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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.12.2025

Zwischen berührend und oberflächlich

Die verlassene Tochter
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„Die verlassene Tochter“ ist der sechste Teil aus Soraya Lanes „Die verlorenen Töchter“ Saga und spielt auf einer großen Estancia in Argentinien. Die einzelnen Bände der Reihe sind in sich abgeschlossen ...

„Die verlassene Tochter“ ist der sechste Teil aus Soraya Lanes „Die verlorenen Töchter“ Saga und spielt auf einer großen Estancia in Argentinien. Die einzelnen Bände der Reihe sind in sich abgeschlossen und lassen sich daher unabhängig voneinander und in beliebiger Reihenfolge lesen.
Als Rose nach dem Tod ihrer Mutter nicht weiß, wie ihr Leben weiter verlaufen soll, erhält sie überraschende Post aus Argentinien. Sie soll das Erbe einer ihr bis dato unbekannten vermögenden Urgroßmutter antreten, die ihre Tochter - Roses Großmutter – vor Jahrzehnten nach der Geburt in London zur Adoption freigab. Alles scheint mit dem rätselhaften Holzkästchen zusammenzuhängen, dass Rose zuvor aus einem ehemaligen Londoner Frauenhaus erhalten hat. In Argentinien angekommen verliebt sich Rose nicht nur in das Anwesen ihrer Urgroßmutter. Auch ein attraktiver Polospieler lässt ihr Herz schneller schlagen. Außerdem versucht Rose das Rätsel um die verstorbene Verwandte zu lösen. Aber eigentlich gehört sie nach London, dort sind ihr Zuhause und ihr Leben – oder vielleicht doch nicht?
Das Cover zeigt ein herrschaftliches weißes Wohnhaus inmitten üppiger Natur. Es passt zum Inhalt des Buches ohne wirklich etwas zu verraten.
Der Roman spielt, wie auch die weiteren Bücher der Reihe, auf zwei Zeitebenen. In der Gegenwart steht Rose im Mittelpunkt, die bei ihrer Recherche über die Urgroßmutter Valentina in Argentinien von Polospieler Benjamin unterstützt wird. In der vergangenen Zeitebene ist Valentina die zentrale Figur, deren Entwicklung vom verliebten Mädchen zur jungen Frau von tragischen Ereignissen überschattet wird. Gerade dieser vergangenen Zeitebene gibt Autorin Soraya Lane große emotionale Tiefe. Einige Erlebnisse Valentinas gehen richtig unter die Haut. Im Gegensatz dazu bleibt die Gegenwart in meinen Augen leider in jeder Hinsicht ziemlich flach und wirkt stellenweise sehr weit hergeholt, auch im Vergleich mit einigen anderen Romanen der Reihe. Spannung kommt ebenfalls vor allem in Valentinas Leben auf, denn wie sich die Gegenwart entwickelt ist, abgesehen von kleinen Überraschungen leicht zu erahnen. Alles andere wäre aber sicherlich auch enttäuschend.
Die Charaktere wirken insgesamt recht sympathisch, haben aber auch ihre Schwächen, was sie menschlicher macht. Manche bleiben leider etwas flach. Vor allem Jessica wirkt als Roses beste Freundin unheimlich liebenswert. Trotz ihres Lebens auf einem anderen Kontinent mit zwei kleinen Kindern, Mann und einem Job ist sie stets zur Stelle, wenn Jessica sie braucht. Eine solche Freundin kann man sich nur wünschen. Rose selbst stellt ihr Leben und vor allem ihren Job als Anwältin nach dem Tod von Großmutter und Mutter in Frage und wirkt sehr unentschlossen. Zwar scheint sie in London kaum engere Kontakte zu haben, aber sie hängt sehr an ihren Erinnerungen. Eigentlich wirkt Rose durchaus sympathisch, allerdings erfährt man abgesehen von ihrer Trauer bedauerlich wenig über Roses Gefühle und Zukunftspläne. Auch die Gespräche mit Benjamin bleiben recht oberflächlich, obwohl er Roses Leben ziemlich durcheinander wirbelt. Benjamin liebt sein Land und seine Familie. Er unterstützt Rose umsichtig bei ihrer Recherche, verhält sich mitunter allerdings auch durchaus dominant und nicht sonderlich offen. Sehr gefühlsbeladen und berührend ist dafür die Darstellung von Valentina. Bei all ihren Schicksalsschlägen leidet man beim Lesen regelrecht mit. Es stimmt mich ein wenig traurig, dass sie so hart kämpft, um dann doch „nur“ das Lebenswerk ihres geliebten Vaters fortzuführen statt ihr eigenes Leben zu leben und ihr Glück zu finden. Dennoch wirkt Valentina durchaus zufrieden. Einige ihrer Entscheidungen kann ich jedoch nicht recht nachvollziehen und hätte mir gewünscht ihre Beweggründe zu erfahren. Im Gegensatz zu Valentina stammt Felipe nicht aus einer reichen Familie, sodass die beiden ihre Liebe in ihrer Jugend zunächst geheim halten müssen. Trotz seiner liebevollen, etwas forschen Art bin ich durch seine übereilte Reaktion, die spätere Heimlichtuerei und Feigheit doch ein wenig enttäuscht vom ihm.
Insgesamt ist „Die verlassene Tochter“ ein durchaus lesenswerter Roman, der vor allem mit dem vergangenen Zeitebene punktet, dabei aber nicht ganz so überzeugen kann wie die Vorgängerromane.

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Veröffentlicht am 10.12.2025

Vor den goldenen Erinnerung steht jede Menge Grau

Memories So Golden Like Us (Blue Eternity 2)
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„Memories So Golden Like Us“ ist der zweite Teil von Gabriella Santos de Limas „Blue Eternity-Reihe“, kann aber problemlos unabhängig vom ersten Teil gelesen werden. Das Cover ist in verschiedenen Goldtönen ...

„Memories So Golden Like Us“ ist der zweite Teil von Gabriella Santos de Limas „Blue Eternity-Reihe“, kann aber problemlos unabhängig vom ersten Teil gelesen werden. Das Cover ist in verschiedenen Goldtönen gestaltet, in denen immer wieder Pinselstriche zu erkennen sind. Ähnlich verhält es sich mit dem Farbschnitt, dem noch ein wenig lila beigemengt ist und der sich bedauerlicherweise nur über die Längsseite, nicht jedoch über Ober- und Unterseite erstreckt.
Seitdem ihr Bruder Sam vor einem Jahr gestorben ist, stürzt sich Künstlerin und It-Girl Blair mit Partys, Alkohol und Männern von einem Skandal in den nächsten. Als ihre Eltern ihr den Geldhahn zudrehen, ist sie gezwungen ihr Leben im fernen St. Ives neu zu ordnen. Sie soll endlich an einer neuen Bildreihe arbeiten, deren Malprozess filmisch begleitet wird. Doch es ist ausgerechnet Connor, Sams bester Freund, Blairs heimliche Liebe seit Teenagertagen und Freund ihrer ehemals besten Freundin, der nicht nur die Kamera führt, sondern über Wochen mit Blair unter einem Dach lebt.
Der Roman beinhaltet die Tropes Forced Proximity und Brother‘s Best Friend. Trauer(bewältigung), Body- & Slutshaming und mediale Macht, sowie Alkoholmissbrauch sind ebenfalls zentrale Themen des Romans. Autorin Gabriella Santos de Lima stellt in ihrem Buch sehr nahbar den emotionalen Aufruhr in der Gefühlswelt ihrer Protagonistin Blair dar. Die einzelnen Kapitel sind teils aus Blairs Sicht, teils aus Connors Sicht in Ich-Perspektive verfasst, sodass die Gedanken und Gefühle der beiden Protagonisten ungefiltert aufgenommen werden. In Blairs Fall sind es zeitweise beinahe zu viele Emotionen, die völlig durcheinander und immer wieder auf’s Neue auf den Leser einprasseln. Insgesamt lässt sich der Roman sehr flüssig lesen, wobei sich die Handlung für meinen Geschmack an einigen Stellen ein wenig zu sehr in die Länge zieht – weil eben eigentlich gar nicht allzu viel geschieht. Durchbrochen wird die Handlung immer wieder von Artikeln der Boulevardpresse und entsprechenden Hasskommentaren der Leser. In der Art wie sehr viele Menschen sich profilieren, indem sie ohne jedes Hintergrundwissen über andere urteilen bzw. sie verurteilen wirkt diese Einschübe erschreckend authentisch. Blairs Unberechenbarkeit im Zusammenspiel mit ihrer Verurteilung in den Medien sorgt für ein gewisses Spannungsniveau.
Die 24-jährige Protagonistin Blair hat mit dem Tod ihres älteren Bruders den Halt im Leben vollkommen verloren. Ehemals privilegiert und sehr selbstbewusst, ist sie nun oft verunsichert und hypochondrisch. Mit jedem neuen Tag bringt ihr Handeln sie noch ein Stück näher an den Abgrund. Partys, Alkohol und Männer sind ihre Mittel mit dem Verlust umzugehen. Zwar erkennt Blair durchaus oft, wohin ihr Handeln sie führt, doch von ihrem Verstand lässt sie sich trotzdem kaum leiten. Unerklärlicherweise scheint aber auch ihre Familie sie nicht zu einer Therapie zu drängen. Während sie selbst ihr Leben zertrümmert, schlagen und treten Presse und Follower noch zusätzlich sinnbildlich auf die am Boden liegende Blair ein. Auch wenn Blair keineswegs sonderlich sympathisch erscheint – manchmal sogar ein wenig nervig und unreif - ruft die mediale Verurteilung absolute Abscheu hervor. Der eher introvertierte Connor bildet einen ziemlichen Gegensatz zur impulsiven Blair. Er ist die meiste Zeit ruhig und besonnen. Seine Mitmenschen können sich auf ihn verlassen. Doch auch er leidet nach dem Tod seines besten Freundes und seine Gefühle für Blair treiben ihn in eine Gewissensnot. Auch Blair ist seit ihren Teenagertagen heimlich in Connor verliebt, was die gemeinsamen Wochen unter einem Dach nicht eben leichter machen. Zwar öffnen sich die beiden einander nach und nach, doch Blairs Angst vor tiefgehenden Gefühlen und Connors Moralvorstellung stehen ihnen im Weg. Die Entwicklung ihrer Beziehung erscheint mir zunächst sehr stagnierend, um sich dann ziemlich abrupt zu verändern. So angenehm das Buch sich auch liest, springt der Funke hier doch nicht so ganz auf mich über.
Obwohl der Roman mich auf der Beziehungsebene der Charaktere nicht gänzlich überzeugt, ist er emotionsbeladen, lässt sich sehr angenehm lesen und spricht wichtige und hochaktuelle Themen an.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.10.2025

Kommerz vs. Nachhaltigkeit und jede Menge japanisches Flair

Das Kamelienhaus
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„Das Kamelienhaus“ ist der Auftakt zu Tabea Bachs „Kamelienhaus-Saga“ und knüpft mit der nächsten Generation an „Die Kamelien-Insel-Saga“ an.
Nach langen Jahren der Abwesenheit kehrt Lucy nach ihrer Ausbildung ...

„Das Kamelienhaus“ ist der Auftakt zu Tabea Bachs „Kamelienhaus-Saga“ und knüpft mit der nächsten Generation an „Die Kamelien-Insel-Saga“ an.
Nach langen Jahren der Abwesenheit kehrt Lucy nach ihrer Ausbildung und mit erster Berufserfahrung auf die Kamelieninsel zurück, um als zweite Geschäftsführerin in das Unternehmen ihrer Mutter Sylvia - das Kamelienhaus - einzusteigen. Als familiäre Umstände Sylvia an der geschäftlich so dringend notwendigen Japanreise hindern, springt Lucy kurzerhand ein. Nicht ahnend, dass die Reise zur Kamelienölmanufaktur ihr ganzes Leben verändern wird, denn sie verliert ihr Herz nicht nur an den sympathischen Finn, sondern auch an die beschauliche Insel Soshima und ihre Bewohner. Als sich ausgerechnet Finn als Vertreter eines Heuschrecken-Investors entpuppt, setzt Lucy alles daran das marode Unternehmen und damit die Insel zu retten.
Die wunderschöne Aufmachung des Romans fällt sofort ins Auge. Das Tiefrosa im spirituell anmutenden Farbschnitt und auf dem Umschlag erinnert an die Farbe einer bekannten Kamelienart. Im Zentrum des Cover erblickt man wie durch ein rundes Fenster die japanische Kamelieninsel – sehr passend denn schließlich handelt es sich hierbei um den zentralen Schauplatz des Romans.
Tabea Bach fasst den japanischen Geist mit enormer atmosphärischer Dichte in Worte. Obwohl ich noch nie in Japan war und mich bisher auch nicht sonderlich mit Land und Kultur auseinandergesetzt habe, konnte ich in diese andere Welt regelrecht abtauchen und habe unheimlich viel über das Land, die Menschen, Kultur und Traditionen erfahren. Leider ist das Verhältnis in meinen Augen allerdings nicht ganz ausgewogen, denn durch die intensiven Schilderungen kommt stellenweise die Handlung ein wenig zum Erliegen. Ein weiterer Kritikpunkt an einem Roman, dessen Lektüre ich insgesamt durchaus genossen habe, ist der etwas schleppende Start. Durch die vielen Personen, die bereits aus den „Kamelien-Insel“ Romanen bekannt bzw. mir leider unbekannt waren, musste ich häufig zur Personenübersicht zurückblättern, was meinen Lesefluss und die Freude im ersten Viertel des Buches doch ein wenig getrübt hat. Umso erfreulicher fand ich es, den Roman schließlich doch mit jeder Seite etwas mehr genießen zu können. Das Spannungsniveau ist überschaubar, was ich von der Autorin z. B. aus der großartigen „Rosenholzvilla-Saga“ durchaus anders gewohnt bin. Es gibt zwar einige dramatische Ereignisse, doch die meisten lösen sich vorhersehbar und unproblematisch in Wohlgefallen auf. Zwar zeigen die einzelnen Charaktere durchaus Kampfgeist, aber vieles fällt ihnen eben für meinen Geschmack doch etwas zu leicht in den Schoß und wirkt damit nicht unbedingt authentisch. Spannung ist hier also eher im Bereich der leichten Unterhaltungsliteratur gegeben, was ich zwar ein wenig überraschend, aber durchaus in Ordnung finde.
Viele Charaktere, allen voran Lucys Familie gehörten zur „Kamelien-Insel-Saga“, einige neue Figuren tauchen nur kurz in diesem Auftaktband auf und bekommen vermutlich erst in den Folgebänden eine größere Bühne. Als Protagonisten stehen Lucy und Finn im Mittelpunkt des Geschehens. Beide sind jung, ehrgeizig, großartig ausgebildet und haben sich Hals über Kopf ineinander verliebt. Doch obwohl Lucy ihre Gefühle für Finn nicht abstellen kann, büßt er bei ihr doch jegliche Sympathie ein, als sein beruflicher Auftrag klar wird. Während Finn seinem Auftraggeber durch den Kauf der Kamelienölmanufaktur den größtmöglichen Profit sichern soll, sucht Lucy nach einer nachhaltigen Lösung, um ökonomischen, ökologische und persönliche Interessen in Einklang zu bringen. Die Insel und ihre – liebenswert, aber etwas einfältig dargestellten Bewohner sind ihr innerhalb kürzester Zeit ans Herz gewachsen. Doch während sich in Japan deutlich ihr Gewissen zeigt, lässt sie es in der Heimat vor allem ihrer Mutter gegenüber mitunter ein wenig an Feingefühl mangeln und verfolgt eher egoistisch ihre Ziel. Dieser Gegensatz macht Lucy in meinen Augen zwar nicht sympathisch, aber zu einer interessanten und facettenreichen Protagonistin. Finn hingegen weiß, dass er bei Lucy nur eine Chance bekommt, wenn er sein Leben von Grund auf ändert. Ob dieses Wissen allerdings eine echte Änderung seiner inneren Einstellungen und Überzeugungen bewirken kann, bleibt abzuwarten.
Für Japanfreunde führt an „Das Kamelienhaus“ kaum ein Weg vorbei. Auch alle anderen Leser finden einen unterhaltsamen, toll geschrieben Roman vor, der meine zugebenermaßen recht hohen Erwartungen nicht gänzlich erfüllt, mir aber durchaus Lesefreude bereitet hat.

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  • Handlung
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Veröffentlicht am 07.06.2025

Zwei Geschichten und die Frage nach der Perspektive

Great Big Beautiful Life
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Der Stand-alone-Roman „Great big beautiful Life“ ist für mich der erste Roman der Autorin Emily Henry.
Die beiden Journalisten und Autoren Alice Scott und Hayden Anderson konkurrieren auf Little Crescent ...

Der Stand-alone-Roman „Great big beautiful Life“ ist für mich der erste Roman der Autorin Emily Henry.
Die beiden Journalisten und Autoren Alice Scott und Hayden Anderson konkurrieren auf Little Crescent Island um den Auftrag die Biografie der einst ebenso so glamourösen wie skandalumwitterten Margaret Ives zu schreiben. Während Margaret den beiden während eines Probemonats nur sehr rudimentäre Einblicke in die Geschichte ihrer berühmt-berüchtigten Familie und ihres Lebens gibt, kommen sich die ungleichen Konkurrenten ungewollt nahe.
Das Cover des Romans ist in den knalligen Rottönen und den großen Schriftzügen mit Autorin und Titel zwar in meinen Augen ästhetisch nicht unbedingt ansprechend, aber ein absoluter Blickfang. Die beiden klein abgebildeten Protagonisten liefern bereits einen ersten Eindruck ihrer Charaktere und der fragmentierte Hintergrund spielt bereits auf Margarets Geschichte an. Nicht richtig stimmig erscheint mir allerdings der Titel – ja, das Leben im Allgemeinen ist sicherlich sehr vielschichtig und setzt sich immer aus den unterschiedlichsten, perspektivabhängigen Facetten zusammen. Auf die Leben der drei Protagonisten bezogen finde ich die Adjektive aber nicht wirklich treffend.
Emily Henry erzählt in ihrem Roman sowohl die romantische Liebesgeschichte von Alice und Hayden, als auch die tragische Familien- und Lebensgeschichte von Margaret. Margarets Geschichte ist weitgehend durch Alices Notizen dargestellt, während die sich entwickelnde Beziehung zu Hayden aus Alices Perspektive in Ich-Form erzählt wird. Emily Henry nutzt überwiegend kurze, einfache Sätze. Der Roman lässt sich entsprechend leicht und flüssig lesen. Während viele Passagen eindrücklich und atmosphärisch dicht erzählt sind, weist die Handlung an einigen Stellen kleinere Längen auf. Zum Schluss verliert sie dagegen meiner Meinung nach ein wenig an Intensität. Zwar gefällt mir die Grundidee, aber da sich die Ereignisse am Ende beinahe überschlagen, bleiben die (emotionalen) Auswirkungen erzählerisch ein wenig auf der Strecke.
Mit den ziemlich gegensätzlichen Charakteren lässt sich „Great big beautiful Life“ zweifelsfrei den Tropes opposite attracts, rival to lovers und grumpy meets sunshine zuordnen. Alice ist auf den ersten Blick eine sympathische, stets positiv eingestellte kleine Nervensäge. Oberflächlich ist sie dabei allerdings nicht, sondern interessiert sich stets für ihre Mitmenschen und versucht immer das Gute zu sehen. Obwohl ihr die Gefühle, die Hayden in ihr hervorruft nicht ganz gelegen kommen, wäre sie nur allzu bereit ihnen nachzugeben. Trotz ihres Optimismus bleiben aber auch ihr leidvolle Erfahrungen mitunter nicht erspart. Hayden ist nach außen hin eher ein brummiger Eigenbrötler. Doch wie so oft verbirgt sich hinter der rauen Schale ein weicher, sehr sensibler Kern. Wenn er einmal eine Entscheidung getroffen hat, meint er es ernst und auf ihn ist in jeder Hinsicht Verlass. Seine Gefühle für Alice bereiten ihm Angst und er versucht sein Möglichstes sie nicht zu nah an sich heranzulassen. Ein Verhalten, dass mich beim Lesen zeitweise ein bisschen gestört hat, denn eigentlich ist es dafür schon viel zu spät. Margaret hingegen ist ein echter Sturkopf und verfolgt ihre eigenen Pläne von denen weder Alice noch Hayden etwas ahnen. Bei den Berichten aus dem Leben ihrer berühmt-berüchtigten Familie und ihres eigenen gibt sie meist nur sehr fragmentarische Informationen preis. Nach den tragischen Ereignissen in ihrer Vergangenheit, hat sie sich vollständig vom Leben außerhalb ihres Anwesens zurückgezogen, sodass die Anwesenheit von Alice oder Hayden für sie bereits ein großer Schritt ist.
Obwohl der Roman insgesamt einige Schwächen aufweist, gefallen mir die Grundideen der beiden Handlungsstränge und ihre Verbindung miteinander. Sicher hat die Autorin das Potential nicht voll ausgeschöpft, trotzdem habe ich angenehme Lesestunden mit dem Roman verbracht.

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Veröffentlicht am 04.03.2025

Alte Wunden und neue Liebe auf der Sonneninsel Fehmarn

Sommernachtsküsse auf Fehmarn
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„Sommernachtsküsse auf Fehmarn“ ist der Auftakt zu Kira Hofs Ostsee-Liebesroman-Reihe. Der Roman besticht auf den ersten Blick mit einem hübschen, verspielten Cover, das die (Urlaubs)Idylle der Ostseeinsel ...

„Sommernachtsküsse auf Fehmarn“ ist der Auftakt zu Kira Hofs Ostsee-Liebesroman-Reihe. Der Roman besticht auf den ersten Blick mit einem hübschen, verspielten Cover, das die (Urlaubs)Idylle der Ostseeinsel gut einfängt. Allerdings macht das idyllische Setting nur einen kleinen Teil des Romans aus. Hinweise auf die eigentlich Handlung sind dem Cover kaum zu entnehmen.
Marie ist mit ihrem ruhigen Leben auf der beschaulichen Insel Fehmarn eigentlich sehr zufrieden. Auch die sich anbahnende Beziehung mit dem ortsansässigen Tierarzt Jörn macht nun langsam zarte Fortschritte. Nie hätte die Mittzwanzigerin damit gerechnet, dass Ben – Feriengast in der Pension ihrer Eltern und plötzlich zudem noch ihr Kunde im Immobilienbüro – ihr sorgsam geregeltes Leben so dermaßen durcheinander wirbeln könnte. Doch nicht nur Maries Gefühle geraten in Aufruhr. Dunkle Schatten aus der Vergangenheit breiten sich - nicht nur - über Ben und Marie aus. Ob die tragischen Ereignisse der Vergangenheit um der glücklichen Zukunft willen nun endlich überwunden werden können?
Kira Hof beweist einen Schreibstil der sich angenehm flüssig lesen lässt. Vor allem zu Beginn fängt die Autorin die Atmosphäre der beliebten Sonneninsel Fehmarn sehr bildhaft ein und macht Lust auf einen Abstecher ans Meer. Große Spannung lässt der Roman nicht aufkommen, auch wenn es in Maries Leben plötzlich deutlich aufregender zugeht. Lediglich kurz vor Schluss lässt sich ein kleiner Spannungshöhepunkt ausmachen. Für dieses Genre ist die geringe Spannung in meinen Augen allerdings vollkommen ok. Schließlich ist auch bereits zu erahnen, wie der Roman ausgeht. Ein wenig schade finde ich, dass Kira Hof die gewählte Ich-Erzählperspektive nicht noch intensiver nutzt, um Maries Gefühlswelt greifbarer zu machen. Das Trauma, dass sie nach dem Tod ihrer Schwester mit sich herumträgt wird zwar immer wieder angerissen, bleibt in meinen Augen aber doch ein wenig oberflächlich. Ein anderes Ereignis in der Vergangenheit von Maries Vermieterin und Oma-Ersatz Hilde ist so vorhersehbar, dass es beinahe schon wieder überrascht. Die Figuren wirken (fast) allesamt sympathisch, könnten jedoch etwas mehr Tiefe vertragen. Maries beste Freundin und Mitbewohnerin Franzi bringt mit ihrer lebhaften Art Schwung in die Handlung. Tierarzt Jörn scheint ein absoluter Schatz zu sein, erhält aber im Roman wenig Raum seinen Charakter zu entfalten. Zu ihren Eltern hat Marie offenbar ein harmonisches Verhältnis. Sie bieten ihr stets Rückhalt, drängen sie zu nichts und zeigen viel Verständnis für ihre Tochter – manchmal vielleicht mehr als gut für Marie ist. Ben ist Schauspieler in einer Schaffenskrise. Einen Plan wie sein Leben sich nach seiner Auszeit weiterentwickeln soll, muss er noch entwickeln. Aber noch etwas anderes belastet sein Gewissen und immer wieder auch sein Verhältnis zu Marie. Marie selbst führt ein ruhiges, geregeltes Leben mit wenig Raum für Überraschungen. Sie übernimmt gern die Verantwortung für die Theatergruppe und zeigt meistens viel Verständnis für ihre Mitmenschen. Das Trauma, dass sie durch den Tod ihrer Schwester erlitten hat, konnte sie nie so recht bewältigen, sondern hat viel mehr gelernt im geregelten Alltag damit umzugehen. Doch nun gerät sie immer mehr in eine Ausnahmesituation, in der Verdrängung keine Option mehr ist. Sowohl Ben als auch Marie müssen sich mit ihren qualvollen Gefühlen auseinandersetzen.
„Sommernachtsküsse auf Fehmarn“ ist ein angenehm geschriebener, wirklich unterhaltsamer Roman, der den Leser in Urlaubsstimmung versetzt. Insgesamt konnte mich das Buch leider nicht ganz in seinen Bann ziehen, weil ich mir hier und da ein bisschen mehr Tiefe gewünscht hätte. Trotzdem war es auch für mich eine angenehme und lesenswerte Lektüre.

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