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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.03.2025

So viel Liebe zu Mensch, Tier, Natur und Büchern

Die Bücherfrauen von Listland. Der Gesang der Seeschwalben
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Das Cover versprüht eine wild romantische Atmosphäre im vernebelten Sonnenaufgang am Meer, mystisch auch die zart übergleitende Farbgebung – sehr ansprechend und passend zum Roman. Der Star der Potcast-Reihe ...

Das Cover versprüht eine wild romantische Atmosphäre im vernebelten Sonnenaufgang am Meer, mystisch auch die zart übergleitende Farbgebung – sehr ansprechend und passend zum Roman. Der Star der Potcast-Reihe Bemerkenswerte Bücherfrauen mit der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit steht im Mittelpunkt. Von Fenja Lorenzen und ihrem Mutter-Tochter-Drama wird erzählt. In zwei Erzählsträngen ab 1937 und der Gegenwart geht es auch um die Liebe zu einem Mann jüdischer Herkunft mit etlichen negativen Konsequenzen für die Familie. Die Szenerien in zwei Teilen spielen größenteils in Niebüll, Friedrichstadt und Listland, eingebettet in viel Lokalkolorit, Symbolik und historische Daten. Die Journalistin Anna März begleitet die Familie taktvoll auf ihrem Weg der gegenseitigen Annäherung. Die Einstellung gegen Krieg, Hass, ethnische Vorurteile und die Auswirkung früher Traumata wird thematisiert. Diese Schilderungen der Vergangenheitsbewältigung und des Alltagslebens besonders auf Listland wirken realistisch und authentisch, überzeugen auch in ihren größenteils sympathischen Charakteren in angenehmem Schreibstil.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Familiengeheimnisse, seit Generationen verschwiegen.- einfühlsam aufbereitet

Vor hundert Sommern
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Das Cover mit lesender, junger Frau im Baum erinnert passend an eine Hauptfigur im Generationenroman, der sich hauptsächlich mit dem bewegenden Schicksal dreier Frauen einer Familie befasst. Auf zwei Erzählebenen ...

Das Cover mit lesender, junger Frau im Baum erinnert passend an eine Hauptfigur im Generationenroman, der sich hauptsächlich mit dem bewegenden Schicksal dreier Frauen einer Familie befasst. Auf zwei Erzählebenen – 1924 und 2024 – geht es jeweils im Wechsel von Gegenwart und Vergangenheit um politische und historische Entwicklungen sowohl im heutigen universitären Rahmen in Richtung Antisemitismus, Unterdrückung der Meinungsfreiheit nicht nur auf sozialen Medien, Hasspropaganda als auch nach 1924 um das Nazi-Regime. In Berlin, Hamburg und Bremen erstehen realistisch und einfühlsam beschriebene Szenen besonders um Clara in Berlin-Charlottenburg, die nach 1924 unter dem Erstarken der NSDAP sehr bedrückend wirken. Die Darstellung des gefährlichen Alltagslebens von Juden, Halbjuden, Kommunisten, Gewerkschaftlern und in Mischehen regt sehr zum Nachdenken an, erfährt doch die damalige Hass- und Gewaltwelle mancherorts nach 100 Jahren ein erneutes Erstarken. Durch das Auffinden rätselhafter Gegenstände wie z.B. Fotos, Briefen oder einer Pistole beim Entrümpeln von Claras Wohnung wird geschickt ein Spannungsbogen entlang den stückweisen Enthüllungen der Seniorin Elisabeth gespannt. Die Figuren sind alle menschlich, sympathisch und realistisch gezeichnet. Der feinfühlige Schreibstil lässt die oft beklemmende Atmosphäre von Schuld, Hass und Gefahr nachempfinden.
Empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 01.03.2025

Liebevolle, aber auch still hinterfragte Erinnerungen einer emanzipierten Frau

Schwimmen im Glas
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Das Selbstporträt, das Hannelore Moser, kurz Lore, als Schulkind malt, beschreibt sehr gut ihre bisherige, als einengend und ungerecht empfundene Lebenssituation als stummen Fisch mit Schuppen und goldenen, ...

Das Selbstporträt, das Hannelore Moser, kurz Lore, als Schulkind malt, beschreibt sehr gut ihre bisherige, als einengend und ungerecht empfundene Lebenssituation als stummen Fisch mit Schuppen und goldenen, silbernen, bunten Flossen, gefangen in einem Gurkenglas mit Deckel, der über einen aggressiven Stachel einen gelben, eitrigen, krankhaften Schleier abgibt. Und das Gurkenwasser im sie eingrenzenden Glas ist ihr beschränktes Universum. In ruhigem Schreibstil hinterfragt Lore von Kindesbeinen an ihre wohl behütete, patriarchalisch geprägte Welt. Frauen sollen z.B. dankbar sein für unzählige Zugeständnisse der Männer, für deren Entgegenkommen. Und wofür sollen Männer dankbar sein? Besonders der Großvater wirkt prägend auf Lore in seiner Welt voller festgefahrenen, überkommenen Geschlechterrollen. In ihren mit Bedacht geführten Gesprächen – auch über Kriegserlebnisse - fallen viele tiefgehende Gedankenstriche und der Einsatz der Wörter aber, eigentlich, wirklich auf. Tante Ursula bildet als künstlerisch veranlagter, außerhalb allgemein gültiger Normen lebender Stadtmensch den hitzigen, feministisch argumentierenden Kontrapunkt in der Familie. Das Leben der erwachsenen, emanzipierten Lore wird nur in Bruchstücken beleuchtet.
Ein einfühlsamer Erinnerungsroman!

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Veröffentlicht am 27.02.2025

Sehr spannend!

Don't Let Her Stay
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Das geheimnisvolle Cover lässt den Blick über eine leicht geöffnete Zimmertür aus dem Hellen in einen dunklen Raum wandern, auch der Untertitel lässt neben dem Titel verstärkt Beklemmungen aufkommen. Die ...

Das geheimnisvolle Cover lässt den Blick über eine leicht geöffnete Zimmertür aus dem Hellen in einen dunklen Raum wandern, auch der Untertitel lässt neben dem Titel verstärkt Beklemmungen aufkommen. Die Kategorie Psychothriller passt hier. Aus einem familiären, anfangs fast perfekten Familienidyll in Chelmsford auf einem vornehmen Anwesen auf dem Lande in Großbritannien entwickelt sich zwischen drei Hauptfiguren ein spannender Plot. Die Icherzählerin, Joanne Atkinson, 33, ehemalige Immobilienmaklerin, liebevolle, jedoch vereinsamte Mutter der erst wenige Monate alten Evie ist verheiratet mit dem älteren Richard, Investmentbanker in bisher harmonischer Ehe. Durch das Auftauchen der Stieftochter Chloe, fast 21, erhält dieser Plot durch Missverständnisse und unklare Kommunikation, durch gezielte Verunsicherung von Joanne eine starke Dynamik durch in sich steigender unheilvoller, teils blutiger Atmosphäre. Diese drei Charaktere sind in ihrer Eigenheit klar gezeichnet: die als Stiefmutter um den Zusammenhalt der Familie kämpfende Joanne in großer Angst um ihr Baby und um Aufklärung von Choes seltsamem Verhalten bemüht. Ihr Ehemann Richard sorgt als ambivalenter Vater um Ausgleich zwischen den Mädels. Doch Chloe erweist sich als eine Meisterin der Manipulation zwischen beiden, lässt ihre Stiefmutter in schlechtem Licht stehen und sabotiert Vereinbarungen mit ihr. Das toxische Klima mit blutigem Höhepunkt hält noch einen raffinierten Kick im Epilog in der Hinterhand.
Ein mitreißendes Leseerlebnis!

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Veröffentlicht am 24.02.2025

Die Violinistin Anna Maria della Pietà – eine erfolgreiche Frau des 18. Jahrhunderts

Die Melodie der Lagune
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Das Cover zeigt einen Violinschlüssel, in dessen Aussparung, ein Venedig-Motiv unterlegt ist – sehr ansprechend und treffend zum Buchinhalt. Neben der Musik des 18. Jahrhunderts in der Republik Venedig, ...

Das Cover zeigt einen Violinschlüssel, in dessen Aussparung, ein Venedig-Motiv unterlegt ist – sehr ansprechend und treffend zum Buchinhalt. Neben der Musik des 18. Jahrhunderts in der Republik Venedig, teilweise von Antonio Vivaldi komponiert, geht es um die Stellung der Frau in der damaligen Gesellschaft und manch tragischem Schicksal in dieser reichen, quirligen Stadt voller Gold und Diamanten. Die Hauptfigur Anna Maria, 1696 geboren, ein Waisenkind im Ospedale della Pietà, wird ab 8 Jahren an dem angeschlossenen Musikkonservatorium für Mädchen unter Mitwirkung des Geigenvirtuosen und Komponisten Antonio Vivaldi unterrichtet und macht sogar als Musikdirektorin, maestra, Karriere nach ihren Erfolgen als Erste Geige im figlie di coro, dem weltberühmten Orchester des Waisenhauses. und als Komponistin. International gerühmt als eine der größten Violin-Virtuosen des 18. Jahrhunderts führt sie als Mitglied des Waisenorchesters ein recht modernes Leben mit einer Berufsausbildung, eigenem Geld und Karriere. Auch die Schattenseiten etlicher Frauenschicksale werden beschrieben neben dem pulsierenden, bunten Alltagsleben auf den Kanälen und in den Palästen. Historisch wichtige Persönlichkeiten dieser Epoche wie Medici, Casanova, Rousseau oder Komponisten wie Corelli, Tartini, Vandini und Lotti finden Erwähnung in dieser fiktionalen Geschichte mit wahren Lebensdaten der Anna Maria della Pietà in dieser Republik der Musik. Der Schreibstil gefällt und wird lebendig durch viele Details.
Ein interessantes Zeitzeugnis!

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