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FranziskaBo96

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.07.2025

Kriegsverbrechen und Dolce Vita

Zypressensommer
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Wir schreiben das Jahr 1998. Julia reist nach dem Tod ihres Großvaters in sein Heimatland Italien, um in der Toskana mehr über seine Vergangenheit herauszufinden. Dort trifft sie nicht nur auf vermeintliche ...

Wir schreiben das Jahr 1998. Julia reist nach dem Tod ihres Großvaters in sein Heimatland Italien, um in der Toskana mehr über seine Vergangenheit herauszufinden. Dort trifft sie nicht nur auf vermeintliche Verwandte und interessante italienische Männer, sondern auch dunkle Geschichten aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Durch Rückblicke in die 40er-Jahre erfahren wir, was sich damals genau um die Familie Conti zugetragen hat.

Eins vorneweg: Ich rechne es Autor*innen immer hoch an, wenn sie sich mit historischen Themen beschäftigen, die bei uns sonst eher weniger Beachtung bekommen und vielleicht auch mal harter Tobak sind. Das ist bei "Zypressensommer" auf jeden Fall gegeben. Ich fand es wirklich toll, etwas mehr über den Widerstand in Italien zu erfahren, auch über die Kriegsverbrechen der Deutschen in dieser Region hatte ich bisher leider auch nur sehr wenig gehört. Man merkt definitiv, dass die Autorin hier gut recherchiert hat und dass es ihr am Herzen liegt, ihren Lesern diese Themen zu vermitteln.

Da hört es aber für mich schon mit den positiven Punkten bei diesem Buch auf. Was mich vor allem hier gestört hat, war der schlechte Schreibstil. Wie bei leider vielen deutschen Historienromanen werden die gut recherchierten Fakten total unnatürlich in Dialoge oder Tagebucheinträge eingebaut. So hat man dann leider immer das Gefühl, dass man einen Wikipedia-Artikel liest und keinen Roman.

Auch die Struktur der Erzählung ließ für mich viel zu Wünschen übrig. Dadurch, dass es mehrere Perspektiven gibt, die aber ungleichmäßig eingesetzt werden, ist es immer recht holprig und ich hatte vor allem gegen Anfang Probleme, der Handlung zu folgen. Das hing auch damit zusammen, dass ich erst sehr spät einen Überblick über die Figuren hatte, hier wäre sicher ein Stammbaum hilfreich gewesen. Ein entscheidendes Ereignis wird drei Mal aus verschiedenen Perspektiven erzählt, ohne dass ich aus irgendwelche neuen Erkenntnisse oder Gefühle aus den neuen Sichtweisen ziehen kann.

Hinzu kommt eine Überdosis Kitsch in den 1998-Kapiteln, die für mich einfach nicht zur ernsten Thematik der Rückblicke gepasst haben.

Zwar fand ich es interessant und wichtig, etwas über den Zweiten Weltkrieg in Italien zu lernen, leider konnte mich "Zypressensommer" ansonsten überhaupt nicht überzeugen.

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Veröffentlicht am 25.05.2025

Zettel an dich

Als ich dich traf
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In Daphnes Leben geschieht regelmäßig etwas, das auf den ersten Blick sehr praktisch erscheint: Jedes Mal, wenn sie einen Mann im romantischen Kontext kennenlernt, erhält sie kurz danach einen Zettel, ...

In Daphnes Leben geschieht regelmäßig etwas, das auf den ersten Blick sehr praktisch erscheint: Jedes Mal, wenn sie einen Mann im romantischen Kontext kennenlernt, erhält sie kurz danach einen Zettel, auf dem sie erfährt, wie lange die Beziehung dauern wird. Doch nun, nach ihrem ersten Date mit Jake, steht überhaupt kein Datum drauf. Heißt das nun, dass diese Liebe für immer sein wird? Und wie lange ist für immer eigentlich?

Von der Prämisse von "Als ich dich traf" war ich anfangs sehr begeistert. Und auch zu Beginn des Buches fand ich es spannend, Daphne durch ihre zahlreichen Dates mit Ablaufdatum zu begleiten. Leider lies diese Begeisterung ziemlich schnell nach.

Allen voran der Schreibstil war mir an vielen Stellen einfach zu oberflächlich. Vor allem ab der zweiten Hälfte, als es etwas ernster und emotionaler wird, konnte mich die Autorin überhaupt nicht mehr überzeugen. Auch wenn ein großer Cliffhanger für mich nicht vorhersehbar war, verlor die Geschichte ab dann wirklich an Biss für mich und driftete total ins 08/15 ab.

An dieser Stelle muss ich leider auch erwähnen, dass ich die deutsche Übersetzung gar nicht gut fand. Sie wirkte etwas mit der heißen Nadel gestrickt, mache ungewöhnlichen Formulierungen gaben mir das Gefühl, dass hier maschinelle Übersetzung als Grundlage verwendet wurde, die dann nicht gut genug nachbearbeitet wurde.

"Als ich dich traf" war also leider eine große Enttäuschung für mich - schade, die Prämisse war wirklich gut.

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Veröffentlicht am 12.05.2025

Das koloniale Malayisa

Das Haus der Türen
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"Das Haus der Türen" entführt uns ins Malaysia der 1920er Jahre, vor allem in die Welt der größtenteils weißen, wohlhabenden Schicht. Lesley Hamlyn und ihr Mann empfangen den Schriftsteller Willie Sommerset, ...

"Das Haus der Türen" entführt uns ins Malaysia der 1920er Jahre, vor allem in die Welt der größtenteils weißen, wohlhabenden Schicht. Lesley Hamlyn und ihr Mann empfangen den Schriftsteller Willie Sommerset, der anfangs vor allem das Land kennenlernen will, später aber vor allem an Lesley und ihrer Geschichte interessiert ist. So tauchen wir gemeinsam mit ihnen in das koloniale Malaysia und seine Schattenseiten ein...

Dieses Buch war ein typischer Fall von "einfach nicht mein Ding". Der Schreibstil war schon beeindruckend und ich verstehe viele positive Rezensionen, ich konnte der Geschichte persönlich aber so gar nichts abgewinnen. Ich denke, hier waren vor allem meine falschen Erwartungen das Problem.

Allen voran hätte ich mir ein bisschen erhofft, mehr über die Kolonialgeschichte Malaysias zu erfahren, über die man ja sonst eher wenig erfährt. Zwar gab es tatsächlich ein paar wenige interessante historische Einblicke, jedoch kamen die eigentlich nur aus Sicht der weißen Oberschicht und wirkten auf mich immer irgendwie relativ irrelevant. Oft hatte ich den Eindruck, dass mir einfach wichtiges Hintergrundwissen fehlte, um die Handlung und die Entscheidungen der Figuren zu verstehen. Natürlich ist es nicht die Schuld des Autors, dass ich Wissenslücken bei südostasiatischer Geschichte habe, ich denke nur, das sollte man im Vorhinein wissen.

Als Folge ließen mich auch die Figuren und ihre Verstrickungen ziemlich kalt. Vor allem Lesley und ihre Probleme rund um ihre Ehekrise waren mir relativ egal, Handlungen verschiedener Nebenfiguren fand ich durchaus interessanter, wurden aber für meinen Geschmack nicht gut genug ausgearbeitet und erklärt.

Zwar würde ich also sagen, dass das Buch sicher manchen gefallen wird, meine Erwartungen konnte "Das Haus der Türen" aber leider nicht erfüllen.

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Veröffentlicht am 04.03.2025

Komplizierte Dreiecksbeziehung

Rückkehr nach Budapest
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"Rückkehr nach Budapest" erzählt die Geschichte von Márta, einer Ungarin, die zu Beginn des Buches in der heutigen Zeit vom Tod ihrer Cousine Theresa erfährt. Von dort aus erleben wir immer wieder Rückblicke ...

"Rückkehr nach Budapest" erzählt die Geschichte von Márta, einer Ungarin, die zu Beginn des Buches in der heutigen Zeit vom Tod ihrer Cousine Theresa erfährt. Von dort aus erleben wir immer wieder Rückblicke in Mártas Studienzeit Ende der 80er, als sie bei einem Besuch in Ost-Berlin Theresas Freund Konstantin kennenlernt, in den sich Márta schnell verliebt, obwohl er doch zu Theresa gehört. Die nun beginnende Dreiecksbeziehung wirkt sich nicht nur negativ auf die Freundschaft der Cousinen auf...

Da ich eigentlich gern Geschichten aus der Wendezeit lese und besonders interessant finde, wie sie außerhalb Deutschlands erlebt wurde, war ich eigentlich sehr auf dieses Buch gespannt. Es ist mit seinen knapp 300 Seiten eine sehr kurzweilige Lektüre und tatsächlich gibt es immer mal interessante Einschübe zu politischen Entwicklungen der Zeit und wie sie die Protagonisten beeinflusst haben. Trotzdem war "Rückkehr nach Budapest" ziemlich enttäuschend.

Der Hauptgrund lag eigentlich darin, dass für mich zu viel Konzentration auf die Beziehungen der Frauen mit Konstantin gelegt wird. Natürlich, sie sind die Protagonisten der Geschichte, aber ich konnte irgendwie nie so ganz verstehen, was dieser Mann für diese beiden besonders machte. Ganz im Gegenteil fand ich ihn persönlich sogar ziemlich abstoßend und wünschte mir fast, dass sie beide vor ihm Reißaus nehmen. Viel lieber hätte ich noch mehr über den Zeitgeist der Wende in Ungarn erfahren, aber diese Aspekte wurden dann doch nur oberflächlich angeschnitten.

Auch das Ende kam mir irgendwie zu holprig vor und erschloss sich mir aus dem Rest der Handlung nicht so wirklich.

Mich konnte dieses Buch also leider nicht überzeugen.

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Veröffentlicht am 26.05.2024

Leider so gar nicht meins

Die Blumentöchter (Die Blumentöchter 1)
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Dalia ist gut behütet bei ihren Großeltern in Cornwall aufgewachsen, nachdem ihre Mutter bei ihrer Geburt gestorben ist. Wer ihr Vater ist, hat sie nie erfahren - bis nach dem Tod ihrer Großmutter ein ...

Dalia ist gut behütet bei ihren Großeltern in Cornwall aufgewachsen, nachdem ihre Mutter bei ihrer Geburt gestorben ist. Wer ihr Vater ist, hat sie nie erfahren - bis nach dem Tod ihrer Großmutter ein Brief aus Mexiko gefunden wird, der mehr Informationen gibt. Prompt steigt Dalia daraufhin in ein Flugzeug nach Lateinamerika auf der Suche nach ihrem Vater - und findet ganz nebenbei noch die große Liebe.

Wer nach so einem Buch greift, erwartet eine kitschige Liebesgeschichte, die vielleicht nicht immer super realistisch ist - und das wird hier auch abgeliefert. Das kann und will ich dem Buch nicht als Kritik vorwerfen und es gibt viele Autor*innen, die es schaffen, genau diese Atmosphäre gut zu übermitteln. Tessa Collins hat es nur leider für mich beim besten Willen hier nicht geschafft.

Nach etwa 100 Seiten passiert etwas so Dämliches und Unrealistisches, dass es eigentlich für mich sämtliche positive Gefühle, die ich bis dahin für die Geschichte hatte, komplett kaputt machte. Im Zeitalter des Internets ist einfach keine junge Frau so naiv und uninformiert, dass sie einen derartigen Fehler bei ihrer ersten großen Auslandsreise begehen würde.

Leider konnte mich auch die Atmosphäre Mexikos nicht überzeugen, oftmals hatte ich irgendwie das Gefühl, als würde ich nur eine Wikipedia-Seite zu dem entsprechenden Ort lesen. Die Menschen werden auch sehr klischeehaft beschrieben, ein bisschen mehr Nuance hätte ich mir da schon gewünscht. Und was ist bitte so komisch daran, Tortillas mit Nutella zu essen?

Das Fass zum Überlaufen brachte die Tatsache, dass Konflikte einfach immer auf dieselbe Art und Weise entstehen, nämlich dass jemand einen Streit verlässt, ohne die andere Person ausreden zu lassen, womit Missverständnisse in die Welt gesetzt werden. Das war nicht nur repetitiv, sondern in seiner Masse auch einfach total unrealistisch.

"Die Blumentöchter" konnte mich einfach überhaupt nicht überzeugen.

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