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Veröffentlicht am 18.03.2025

Ein intensives Buch

Oh Sunny
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Ein Roman um Sunny, ein Mädchen in Bremen mit koreanischen Wurzeln.

Sunny spürt schnell, dass sie anders ist als die anderen. Anlehnen kann sie sich an die ältere Freundin Ha, die zeitweise bei ihren ...

Ein Roman um Sunny, ein Mädchen in Bremen mit koreanischen Wurzeln.

Sunny spürt schnell, dass sie anders ist als die anderen. Anlehnen kann sie sich an die ältere Freundin Ha, die zeitweise bei ihren Eltern wohnte. Doch auch die verschlossene Ha hat so ihre Probleme.

Es gibt viele Konflikte zwischen ihr und den Eltern.
Auch mit Mitte 20 wird sie von ihnen noch wie ein Kind behandelt.
Dann gibt es einen Vorfall und Sunny bricht aus. Sie schneidet sich die langen Haare ab und reist nach Berlin zu Ha, die dort einen koreanischen Kulturverein leitet.
Dort beschäftigt sie sich auch mit typisch koreanischen Themen der Geschichte, z.B. dem Leid der Trostfrauen im zweiten Weltkrieg, Kriegsgewalt gegen Frauen, das Massaker in Gwangju 1980 etc.

Auch weil in erster Person erzählt wird, liest man hier eindringlich über die Suche einer jungen Frau nach dem richtigen Weg für sich.

Mit Ta-Som Helena Yun kann man hier eine weitere neue deutsche Autorin entdecken, die sich zu lesen lohnt.

Veröffentlicht am 11.03.2025

Ansprache eines Bücherwurms

Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken
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„Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken“ ist ein raffinierter Roman, der ganz von der suggestiven Erzählstimme bestimmt ist.
Rückerinnernd erzählt ein sensible Frau von ihrem stürmischen, nicht ...


„Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken“ ist ein raffinierter Roman, der ganz von der suggestiven Erzählstimme bestimmt ist.
Rückerinnernd erzählt ein sensible Frau von ihrem stürmischen, nicht immer ganz einfachen Leben.
Dazu gehört auch die Liebe zu Büchern, besonders Lyrik und da ganz besonders die Dichterin Mascha Kaléko.
Deren Gedichte sind teilweise vor Kapiteln enthalten.
Nicht nur das Cover, selbst die Autorin sieht Mascha Kaleko ähnlich und vielleicht stellt man sich beim Lesen auch die Protagonistin so vor.
Die Erzählerin in der Gegenwart, da ist sie 39 Jahre alt, ruht anscheinend sehr in sich, das war nicht immer so. In vielen Episoden ihres Lebens gab es emotionale Sturmfahrten. So lernt man sie ganz gut kennen. Es gab eine Zeit, in der sie stark drogensüchtig war. Da gab es auch Übergriffe.
Erstaunlich, die schonungslose Ehrlichkeit und Offenheit. Eine hohe Qualität.
Die letzten Abschnitte sind dann wieder sehr emotionalisierend, aber davon soll an dieser Stelle noch nichts verraten sein.

Veröffentlicht am 08.03.2025

Carla Seidel, Polizeistation Dannenberg

Der Wolf im dunklen Wald
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Sia Piontek ist eine Autorin, die im Krimigenre zur Zeit angesagt ist und das liegt an ihrem guten Schreibstil und einer gelungenen Hauptfigur.
Carla Seidel. Sie ermittelt in einem Mordfall. Jemand wurde ...

Sia Piontek ist eine Autorin, die im Krimigenre zur Zeit angesagt ist und das liegt an ihrem guten Schreibstil und einer gelungenen Hauptfigur.
Carla Seidel. Sie ermittelt in einem Mordfall. Jemand wurde im Wald ermordet.
Eine große Rolle spielt Lana, ihre hochsensible, jugendliche Tochter, die in Fabian verliebt ist. Und Fabian könnte Zeuge im Wald in der Mordnacht sein.
Das Privatleben Carlas nimmt genauso viel Raum ein, wie der Fall. Ihr Ex-Mann Sören war gewalttätig und sie hatte früher getrunken. Ihr Alkoholproblem ist latent noch da. Lana steht zwischen den Stühlen.
Es ist geschickt gemacht, wie die Perspektiven in den Kapiteln wechseln. Mal Carla, mal Lana, wobei deren Abschnitte meist kürzer sind.
Die Zerrissenheit der Figuren macht sie so interessant. Sia Piontek hat ein Talent für psychologisch dramatische Szenen.

Der Wolf im dunklen Wald ist der zweite Teil der Reihe. Einen dritten wird es vermutlich auch noch geben.

Veröffentlicht am 01.03.2025

Auf Sendung in der Nacht

Wie Zugvögel
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Elizabeth Hay ist eine großartige Autorin aus Kanada, die auch lange fürs Radio arbeitete, und das spielt in diesem Roman eine Rolle.
In einer Radiostation arbeiten die zentralen Figuren des Romans zusammen.
Der ...

Elizabeth Hay ist eine großartige Autorin aus Kanada, die auch lange fürs Radio arbeitete, und das spielt in diesem Roman eine Rolle.
In einer Radiostation arbeiten die zentralen Figuren des Romans zusammen.
Der Originaltitel Late Night on airs gefällt mir noch besser als der deutsche.
Es ist ca. 1975 als die junge, selbstbewusste Dido Paris in dieser Radiostation anfängt
Weitere wichtige Figuren sind der Sendeleiter Harry Boyd, die Mitarbeiterinnen Eleanor Dew und Gwen Symon, der Fotograf Ralph u.a.
Aber auch der Schauplatz, die Stadt Yellowknife und Umgebung, hoch gelegen in Kanada, prägt das Buch mit. Und das weniger durch Naturbeschreibung als durch Ersichtlich machen des Lebensgefühls.
Die Autorin gestaltet ihren Roman unspektakulär, aber geschickt und gibt ihren Figuren Profil, gerade auch durch die Dialoge.
Es ist lange her, seit ich Elizabeth Hay zuletzt gelesen habe, aber sofort erkennt man sie als Schriftstellerin mit einem guten Stil wieder, der Atmosphäre erzeugt.

Veröffentlicht am 25.02.2025

Heinz und Erika

Das Würfelhaus
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Das Würfelhaus ist ein intelligentes Sachbuch mit autobiografischen Bezug, aber über das Individuelle hinaus übertragbar.
Sebastian Moll reise 2009 aus New York zurück nach Frankfurt, um sein Elternhaus ...

Das Würfelhaus ist ein intelligentes Sachbuch mit autobiografischen Bezug, aber über das Individuelle hinaus übertragbar.
Sebastian Moll reise 2009 aus New York zurück nach Frankfurt, um sein Elternhaus aufzulösen, nachdem auch die Mutter gestorben war. Der Vater, 1927 geboren, war schon Jahre vorher verstorben.
Doch diese Aufgabe wird zu einem Auseinandersetzen mit den Eltern und ihren Rollen in Kriegs- und Nachkriegszeit. Sie waren keine Täter, da auch zu jung, aber gläubige Mitläufer. Der Autor widmete sich besonders dem Vater, der als Jugendliche begeisterter HJ war. Er war aber gebildet und auch intellektuell ausgerichtet, es gab z.B. einige Gedichte und Briefe, die er schrieb. Gegen Kriegsende war er Flaghelkfer, ging zur Marine und war dann noch kurz in Kriegsgefangenschaft.
Sebastian Moll stellt viele Bezüge her, z.B. zu Klaus Theweleits Männerphantasien.
Der Untertitel des Buches „Mein Vater und die Architektur der Verdrängung“ ist auch stimmig für das Buch und die Zeit noch lange nach dem Krieg.
Ich denke, es ist eine absolut glaubwürdige Darstellung einer Generation, überwiegend packend geschrieben. Es ist auch wichtig, zu betonen, dass das Buch keine Abrechnung mit den Eltern ist. Es geht vielmehr nur um das Verstehen.