmucke Dörfer und Kleinstädte mit wenig Tourismus und manch architektonischem Juwel ist launig geschrieben, mit heiterer Ironie und einer Mischung aus Nähe und Distanz. Der Autor, der sich gerne auf dem Fahrrad durch Franken bewegt, plädiert für das langsame Reisen durch eine uralte Kulturlandschaft, wo alle schon mal waren - die Kelten, die Römer und selbst die Preußen. Von Bratwurst und Bier ist die Rede, von Mainschleife und Bochsbeutel, den Spuren der Bauernkriege und des Nationalsozialismus.

Vor allem aber ist es ein Beschreibung von Idylle und einem irgendwie langsameren Leben jenseits hipper Metropolen. Man sollte schon das Kleine, Überschaubare lieben, sanftes Hügelland und plätschernde Bäche, wenn man sich auf eine Franken-Tour begibt. Hungrig und durstig wird man jedenfalls nicht enden, wenn man Arenz´ Ratschläge berücksichtigt.

Veröffentlicht am 05.03.2025

Tödliches Autorenfestival

Die mörderischen Cunninghams. Jeder im Zug ist verdächtig (Die mörderischen Cunninghams 2)
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Mit den Regeln des Kriminalromans kennt sich Ernest Cunningham aus - als Romanautor hat er aber gegen eine ziemliche Schreibblockade anzukämpfen. Dabei rückt nicht nur die Deadline für sein Buch immer ...

Mit den Regeln des Kriminalromans kennt sich Ernest Cunningham aus - als Romanautor hat er aber gegen eine ziemliche Schreibblockade anzukämpfen. Dabei rückt nicht nur die Deadline für sein Buch immer näher, er ist auch zu einem rollen Krimiautorenfestival an Bord eines Zuges quer durch das australische Outback eingeladen. In "Die mörderischen Cunninghams" musste Ernest eines Serienmörder während eines Familientreffens in einer eingeschneiten Berglodge entlarven. Und auch auf der Zugfahrt geht es wieder tödlich zu: "Jeder im Zug ist verdächtig" lautet der Titel des Folgebands von Benjamin Stevenson.

Es geht einmal mehr turbulent zu - und Ernest ist nicht immer der Ermittler mit der schärfsten Spürnase. Leicht überfordert ist er auch, als es darum geht, seiner Freundin und Reisebegleiterin bei einem Stopp im Outback einen Heiratsantrag zu machen. Vermutlich war es nicht gerade geschickt, ihr vor der entscheidenden Frage damit zu konfrontieren, dass auch sie durchaus unter seinen Mordverdächtigen ist. So was ist denn doch ein echter Romantik-Killer.

Ein Killer geht aber auch im Zug rum und auf dem Autoren-Podium des Festivals werden unfreiwillig Plätze frei. Diesmal muss sich Ernest zwar nicht unter seiner mörderischen Familie bewegen, aber auch die Literaturwelt hat offensichtlich tödliche Nebenwirkungen - mal ganz abgesehen von einigen verlorenen Illusionen, wenn Star-Autoren aus nächster Nähe beobachtet werden. Der mitunter etwas tolpatschige Ernest gerät einmal mehr in ziemlich haarsträubende Situationen - doch vor dem Ende der Reise wird er dann doch den Durchblick haben.

Der Folgeband zu den mörderischen Cunninghams ist durchaus gelungen, allerdings ist es doch bedauerlich, dass Ernests exzentrische Verwandtschaft diesmal außen vor bleibt, die im ersten Band für eine ganz besondere Dynamik sorgte. Ernests Ermittlungen sind unterhaltsam und mit manchem kleinen Seitenhieb auf die Literaturwelt versehen - und die goldenen Regeln des Kriminalromans werden natürlich ebenfalls in Erinnerung gerufen.

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Veröffentlicht am 04.03.2025

Tödlicher Filmdreh

Mord im Chateau
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Das hätte sich Filmhistoriker Richard Ainsworth nicht träumen können, seit er seine akademische Karriere gegen den Betrieb einer kleinen Frühstückspension in Frankreich eingetauscht hat: Ein Filmteam ...

Das hätte sich Filmhistoriker Richard Ainsworth nicht träumen können, seit er seine akademische Karriere gegen den Betrieb einer kleinen Frühstückspension in Frankreich eingetauscht hat: Ein Filmteam ist angerückt, um einen historischen Film in der Region zu drehen. Cineast Richard ist begeistert, doch auch zusammen mit seiner Detektiv-Partnerin Valérie hat er mit den Filmleuten zu tun. Am Set gab es nämlich einige merkwürdige Vorfälle, eine junge Schauspielerin, die zudem eine Art Patentochter Valéries ist, wird bedroht. Das ungleiche Team soll sich um den Schutz auf dem Filmset kümmern. Als Security-Chef hat Richard schon bald viel Arbeit. Erst stirbt ein Komparse, dann kommt ein Schauspieler ums Leben. An eine natürliche Todesursache will Richard nicht glauben, so sehr der Produzent um eines reibungslosen Filmdrehs willen auf reinen Zufall pocht.

Zwischen exzentrischen Darstellern, die sich teilweise als echte Ekelpakete herausstellen, einer plötzlichen Funktion als Pressesprecher und angesichts neuer Drohungen und Intrigen sehnt sich Richard schon bald nach ein bißchen Qualtiy Time mit seinen geliebten Legehennen. Doch der Hühnerstall muss ein Sehnsuchtsort bleiben, solange im historischen Chateau vermutlich ein Mörder herumschleicht.

Ian Moores "Mord im Chateau" lebt wie schon die Vorgängerbände von dem Gegensatz zwischen dem eher weltfremden Cineasten Richard und der mondän-mysteriösen Valérie. Das ungleiche aber erfolgreiche Gespann wird einmal mehr ergänzt durch mittlerweile vertraute Nebenfiguren wie die resolute Putzfrau, die Betreiber einer Swingerclub-Pension und Richards Noch-Ehefrau. Und auch die britisch-französischen Kontraste in Temperament wie Lebensphilosophie geben dem rasanten Cozy-Krimi einmal mehr eine besondere Würze. Das augenzwinkernde Spiel mit Klischees macht einfach Spaß. Da hoffe ich doch mal auf ein Encore.

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Veröffentlicht am 27.02.2025

Ein ungewöhnliches Ermittlerpaar

Schmerz
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Mit dem Titel "Schmerz" hat Jon Atli Jonasson schon einiges vorweggenommen, denn sein ungewöhnliches Ermittlerpaar bei der Polizei Reykjavik muss sich mit reichlich seelischem und körperlichen Schmerz ...

Mit dem Titel "Schmerz" hat Jon Atli Jonasson schon einiges vorweggenommen, denn sein ungewöhnliches Ermittlerpaar bei der Polizei Reykjavik muss sich mit reichlich seelischem und körperlichen Schmerz auseinandersetzen. Als Team sind sie eine Art Schicksalsgemeinschaft - zusammengekommen, weil andere Probleme haben, mit ihnen zu arbeiten. Zwei Menschen, die einander zunächst sehr fremd sind und erst mit ihren ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten zueinander finden müssen.

Da ist Dora: Ein Routineeinsatz endete tragisch, seitdem hat sie die Reste einer Kugel im Kopf und ist nicht mehr die, die sie einmal war. Eigentlich ein Fall für Frühpensionierung, doch ihr ehemaliger Partner, der inzwischen Karriere gemacht hat, hält sie im Polizeidienst - ohne Außeneinsätze, sie soll alte Fälle überprüfen, denn ihr fallen Dinge auf, die andere übersehen.

Rado ist ganz anders: Sohn von Einwanderern aus Ex-Jugoslawien, dessen Familie während des Bürgerkriegs nach Island flüchten konnte. Er war in einer Spezialeinheit, doch plötzlich ist er außen vor: Ein Einsatz richtet sich ausgerechnet gegen seine polnische Schwiegerfamilie, die in Drogengeschäfte verwickelt ist. Plötzlich scheinen die Kollegen Rado nicht mehr zu trauen. Plötzlich darf er sich nicht mehr als Isländer fühlen.

Ein Vermisstenfall bringt die beiden zusammen, eigentlich vor allem, weil niemand anders Zeit für den Fall hat. Plötzlich ist Dora wieder im Außendienst. Ein vermisster non-binärer Teenager, den alle anderen längst aufgegeben haben, lässt das ungleiche Team nicht ruhen. Vielleicht lebt Morgan ja doch, allen Statistiken zum Trotz. Bei ihren Ermittlungen stoßen Dora und Rado auf Fragen, die sie zu weiteren Untersuchungen jenseits des Vermisstenfalls führen - und merken zu spät, dass sie in ein Wespennest gestochen haben.

Der Plot soll hier nicht vorweggenommen werden. Doch Jonasson zeichnet sehr sensibel und empathisch zwei Protagonisten, die teils gesellschaftlichen Erwartungen nicht entsprechen, teils plötzlich auf ihre Herkunft reduziert werden und sich mit solchen Zuschreibungen nicht abfinden wollen. Es ist auch ein Buch über den Kampf um Würde, um Solidarität und eine Freundschaft, die aus Bewährungsproben erwächst.

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