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Veröffentlicht am 10.03.2025

Die Demokratiebewegung ab 1848 unter Mitwirkung von Frauen

Im Wind der Freiheit
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Es geht um Freiheit und Selbstbestimmung, um Gleichheit für Männer und Frauen. Historisch aufbereitet mit besonderem Blick auf selbstbewusste, auch in der Politik aktive Frauen verfolgt man ab 1835 diverse ...

Es geht um Freiheit und Selbstbestimmung, um Gleichheit für Männer und Frauen. Historisch aufbereitet mit besonderem Blick auf selbstbewusste, auch in der Politik aktive Frauen verfolgt man ab 1835 diverse Lebenswege:
in Meißen, Sachsen, Franziska, Louise Otto-Peters, Pseudonyme Otto Stern, sozialkritische Schriftstellerin und spätere Verlegerin einer Zeitung, Demokratin und eine Mitbegründerin der bürgerlichen deutschen Frauenbewegung. Die junge Arbeiterin Susanne, angestellt in der Tuchfabrik Gerstig ausgestattet mit englischen Maschinen, mit ihrer Mutter in Oederan, Sachsen lebend. Die Auswirkung des schlesischen Weberaufstands von 1844 ist noch überall im Gedächtnis. Geht es im 1. Teil zunächst um Zensur von Verlagen und Zeitungen durch das Mainzer Informationsbüro, steigert sich im 2. Teil mit Robert Blum und Louise Otto der Ruf nach Freiheit und Würde, Wahlrecht für alle und Abschaffung der Zensur unter einem geeinten Deutschland. Mit dem erpresserischen Gernot, dem Mainzer Informationsbüro anzugehörend, kommen destruktive, menschenverachtende Elemente ins Spiel, mit Suzanne als geschickter Spionin. Um den ehrlichen Soldaten Lukas Brandstetter, 23, entwickelt sich in Berlin ein neuer Konfliktherd. Die politischen Vorgänge ab der Konstituierung des Vorparlaments in der Paulskirche in Frankfurt am Main sind im Detail nachvollziehbar mit Robert Blum als Abgeordneten, mit Amalie und Gustav Struve, mit Friedrich Hecker, August Peters, Clotilde Koch-Gontard etc.. Im 3. Teil geht es beim Mainzer Informations-Bureau, einem unter Fürst Metternich eingerichteten Geheimdienst, weiterhin um Bespitzelung oppositioneller Bewegungen - auch in Wien - und ihre endgültige Enttarnung.
Der Kampf um Frauenrechte wird eindrucksvoll beschrieben.

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Veröffentlicht am 08.03.2025

Spannende Enttarnung des 2. Verdächtigen

Der zweite Verdächtige
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Das Cover mit Wiedererkennungswert zeigt die Rückansicht eines Vollzugsbeamten, einen Gefängnisgang entlang gehend – die richtige Einstimmung auf den 5. Justiz-Krimi gebend. Mit dem jungen Mann Jan Staiger ...

Das Cover mit Wiedererkennungswert zeigt die Rückansicht eines Vollzugsbeamten, einen Gefängnisgang entlang gehend – die richtige Einstimmung auf den 5. Justiz-Krimi gebend. Mit dem jungen Mann Jan Staiger in einer Berliner Schwulenbar geht es im ersten Teil des Krimis zunächst um einen Unfall oder um Mord, hervorgerufen durch eine Überdosis von GHD, auch bekannt als K.O.-Tropfen. Neben der mysteriösen Figur FUZZ, in den sozialen Medien mit Tweets für Unruhe sorgend, agiert auch Hauptkommissar Berger zumindest übereifrig bei der Verhaftung des schwulen Jan. Die ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen dem Strafverteidiger Rocco Eberhardt und dem Rechtsmediziner Dr. Justus Jarmer überzeugt durch klar nachvollziehbare Argumente in der schwierigen Beweisführung. Die diffizile Arbeit von Kriminaltechnikern, Toxikologen, Rechtsmedizinern etc. zur Aufspürung forensischer Beweise imponiert in ihrer realistischen Beschreibung. Thematisiert werden die Korruptheit im Ermittlungsapparat, Vorurteile gegen Homophobie, Rache, Drogen wie GHB, der genaue Ablauf eines Prozessverfahrens. Auch die persönlichen, familiären Facetten der Hauptfiguren werden einbezogen, lassen ihre Charaktere menschlich erscheinen.
Viele Spannungsmomente bis zur Aufdeckung des wirklichen Täters.

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Veröffentlicht am 05.03.2025

So viel Liebe zu Mensch, Tier, Natur und Büchern

Die Bücherfrauen von Listland. Der Gesang der Seeschwalben
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Das Cover versprüht eine wild romantische Atmosphäre im vernebelten Sonnenaufgang am Meer, mystisch auch die zart übergleitende Farbgebung – sehr ansprechend und passend zum Roman. Der Star der Potcast-Reihe ...

Das Cover versprüht eine wild romantische Atmosphäre im vernebelten Sonnenaufgang am Meer, mystisch auch die zart übergleitende Farbgebung – sehr ansprechend und passend zum Roman. Der Star der Potcast-Reihe Bemerkenswerte Bücherfrauen mit der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit steht im Mittelpunkt. Von Fenja Lorenzen und ihrem Mutter-Tochter-Drama wird erzählt. In zwei Erzählsträngen ab 1937 und der Gegenwart geht es auch um die Liebe zu einem Mann jüdischer Herkunft mit etlichen negativen Konsequenzen für die Familie. Die Szenerien in zwei Teilen spielen größenteils in Niebüll, Friedrichstadt und Listland, eingebettet in viel Lokalkolorit, Symbolik und historische Daten. Die Journalistin Anna März begleitet die Familie taktvoll auf ihrem Weg der gegenseitigen Annäherung. Die Einstellung gegen Krieg, Hass, ethnische Vorurteile und die Auswirkung früher Traumata wird thematisiert. Diese Schilderungen der Vergangenheitsbewältigung und des Alltagslebens besonders auf Listland wirken realistisch und authentisch, überzeugen auch in ihren größenteils sympathischen Charakteren in angenehmem Schreibstil.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Familiengeheimnisse, seit Generationen verschwiegen.- einfühlsam aufbereitet

Vor hundert Sommern
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Das Cover mit lesender, junger Frau im Baum erinnert passend an eine Hauptfigur im Generationenroman, der sich hauptsächlich mit dem bewegenden Schicksal dreier Frauen einer Familie befasst. Auf zwei Erzählebenen ...

Das Cover mit lesender, junger Frau im Baum erinnert passend an eine Hauptfigur im Generationenroman, der sich hauptsächlich mit dem bewegenden Schicksal dreier Frauen einer Familie befasst. Auf zwei Erzählebenen – 1924 und 2024 – geht es jeweils im Wechsel von Gegenwart und Vergangenheit um politische und historische Entwicklungen sowohl im heutigen universitären Rahmen in Richtung Antisemitismus, Unterdrückung der Meinungsfreiheit nicht nur auf sozialen Medien, Hasspropaganda als auch nach 1924 um das Nazi-Regime. In Berlin, Hamburg und Bremen erstehen realistisch und einfühlsam beschriebene Szenen besonders um Clara in Berlin-Charlottenburg, die nach 1924 unter dem Erstarken der NSDAP sehr bedrückend wirken. Die Darstellung des gefährlichen Alltagslebens von Juden, Halbjuden, Kommunisten, Gewerkschaftlern und in Mischehen regt sehr zum Nachdenken an, erfährt doch die damalige Hass- und Gewaltwelle mancherorts nach 100 Jahren ein erneutes Erstarken. Durch das Auffinden rätselhafter Gegenstände wie z.B. Fotos, Briefen oder einer Pistole beim Entrümpeln von Claras Wohnung wird geschickt ein Spannungsbogen entlang den stückweisen Enthüllungen der Seniorin Elisabeth gespannt. Die Figuren sind alle menschlich, sympathisch und realistisch gezeichnet. Der feinfühlige Schreibstil lässt die oft beklemmende Atmosphäre von Schuld, Hass und Gefahr nachempfinden.
Empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 01.03.2025

Liebevolle, aber auch still hinterfragte Erinnerungen einer emanzipierten Frau

Schwimmen im Glas
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Das Selbstporträt, das Hannelore Moser, kurz Lore, als Schulkind malt, beschreibt sehr gut ihre bisherige, als einengend und ungerecht empfundene Lebenssituation als stummen Fisch mit Schuppen und goldenen, ...

Das Selbstporträt, das Hannelore Moser, kurz Lore, als Schulkind malt, beschreibt sehr gut ihre bisherige, als einengend und ungerecht empfundene Lebenssituation als stummen Fisch mit Schuppen und goldenen, silbernen, bunten Flossen, gefangen in einem Gurkenglas mit Deckel, der über einen aggressiven Stachel einen gelben, eitrigen, krankhaften Schleier abgibt. Und das Gurkenwasser im sie eingrenzenden Glas ist ihr beschränktes Universum. In ruhigem Schreibstil hinterfragt Lore von Kindesbeinen an ihre wohl behütete, patriarchalisch geprägte Welt. Frauen sollen z.B. dankbar sein für unzählige Zugeständnisse der Männer, für deren Entgegenkommen. Und wofür sollen Männer dankbar sein? Besonders der Großvater wirkt prägend auf Lore in seiner Welt voller festgefahrenen, überkommenen Geschlechterrollen. In ihren mit Bedacht geführten Gesprächen – auch über Kriegserlebnisse - fallen viele tiefgehende Gedankenstriche und der Einsatz der Wörter aber, eigentlich, wirklich auf. Tante Ursula bildet als künstlerisch veranlagter, außerhalb allgemein gültiger Normen lebender Stadtmensch den hitzigen, feministisch argumentierenden Kontrapunkt in der Familie. Das Leben der erwachsenen, emanzipierten Lore wird nur in Bruchstücken beleuchtet.
Ein einfühlsamer Erinnerungsroman!

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