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Veröffentlicht am 28.02.2025

Probleme reicher Menschen

Die Fletchers von Long Island
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Ich mag Bücher mit einem guten ersten Satz. In Taffy Brodesser-Akner ‚Die Fletchers von Long Island‘ lautet der erste Satz: Willst du eine Geschichte hören, die schrecklich endet?

1980: Die jüdische ...



Ich mag Bücher mit einem guten ersten Satz. In Taffy Brodesser-Akner ‚Die Fletchers von Long Island‘ lautet der erste Satz: Willst du eine Geschichte hören, die schrecklich endet?

1980: Die jüdische Familie Fletcher lebt auf Long Island. Sie sind unvorstellbar reich, um nicht zu sagen absurd reich. Carl Fletcher, der ein großes Unternehmen leitet, wird eines Tages vor seinem Haus gekidnappt und wird erst nach einigen Tagen, nachdem eine große Summe Lösegeld gezahlt wurde, freigelassen.

2020: Vierzig Jahre später sind die Auswirkungen des Kidnappings bei den Familienmitgliedern immer noch zu spüren. Die Entführung ging an keinem spurlos vorbei. Vor allem die drei Kinder: Nathan, Bernard ("Beamer") genannt und Jenny, die Jüngste, die zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht auf der Welt war, tragen die Folgen der psychologischen Last dieses schrecklichen Familienereignisses. Und auch das Thema Holocaust belastet die Familie Fletcher. Denn der Firmengründer Zelig Fletcher ist mit nichts als einer Formel zur Herstellung von Styropor in den 1940er Jahren mit dem Schiff nach Amerika geflüchtet.

Es geht in diesem Roman auch um den Irrsinn des Reichtums. Schon in den 80-iger Jahren geht man ganz selbstverständlich zum Schönheitschirurgen, man hat keine Wünsche, die nicht erfüllt werden könnten. Okay, Reichtum öffnet Türen, die uns Normalos verschlossen bleiben. Aber macht es tatsächlich glücklich. Die Kinder der Fletchers jedenfalls nicht.

Ich muss leider gestehen, mich mutete die Geschichte in weiten Teilen sehr langatmig an. Die Autorin ging zu sehr ins Detail, das hat den Lesefluss stark gehemmt und dadurch wurde ich oft ungeduldig. So toll Taffy Brodesser-Akners Schreibstil auch ist, konnte mir diese Weitschweifigkeit doch den Lesegenuss vermiesen. Und lustig fand ich es ehrlich gesagt auch nicht.

Fazit: Man braucht Geduld.

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Veröffentlicht am 27.02.2025

Glückssuche im Schweige-Retreat

In der Ruhe liegt der Wahnsinn
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Adam und Evelyn stecken in einer Sackgasse, ihre Beziehung droht ihnen zu entgleiten. Hinter seinem Rücken meldet sie ihn für ein Vipassana-Retreat an: Zehn Tage Schweigen, zehn Tage Meditieren, zwölf ...




Adam und Evelyn stecken in einer Sackgasse, ihre Beziehung droht ihnen zu entgleiten. Hinter seinem Rücken meldet sie ihn für ein Vipassana-Retreat an: Zehn Tage Schweigen, zehn Tage Meditieren, zwölf Stunden am Tag! Ohne Bücher, ohne Handy, ohne Internet!

‚In der Ruhe liegt der Wahnsinn‘ von Adam Fletcher bietet eine fesselnde und tiefgehende Erkundung der menschlichen Psyche. Nicht ohne Humor, schildert er den Retreat und seine Mitsuchenden. Besonders über seinen Zimmerkollegen musste ich Schmunzeln. Zehn Tage gilt es mit Achtsamkeit runterkommen, sich selbst finden, seine Probleme zu lösen und insgesamt ein besserer Mensch zu werden. Na ob das wohl klappten wird? Adam ist schon bald genervt. Er ist praktisch den ganzen Tag am Meditieren, unterbrochen von kleinen Pausen.

Fletchers Schreibstil ist leicht und unterhaltsam. Er beobachtet und reflektiert sein Umfeld. Der beste Satz, in dem viel Wahres steckt, kam von seinem Kursleiterin. Es ging dabei um Adams Dämonen. Sein Kursleiter erklärte: Es geht ums Akzeptieren, nicht ums Besiegen.

Fazit: Spirituelle Praxis humorvoll betrachtet.

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Veröffentlicht am 19.02.2025

Der Dichter und seine Muse

Bis unsre Seelen Sterne sind. Rilke und Lou Andreas-Salomé
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In ‚Bis unsere Seelen Sterne sind‘ hat die Autorin Maxine Wildner die Verbindung des 22-jährigen Rainer Maria Rilke mit der der fast fünfzehn Jahre älteren Psychoanalytikerin und ebenfalls erfolgreichen ...


In ‚Bis unsere Seelen Sterne sind‘ hat die Autorin Maxine Wildner die Verbindung des 22-jährigen Rainer Maria Rilke mit der der fast fünfzehn Jahre älteren Psychoanalytikerin und ebenfalls erfolgreichen Schriftstellerin Lou Andreas-Salomé verarbeitet.

Lou von Salomé führt in Berlin mit den Orientalisten Friedrich Carl Andreas eine Scheinehe. Rilke ist von Lou fasziniert, sie unterstützt ihn in seiner Karriere, ist seine Kritikerin und seine Geliebte. Eine Amour fou jenseits aller Konventionen. Aber Rilke engt die freiheitsliebende Lou mehr und mehr ein.

Die Sprache ist zum Teil ungewohnt, ist aber der Gesellschaftsschicht und der Zeit angemessen. Besonders Lou Andreas-Salomé hat mich als Protagonistin beeindruckt. Rilke wurde in seiner Zerrissenheit und in seiner Egozentrik sehr gut gezeichnet. Mit Lous Mann habe ich gelitten. Dennoch bin ich mit den Protagonisten nicht warm geworden. Sie haben mich nicht wirklich erreicht. Ich empfand das Buch stellenweise als langatmig und zäh. Dennoch habe ich viel mitgenommen, über die Menschen dieser Zeit, die Begegnungen mit Tolstoj, Friedrich Nietzsche und Paul Rée, mit Malwida von Meysenbug und den Verbindungen nach Bayreuth und der Wagner-Familie.

Fazit: Ein Buch mit vielen interessanten Menschen.

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Veröffentlicht am 12.02.2025

Das einsame Kind

»Wenn Ende gut, dann alles«
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Mit ‚Wenn Ende gut, dann alles‘ hat Volker Klüpfel einen Auftakt zu einer neuen Krimireihe gestartet. Bekannt ist der Autor durch seine humorvolle Bestseller-Reihe um den Allgäuer Kommissar Kluftinger ...

Mit ‚Wenn Ende gut, dann alles‘ hat Volker Klüpfel einen Auftakt zu einer neuen Krimireihe gestartet. Bekannt ist der Autor durch seine humorvolle Bestseller-Reihe um den Allgäuer Kommissar Kluftinger und seinem Team, die er zusammen mit Michael Kobr geschrieben hat. Hier also sein erster Solo-Fall.

In diesen Roman werden Tommi, der charmante Chaot und mehr oder weniger erfolgreiche Krimiautor Tommi Mann und seine ukrainische Putzfrau Swetlana in eine abenteuerliche Geschichte verwickelt. Bei Tommi herrscht finanzielle Flaute. Deshalb bewohnt er das Wohnmobil seines Vaters während er an seinem Durchbruch als Bestsellerautor arbeitet. Zum Glück wird Swetlana von seinem Vater bezahlt, sonst würde er im Chaos versinken. Swetlana macht einen guten Job und legt übrigens Wert auf die Berufsbezeichnung Putzfrau, sie sieht sich nicht als Raumpflegerin oder Putzfee. Eines Abends, Tommi hat sich angeboten Swetlana nach Hause zu fahren, lesen sie ein kleines Mädchen am Waldrand auf. Die Kleine ist völlig durchnässt und spricht nicht. Die beiden machen sich auf eigene Faust auf die Suche nach der Mutter und kommen einem Verbrechen auf der Spur.

Klüpfels Alleingang liest sich flott. Die unnachahmliche Swetlana kommt sehr sympathisch rüber. Tommis Vater, der Lebemann und Stenz ist da weniger mein Geschmack. Und Tommi, dem Hauptcharakter, hätte ich gerne ein bisschen Feuer unter dem Hintern gemacht. Er kommt so gar nicht in die Gänge. Okay, der Humor kommt nicht zu kurz. Aber… wer die Kluftinger-Romane kennt, ist hier schon ein bisschen enttäuscht. Ich kann es nicht sagen, woran es lag, aber mich konnte der Roman nicht fesseln. Mit fehlt der letzte Funke. Ich hatte mir mehr erhofft.

Fazit: Leichte Krimikost zum Abschalten, leider kein ‚Kluftinger‘.

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Veröffentlicht am 29.12.2024

Urberlinerin ermittelt

Rosa Fröhlich – Der Tod wird kalt serviert
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"Rosa Fröhlich – Der Tod wird kalt serviert" von Frieda Mohn ist ein unterhaltsamer Berlin-Krimi mit viel Berliner Flair und Berliner Schnauze.

Rosa ist eine Vollblut-Gastwirtin mit dem Herzen, nicht ...



"Rosa Fröhlich – Der Tod wird kalt serviert" von Frieda Mohn ist ein unterhaltsamer Berlin-Krimi mit viel Berliner Flair und Berliner Schnauze.

Rosa ist eine Vollblut-Gastwirtin mit dem Herzen, nicht nur auf der Zunge, sondern auch auf dem rechten Fleck. In ihrem mit Herzblut geführtem Lokal ‚Onkel Leo‘ erwartet den Besucher traditionelle Hausmannskost. Das Konzept scheint aufzugehen. Der Laden läuft wie am Schnürchen. Aber dann wird ihr Bio-Fleischlieferant tot im Kühlhaus aufgefunden. Und jetzt mischen nicht nur ihre Tochter, die bei der Kripo arbeitet und ihr Vater, der ehemalige Kripo Hauptkommissar den Fall auf, auch Rosa steckt plötzlich mitten in den Ermittlungen.

Die Autorin Frieda Mohn schreibt flüssig und gut lesbar. Sie macht es ihren Lesern leicht, ihre Protagonisten zu mögen. Besonders Rosa kommt sympathisch rüber. Mit ihrer Schlagfertigkeit, ihrem Gespür für Menschen und ihrem Berliner Charme erobert sie die Leserherzen.

Fazit: Leichte, unterhaltsame Krimikost für kalte Winterabende.

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